Berner Köchinnen: Gefüllter Schokoladecake

Es ist das erste Mal, dass die Berner Köchinnen lieber ein moderneres Kochbuch hätten.

Gefüllter Schokoladecake heisst er und erinnert an Kuchen, die es bei Grossmutter zum Zvieri gab. Also wenden wir – mit zwei Ausnahmen – Grossmutters Techniken an. Wir reiben Zwieback und Schokolade von Hand (ja, wir haben uns wieder von der Sehnenscheidenentzündung erholt), geben keinerlei treibende Pülverchen wie Natron oder Backpulver hinzu und buttern brav die Cakeform aus.

Auf die Alufolie, mit der die Form ausgebettet werden müsste, ­verzichten wir. (Alu? Als Alu­sammelweltmeister? Nö.) Dafür mehlen wir sie aus, weil wir grundsätzlich zu faul sind, um Backpapier zurechtzuschneiden.

Reiben bis Entzündung: Schokolade an der Raffel. (Bild: nk)

Bei schwacher Hitze, heisst es im «Berner Kochbuch», «¾–1 Stunde» backen. Es ist ein bisschen weniger, und zwei Cupcakes, die wir dazu noch machen (nicht grossmutterlike, we know), brauchen gar nur ungefähr 25 Minuten.
Das Resultat treibt uns fast die Tränen in die Augen. Ein kümmerlicher Cake ohne den Hauch von Eleganz (die wir bei «Gefüllter Schokoladecake» dann eben doch irgendwie erwartet hatten). Im Kopf überlegen wir schon einen Notfallplan, denn wir wollten doch glänzen auf dem Fest! Mit einem Kuchen!
Nun, es gilt ja noch, die Füllung zu machen: Butter, Eigelb, Staubzucker, Schokolade. Hier nehmen wir uns die Freiheit, die Eigelbe wegzulassen (Ausnahme Nummer zwei). Grossmutter möge uns verzeihen, aber sie hatte auch noch nicht so richtig mit Salmonellen zu kämpfen. Statt Eigelb mästen wir also die Masse mit Butter und Doppelrahm, bis sie auf der Kelle liegt wie ein ganz besonders gelun­genes Cupcake-Topping. Wir schneiden den Cake entzwei und schmieren so viel von dieser Traummasse auf die eine Hälfte, dass gar nichts mehr für den Guss übrig bleibt. O weh. Also nochmals eine schoggige Masse mischen, dieses Mal wird sie etwas flüssiger.
Und dann sieht unser Werk ganz okay aus. Und ist ein Gedicht («Ist das eine Sachertorte?» ist das grösste Kompliment, das wir hören). Trotzdem. Zwieback reiben, Schokolade auch, Eigelbe austauschen, nicht wissen, wie lange der Kuchen nun wirklich im Ofen sein muss – uns dünkt, die Backwissenschaft habe Fortschritte gemacht. Für einmal ziehen wir das nächste Mal nicht mehr das «Berner Kochbuch» zurate, sondern etwas Moderneres.

Max Spring

Die Redaktorinnen Stefanie Christ und Nina Kobelt arbeiten sich als «Berner Köchinnen» durch das «Berner Kochbuch». Will heissen: Sie kochen JEDES einzelne Rezept aus der 1996er Auflage des Basiswerks, herausgegeben vom Schulamt der Stadt Bern. Dazu gehört auch Kalbshirn.

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