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Rettet Netflix die Welt?

Von Martin Wilhelm, 30. Mai 2014 15 Kommentare »
Die DVD-Verkäufe brechen ein: Filme sieht man sich in Zukunft übers Internet an. Das ist gut für die Umwelt – aber nur vielleicht.
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Die Zeit der DVD läuft ab. Immer mehr Leute sehen sich Filme übers Internet an, indem sie sich diese vorgängig oder in Echtzeit auf einen Computer, eine TV-Box oder ein iPad herunterladen. Für sich alleine genommen ist das Verschwinden der DVD als Trägermedium eine gute Nachricht für die Umwelt. Ein gewaltiger Haufen Abfall wird vermieden, wenn künftig nicht mehr Milliarden silberne Scheiben mit dazugehöriger Plastikverpackung hergestellt werden, um nach ein- oder zweimaligem Gebrauch weggeworfen zu werden. Leisten Streaming-Anbieter wie Netflix somit einen Beitrag zum Umweltschutz?

Eine Gruppe von amerikanischen Wissenschaftlern ist tatsächlich dieser Meinung. Sie haben in einem wissenschaftlichen Artikel die Höhe der CO2-Emissionen des Filmkonsums via DVD und via Internet verglichen. Wenn der Filmvertrieb von heute auf morgen gänzlich ins Netz verlagert würde, liessen sich mit der eingesparten Energie ganze 200’000 Haushalte mit Strom versorgen, schätzen die Forscher. Während DVD-Konsum und Streaming heute jährlich 10,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursachen, wären es bei kompletter Umstellung auf Streaming bei gleichbleibender Anzahl geschauter Filmminuten nur noch rund 8,6 Millionen Tonnen CO2.

Wer aber denkt, dass Streaming grundsätzlich umweltfreundlicher sei als der DVD-Konsum, irrt. Entscheidend ist vielmehr, wie die DVD zum Kunden kommt, was folgende Grafik zeigt. Während das Betrachten einer via Versand ausgeliehenen DVD gar weniger Energie braucht als das Streaming desselben Films, kommt das Betrachten eines in einem Geschäft ausgeliehenen Films die Umwelt deutlich teurer zu stehen.

Wie kommt die Diskrepanz zustande? Die Autoren des Fachartikels gehen davon aus, dass die Kunden von Videotheken und Ausleihautomaten mit ihrem Auto im Durchschnitt eine Distanz von 2,7 Kilometer zurücklegen, um sich DVDs auszuleihen. Bei Käufern von DVDs nehmen die Forscher gar einen Weg von 17 Kilometern an. Zwar haben die Studienautoren die entsprechenden CO2-Werte um 50 Prozent gesenkt, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass manche DVD-Ausleiher mehrere DVDs ausleihen und manche gleichzeitig andere Dinge erledigen. Gleichwohl muss man hier wohl auch ein Fragezeichen bei der Studie machen, denn die Werte basieren auf Annahmen, die zwar im Einklang mit anderen Studien stehen, aber nicht spezifisch überprüft wurden.

Neben den Autofahrten der Konsumenten gibt es einen zweiten Faktor, der die Umstellung aufs Streaming zu einer für die Umwelt lohnenswerten Sache machen würde. Dies zeigt ein Blick auf die detaillierten Daten der Studie.

Style Manual (Second Edition) for California Energy Commission S

 

Wie in der oben stehenden Grafik ersichtlich ist, ist der Betrieb der Abspielgeräte der Kunden der mit Abstand grösste Energiefresser beim DVD-Konsum (in der Grafik «Client device operation», blau. Grau die zur Herstellung der Geräte nötige Energie, grün und schwarz die Datenübertragung, rosa die privaten Autofahrten und orangegelb die DVD-Produktion).

Die Forscher gehen denn auch davon aus, dass bei einer Umstellung viele alte, uneffiziente DVD-Geräte aus dem Betrieb gezogen würden. Das schränkt das Ergebnis der Forscher aber auch gleich wieder etwas ein: Würden diese DVD-Player durch Stromsparendere ersetzt, stände der DVD-Konsum im Vergleich zum Streaming deutlich besser da.

Die Studie zeigt denn auch deutlich, dass Streaming keineswegs eine umweltfreundliche Angelegenheit ist. Entscheidend für die Auswirkung von Netflix und ähnlichen Angeboten auf den CO2-Ausstoss wird sein, ob deren Nutzung nur den DVD-Konsum ersetzt, oder zusätzlich auch Teile des klassischen Fernsehkonsums.

Wer die Umwelt schonen will, verwendet jedenfalls am besten einen sparsamen Fernseher und sieht sich damit ein Fernsehprogramm an, das sowieso ausgestrahlt wird – und fährt keineswegs mit dem Auto in die Videothek.

Digital löst DVD ab

Die DVD-Verkäufe gehen rapide zurück. Laut einer Mitteilung des Schweizer Videoverbands von heute sank der Absatz von DVDs und Blu-ray-Discs von 2012 auf 2013 um 12,7 Prozent auf 10’481’374 Stück. Der digitale Absatz von Filmen hingegen nimmt zu, kann aber die rückläufigen physischen Verkäufe nicht ganz ersetzen.

In den USA generiert Streaming inzwischen mehr Umsatz als der DVD-Verleih, allerdings noch weniger als der DVD-Verkauf.

