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12 Zentimeter in 2 Jahrhunderten

Von Luca De Carli, 4. Oktober 2014 46 Kommentare »
Die Entwicklung der Menschheit seit 1820: Erstmals wurden in einer Studie langfristige Trends zur weltweiten Lebensqualität erfasst. Die interessantesten Grafiken dazu.

Wie war das Leben früher, und wie hat es sich entwickelt? Diese Frage hat die OECD einem Expertenteam gestellt. Eine neue Studie, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde, erfasst systematisch die Lebensqualität der Menschheit seit dem Jahr 1820. Daten aus zwei Jahrhunderten und aus allen Ecken der Welt wurden zusammengetragen. Die erstaunliche Erkenntnis: Die Menschheit lebt in grossen Teilen der Welt besser, und die Unterschiede sind kleiner, als es der blosse Vergleich des Bruttoinlandprodukts vermuten lässt.

Doch über diesen Grundbefund hinaus wurde für die Studie auch eine Fülle von Einzelgrafiken produziert. Eine Auswahl:

 

Als die Europäer noch klein waren

 

Europäer sind gross, Asiaten klein. Dieses Bild hat sich in die Köpfe der heutigen Menschen eingebrannt. Umso erstaunlicher ist, dass die Menschen vor 200 Jahren im Durchschnitt weltweit fast gleich gross waren, wie die Auswertung aus dem Bericht der OECD zeigt. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren Menschen im ostasiatischen Raum im Schnitt sogar grösser als Westeuropäer:

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schossen die Europäer aber in die Höhe (plus 12 Zentimeter bis Ende der 1980er Jahre). Es ist die Zeit, in der der Wohlfahrtsstaat sich zu entwickeln beginnt. Am markantesten waren die weltweiten Grössenunterschiede in den 1940er- und 50er-Jahren. Seit den 1980er-Jahren nehmen die Unterschiede wieder ab. Die einzige Weltregion, in der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Menschen kleiner wurden, ist das südliche Afrika. Es ist auch die einzige Region, die in dieser Zeit einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts pro Kopf hinnehmen musste. Für die Entwicklung der Körpergrösse gilt demnach im Grundsatz: Je reicher ein Land, desto grösser seine Bewohner.

 

Mord und Reichtum

 

Dass der Zusammenhang zwischen höherem Einkommen und besserer Lebensqualität nicht immer gilt, zeigt eine andere Grafik aus der Studie: Einer der Faktoren, die die OECD zur Messung der Lebensqualität heranzieht, ist das persönliche Sicherheitsempfinden der Menschen. Dieses zu messen, ist schwierig. In der Studie wurde die Entwicklung der Mordrate herangezogen – auch weil Mord im Unterschied zu anderen Taten weltweit als Verbrechen eingestuft wird und die Daten somit noch am ehesten vergleichbar sind:

Die Auswertung ergibt, dass die westeuropäische Gesellschaft schon im 19. Jahrhundert relativ friedlich war. Die Mordraten waren und sind tief, was auch für Asien gilt. Ganz anders in den USA: Hier ist die Mordrate nicht nur traditionell viel höher als in Europa, sie stieg in der Boomphase nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch an. Die Mordhochburgen der heutigen Welt liegen in Lateinamerika und Osteuropa.

 

Was sich ein Arbeiter leisten kann

 

Eine der Grafiken, die die Verbesserung des Lebenssituation der Weltbevölkerungen am eindrücklichsten aufzeigen, ist jene zur Entwicklung der Reallöhne. Für die Studie wurde ein Warenkorb definiert, der sich aus dem absolut Minimalen zusammensetzt, das ein Mensch zum Überleben braucht. Dann wurde verglichen, wie viele dieser Warenkörbe sich ein ungelernter Arbeiter von einem Tageslohn leisten konnte:

Der Lohn eines einfachen Arbeiters ist demnach im weltweiten Durchschnitt seit 1820 um das Achtfache gestiegen. Die Unterschiede zwischen den Weltregionen sind gewaltig: In Westeuropa kann sich ein Arbeiter heute 13-mal mehr leisten als vor zwei Jahrhunderten, im südlichen Afrika nur 6-mal mehr. Doch klar verbessert hat sich die Situation überall auf der Welt.

