Logo

Das sind die Lieblingsbücher der Zürcher

Von Linus Schöpfer, 23. Januar 2015 6 Kommentare »
Ein Blick in die Datenbank der Pestalozzi-Bibliotheken zeigt, welche Bücher besonders begehrt sind.
Stichworte:, ,

Die Pestalozzi-Bibliotheken sind für viele Zürcher Leser die erste Anlaufstelle bei der Büchersuche. An 15 Standorten können sie 291’460 Bücher ausleihen. Doch was nehmen sie mit nach Hause?

Bei den Erwachsenen fällt die prominente Platzierung eines sperrigen, anspruchsvollen Autors auf. Lukas Bärfuss rangiert mit seinem Roman «Koala», in dem er den Suizid seines Bruders verarbeitet, auf Platz 2 der 2014 meistausgeliehenen Bücher. Für dieses Werk erhielt Bärfuss jüngst den Schweizer Buchpreis. Besser klassiert als der Thuner ist nur Bestseller-Autor Martin Suter mit einem Allmen-Krimi. Auf Platz drei folgt Guilia Enders’ «Darm mit Charme», der grosse Überraschungserfolg unter den Sachbüchern 2014. Die weiteren Plätze belegen Donna Leon (325 Ausleihen), Camilla Läckberg (317), Ingrid Noll (316), Graeme Simsion (303), Martin Walker (282), Jojo Moyes (276) und Henning Mankell (263).

top10_buecher_ew

 

Bei den Kindern war 2014 der Fall klar: Nur die Schweizer Klassiker «Papa Moll» und «Heidi» unterbrechen die Dominanz der Jeff-Kinney-Bücher. Der populäre amerikanische Zeichner prägt die Top Ten mit «Gregs Tagebüchern» (im Original: «Wimpy Kid» – «Erbärmliches Kind»).

Unbenannt-2

 

Bei den Kinder-Hörbüchern ist Altbekanntes sehr beliebt: Jörg Schneiders «Kasperli», die Teenie-Detektive von TKKG und der Pinguin der Nation, Pingu. Interessant: «Die drei !!!» haben als weibliche Adaptation ihre männlichen Vorbilder, «Die drei ???», erfolgreich abgelöst.

Unbenannt-3

 

Bei den Erwachsenen dagegen erfreuen sich die Audio-Ausgaben der heiteren Bücher des schwedischen Autors Jonas Jonasson besonderer Beliebtheit.

Unbenannt-4

Die Pestalozzi-Bibliothek bemüht sich seit einiger Zeit auch um ein Sortiment fremdsprachiger Bücher. Zum Beispiel Albanisch: Das meistausgeliehene Buch dieser Kategorie ist der Roman «Nderi» der jungen Autorin Elif Shafak. Auf Platz drei liegt bemerkenswerterweise eine Übersetzung von Haruki Murakamis «Norwegian Woods» (deutsche Übersetzung: «Naokos Lächeln»). Auf Platz eins der beliebtesten Bücher auf Tamil steht ebenfalls ein Roman: «Ponniyin selvan» von Kalki Krishnamurthy, der in den 1950ern entstand und fast 2500 Seiten dick ist.

1896 anlässlich des 150. Todestags des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi gegründet, versucht Zürichs grosse öffentliche Lese-Institution derzeit zwei Bibliotheksideale zu vereinbaren. So will sie einerseits weiterhin den Ansprüchen einer klassischen Volksbibliothek genügen: Bürger können die Bibliotheken besuchen und Bestseller und Romane der Schweiz und Deutschlands nach Hause nehmen. Der Blick auf die meistausgeliehenen Bücher zeigt, dass diese Funktion unvermindert die wichtigste ist.

Anderseits öffnet sich die Pestalozzi-Bibliothek gegenüber neuen Lesebedürfnissen, so etwa mit der 2009 eingerichteten interkulturellen Bibliothek Hardau, die die Entwicklung hin zur Multikulturalität und Mehrsprachigkeit berücksichtigt. In den nächsten Jahren wird die Bibliothek zudem ein wichtiger Gradmesser der digitalen Revolution: Ob sich E-Books als Trägermedium gegenüber dem herkömmlichen Buch tatsächlich durchsetzen, wird sich auch hier entscheiden. Heute beträgt der E-Books-Anteil erst ein knappes Prozent aller Bücher der Pestalozzi-Bibliothek.

6 Kommentare zu “Das sind die Lieblingsbücher der Zürcher”

  1. Giorgios Terzakis sagt:

    Ich verstehe den Sinn solcher Ranglisten nicht. Es gibt Bestseller, und es gibt Longseller. Die meisten dieser Bücher werden in 20 Jahren wieder vergessen sein. Dann kommen frische Schreiber, die für das kurzfristige Vergnügen zuständig sind. Unterhaltung ist austauschbar.

  2. markus sagt:

    Darm mit Charme – sollte Pflichtlektüre sein! Danach weiss man mehr Relevantes über seine Verdauung und damit Gesundheit als praktisch alle Aerzte! 🙂

  3. Adrian Wehrli sagt:

    Von EINER Bibliothek auf des Leseverhalten der Zürcher zu schliessen, ist, milde gesagt, Kaffeesatzleserei.

  4. Nala Bucherer sagt:

    Greg’s Tagebücher heissen im Original nicht “Wampy Kid” sondern “Diary of a Wimpy Kid”, wobei wimpy am besten mit “Feigling” übersetzt wird.