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17 Tote in 104 Lawinen

Von DB, 23. April 2014 5 Kommentare »
In den Schweizer Bergen sind weniger Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen als in den Vorjahren. Insgesamt war der Winter 2013/14 voller Kontraste.
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Viele Süd- oder Südwestlagen waren Ursache für den milden Winter: Föhnsturm am Bunderspitz, Adelboden, 28. Februar 2014. (Bild: P. Allenbach)

In den Schweizer Bergen kam es im Vergleich zu den Vorjahren zu weniger Lawinenunfällen, wie aus dem Rückblick des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos hervorgeht. 104 Lawinen mit 152 erfassten Personen wurden gemeldet. 17 Menschen verletzten sich dabei, für 17 endete die Lawine tödlich (2012/13: 19 Tote).

Übersichtskarte der tödlichen Lawinenunfälle im Jahr 2013/14

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Die Lawinengefahr war laut SLF geringer als im langjährigen Schnitt. Am häufigsten wurde die Gefahrenstufe «mässig» herausgegeben. Die heikle Phase mit den Gefahrenstufen «erheblich» und «gross» konzentrierte sich vor allem auf die Zeit von Ende Dezember bis Ende Februar. Im südlichen Wallis und im nördlichen Graubünden herrschte dagegen aussergewöhnlich lange eine erhebliche Lawinengefahr.

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Insgesamt war der Winter 2013/2014 voller Kontraste. Im Mittelland fragten sich manche Beobachter, wo der Winter geblieben sei. An vielen Orten im Tessin, Oberengadin und in den Bündner Südtälern lag dagegen an manchen Tagen im Januar und Februar so viel Schnee wie noch nie.

Im Schnitt war der Winter in der ganzen Schweiz rund ein bis 1,5 Grad zu warm. An einigen Orten im Mittelland lag deshalb an keinem einzigen Tag mehr als fünf Zentimeter Schnee, was laut SLF als «Schneetag» gilt. Nur der Winter 1989/90 war im Mittelland noch schneeärmer.

Die milden Temperaturen im Mittelland führten dazu, dass auf der Alpensüdseite stellenweise mehr Schnee verzeichnet wurde als im Flachland. In Locarno gab es sieben Schneetage. Das sind mehr als doppelt so viele wie in Zürich, wo nur an drei Tagen mehr als fünf Zentimeter Schnee lag. (sda)

5 Kommentare zu “17 Tote in 104 Lawinen”

  1. Bruno sagt:

    meines erachtens wurde die lawinengefahr zwischen dem 26 – 30. dez. nicht optimal beurteilt. ich war mehrmals unterwegs und habe noch nie so viele wumm-geräusche gehört wie in jenen tagen. dass die lawinenstufe nur 3 war hat mich sehr erstaunt. für mich war das damals eine klare 4 und dies hätte vielleicht den einen oder anderen toten verhindern können…

    • Aschi sagt:

      Ob Stufe 3 oder 4 macht den Braten nicht feiss. Bei 4 bleibt man zu Hause bei 3 sucht man Gelände mit weniger als 30° Neigung. Alle Unfälle ereigneten sich in Steilhängen…

  2. Aschi sagt:

    Es zeugt von einem zutreffenden Lawinenbulletin des SLF Davos, dass fast alle Unfälle bei Gefahrenstufe 3 und 4 erfolgten. Der Unfall bei Gefahrenstufe 1 erfolgte in Kammnähe. Eine selber erstellte Studie über Unfälle bei GF 1 (gering) für D, I, F, CH ergab, dass in über 90% der Fälle es sich um Ereignisse in Kammnähe (bis 100 Höhenmeter unter dem Kamm) handelte. Dort ist also besondere Vorsicht notwendig auch bei geringer Lawinengefahr.

  3. Hans Weihrich sagt:

    Obwohl die Angaben im Beitrag nachvollziehbar sind darf man nicht den Schluss ziehen, dass in schneearmen Winter das Risiko, von einer Lawine verschüttet zu werden, kleiner ist. Im Gegenteil: in schneearmen Wintern ist oft der Schneedeckenaufbau schlecht, was das Risiko einer Lawinenauslösung erhöht. Hinzu kommt der psychologische Effekt: in schneereichen Wintern sind alle “alert” weil der viele Schnee ständig Thema in den Medien ist. In schneearment Wintern hingegen besteht die Gefahr, das Risiko zu unterschätzen.

    • Daniel Heierli sagt:

      So ist es.
      Die geringeren Zahlen dürften vor allem damit zu tun haben, dass es auf der Alpennordseite ein lausiger Winter war und deshalb weniger Schneesportler abseits der Piste unterwegs waren.