Was nicht bedeutet, dass die Ungleichheit kleiner geworden ist: Nachdem sich die Einkommensschere bis 1970 etwas geschlossen hatte, öffnete sie sich seither wieder.

 

Bildung für fast alle

 

Der einfache Arbeiter repräsentiert in vielen Weltgegenden allerdings nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung. Der Bildungsgrad der Weltbevölkerung hat sich in den letzten 200 Jahren massiv verbessert:

1870 verfügte nur ein knappes Viertel der Weltbevölkerung zumindest über eine minimale Schulbildung. Im gegenwärtigen Jahrzehnt ist dieser Wert auf über 80 Prozent angestiegen. Selbst im südlichen Afrika oder in Südostasien können heute mehr als zwei Drittel der über 15-Jährigen lesen.

 

Das Leben dauert 40 Jahre länger

 

Mit dem weltweit steigenden Wohlstand, der besseren medizinischen Versorgung und der höheren Bildung ist auch die Lebenserwartung stark angestiegen. 1880 betrug die Lebenserwartung knapp 30 Jahre, heute beträgt sie beinahe 70 Jahre.

Auch in dieser Statistik öffnen sich Gräben zwischen den einzelnen Weltregionen. Fortschritte werden aber fast überall erzielt. Gemäss der OECD dank der verbesserten Gesundheitsversorgung sogar in Gegenden, in denen die wirtschaftliche Entwicklung stagniert.

Eine interaktive Grafik mit den gesamten Daten der Studie sowie der Möglichkeit, die Daten nach Ländern zu filtern, finden Sie hier.

46 Kommentare zu “12 Zentimeter in 2 Jahrhunderten”

  1. Ozeanus sagt:

    Körperwachstum ist die genetische Antwort auf den vom Menschen geschaffenen Überfluss. Die steigende Lebenserwartung resultiert ebenfalls aus dieser fatalen Gier des Menschen. Beides, da stimme ich Cédric Bauers zu, sind aus ökologischer Sicht Fehlentwicklungen. Hoffentlich findet der Evolutionsprozess einmal eine passende Antwort darauf.

  2. Ronnie König sagt:

    Die Körpergrösse ist relativ und schwankend über die Zeit! Aber immer abhängig von Wohlstand und stabilem Klima. Weltweit. Ein untrügliches Zeichen dafür waren die Waffen, Rüstungen und Grösse der Nutztiere. Monsunschwankungen sind darin zu sehen, schwere Epidemien, Völkerwanderungen, Klimaschwankungen. Der Wohlstand etc. ist also nur ein Mosaiksteinchen. In der Schweiz, auf 2500 Jahre bezogen, wuchsen und schrumpften die Menschen immer wieder! Wenige Ausnahmen bestätigen dies. Vergleich CH-DK: DK fast immer 180cm zu Schweiz 175/ 163/180cm. Auch Baustile und Raumhöhen/Türgrösse zeigen dies. Indien kannte in dieser Zeit innerhalb der Gesellschaft viele Grössen, je nach Region und Kaste etc. Man kann auch lang, aber grazil sein oder klein und sehr muskulös. Diese Unterschiede weisen wiederum auf Umstände hin. Wohlstand meint auch nicht immer nur Geld, auch das natürliche Nahrungsangebot widerspiegelt sich da. Ob ein Volk auch viel Fleisch und Fisch ass oder eine grosse Varietät an Früchten und Gemüsen. Hingegen scheint mir die Mordrate iB auf weitere Erkenntnisse sehr interessant!!! Wir können gerade im Vergleich mit den USA einiges lernen, hatte aber teils auch mit dem Klima zu tun: Wenig Leute und Mord, viele Leute und viel Mord = kriegsähnliche Zustände etc. Man denke an das Jahr ohne Sommer, davor Kriege, aber eine rasante technische Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft.

