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Ein Online-Tool bemerkte den Ebola-Ausbruch vor allen anderen

Von Marc Brupbacher, 12. August 2014 2 Kommentare »
Manchmal dauert es Tage oder gar Wochen, bis die WHO Krankheitsausbrüche auf der Welt feststellt. Schneller ist da eine Computer-Software.

Healthmap.org ist in der Lage, Krankheiten in Echtzeit aufzuspüren. Auch bei der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika hatte das Online-Tool des Kinderspitals Boston offenbar vor allen anderen medizinischen Institutionen eine erste Ahnung.

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Krankheitsausbrüche in Echtzeit: http://healthmap.org

Bereits am 14. März, neun Tage vor der offiziellen Bestätigung des Ebola-Ausbruchs, registrierte die Software einen Bericht auf Africaguinee.com über eine «unbekannte Krankheit», an welcher in Guinea acht Personen starben. Im Artikel vermuteten die Autoren noch Lassafieber als Ursache. In den Tagen danach häuften sich jedoch Blogeinträge und Twitter-Meldungen über Ebola-ähnliche Symptome. Am 19. März war in lokalen Medien von einem «mysteriösen hämorrhagischen Fieber» die Rede. Das Healthmap-Team in Boston setzte noch am gleichen Tag eine Ebola-Warnmeldung ab.

Am 23. März bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals den Ausbruch der Viruskrankheit. Die WHO hatte die Ereignisse wahrscheinlich auch schon vorher auf dem Radar, vielleicht auch dank der Hilfe aus Boston. Wer schneller war, kann eigentlich auch egal sein. Viel wichtiger: Die Healthmap demonstrierte eindrücklich, was für ein Potenzial in Big Data und digitalen Technologien steckt – gerade auch für das weltweite Gesundheitswesen.

Hier finden Sie auf Healthmap.org eine Timeline der jüngsten Ebola-Epidemie: Vom ersten Nachrichtenartikel bis zu den aktuellen WHO-Fallzahlen von gestern.

Die Computer-Software ist so programmiert, dass sie mithilfe von Algorithmen sämtliche Informationsströme in sozialen Medien, lokale Newssites und Berichte von regionalen Behörden durchkämmt. So liefert die Healthmap einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand von Infektionskrankheiten – weltweit.

Die intelligente Software filtert belanglose Informationen heraus, gewichtet die relevanten Meldungen und liefert so Daten, die mithilfe von Experten auf einer Karte eingezeichnet werden. Diese ist sehr benutzerfreundlich aufbereitet und liefert auch Rucksacktouristen wertvolle Informationen.

Was die Healthmap leistet

«Die Nachrichten und Social-Media-Beiträge sind nicht immer hundertprozentig zuverlässig, aber sie bieten dennoch ein grobes Bild dafür, was gerade passiert», sagt John Brownstein, Mitbegründer von Healthmap und Informatik-Direktor am Kinderkrankenhaus Boston.

Healthmap.org wird von rund 45 Personen betrieben. Darunter sind Forscher, Mediziner, Epidemiologen und Software-Spezialisten des Kinderspitals Boston. Das Projekt wurde 2006 lanciert. Der Ausbruch der Schweinegrippe verhalf dem Online-Tool dann zum Durchbruch: Healthmap dokumentierte 2009 detailliert jeden Ausbruch und Todesfall des A/H1N1-Virus.

Zum Schluss ein kurzes Video, welches aufzeigt, was die Healthmap leistet und wie man sie nutzt:

2 Kommentare zu “Ein Online-Tool bemerkte den Ebola-Ausbruch vor allen anderen”

  1. Marcel sagt:

    “Die Computer-Software ist so programmiert, dass sie mithilfe von Algorithmen sämtliche Informationsströme in sozialen Medien, lokale Newssites und Berichte von regionalen Behörden durchkämmt.” Gleich tanzt die NSA wieder an und rechtfertigt damit den Überwachungsstaat. Am besten wir filtern auch gleich die privaten SMSen und Emails und Telefongespräche, dann weiss man auch gleich wer gerade Krank ist und wo die Grippe aktiv ist.

    • Daniel sagt:

      Hallo Marcel,
      kannst du für dich auch etwas possitives endecken oder ist das alles was du erkennst?
      Liebe Grüße Daniel