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Die Verlierer und Gewinner des Abstimmungsjahrs

Von Martin Wilhelm, 31. Dezember 2014 18 Kommentare »
2014 haben die Schweizer Stimmberechtigten über zwölf eidgenössische Vorlagen abgestimmt. Welche Parteien lagen mit ihren Parolen am meisten auf der Linie des Volkes?

An vier Abstimmungswochenenden haben die Schweizer Stimmberechtigten 2014 politische Entscheidungen auf Bundesebene gefällt. Zur Abstimmung kamen neun Volksinitiativen und drei Vorlagen des Parlaments, wobei es sich bei einer davon um einen Gegenvorschlag handelte.

Insgesamt sagte das Volk 2014 achtmal Nein. Keine der Parteien stand dabei immer auf der Siegerseite:

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Einige Muster lassen sich in der Grafik erkennen:

  • Es gab keine unheiligen Allianzen. Keine der Vorlagen wurde sowohl von links und rechts gleichzeitig unterstützt oder bekämpft, während die Mitteparteien gegenteilige Parolen beschlossen.
  • Zwei Initiativen wurden von den Parteien durchwegs abgelehnt: Die Ecopop-Initiative und die Gold-Initiative. Beide erlitten an der Urne auch deutlich Schiffbruch.
  • Erkennbar ist auch, wer die Oppositionsrolle einnahm: Die SVP unterstützte sowohl die Finanzierungsvorlage für die Bahn (Fabi) wie den Gegenentwurf zur Hausarztmedizin als einzige Partei nicht. Insgesamt vertrat die SVP bei fünf Vorlagen eine andere Meinung als alle anderen Parteien.
  • Bei vier dieser Alleingänge folgte die Mehrheit der Stimmberechtigten der SVP nicht und entschied anders als diese. Trotzdem verbuchte die SVP zwei Erfolge: Sie brachte ihre Masseneinwanderungsinitiative mit einer hauchdünnen Mehrheit durch – entgegen den Parolen aller anderen Parteien. Auch mit ihrer Unterstützung der Pädophileninitiative begab sich die SVP auf die Gewinnerseite: Wo alle anderen Parteien ausser der SVP und der BDP grosse rechtsstaatliche Bedenken hatten, sagte das Volk Ja.

Insgesamt ergibt die Zahl der Siege an der Urne ein schönes Abbild der parteipolitischen Verhältnisse:

Links die SP sowie die Grünen und rechts die SVP mit je 7 Erfolgen, in der Mitte die mehrheitlich bürgerlichen Parteien FDP, BDP, CVP und GLP mit je 9 oder 10 Erfolgen. GLP und BDP verdanken dabei ihre Spitzenposition in zwei Fällen einem Abweichen von der Linie der anderen Parteien in der Mitte: Die GLP lag bei ihrem Nein zur Beschaffung des Kampfjets Gripen auf der Linie der Mehrheit, die BDP bei ihrem Ja zur Pädophileninitiative.

18 Kommentare zu “Die Verlierer und Gewinner des Abstimmungsjahrs”

  1. Bernhard Scherer sagt:

    Lese regelmäßig die Berner-Zeitung. (In Deutschland gibt es keinen freien Journalismus mehr ) Bin erfreut das es in Europa noch ein Land gibt in dem die Bürger entscheiden dürfen was mit ihrem Land Passiert. Wir als deutsche Staatsbürger fühlen uns manipuliert und übergangen. Alles was nicht den Richtlinien der großen Parteien entspricht ist entweder Rechtsradikal oder ein Nazi.

  2. M.Andreas sagt:

    Welche Partei auch immer eine Abstimmung gewinnt oder verliert ist letztendlich unerheblich. Entscheiden ist, ob eine Abstimmung und deren Umsetzung zum Erhalt unserer Wirtschaftlichen sowie auch unserer Sozialen Stabilität beiträgt. Und zwar nicht nur über einige wenige Jahre sondern über das nächste Jahrzehnt. Und dass Sie fähig sind für eine konstruktive Politik der Umsetzung und sich NICHT gegenseitig blockieren.
    Daran messe ich den Erfolg oder Misserfolg all dieser Parteien gemeinsam.

  3. Müller Peter sagt:

    Eigentlich ein Artikel ohne Informationsgehalt. Wenn man in der Mitte politisiert, ergo nie extreme Positionen vertritt, gewinnt man nun mal am meisten Abstimmungen.

  4. Rene R. Meier sagt:

    Ein weiterer Beweis – unsem SVP steht dem Volk am nächsten.

  5. Laurent Meier sagt:

    Interessant wäre noch zu vermerken, wer der jeweilige Absender der Initiativen ist und ob die entsprechenden Initiativen angenommen wurden, für die GLP und BDP ist es natürlich ein leichtes, gemäss den Umfragewerten eine Parole zu beschliessen, man könnte dem auch Windfähnchen-Parolen sagen.

  6. Koller sagt:

    Es zaehlt nicht ob man gewinnt, sondern wo man steht.