  3. theo meier sagt:

    interessante vergleiche, wenn auch teilweise fragwürdige daten resultieren. beispiel: laut grafik hat das realeinkommen von 1990 bis 2000 um über 50% zugenommen. frage mich, bei wem der ganze zaster gelandet ist. als student verdiente ich von 1987 bis 1993 nominal sehr viel mehr als heutige studenten, kaufkaftbereinigt sogar beeindruckend viel mehr.

  4. Rudy sagt:

    Die Begrenzung der Überhandnahme des Homo Sapiens auf dem Planeten wird unweigerlich kommen müssen! So wie ‘wir’ uns abheben vom Rest des irdischen Lebens muss sich irgendwann rächen (e.g. ein Tierleben ist ironischerweise per se weniger ‘wert’ als ein Menschenleben, wieso das so ist weiss nur Gott).
    Die Lebenszeit des Zweibeiners wird in Zukunft ebenfalls begrenz werden müssen, da die dreckige und überhebliche Lebensweise sowie der Umgang mit den irdischen Ressourcen uns auf mittlelfristige Sicht sowieso umbringen wird.
    Ja, wir sind dumm und werden uns selber das Grab schaufeln wenn dass so weitergeht!

    • Patrick sagt:

      Gott gibt es vermutlich nicht. Daher täte es gut, wenn wir mit Wissen anfangen würden und nicht in einem (Irr)-Glauben weiter leben. Es ist auch in der Tierwelt so, dass der Stärkere gewinnt und die Schwächeren verdrängt; ebenso in der Pflanzenwelt. Sie dürfen daher wieder etwas ruhiger schlafen. Als dumm würde ich uns ebenfalls nicht bezeichnen, eher egoistisch.

  5. Felix Rothenbühler sagt:

    Schade, dass unter “interessanteste Grafiken” keine ist, die Umweltthemen beinhaltet. So hat z.B. die Biodiversität analog zum Wohlstand abgenommen – aber egal, Hauptsache dem Mensch gehts gut…

  6. Max Steiner sagt:

    Ich stimme da weitgehenst zu, ausser bei der Lebenserwartung. Hatte man um 1860 einmal 14 Jahre überschritten, wurde man durchschnittlich 62,5 Jahre alt und das ebenfalls(!) bei katastrophalen hygienischen Bedingungen, dazu kamen gefährliche Berufe, Seuchen. Rechnet man die Jahrtausenderfindung im 2WW, Penizillin (Lebenserwartung +10 Jahre), ungefährlichere Berufe, dazu sieht das für unsere „heilige Medizin“ (Unfallchirurgie, Zahnarzt mal ausgeschlossen)doch eher mager aus. Auf jeden Fall hat diese Industrie „die beste Lobby der Welt“ und die Versicherungen mischen da auch kräftig mit. Beim Penizillin gibt es immer mehr Resistenzen (Salami, Tartar, rohes Poulet lässt grüssen), Kunststücke, wenn man Tonnenweise in die Ställe wirft wo Tier auf/neben Tier leben muss. Die Lebenserwartung wird also in Westeuropa nicht zu knapp zurückgehen, auch wenn es die Lobby nicht gern hört.

  7. Als sogenannt Alte habe ich inmer wieder das Gefühl in vielen Artikeln in Zeitungen, dass es besser wäre, man wäre schon tot, da man die AHV und Pensionskassen zu sehr belastet, obwohl man ja Jahrzente Beiträge bezahlt hat. Wad ist das für eine Gesellschaft, die einem dieses Gwfühl gibt?

  8. J. Martin sagt:

    Was mich verwundert: Seit Beginn der industriellen Revolution bis in die 50er Jahre hinein stieg die Lebenserwartung exponentiell, von 1900 bis 1950 in Westeuropa um sagenhafte 47% (trotz grosser Depression und den Weltkriegen). Zweifelsohne gab es in dieser Zeit einige bedeutende med. Fortschritte (Einführung von Impfungen, Epidemologie & Hygiene, Antibiotika, Narkose & Chirurgie). Seitdem stieg die Lebenserwartung aber nur noch linear, von 1950 bis 2000 nur um 17%, während sich der materielle Wohlstand im selben Zeitraum vervielfacht hat.

