Bern, fast Brooklyn

Letzthin vermisse ich gerade Brooklyn, als jemand fragt: «Wer kommt später in die Brookly?» Ich werde hellhörig. Eine illegale Bar? Nichts da, die Stadt hat für sieben Abende eine Cocktailbar unter der Lorrainebrücke bewilligt.

Wir gehen also hin, einfach vom Uferweg in den Botanischen Garten rein, nach der Treppe links dem Weglein unter die Brücke folgen, und dort steht sie, die Brookly Bar. Die Idee dafür hatte Zoi Moutsokou (28): «Ich wollte einen Ort haben, an dem man an Sonntagen Cocktails trinken kann.»

Die Einrichtung ist vom Brocki, und aus der 20-Franken-Box klingt Vinyl-Sound. An der Wand hängt ein grosses Schild «Cocktails for poor people», serviert werden sie in hohen Konservendosen, und in allen sechs Drinks sind Kräuter drin, die auch im Boga wachsen, was sich den Namen wie Thymargarita entnehmen lässt. Moutsokou hat ihr Atelier im Progr für zwei Wochen in eine Küche verwandelt und hat fünf verschiedene Bitter hergestellt, die nun jedem Cocktail das gewisse Etwas geben. «Das ist alles nur zum Spass, wir könnten niemals eine Bar im normalen Leben führen», erklärt die gebürtige Griechin und lacht. Der Rekord an Cocktails schätzt sie derzeit auf 200 an einem Abend.

Mit dabei ist unter vier weiteren auch Roland Fischer, den man vom «Mad Scientist Festival» kennt. «Wir wollen mit unserer Bar auch zeigen, dass es nicht ein Bellevue braucht, um Cocktails zu servieren. Das geht überall», erklärt der 41-jährige Wissenschaftsjournalist. Den Platz unter der Brücke haben die beiden im Frühling bei einem gemeinsamen Spaziergang entdeckt. Auch dabei: Bruno Kohli von der Crêperie La Chouette in Bern und Andreas Egli vom Zeppelin (Bern). Das letzte Mal mixen sie unter dem Brookly am Dienstag, aber sie denken schon an nächstes Jahr… (Bilder: Ephraim Bieri)

Zoi MoutsoukuUnter der LorrainebrückeRoland FischerSelbergemachte BitterCocktails für arme LeuteBrookly BarSchallplattenmusikEine Bar auf Zeit22 Uhr die letzte RundeAm Dienstag das letzte Mal

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