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Deutschschweizer Spitäler ziehen die Impfquote in den Keller

Von DB, 11. Januar 2015 Kommentarfunktion geschlossen
In den Schweizer Spitälern lassen sich im Schnitt nur 22 Prozent des Pflegepersonals gegen Grippe impfen. Unsere interaktive Karte lässt erstmals Vergleich zwischen den Kliniken zu.

Von Titus Plattner, Dominik Balmer (Text) und Alexandre Haederli (Infografik und Datenanalyse), «SonntagsZeitung»

Heute sammeln weder das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch der Spitalverband H+ systematisch Daten zu den Grippe-Impfquoten. In den USA oder in Frankreich gehören solche Zahlen längst zu den relevanten Qualitätsindikatoren der Spitäler, die auch für die Patienten zugänglich sind.

Mit der vorliegenden Karte macht die «SonntagsZeitung» nun erstmals die Quoten für die Schweiz zugänglich. Die Karte zeigt auch, welche Spitäler keine Zahlen erfassen oder sich nicht an der Umfrage beteiligt haben. Befragt wurden dafür alle rund 300 Spitäler, die beim Spitalverband H+ Mitglied sind. Die hohe Rücklaufquote bietet valide Daten: So umfassen die Resultate der Umfrage gut zwei Drittel aller Schweizer Spitalangestellten – das sind fast 90‘000 Personen. Klicken Sie in folgender Karte auf die jeweiligen Spitäler für detaillierte Informationen und Kommentare.

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Ebenfalls erhoben wurde, ob die Spitäler für die ungeimpften Angestellten eine Pflicht kennen, während der Grippesaison eine Maske zu tragen. Während mittlerweile drei Viertel aller Westschweizer Spitäler eine solche Pflicht kennen, gibt es in der Deutschschweiz kein einziges Spital mit einer generellen Maskentragpflicht auf allen Abteilungen. In der Deutschschweiz geben 8 von 64 Spitaldirektionen an, die Pflicht, während der Grippesaison eine Maske zu tragen, bestehe einzig für Risikoabteilungen wie die Neonatologie oder die Onkologie.

Frappant sind die Unterschiede auch bei den detaillierten Quoten: Während sich in den Deutschschweizer Kantonen nur gerade 16 Prozent des Pflegepersonals impfen lässt, sind es in der Westschweiz 32 Prozent. Bei den Ärzten indessen sind die Quoten ähnlich: 53 Prozent in der Westschweiz, 51 Prozent in der Deutschschweiz. Spitzenwerte erreicht das Spital Lavaux in der Waadt. In dieser Saison haben sich 78 Prozent der Ärzte und 66 Prozent des Pflegepersonals impfen lassen. In der Deutschschweiz hat die Spital Thurgau AG die besten Zahlen: 64 Prozent der Ärzte und 40 Prozent des Pflegepersonals sind geimpft. Die schlechtesten Quoten finden sich generell in der Zentral- und Ostschweiz. Hier betragen die Impfquoten teilweise weniger als 10 Prozent.

 

In der Schulmedizin herrscht ein breiter Konsens, dass es für die Spitäler wichtig wäre, eine möglichst hohe Grippe-Impfquote ihres Personals zu erreichen – denn so lassen sich Todesfälle in verhindern. Andreas Widmer, Präsident der Infektiologenvereinigung Swissnoso, geht davon aus, dass im Jahr 100 bis 300 Patienten an der Spital-Grippe sterben. Seine Schätzung basiert auf detaillierten Auswertung des Unispitals Genf. Betroffen sind in der Regel alte und schwache Patienten. Die Grippe kann aber selbst bei gesunden Erwachsenen Komplikationen hervorrufen.

Seit Jahren versucht das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Impfquoten des Spitalpersonals mit diversen Kampagnen zu heben. 2008 hatte das BAG eine Quote von 70 Prozent ausgerufen. Davon ist die Schweiz heute noch weit entfernt.