    Mag sein, dass das einfach an den biologischen Grenzen liegt. Allerdings hat uns die Forschung der letzten Jahre (z.B. im Bereich der Reprogrammierung von Zellen in Stammzellen) gezeigt, dass diese Grenzen zumindest im Reagenzglas überwunden werden können. Ich hoffe sehr, dass sich der Trend in den nächsten Jahren wieder zum exponentiellen hin umkehrt. Andernfalls müssen wir uns überlegen, warum unsere Vorfahren soviel mehr Erfolg in der Steigerung der nicht-materiellen Lebensqualität hatten als die heutige Generation.

    Wenn ich mir die derzeitige politische Stimmung der Bevölkerung in vielen europ. Ländern so anschaue, dann scheint die Angst vor Immigration, Verlust materiellen Wohlstandes oder Arbeitslosigkeit grösser als die Angst vor Krankheit. Dabei kann z.B. eine Krebserkrankung (wie sie mittlerweile fast 30% der Bevölkerung im Laufe des Lebens direkt betrifft) einen schnell in eine Situation grossen Leides bringen, die den Lebensbedingungen im Mittelalter nicht unähnlich ist. Trotzdem habe ich noch nie einen Wahlkampf erlebt, in welchem die med. Forschung als Wahlkampfthema überhaupt nur erwähnt wurde.

    • Klaus Kobold sagt:

      Die Zunahme der Lebenserwartung hat auch damit zu tun, dass die Kindersterblichkeit so gut wie gar nicht mehr vorhanden ist.
      Heute gibt es viel mehr Krankheiten, die damals kaum aufgetreten sind. z.B. der Herzinfarkt.

    • Rolf Bombach sagt:

      Interessante Beobachtungen, Herr Martin. Zu Ihrem letzten Punkt: Jein. Krebsforschung ist zwar nicht direkt Wahlkampfthema, aber kommt bei jeder Diskussion um und Verteilung von Forschungsgeldern praktisch an erster Stelle. Das “Argument” zieht – leider müsste man mittlerweile sagen – so gut, dass auch reichlich abwegige Sachen wie Raumstationen mit “neue Krebsmedikamente” und dergleichen “begründet” werden, obwohl die Fortschritte eher im Kleinen erreicht wurden. Man kann lediglich gute Voraussetzungen und Umgebungen für Forschung schaffen, die Resultate lassen sich nicht mit Geld erzwingen.

    • Sorry, J., was um Himmels Willen soll gut dran sein, wenn die Lebenserwartung weiter steigt, exponential gar? Wenn in absehbarer Zeit die Leute 100 Jahre alt werden? Ich, gestatte mir das, halte das für nicht erstrebenswert. Weder für den einzelnen Menschen noch für die Menschheit. Die Alten sind schon heute eine riesige Last für die Sozialsysteme, und ich trau der Politik NICHT zu, dass sie dieses Problem irgendwie angeht. Sie hätte damit schon lange beginnen können, sie hat es nicht getan. Ausser der langsamen Erhöhung des AHV-Alters hat sich praktisch nichts getan. Ältere Leute kriegen schon heute kaum mehr einen Job.

      Nein, ich denke, dass die Lebenserwartung bei 80 oder vielleicht 90 Jahren ihren Scheitenpunkt erreicht haben sollte. Die Zeit, wo man gesund leben kann, ist schon viel länger als früher. Aber wenn man sich vorstellt, dass die Leute alle am Schluss ihres Lebens noch 30 Jahre in Rente verbringen, dann wird das schon irgendwie pervers.