  7. Stalder M. sagt:

    Und was fange ich jetzt mit dieser Auswertung an. Sind die Parteien jetzt besser für die Schweiz, die sich, nach ihrer Meinung, fragen, was ist gut für die Schweiz oder die, die sich fragen, was stimmt das Volk ab. Gibt es Parteien, die nichts bewegen wollen, die keine Vordenkeraufgabe übernehmen wollen, die einfach zu den Siegern gelten wollen. Ich hätte erwartet, dass die CVP am meisten Abstimmungen gewann, nein, die GLP und die BDP haben noch mehr Abstimmungen gewonnen. Die BDP, die grosse Wahlverliererin im Herbst 2015, Selber bringt sie nichts auf die Beine, keine Vordenkerrolle. Also weg damit. Leider ist die Demokratie immer etwas träge, so müssen wir sie noch 4 1/2 Jahre in Bern ertragen

    • bernhard moser sagt:

      @Stalder M. etwas mehr Demut bitte.
      Klar ist die BDP angeschlagen, aber ein angeschossenes Tier kämpft erst recht bis zum Ende.
      Ich rechne damit, dass die BDP evtl. nur 1 Sitz in Bern verlieren wird, dann vielleicht noch einen in Zürich. Mehr wird die BDP 2015 im Nationalrat wohl nicht verlieren. Die wirklichen Probleme für die BDP werden dann erst 2019 und 2023 kommen. Denn der Wähler wählt grundsätzlich nur Leute, die auch was im Parlament bewegen können und da die BDP, im Gegensatz zur GLP, nicht auf Kurs ist die 10% zu knacken, wird sie evtl. zum Wasserträger der CVP und so langsam verdursten.
      Aber noch hat die BDP die Möglichkeit des Ruder rumzureissen. Und spätestens nach dem Desaster in Bern sind die gewarnt und werden sicher kämpfen. Und hoffentlich nicht mehr in sinnlose Ständeratsbewerbe eintreten, wie in Glarus Anfang dieses Jahres, denn dort hat der Unsinn 2013 der Partei begonnen.

  8. Pascal Meister sagt:

    Für mich beruhigend, dass kein rein linkes Anliegen durchgekommen ist. Mein Stimmverhalten ist irgendwo zwischen Mitte und SVP – ich war für die Begrenzung der Zuwanderung (2x), aber ebenso klar gegen die scheinheilige Abtreibungs-Initiative. Bin für gesellschaftliche Offenheit, auch für andere Lebensformen, und da ist bei der SVP definitiv nichts zu holen.

    • Adam Gretener sagt:

      Das ist falsch. Der Erfolg zeigt sich nicht nur an der Urne. Alle grossen Detailhändler hoben im Vorfeld der Abstimmung die Löhne an. Das nenne ich Erfolg, nicht eine nicht umsetzbare Initiative wie die MEI.

  9. Andrea Cavalli sagt:

    Das Resultat “Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache” ist falsch dargestellt! Zum Glück hat die SVP verloren!

    • Pascal Meister sagt:

      Falsch dargestellt? SVP war für ein JA (Häkchen), Volk und andere Parteien waren für ein NEIN (rotes Kreuz). Ist doch alles korrekt. Und ja, zum Glück hat die SVP da verloren, da bin ich vollkommen einverstanden.

  10. Peter Hauser sagt:

    Die Schweiz ist ein ziemlich extremes Land geworden, ansonsten hätte die SVP nicht solche extreme Abstimmung gewonnen, wenn es auch sehr wenige sind, ist dies eine gefährliche Entwicklung für ein sonst einigermassen modernen Staat.

  11. M. Bättiger sagt:

    “•Erkennbar ist auch, wer die Oppositionsrolle einnahm: Die SVP unterstützte sowohl die Finanzierungsvorlage für die Bahn (Fabi) wie den Gegenentwurf zur Hausarztmedizin als einzige Partei nicht.” Das erkenne ich nicht. Man könnte auch sagen, dass SP und Grüne das Gripen-Fondgesetz nicht unterstützten und in etlichen Fragen eine andere Position einnahmen als die Mehrheit des Parlamentes und des Bundesrates (von Mindestlohninitiative bis öff. KK oder der Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Ansonsten ist dieses Oppositionsgefasel bemühend, ist es doch gerade politisch gewollt, dass Parteien sowohl in der Regierung sitzen als auch mit Initiativen Oppositionspolitik betreiben.
    9 Initiative gab es übrigens im 2014 (und damit weniger als vor 10 Jahren). Trotzdem vermelden die Medien und Mitte-Links unisono, dass eine Initiativflut herrsche und Einschränkungen für Initiativen angezeigt seien. ) 9 Initiativen = Initiativflut? Man staunt.

  12. Hans Roth sagt:

    Es gab keine unheiligen Allianzen? So ein Blödsinn, wenn die Wirtschaft zusammen mit den Linken die ECOPOP Initiative zu Fall bringen ist das sehr wohl eine unheilige Allianz.

    • R. Leuzinger sagt:

      Die Wirtschaft und die Linken? Soweit ich mich erinnere war auch eine grosse Volkspartei bei der Nein-Parole zu ECOPOP mit dabei. Ebenso der Chefstratege dieser Partei allen voran hat ECOPOP als zu extrem bezeichnet.
      Was dann auch mehr als 70% der Stimmbürger genau so gesehen haben. Was ist daran unheilig? Ein so wuchtig abgeschmetterte Initiative zeigt deutlich den Volkswillen. Haben Sie etwa Mühe damit, den Volkswillen zu akzeptieren, geschätzter Herr Roth?

    • Adam Gretener sagt:

      Gewinnt die SVP, spricht das Volk. Spricht das Volk mit einer 3/4-Mehrheit, ist es eine unheilige Allianz. Schon klar…