Friss, oder: Fahr doch einfach nach Budapest!

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Am Flughafen musste ich ein erstes Mal starren. „Friss!“ schreien die Verpackungen von Sandwiches einem entgegen, und natürlich möchte man das gerade nicht tun, weil man ja weiss, sie schmecken, die Dreieck-Brötchen, und das hier ist Budapest, ist das etwa bekannt für Sandwiches? Überhaupt, stellt man sie nicht selber her, bleibt die Variante „aus dem Kühlschrank“ und lieblos, und das ist dann eben meistens nicht so gut, egal wo auf der Welt. Diese hier sind zumindest frisch, sagt die Verpackung, denn friss heisst frisch.

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Natürlich kann man der ungarischen – wie auch keiner anderen – Küche in einem kurzen Post auf einem Foodblog nicht gerecht werden. Ein Versuch trotzdem: Da ist eine Menge Paprika, eine Menge Fleisch und eine Menge Fett.

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Kochkurs im Anker’t.

Wer nun selber kochen will, bucht einen Kochkurs in Pest (denn dort findet das Leben statt). Ich war bei Underguide Budapest (nicht abschrecken lassen von der Website, einfach bei contact us eine E-Mail auf Deutsch schreiben, man wird Sie dort verstehen), die im wunderschönen Innenhof des Pubs Anker’t Grundkenntnisse vermitteln. Kochen durfte man auch, ich war in der Gruppe Gulaschsuppe, die, als es zur Prämierung ging, den dritten und letzten Rang belegte (hinter Gulaschsuppe Nummer 2 und dem ungarischen Ratatouille, das mit vielen, vielen Eiern versehen wird). Hier eines von vielen Rezepten, denn natürlich scheiden sich die Geister, was in die richtige Gulaschsuppe soll.

Ca. 500 g Rindfleisch, 1 Zwiebel, 2 – 3 Knoblauchzehen, Öl, Salz und Pfeffer, 1 EL Tomatenmark, 1 TL Paprikapulver, edelsüss, 1 TL Paprikapulver, scharf, evtl. Kümmel, 2 dl Rotwein, 1¼ l Wasser, 2 kleine Lorbeerblätter, 300 g Kartoffeln

Öl heiss werden lassen, gewürfeltes Rindfleisch kurz und scharf anbraten, würzen. Zwiebeln, Knoblauch und Tomatenpüree mitdünsten, Paprika und Kümmel beigeben, ablöschen. Lange, mindestens aber 45 Minuten, köcheln lassen, dann Kartoffeln beigeben und noch einmal köcheln.

Natürlich schmeckt die Suppe nicht nur im Winter, sondern auch an heissen Sommertagen. Vor allem, wenn sie draussen zubereitet wird!

Wer cool sein will, fragt im Restaurant: Ist es scharfes oder süsses Paprika?

Und wer cool ist, geht in Budapest im Distrikt 7 essen. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Erzsébetváros das Zentrum der jüdischen Gemeinde. Heute finden sich dort die Ruinenpubs (leer stehende Häuser werden zu einer Bar umfunktioniert). Eines davon ist Szimpla Kert, dessen Besuch sich auch am Sonntagmorgen lohnt: Dann ist Markt, einer, der von Einheimischen besucht wird. Dort gibt es auch alles zu kaufen, Käse, Gemüse und Paprika.

Wer keine Lebensmittel herumschleppen will, trinkt an der Bar erst mal einen vorzüglichen Espresso. Und dann vielleicht ein Bier. Oder einen Schnaps!

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Hört man sich um, gibt es unzählige Tipps, wo man essen kann, jeden Tag scheinen neue Restaurants und Gastropubs zu öffnen. Es gibt immer mehr Bierbrauereien, Food-Trucks und Pop-up-Bars. Schwierig also, sich in Budapest nicht (gastronomisch) zu amüsieren. Zwei Lokale seien hier noch erwähnt, ich konnte sie dem Guide entlocken, was einigermassen schwierig war, denn das offizielle Touristenbüro propagiert keine Studentenlokale, in denen man Wein im Glas (nicht in der Flasche!) kaufen kann und in denen man alles probieren kann, bevor man isst. Etwa im Restaurant „M“, das natürlich im 7. Distrikt liegt (Kertész u. 48). Nebst Craft Beers sind Veganer ziemlich im Trend, und hier gehen sie hin: Vegan Love (Bartók Béla út 9).

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Über den Dächern von Budapest: In der 360 Bar.

Und überall in der Stadt: farbenfrohe Drinks. Mit und ohne Alkohol. Diesen hier hab ich in der famosen 360 Bar bekommen, zugegeben, ein Ort, an dem es eigentlich egal ist, was serviert wird, so ungewöhnlich, so faszinierend die Location. Und so zauberhaft ein simples Glas.

Und weils grad so schön ist:

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Alkoholfrei im Anker’t.

Eher traditionell ist das Pierrot im Burgquartier – ungarische Küche mit französischer kombiniert. Das Essen ist vorzüglich, das wissen auch Roger Moore, Antonio Banderas, Jeremy Irons und Robert De Niro, die hier schon gespeist haben, die Weine süffig, der Barsch aus dem Balaton (Plattensee) zart und der Garten ein Traum. Der Grund aber, warum ich das Pierrot nie vergessen werde, ist dieses Schokoladentörtchen. Es taucht in meinen Träumen auf, und ich esse es immer und immer wieder.

schoLetzte Woche übrigens war in Budapest Sziget Festival. Sziget heisst Insel auf ungarisch, und diese eine Donauinsel Óbudai-sziget, verwandelte sich wie jedes Jahr in einen riesigen Jahrmarkt – es ist das grösste Festival Europas. Das heisst: Musik ohne Ende, Theater, Tanz und tausend andere Dinge gibt es zu entdecken. Und das Essen, jesses! Während wir ja ein bisschen enttäuscht waren, wie langweilig und immer gleich die Essstände am Gurtenfestival waren, könnte man sich hier sieben Tage lang ohne Unterbruch den Bauch vollschlagen – und man hätte doch nie dasselbe probiert (fairerweise muss man auch darauf hinweisen, dass das Sziget das Vierfache an Besuchern pro Tag verzeichnet). Also, liebe Gurtenveranstalter, hier nur ein Bruchteil der guten Ideen, wie man ein Festival auch esstechnisch interessanter gestalten könnte:

 

 

 

 

1 Kommentar zu «Friss, oder: Fahr doch einfach nach Budapest!»

  • feri sagt:

    Ja liebe Leute geht hin nach Budapest und lernt etwas, könnt ihr in der Schweiz sicher gebrauchen,absolut spitze die Gastronomie! Übrigens Ungarn stellt den besten Koch Gewinner Boucuse d`Or 2016, Tamas Szell aus Budapest. http://www.onyxrestaurant.hu /
    Auch sonst hat die Stadt viel zu bieten, besonders auch das Nachtleben, Party!
    Im jüdischen Viertel geht die Post.
    Esse oft für nur Fr. 20.- im Trofea Grill Restaurant mit allen Getränken inklusive Sekt à discretion. http://www.trofeagrill.eu/de
    I Love BP

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