      • Peter Vogler sagt:

        Das Lebensalter wird nicht exponentiell steigen,im Gegesatz zum Bevölkerungswachstum,es wird lediglich das genetische Potenzial optimal genutzt,die Menschen werden nicht 300 Jahre alt werden,bei etwa 120 Jahren ist Ende der Fahnenstange.Genauso ist es mit dem Grössenwachstum,Das Gardemass der langen Kerls bei den Preussen lag bei heutigen 188 cm.Weit über 2 Meter ist allerdins maist krankhaft.

    • Markus Schneider sagt:

      Sterben müssen wir sowieso, jeder einzelne von uns, ob mit oder ohne Krebs, und ganz egal wann. Aber wenn wir unsere ureigensten Ressourcen (nämlich unser Land, unsere Kultur und unsere Gesellschaftsordnung) nicht vehementer verteidigen als bisher, dann gehen nicht nur wir selber, sondern auch unsere ganze Nachkommenschaft den Bach runter. Solches ist in der Geschichte schon oft passiert und gerade in den Staaten, die sich als besonders pfiffig ansahen. Es wäre also zu wünschen, dass beispielsweise anstelle ständig steigender Krankenkassenprämien zur Verlängerung unheilbarer Krankheiten diese vielen, vielen unsinnig verlochten Milliarden Franken zur Sicherung unserer Kultur und unserer Unabhängigkeit eingesetzt werden. Welche Mittel dafür geeignet sind, darüber sollte nicht mehr allzulange diskutiert werden.

    • Rudy sagt:

      Jetzt sind wir mitten in der elektronischen Revolution, wo ja auch nicht viel stimmt: siehe Whistleblowers und Cyberkriminalismus. Ich wäre gespannt darauf wie die Menschen in 200 Jahren über unsere derzeitige Gesellschaft reden werden und über die aktuellen Generationen urteilt!

    • Flv sagt:

      Die kindersterblichkeit ist in durch die von ihnen genannten entwicklungen auf fast null gebracht worden. Das ist der grund für die exponentiell gestiegene lebenserwartung in der ersten hälfte de s 20. jh. Deshalb auch “nur” noch das lineare wachstum danach. Die leute werden dank der besseren medizin zwar immer älter, aber nicht exponentiell.

    • Derti sagt:

      Liegt am ungesunden Lebensstil und an der Völlerei.. Diabetes, Krebs etc. alles wegen dem Essen..

  9. Cédric Bauer sagt:

    Eine Zunahme an Körpergrösse führt zu einem höheren Energiebedarf bei derselben Leistung. Evolutionär und ökologisch gesehen ist diese Zunahme ein Irrsinn. Selbiges gilt für das zunehmende Alter. Hat ein Individuum sich fortgepflanzt und die Nachkommen grossgezogen, ist seine Mission erfüllt und sein weiteres Fortbestehen evolutionär und ökologisch nicht sinnvoll. Irgendwann werden wir den Wachstum und das Alter der Menschen aus ökologischen Gründen begrenzen müssen.

    • Lionel Lopez sagt:

      Die Menschheit kann nur hoffen, dass Leute wie Sie niemals Politiker werden, Herr Bauer. Bei solchen Aussagen läuft es einem kalt den Rücken runter.

      • Markus Schneider sagt:

        @Lopez: Schön, dass es Ihnen kalt den Rücken runterläuft, wenn Sie mit der Wirklichkeit konfrontiert werden. Vielleicht merken dann auch Sie mal, dass auf der Welt nicht dauernd Sommer ist und dass es nicht immer allen gleich gut geht. Übrig bleiben am Schluss nur diejenigen die was dafür getan haben, um übrigzubleiben.

      • Ralf Schrader sagt:

        Politiker haben keinen Einfluss auf die mittlere Lebensdauer, oder die Lebensqualität der Menschen. Beides folgt historischen Gesetzen, die nicht von Menschen gemacht werden.
        Geschichte macht Menschen, Menschen machen keine Geschichte. Politiker verwalten die Geschichte eher schlecht als recht.

