Auf einen Seitensprung

Wer mit mir ausgeht, weiss, dass ich neue Orte mag. Das ergeht auch den Gastronomen Susana Canonica und Tobias Roder so, weshalb sie den «Seitensprung» erfunden haben. Sie ermutigen die Gäste, nicht immer nur im Stammlokal zu bleiben, sondern mal fremdzugehen und eine andere Bar zu besuchen. Den Seitensprung gibt es seit fünfJahren, und nun wird er neu lanciert. Für Samstag haben alle 13 Lokale, die beim Seitensprung mitmachen, etwas Besonderes auf die Beine gestellt, von Konzerten bis Küsschen steht einiges auf dem Programm.

Der Seitensprung ist im Prinzip ein Kärtli, das von 13 Lokalen abgestempelt wird, wenn man dort ein Getränk konsumiert hat. Man kann dies über Monate tun, oder man besucht alle Bars an einem Tag. Genau das habe ich mit einer Freundin getan:

1. Wartsaal, Lorrainestrasse 15, 3013 Bern

Bild: Claudia Salzmann

Ich starte in meiner «Hood», in der Lorraine. Im Wartsaal bestelle ich einen Cappuccino und werde schon nervös, ob es für alle Lokale reichen wird. Also los, runter mit dem Kaffee und raus aus der Comfort-Zone.

2. Ida, Schwarzenburgstr. 25, 3007 Bern

Foto: Claudia Salzmann

Die Bar kannte ich nicht, dabei gibt es sie schon seit anderthalb Jahren. Hinter der Theke stehen Marina und Sandra. Die beiden haben das Lokal wegen ihrer Urgrossmütter so getauft. Wir setzen uns nach draussen auf eines der begehrten Stühlchen, fühlen uns neben der Bushaltestelle sehr urban und prosten aufs Leben.

3. Zar, Pestalozzistr. 9, 3007 Bern

Wir radeln einmal quer durchs Quartier, und schon sind wir in der Zarbar. Das Terrässchen ist voll. Drinnen fühlen wir uns wie in einer dunklen, heimeligen Bar in Neukölln. Lara und Oli haben echt ein Händchen dafür, eine coole Bar zu führen. Nach dem Egger und dem Leermond schwingen wir uns wieder aufs Velo.

4. Piazza-Bar, Hirschengraben 11, 3011 Bern

Hier haben wir zu unserer Schande nichts getrunken, sondern sind nur vorbeigeradelt, um am Bahnhof den Zug ins Wankdorf zu nehmen. Seit vier Jahren führt der 35-jährige Michele Graniello die Piazza-Bar. Und er hat ein neues Konzept mit Rockkonzerten, Hip-Hop-Sets und Salsa-Abenden. Und jedes Mal, wenn ich vorbeifahre, ist die Bar rappelvoll.

5. Freibank, Stauffacherstrasse 82, 3014 Bern

Foto: Claudia Salzmann

Das nigelnagelneue Restaurant macht am Samstag extra für den Seitensprung auf, denn eigentlich ist es nur unter der Woche offen. Als wir ankommen, sorgt ein wunderbares Abendrot für ein Schauspiel am Himmel. Drinnen wie draussen sind Gäste, hinter der Bar präpariert Adrian Wittwer gerade ein Fleischplättli. Wir können uns kaum beherrschen, nicht auch eines zu bestellen, aber bleiben beim Getränk, damit wir nicht Zeit verlieren.

6. Ô Capitaine, Herzogstrasse 12, 3014 Bern

Mit Bernmobil und einem kurzen Marsch durch den Breitsch kommen wir in Frankreich an oder genauer im Ô Capitaine. Auch da ist das Militär, das heute Ausgang hat. Die Welschen haben die Bar für sich beansprucht, uns ist das egal, da die Temperatur immer noch lauschig ist. Wie es sich für Südländerinnen gehört, bestellen wir hier Rosé.

7. Adrianos, Theaterplatz 2, 3011 Bern

Das beliebte Adrianos ist immer einen Stopp wert. Zu jeder Tageszeit sind hier Gäste, es gibt gute Zeitungen, feinen Kaffee und coole Baristas. Heute gibt es ein Adriano-Bier und ein Berner IPA. Morgen gibt es hier für Seitenspringer ein Küsschen dazu, hoffentlich von Adrian höchstpersönlich.

8. Alpin, Gerechtigkeitsgasse 19, 3011 Bern

Schon lange ist es dunkel geworden und somit höchste Zeit für eine Kellerbar. Mit dem Bus fahren wir zur Nydeggbrücke und tschalpen einige Meter wieder hoch. Das Alpin hat Stil und ein hübsches Kämmerchen. Langsam bekommen wir Hunger und nehmen noch einmal die Karte in die Finger, um zu planen, wo es wohl am besten ist fürs Essen. Der Fall ist klar.

9. Volver, Rathausplatz 8, 3011 Bern

Für Tapas und einen Drink wollen wir ins Volver. Susana Canonica und ihre Kollegen haben das Lokal vor gefühlten 1000 Jahren aufgemacht, und seither ist das Lokal irgendwie immer voll. Ich würde gerade viel dafür geben, um die Pulpos zu essen, aber wir sind etwas unter Zeitdruck. Also gibt es nur ein Foto, und wir sind wieder draussen.

10. Marta, Kramgasse 8, 3011 Bern

Eigentlich ist die Bartour so, als würde man in der gleichen bleiben, nur einfach mehrere Runden bestellen. Wir laufen, warten, steigen Treppen und treten in immer wieder neue Lokale ein. Wir reden dabei ununterbrochen weiter, da wir uns lange nicht gesehen haben. Und in der Marta bleiben wir an der Bar stehen, essen Scones und trinken das Seitensprung-Bier mit dem Barkeeper Steph.

11. Einstein, Kramgasse 49, 3011 Bern

Die Scones waren nur die Vorspeise, in der gleichen Gasse ist das Einstein, wo wir uns ein Plättli genehmigen. Durst haben wir keinen mehr, aber so kurz vor dem Ziel geben wir nicht auf.

12. Colonial, Kornhausplatz 11, 3011 Bern

Meine Freundin verabschiedet sich, und ich gehe noch in die Colonialbar. Draussen steht Adrian, der Chef. Die Donnerstagnacht ist richtig in Fahrt. Hier rund um den Kornhausplatz ist einer meiner liebsten Orte, hier fühlt sich Bern richtig gut an.

13. Lehrerzimmer, Waisenhausplatz 30, 3011 Bern

Den Abschluss habe ich nicht sehr clever gewählt, da im Progr gerade das Kurzfilmfestival Shnit stattfindet. So viel Trubel gibt mir den Rest, und ich gehe heim. Für den Seitensprung empfiehlt sich viel Zeit. Am besten man startet mit einem Fahrrad und kauft sich eine Tageskarte von Bernmobil. Hat man erst mal die Quartiere abgeklappert, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Viel Vergnügen!

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