Eine Dorfbeiz im allerbesten Sinn

Darf man ein Restaurant Beiz nennen? Nein, das sei abwertend, findet der Pächter des Gasthofs Rössli in Etzelkofen. Er ärgerte sich einmal fürchterlich über diese Zeitung, die im Zusammenhang mit seinem Lokal das B-Wort verwendete. Dabei war das nett gemeint: Etzelkofen, so hiess es im Artikel, habe zum Glück noch seine Dorfbeiz. Die Besseresser finden die Bezeichnung Beiz nicht per se negativ. Für uns heisst das: Wir kommen in ein Lokal ohne Schnickschnack, in dem man sich wohl und als Stammgast vielleicht sogar etwas daheim fühlt.

Willkommen fühlen wir uns im Rössli sofort. Die freundliche Frau im Service sagt, wir sollten nur in Ruhe noch an der Sonne unser Burgdorfer Bier trinken und könnten später an unseren Tisch im Stübli umziehen. Wir machen es uns also vor dem stattlichen Bauernhaus aus dem Jahr 1738 gemütlich. «Fernab von Hektik» wirbt das Rössli um Gäste. Wie wahr! Ein Traktor rumpelt über die Kreuzung, dann ist fast 10 Minuten Ruhe, bis der RBS-Bus um die Kurve kommt.

Fast zu ruhig finden wir es im Stübli, wo nur noch ein Tisch besetzt ist. Wo sind all die anderen, die gerne einfach, aber gut essen? Denn so kommt die Küche im Rössli daher: Lokale und saisonale Produkte werden sorgfältig verarbeitet.

Der Gruss aus der Küche ist ein Rübensüppchen mit einem Löffel Linsensalat und etwas Rohschinken. Die Spargeln aus der Region bestellen wir zur Vor­speise als Salat (13 Fr.). Sie haben dank Himbeerdressing und ­Erdbeeren einen fruchtigen Touch. Auch der Ziegenkäse im Nussmantel mit jungem Spinat (14 Fr.) ist ein gelungener Auftakt. Besonders angetan sind wir vom knusprigen Brot, das hausgemacht ist.

Es wäre allerdings schade gewesen, sich schon mit Brot satt zu essen, denn auch mit den Hauptgängen sind wir zufrieden. Die weissen Spargeln mit Pouletbrust (24 Fr., unten im Bild) sind zart, die hausgemachte Hollandaise ist frisch und nicht zu schwer. Für den zweiten Hauptgang brät uns der Koch sogar eine Extrawurst: Im Internet hatten wir gesehen, dass es Morchelsauce gibt. Auf der Karte stehen Champignons. «Wir haben noch Morcheln für eine Portion», heisst es nach Rückfrage in der Küche. Die Sauce kommt zu Pouletgeschnetzeltem und mit einer Rösti. Diese ist für unseren Geschmack etwas gar knusprig gebraten.

Schade finden wir nach diesem Abend nur eines: dass nicht mehr Gäste in dieser wunderschönen Dorfbeiz waren, in der jemand sein Handwerk versteht und sich grosse Mühe gibt.

Rössli Etzelkofen, Brunnen­thalstrasse 2, 3306 Etzelkofen. Tel. 031 765 52 56. Mo und Di geschlossen. 

Die Quittung
Auf dem Tisch: Saisonkarte mit regionalen Produkten wie Spargeln aus der Region. Klassiker wie Kalbsleberli (Mi und Do).
Abgerechnet: Faire Preise.
Aufgefallen: Verkauf von hausgemachten Produkten.
Abgefallen: Am Stammtisch stieg der Alkoholpegel und sanken die Hemmungen. Als die Männer plastisch beschrieben, wie sie «z’Bärn obe» aufräumen würden, fragten wir uns, welche Entspannungstechnik die Frau im Service anwendet, um das so gelassen aushalten zu können.