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Wer bei den Ständeratswahlen wen und warum wählte

Von DB, 26. Oktober 2016 14 Kommentare »
Warum schneidet die SVP immer so schlecht ab bei den Ständeratswahlen, obwohl sie bei den Nationalratswahlen mit Abstand die stärkste Partei ist? Und warum trifft dies bei der SP nicht zu, obwohl sie auch eine Polpartei ist?

Von Benjamin Schlegel

Man könnte meinen, der Bürgerblock würde sich bei den Ständeratswahlen gegenseitig unterstützen. Dem ist aber nicht so. Personen, welche die FDP-Liste bei den Nationalratswahlen 2015 eingelegt haben, unterstützen ihre eigene Partei am stärksten. So weit, so gut. An zweiter Stelle kommt nun aber nicht die CVP oder die SVP, wie man denken könnte, sondern die SP, die 15,5 Prozent der FDP-Stimmen erhielt. An die CVP-Ständeratskandidaten gingen hingegen nur gerade 12,1 Prozent der Stimmen.

 

 

Das Gleiche gilt auch für die CVP-Basis, die schweizweit gesehen der SP gegenüber der FDP den Vorzug gab bei der Wahl des Ständerates.

 

 

Ebenso trifft das auf die BDP- und die GLP-Basis zu, wo die SP ebenfalls bereits an zweiter Stelle kommt.

 

 

 

Anders sieht es bei den SVP-Kandidaten aus. Die FDP-Basis unterstützte SVP-Ständeratskandidaturen erst an vierter Stelle (ca. 10,5% der Stimmen), und die Unterstützung aus der CVP ist quasi inexistent (3,5% der Stimmen).

 

 

Was sind die Ursachen für diese extreme Differenz zwischen SVP und SP? Schaut man sich die Gründe der Wähler an, warum sie einen SVP-Kandidaten gewählt haben, so sieht man klare Unterschiede. Bei der Tamedia-Nachwahlbefragung (siehe Infobox unten) konnten die Umfrageteilnehmer aus mehreren Gründen auswählen, welche für sie entscheidend waren. Zur Auswahl standen die Persönlichkeit des Kandidaten, die Parteizugehörigkeit, das politische Profil, das Geschlecht, die Amtsführung, die Kompetenz oder ein anderer Grund.

  • Hat ein Wähler als Wahlgrund die politische Position oder die Parteizugehörigkeit eines Kandidaten angegeben, so war seine Wahrscheinlichkeit, dass er einen SVP-Ständeratskandidaten unterstützte, grösser, als wenn für ihn keiner dieser Gründe entscheidend war.
  • Die Kompetenz hingegen wurde kaum als Grund bei der Wahl eines SVP-Kandidaten angegeben. Da die Mittewähler in der Regel die Position der SVP nicht teilen, gaben sie ihnen auch keine Stimme.

Die SVP schneidet bei den Ständeratswahlen so extrem schlecht ab, weil die Wähler ihre Kandidaten in erster Linie als Parteisoldaten sehen und sie deshalb hauptsächlich von ihrer eigenen Basis gewählt werden. Die extremen Positionen und die stramme Parteiführung bringen zwar Vorteile für die Nationalratswahlen, scheinen sich aber bei den Ständeratswahlen nicht auszuzahlen.

 

 

Anders sieht es bei den SP-Ständeratskandidaten aus. Bei diesen waren die Gründe Kompetenz und Persönlichkeit ausschlaggebend für einen Grossteil der Wähler. Aus diesem Grund wurden sie auch von vielen Mittewählern unterstützt, da die Wähler nicht das politisches Profil des Kandidaten vor Augen hatten, sondern seine Persönlichkeit und Kompetenz. Und dies über alle Parteibasen hinweg.

Der SP gelingt es also im Unterschied zur SVP, ihre Kandidaten als kompetente Persönlichkeiten zu vermarkten. Deshalb schneidet sie bei den Ständeratswahlen überdurchschnittlich erfolgreich ab.

 

 

Die Tamedia-Nachwahlbefragung wurde von Sotomo im Auftrag von Tamedia durchgeführt. Die Umfrage fand am Wahlwochenende der National- und Ständeratswahlen im Oktober 2015 statt. Fast 40’000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Umfrage online ausgefüllt. Die Daten wurden anschliessend nach Kanton, Alter, Bildung sowie dem Entscheidungsverhalten bei vergangenen Wahlen und Abstimmungen gewichtet. Der Wählerfluss (von den Nationalratswahlen zu den Ständeratswahlen) wurde mit einer gewichteten Häufigkeitstabelle berechnet. Welche Gründe für die Wahl entscheidend waren, wurde mithilfe einer multinomialen Regression eruiert.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf politan.ch.