Die Zahlen aus den USA deuten zudem darauf hin, dass Streaming-Abonnemente zunehmend beliebter werden im Vergleich zu einzelnen On-Demand-Käufen.

 

 

15 Kommentare zu “Rettet Netflix die Welt?”

  1. Michael D sagt:

    “CO2-Wert eines VW Golf 1,7 TDI” Würde mich interessieren wo es diesen Golf mit 1.7l-TDI Motor gab. Mir ist auch nach etwas Recherche keiner bekannt.

  2. Muttis Liebling sagt:

    Noch umweltschonender ist es, statt Filme, gleich aus welcher Quelle, nur aus dem Fenster zu schauen. Wenn man genügend dabei trinkt, ist es mindestens genau so spannend.

  3. Lutz LEonhardt sagt:

    Was zur Hölle ist Blu-ray?

  4. Don Max sagt:

    Tja, Streaming ist eine tolle Sache in der ersten Welt.
    Wenn man wie ich in einem dritte Welt Land lebt ärgert schon jedes Computerupdate welches nurmehr über Internet geht. Schon ein Filmchen von einer Minute auf Youtube wird zwei bis dreimal unterbrochen, von einem Spielfilm in HDTV per Internet ganz zu schweigen!
    Meine Datenleitung: 512 MBit zu umgerechnet 38 SFr pro Monat.
    In diesem Sinne: Es lebe die Silberscheibe!

    • Don Pax sagt:

      So eine Leitung hatte ich auch. Im Jahre 2001 !!!!
      Wo leben sie denn ?? In einer Höhle??
      Heut surfe ich mit 50 Mb/s. Und wir sind eine 5 köpfige Familie mit 2 Notebooks, 3 Pcs, 2 ipads, 2 ipods, 2 iphones, ps4, wii, etc.etc. Viele oft gleichzeitig im web – null Problemo dabei.
      Für ihr Geld können bei VTX eine 10 Mb/s für Fr. 34 pro Monat habnen!!!

  5. Hans-Jürg sagt:

    Wer schmeisst denn eine DVD weg? Entweder sammelt man sie oder verschenkt/verleiht/verkauft sie. DAS kann ich mit einem Online-Film nicht!

    • peter sagt:

      Doch geht alles.. über Internet, USB-Stick, CD usw…. wegen der Gesetzeslage müssen Sie mich da aber nicht fragen.

  6. Paul Linder sagt:

    Und was hat diese Nörgler-Studie wieder gekostet? Autos, Heizungen, Kühe und Industrie gehören zu den ärgsten CO2-Schleudern. Dort soll endlich vorwärts gemacht werden. Sinkende DVD-Verkäufe: kein Wunder, wenn bald jeder Haushalt 100 und mehr TV-Sender empfängt und im Internet surft oder Games spielt. Filme schaut man selten mehr als 2-3x, wozu also kaufen, wenn bald überall gespart werden muss? Wozu dann noch eine weitere Studie, die dem Betrachter schon vor der Studie bekannt war? Fragen über Fragen und alles offen…

    • R Siegrist sagt:

      Das ist doch keine Noerglerstudie! Es wird einfach EIN Aspekt unseres Konsumverhaltens analysiert und hinterleuchtet. Ist doch nicht so schlimm …. wir koennen doch nicht immer alles hinterfragen, nur weil wir meinen, da gebe es noch Uebleres.

  7. Andreas Iseli sagt:

    Ich frage mich, wie die Leute dies machen. Ich habe ein Internet-Abo bei Orange. Es verspricht uneingeschränktes Surfen. In Tat und Wahrheit ist das Surfen (Telefon und Internet zusammen) auf 10 GB begrenzt. Würde ich mir im Monat 2 Filme ansehen im Netz (und würde ich ansonsten rein gar nichts im Internet ansehen) hätte ich mein Datenvolumen bereits verbraucht. Sollte ich mehr als 10GB pro Monat brauchen so wird gemäss Orange die Geschwindigkeit reduziert. In Tat und Wahrheit ist aber auch dies gelogen, da die Geschwindigkeit so stark reduziert wird, dass es einer faktischen Abschaltung gleichkommt und man z.B. für das Herunterladen eines E-Mail-Anhanges von 2 Textseiten 19 Minuten braucht. Ich frage mich also, wie ein User Netfix bei diesen Beschränkungen überhaupt gebrauchen kann.

    • peter sagt:

      Es gibt auch noch Internet welches nicht vom Mobilenetz kommt….

    • Peter Schilter sagt:

      Was Sie haben ist wohl ein Mobile Internet Abo. Das ist natürlich nicht wirklich geeignet für Streaming. Selbst Swisscom drosselt bei übermässigem Gebrauch die Geschwindigkeit, obwohl sie “Infinity” anpreisen (kürzlich im Kassensturz). Sie bräuchten ein DSL oder Glasfaser-Abo für zuhause, da gibts meines Wissen keine Grenzen. Jedenfalls stiess noch nie an solche.

    • Joel sagt:

      Sie scheinen einfach zu geizig zu sein sich eine vernünftige Leitung zu mieten….für 65.- gibts bei gewissen Anbietern bereits Gbit Internet

  8. Columbus sagt:

    Ich schaue schon seit Jahren keine DVD mehr sondern Blu-ray.