Lorbeeren fürs Lorbeerblatt

Ein neues Gewächs spriesst ge­genüber dem Botanischen Garten in Bern: Bay heisst das Restaurant, auf Deutsch Bucht oder Lorbeer(-blatt). Noch sind seine Wurzeln zart, erst seit gut einem Monat gedeiht es hier. Aber weil Gastroprofis dahinterstecken, erklären die Besseresser die Schonfrist für beendet und ­­ re­servieren einen Tisch.

Wir haben noch keinen Schluck getrunken und keinen Bissen gegessen und sind doch schon entzückt. Das zweistöckige Lokal scheint über dem Hang zu schweben. Durch bodentiefe Fenster blickt man in die Baumkronen und hinunter auf die grüne Aare. Auch im Inneren ­dominieren Grüntöne und ­Naturmaterialien. Ein schickes Gewächshaus!

Zum Glück ist das Bay nicht nur hübsch anzusehen. Auch der Service fällt uns von Anfang an positiv auf. «Ich bin hier, um zu arbeiten, Sie sind hier, um zu geniessen», gibt die junge Frau gleich zu Beginn des Abends den Tarif durch. Wir sollen uns davor hüten, selber Wein nachzuschenken, sagt sie. Na dann. Wir lehnen uns zurück und ­geniessen den von ihr empfohlenen Weissen, einen «Heide­boden» aus dem Burgenland.

«Modern Brasserie» nennt sich das kulinarische Konzept des Bay. Das finden wir etwas ­gestelzt, müssen aber später zu­geben, dass es die Küche recht treffend umschreibt. Auf der ­Karte stehen alte französische Bekannte, die aber sanft abgeändert werden. So wird der Entrée­klassiker Chèvre chaud nicht bloss auf Salat gelegt, sondern als Ziegenkäsemousse mit einem Rand aus Brickteig serviert (oben im Bild). Zarte Salatblätter und Randen an Waldhonig vervollständigen diese gelungene Vorspeise (18 Fr.).

Einen Brasserie-Best­seller wählt der eine Besseresser auch beim Hauptgang: Coq au Vin (39 Fr.). Im Bay ist das Hühnchen «blanc», also in Weisswein gekocht, und hat eine leicht asiatische Note. Überraschend und geschmacklich intensiv ist die Gemüsebeilage zur zweiten Hauptspeise: Blumenkohl in zwei Variationen wird zu Lammrücken (43 Fr.) und Estragongnocchi serviert. Einmal wurde das Gemüse püriert, einmal die Röschen ganz gelassen.

Inzwischen ist das Restaurant fast bis auf den letzten Platz gefüllt, unsere Rotweingläser sind dafür leer. Weil im Service wirklich alle rennen, schenken wir selber nach – was unsere ­ Be­dienung aber sieht und herbeieilt. Wenn wir wirklich arbeiten wollten, sagt sie, könnten wir sonst später gern abwaschen.

Wir bestellen lieber noch ein Dessert. Auch im süssen Bereich ist das Bay eine «Modern Brasserie»: Es gäbe auch vegane ­Desserts. Brasserie und vegan bringen wir aber beim besten Willen nicht zusammen und wählen die sündigen Originale. Profiteroles (14 Fr.) und Vanillebaiser mit Kokosglace (13 Fr.) Beides formidable. Am Ende ­haben wir auch das einzige Problem gelöst, das wir an diesem Abend hatten: wer am Zweiertisch die tolle Aussicht geniessen darf. Wir kommen einfach wieder und tauschen die Plätze.

Restaurant Bay, Hodlerstrasse 16, 3011 Bern, Tel. 031 311 16 66.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Französische Küche. Brasserieklassiker kommen etwas leichter auf den Tisch als üblich.
Abgerechnet: Sicher nicht supergünstig, aber wir fanden die Preise angemessen.
Aufgefallen: Das wunderschöne Geschirr.
Abgefallen: Wenn wir richtig geschaut haben, kann man an der Bar zwar hippes Bier aus den USA oder Schweden bestellen, aber (noch) keines aus Bern.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.