Mein Wein: Leonardo Nigro über den Wein seiner Kindheit

Als Heinz in der TV-Serie „Seitentriebe“ hat Schauspieler Leonardo eher Bier getrunken. Doch eigentlich ist er ein Wein-Kind. Das ist folgendermassen zu verstehen:

Bild: zvg

«Denke ich an Wein, denke ich an Primitivo. Primitivo di Manduria. Nicht nur unbedingt wegen seines Geschmacks, sondern vor allem wegen meiner Herkunft: Ich bin in Apulien geboren, im Spital von Manduria. Später sind wir in die Schweiz ausgewandert, aber die Ferien verbrachte ich in Süditalien. Ich habe wunderschöne Erinnerungen, wie unser Nonno mit uns Trauben gepflückt hat und wie ich dann in diesen Fässern herumgestampft bin. Das war lässig, weil wir dabei so dreckig werden durften.

In meinem Heimatdorf Avetrana trifft man sich selten auf ein Glas Wein. Viel eher auf einen Apéro oder Digestif, Martini und Aperol oder einen Espresso. Wein kommt beim Essen auf den Tisch und verschwindet wieder im Kühlschrank, sobald der zweite Gang zu Ende ist, also das Besteck weggeräumt wird. Zu Früchten oder Käse gibt es Limoncello oder Grappa. Es kauft niemand Wein in Flaschen, weil alle eigene Trauben haben. Wenn die Zeit reif ist, bringt man diese zum Consorzio, also zur Sammelstelle der Genossenschaft, wartet, bis der Wein fliesst, und verabschiedet sich wieder. So einfach geht das.

Mein Vater lebt wieder in Süditalien. Wer meinen Original-Lieblingswein kaufen will, müsste also bei ihm vorbeischauen. Zu Hause trinken wir übrigens fast nie Rotwein, ausser wenn wir Gäste haben. Wein ist zum Geniessen da und nicht, um sich zu betrinken.»

Leonardo Nigro, Schauspieler, empfiehlt zum Beispiel: Primitivo di Manduria, z. B. Primitivo di Manduria Cantina Giordano DOC 2015, bei Coop, www.mondovino.ch, 12.70 Fr.

In der Rubrik «Mein Wein» verraten prominente Personen ihre Lieblingsweine und andere weinselige Geschichten. Dieser Text erschien ursprünglich in der SonntagsZeitung

(Titelbild: SRF)