Der Appetit kommt beim Treppensteigen

Der Aufstieg aufs Guggershörnli, den markanten Nagelfluhbrocken oberhalb von Guggisberg, ist kurz, aber in der plötzlich doch warmen Sonne schweisstreibend. Die prächtige Aussicht lässt dann alle Mühe vergessen. Nach einer 360-Grad-Geografielektion machen wir uns gemächlich an den Abstieg Richtung Restaurant Sternen in Guggisberg. Dessen damaliger Wirt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die erste Treppe auf den Gipfel des Guggershörnli gebaut, wohl um seinen Gästen genügend Appetit zu machen. Auch wir haben Hunger. Auf der Karte finden wir eine stattliche Anzahl Wildgerichte, passend zur Saison.

Die Besseresser entscheiden sich für Suppe zu Beginn: eine Kürbissuppe und eine Weissweinkräutersuppe mit Preiselbeeren (beide 12 Fr., letztere im Bild). Nach dem Gruss aus der Küche, einem griechischen Salätchen, werden sie vom freundlichen Service zügig gebracht und entpuppen sich als Portionen, für die man weiter als bis aufs Guggershörnli gewandert sein müsste. Die Preiselbeeren in der leckeren Weinsuppe sind durch ihre Säure etwas gewöhnungsbedürftig – einige weniger hätten es für die Besseresserin auch getan.

Beim Hauptgang kann sich nur die eine Hälfte der Besseresser für Wild erwärmen: für Wildschweinfilet an Kirschencassissauce (39 Fr., oben im Bild). Die andere Hälfte wählt einen der Sternen-Klassiker: Ein grilliertes Gantrischbeef-Entrecôte mit Stroganoffsauce und Kartoffelgratin, auf der Karte zu finden als Simelibärg-Teller (45 Fr., unten im Bild). Auch hier sind die Portionen grosszügig bemessen, die Bedienung erkundigt sich sogar, ob man noch extra Sauce haben möchte.

Das Wildschweinchen harmoniert bestens mit der säuerlichen Sauce und wird begleitet von einer üppigen Garnitur mit Rotkraut, klitzekleinem Rosenkohl, einer Auswahl an Früchten und feinen hausgemachten Spätzli. Auch die Kombination von Entrecôte und Stroganoffsauce vermag zu überzeugen. Danach sind wir eigentlich pappsatt, dennoch bestellt der Besseresser noch die Dessertkarte.

Und nicht nur zum Gucken: Ein Coupe Joggeli – Pistache-, Schokolade- und Haselnussglace, garniert mit caramelisierten Nüssen (12 Fr.) rundet das Menü ab. Das Dessert ist so bemessen, wie man es sich in einem Ausflugsrestaurant zum Zvieri wünscht – nach einem üppigen Essen ist es zu viel.

Für die Verdauung spazieren wir noch einmal durch das Dorf und erfreuen uns am Sternenhimmel über dem Sternen.

Hotel-Restaurant Sternen, 3158 Guggisberg, Tel. 031 736 10 10.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Währschaftes, Selbstgemachtes und derzeit viel Wild.
Abgerechnet: Eher teuer, an- nähernd städtische Preise. Aufgefallen: Auch in der grössten Hektik scheint sich niemand von der Belegschaft an herumlaufenden und spielenden Kindern zu stören.
Abgefallen: Abends ist man von auswärts fast gezwungen, per Auto nach Guggisberg zu kommen – das letzte Postauto fährt kurz vor 20 Uhr (an Wochentagen immerhin erst kurz vor 21 Uhr).

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