        • alfredo borlotti sagt:

          Aber sicher können Politiker einen Einfluss auf die mittlere Lebensdauer haben. Kriege werden in der Regel von Politikern erfunden und Kriege haben die Tendenz, die mittlere lebensdauer zu verkürzen.
          Die Möglichkeiten der Politik, Einfluss auf die mittl. Lebensdauer zu nehmen, umfassen aber mehr, als bloss das Lostreten von Kriegen. Wenn Sie den Artikel gelesen haben, dann kommen Sie bestimmt selber drauf.

          • alfredo borlotti sagt:

            Hm, Ralf Schrader, wenn ich Ihren Beitrag vor dem Schreiben meiner Antwort zu Ende gelesen hätte, hätte ich sie anders geschrieben (oder gar nicht). Ich teile Ihre Meinung bezüglich der Verantwortung der Politiker (und ihrer Wähler) zwar nicht, halte aber Ihre Sichtweise auch für eine Möglichkeit, das Leben zu ertragen.

      • Pocoloco sagt:

        Ich glaube, wir müssen da gar nicht aktiv werden. Vielleicht würde es einfach reichen, nicht jeden Schwerstkranken mit einer Lebensqualität unter jeder Würde um jeden Preis und unbedingt am Leben erhalten zu wollen. Ja, wir tun das heute, auch in Situationen in denen ich mich als Betroffener nicht wiederfinden möchte. Doch heutzutage darf niemand mehr ohne eine besonders kostspielige “Letzte Ölung” sterben.

    • Chris Sturzenegger sagt:

      Dieser Kommentar kann nur sarkastisch gemeint sein … ansonsten sehr bedenkliches Gedankengut …

      • Alexander Hollnsteiner sagt:

        Naja, konsequent zu Ende gedachte Ökologie führt zu faschistoidem Wahn. Diese Konsequenz ist nicht neu….

    • Markus Meier sagt:

      Ganz so, als wäre der Sinn des Lebens lediglich die Reproduktion. Es wäre wesentlich humaner, weniger Menschen zu produzieren, als die bereits Lebenden zu drangsalieren um anderen Platz zu machen.

      • Pocoloco sagt:

        Herr Meier, Sie vergessen, dass in allen Kulturen die Kinder auch die Altersvorsorge sicherstellen. Die heutige AHV-Generation in der CH ist gut abgesichert, und besitzt einen Grossteil des Vermögens. Wir haben Alters- und Pflegeheime, und andere medizinsche Einrichtungen, welche für eine Person jeden Monat eine Summe verschlingen, von der locker mehrere Familien leben könnten. Dafür werden die Alten sehr gut gepflegt und bleiben noch jahrelang eine gute Einnahmequelle (zumindest bis das Vermögen aufgebraucht ist). Sollten sie mal schwer erkranken, oder sich das Bein brechen, sorgt unsere perfekte medizinische Versorgung dafür, dass sie dennoch noch eine Weile am Leben bleiben, Lebensqualität hin oder her. Wenn den (meist jüngeren) Pflegenden wenigsten anständige Löhne bezahlt würden, aber das ist leider auch nicht der Fall. Nein, wir sind heute weit davon entfernt, die Alten zu drangsalieren, und ich befürchte, dass wir deswegen unsere Kinder vernachlässigen. Wir werden die Rechnung aber in absehbarer Zeit bezahlen müssen…

        • Alexander Romero sagt:

          Wie wäre es mit der Abgewöhnung und Abschaffung von Age Deadlines wie Pensionsalter oder schon früher mit der Verdrängung von bald über 40jährigen aus dem Arbeitswelt? Der Mensch ist ganz individuell geworden. Was macht ein 60 jähriger wenn er nichts in die Altersvorsorge einbezahlt hat und auch fast nichts bekommt, aber noch fit genug ist und auch will und mögen würde noch 20 weitere Jahre am Ball zu bleiben? Wieso muss er zum dahinsiechen mit mit Brosamen verdammt werden? Um den Jungen und der Umwelt Platz zu machen? Ha! Forget it with me! Ich gehe bald gegen die 40 und stehe wie ein 17Jähriger als Azubi noch ohne Studium und ohne Arbeitserfahrung da. In 10 Jahren wenn ich mich erst einmal wie ein 30 Jähriger etabliert habe will ich sicher noch nicht an Frühpensionierung denken müssen um den Jungen Platz zu machen. Ghats no! Als ich Jung war gab mir niemanden was!

