Koreanischer Abend im Chun Hee

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Unlängst schnappten die Besseresser einen Spruch auf. «Es gibt nicht gute und schlechte Beizen, es gibt nur Beizen, die laufen und solche, die nicht laufen», sagte einer. Dies kommt uns in den Sinn, als wir das Chun Hee betreten, ein kleines Lokal an der Münstergasse, wo koreanisch gekocht wird. Das Chun Hee läuft. Bei der Vorreservation wurde den Besseressern beschieden, dass sämtliche Plätze im ersten Stock ausgebucht sind. Nun, im Parterre – ein Schlauch –, wo es eine kleine Bar und kleine Tische gibt, konnten wir die letzten zwei Plätze ergattern. Auf dem runden Tischchen: eine brennende Kerze, Papierservietten und Holzstäbchen.

«Ich bringe Ihnen zuerst das da», sagt der nette Kellner und stellt ein Töpfchen mit hauchdünnen, schwarzen Folien hin. Die zerbrechlichen Dinger in der Grösse einer halbierten Kreditkarte sind frittierte Algen-Chips. Wir spülen sie mit einem koreanischen Bier namens Hite runter. Nun gehts zur Speisekarte. Pajeon, Japchae, Kimbap und Mandu heissen die Vorspeisen. Mandu sind Teigtaschen, wahlweise mit Fleisch oder Gemüse. Hinter der Theke werden sie frisch zubereitet, und in die Sojasauce getaucht munden sie gut. Als Hauptgang wählen wir Jjigae. Noch nie gehört. Es ist ein Eintopf mit Rindfleisch, Tofu, Kartoffeln und Gemüse. Das zweite bestellte Gericht trägt auf der Speisekarte keinen koreanischen Namen.

Es heisst schlicht «Poulet koreanisch». Dazu werden Reis, Sojasprossen, geraffelte Karotten und Rettich aufgetischt. Da sich die Besseresser selten bis nie in Korea aufhalten, können sie keine Vergleiche mit der koreanischen Küche anstellen. Das Gebotene schmeckt uns aber gut. Einzig, wir hätten es eine Spur rassiger, schärfer erwartet. Was das Trinken anbelangt, kann man im Chun Hee in Europa bleiben. Die Weine kommen aus Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz.

Das Chun Hee ist ein Lokal von Unkomplizierten für Unkomplizierte, wo es familiär zugeht, wo man schnell mit Gästen ins Gespräch kommt und auch das Personal für einen Schwatz zu haben ist – obschon es läuft und läuft und läuft.

Chun Hee, Münstergasse 39, 3011 Bern. Dienstag bis Samstag, 11.45 bis 23 Uhr. 031 311 26 96.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Koreanische Spezialitäten, aber auch ein Rindsfilet aus dem Emmental. Mittags ein Menü sowie Take-Away.

Abgerechnet: Moderate Preise, etliche Hauptspeisen unter 30 Franken.

Aufgefallen: Das gemütliche Stübli im ersten Stockwerk, die freundliche Bedienung.

Abgefallen: An die kleinen, runden Tischchen im Parterre sollten sich zum Essen nur die ganz Schlanken setzen.

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