    • Die Zunahme der Körpergrösse ist primär dem Wegfall von Mangel zuzuschreiben. Für Westeuropa wird die heute erreichte Körpergrösse wohl kaum mehr viel zunehmen.
      Dramatisch hingegen ist tatsächlich die Zunahme der Zahl der Menschen. Schon damals bei der Konferenz Rio1992 vor 22 Jahren wurde das Bevölkerungwachstum als globale Bedrohung identifiziert, jedoch ging das Wachstum seither linear weiter mit etwa 1 Milliarde Zuwachs pro 12 Jahre.

      • Thomas Ernst sagt:

        Wir haben “Peak Child” bereits überschritten. Suchen Sie nach Einem Vortrag von Hans Rosling über Babies bei TED. Die Zunahme der Weltbevölkerung nimmt ab. Wir sollten uns eher Gedanken über Unterbevölkerung machen.

    • Herbert Birchler sagt:

      Tolle Idee: Da würden also Euthanasie und Eugenik wieder aus dem Aschehaufen der Geschichte auferstehen, nur diesmal nicht in Braun, sondern frischem Grün!

      • Stefan Egger sagt:

        Der braue Ökologismus ist ja bereits auferstanden: Ecopop. Ein völlig nihilistischer, pseudowissenschaftlicher Biologismus ohne jegliche Spur von Humanismus.

      • Cédric Bauer sagt:

        Gerne würde ich klarstellen, dass mein Kommentar sarkastisch war und sich auf die vorherrschenden Reglementierung von allem möglichen nahm. An den Reaktionen zu beurteilen, wohl zu gut oder zu schlecht geschrieben. Wie man es nimmt. Jedenfalls möchte ich nicht mit Eugenik in Verbindung gebracht werden und hoffe diese kommt nicht wieder bzw. dass Braune-Gedanken und ähnliche irgendwann ganz von diesem Planeten verschwinden werden.

        • Pocoloco sagt:

          Der Sarkasmus war aber nicht spürbar ,-)
          Das Thema ist aber brisant, und die Antworten liessen nicht lange auf sich warten. Doch all die Selbstgerechten und politisch korrekten Moralapostel sollten kurz in den Spiegel der Geschichte der Menschheit schauen (es reicht, wenn sie sich nach Deutschland, in die Dreissigerjahre versetzen), und sich gut überlegen, ob sie an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit und unter anderen Bedingungen gleich empört reagiert hätten. Womöglich hätten sie dieses “Braune Gedankengut” auch noch unterstützt. Oder zumindest aktiv weggeschaut. Wenn die Ressourcen knapp werden, wenn es ums Überleben geht, wenn man sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt und um die Zukunft der eigenen Kinder fürchtet – und dann kommt einer, der Besserung und rosige Aussichten verspricht, was dann?

      • Pocoloco sagt:

        Diese Begrenzung wird von alleine kommen. Wird aber noch eine Weile dauern…

      • Anna eggimann sagt:

        Warum denn? Es wäre durchaus denkbar und aus meinet Sicht auch wünschenswert, wenn die Menschen erkennen und begreifen würden, sterben gehört zum Leben. Es nützt nichts, wenn das Leben um 2-3 Jahre verlängert wird, quasi der Körper mit allen Mitteln und allen Kosten am Leben erhalten wird. Der Tod tritt dennoch ein. Sich mit dem Sterben befassen und beispielsweise gewisse Eingriffe abzulehnen und bewusst dem normalen Sterben entgegentreten, das wäre eine menschenwürdige und möglicherweise notwendige Entwicklung.

    • Tom sagt:

      Die menschliche Evolution läuft doch längst nicht mehr über körperliche Merkmale. Grösse und Energieaufnahme sind in unserer technischen Zivilisation sowohl evolutionär als auch ökologisch unerheblich. Relevant für unseren Fortbestand ist der verantwortungsvolle Umgang mit Technologien und Ressourcen. Auch unser erreichbares Alter ist ökologisch problemlos, verglichen mit den Verlusten, die durch unsere Verschwendung an Nahrung und Energie erzeugt werden.

    • Roman Rebitz sagt:

      Ist ja bekannt das nur ein kleiner Teil der Bevölkerung das grosse Ganze sieht, die andern leben irgendwie in einem romatischen Traum um ihre paar Quadratmeter Leben und können keine gescheiten Ideen beitragen. Ich halte mich zurück sonst müssen die Schreiberlinge noch das ganze schöne Wochenende mit Kommentieren verbringen.

    • arnold gasser sagt:

      Diese Zunahme ist evolutionär gesehen kein Irrsin, sie existiert, weil sie einfach MOEGLICH ist.

    • Ralf Schrader sagt:

      @Bauer, der Grundgedanke ist richtig, aber wir müssen nichts aktiv begrenzen. Jeder Wachstumsprozess endet einmal, auch ohne Zutun. Das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern ist in der Summe bereits beendet, das BIP steigt nur noch durch Umdefinition (erst durch das Reichrechnen hoheitlicher Aufgaben, wie Gesundheits-, Bildungswesen, jetzt auch durch Hinzunahme der Erlöse aus Drogenhandel, Prostitution, usw.).
      Analog ist auch der Verlängerungsprozess der Lebenserwartung bereits beendet. Man kann da noch im Monatebereich etwas manipulieren, aber es wird irgendwann bald ethisch- philosophisch getriebene Überlegungen geben, dies sein zu lassen. Schon jetzt erzeugt die medizinisch handwerklich betriebene Ausdehnung der Lebenserwartung nur noch mehr Demente.
      Krebs, Krankheiten durch schnell mutierende Viren (AIDS), Demenz sind nur im Detail, nicht aber im Grundsatz beherrschbar, da denen stochastische Prozesse zu Grunde liegen, deren volkstümliche Umschreibung ‘Altern’ heisst.
      Ohne Altern stagniert die Evolution, deshalb widersteht das Altern jedem Versuch, es aufzuhalten. Es wird auch irgendwann Zeit zu sterben, das sollte man gelassen in Kauf nehmen.

  10. Hannes Müller sagt:

    In der gleichen Zeit hat der Kapitalismus seinen Aufschwung erlebt. Ob das wohl einen Zusammenhang hat?

    • Armin Beyeler sagt:

      Die Frage ist wohl von welcher Art Kapitalismus Sie sprechen? Und welche Entwicklungen Sie meinen? Mit dem Systemwechsel um 1970 hat sich die Situation in fast jedem westlichen Land zu verschlechtern begonnen… seit der Einführung des Neoliberalismus als Staatsreligion hat sich die Lohnschere wieder aufgetan – und öffnet sich immer weiter!

    • Marcel Senn sagt:

      Na ja der Warenkorb muss ja wirklich minimst gewesen sein, wenn ein ungelernter Arbeiter sich pro Arbeitstag davon 170 leisten kann — ein paar Gramm Salz, 100 gramm Mehl, 3gramm Seife, 4kg Feuerholz und 2 Liter Wasser – mehr schätze ich nicht, dass dieser Warenkorb beinhaltete. Hat der Autor da vielleicht noch ergänzende Angaben, was genau dieser minimale Warenkorb beinhaltet?

    • Tom sagt:

      In der gleichen Zeit hatte auch die Demokratie, der Sozialstaat, die Technologie und die Wissenschaft ihren Aufschwung. Da alle Komponenten untereinander verknüpft sind, lässt sich wohl kaum ein einzelner Auslöser bestimmen.

    • Christian Fisch sagt:

      Der Kapitalismus ist auch eine Folge der Industriellen Revolution wie die zunehmende Körpergrösse und nicht deren Ursache.