14 Kommentare zu “Wer bei den Ständeratswahlen wen und warum wählte”

  1. Josef Hofstetter sagt:

    An den meisten Aussagen darf man zweifeln. Die SVP wird bei den Ständeratswahlen nicht berücksichtigt, weil die anderen Parteien laufend Mitglieder oder Parteiunterstützer an die SVP verloren haben und deshalb spielt es weder für die CVP noch für die FDP eine Rolle , wenn der SVP Kandidat wesentlich bessere qualifiziert ist. Unterstützt wird deshalb vor allem die SP, sieh z.B. Kanton St. Gallen, Zürich, Luzern und auch Bern-.

  2. Josef Hofstetter sagt:

    Wenn wir die Resultate der einzelnen Kantone anschauen, dann geht es bei den Ständeratswahlen nicht um kompetente Leute, das war früher einmal, sondern nur um politische Entscheide. Hier werden “Päckli* gemacht zwischen SP, FDP und CVP, nur um einen Kandidaten der SVP zu verhindern. Wenn ich die gewählten Ständeräte betrachte, dann darf man wohl an vielen zweifeln, ob sie überhaupt fähig sind , das Volk zu vertreten. oder einfach nur Parteipolitik betreiben.

    • Nico Basler sagt:

      Ach Hofstetter, sie mit ihrem politischen Röhrenblick. Wenn ich mir so die Volchsvertreter der SVB in BS anschaue bin ich nicht sicher ob ich in der Geisterbahn an der Herbstmesse bin. Mit ganz wenigen Ausnahmen einfach unterirdisch schwach.

  3. Martin sagt:

    Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die SVP alle anderen, und insbesondere auch die FDP und die CVP, immer wieder persönlich und auf tiefstem Niveau angreift? Da muss man sich dann nicht wundern, wenn man von den anderen keine Stimmen erhält.

  4. Ernst Fluri sagt:

    Es wird hier immer mit dem Argument das CVP und FDP rechte Parteien seien das stimmt leider sehr wenige mal , meist sind diese Parteien in der MItte-Links an zu treffen darum wählt man auch nie eine SVP für in den Ständerat. Es ist hier auch zu sagen das die SVP auch nicht in die MItte gehört also will man im Ständerat keine ganz Linke die wir in der Schweiz auch nicht haben auch keine ganz Rechte wie die SVP haben will

  5. Romy sagt:

    Die SP schneidet bei den Ständeratswahlen einfach nur gut ab, gerade weil sie Parteisoldaten sind.

    • Gerold Stratz sagt:

      Oh jeeh, liebe Romy-wer hat Ihnen denn das eingetrichtert?
      Die Realität ist genau umgekehrt:Die SVP-ler Blocher, Maurer, Brunner
      wurden nie von “ihrem Volch” in den Regierungsrat gewählt, weil auch
      der hinterletzte SVP-Fan bemerkt hat: Nur “110%-Blocher-Imprägnierte”, also
      unkritische “Parteisoldaten” können unter der “Blocher-Fuchtel” überhaupt
      in die engere Wahl gelangen.
      Darum, solange der quasi “Partei-Inhaber” alles bestimmt, wie Personalauswahl,
      politische Denkweise, zwingend WW, BaZ, Schweizerzeitleser, Tele-Blocher-Konsument,
      solange kommen nur “Blocher-Gläubige” in die engere Wahl. Also sogar der Parteibasis,
      und einem Teil des Volchs ist ihr “Chef” nicht…

  6. Paul Meier sagt:

    Da muss man gar kein Geld ausgeben für eine Studie! Ständeratswahlen waren schon immer Personenwahlen und NR Wahlen Parteiwahlen. Solang die SVP mit der Stahlhelmfraktion für SR Wahlen antritt wir sie ne eine Chance haben. Und gemässigte SVPler (auch die gibt es) haben keine Chance vor der Parteileitung….

  7. Monique Schweizer sagt:

    Die SVP kann eigentlich froh sein, dass ihre Initiative für eine Bundesratswahl vom Volk klar abgeschmettert wurde, ansonsten hätten sie nicht wie jetzt ihre beiden Quotenbundesräte sondern vielleicht gar keinen bei dem miserablen Kandidatenmaterial, das sie jeweils aufbieten — in etwa so wie in den meisten grossen Städten, wo es keine SVP Exekutivmitglieder hat!

  8. Josef Schöngeist sagt:

    “Der SP gelingt es also im Unterschied zur SVP, ihre Kandidaten als kompetente Persönlichkeiten zu vermarkten.”

    Vielleicht liegt es ja nicht nur am Vermarkten, sondern daran, dass diese meistens kompetentere Kandidaten sind?

    • Urban Zuercher sagt:

      Die SVP Solothurn hat tatsächlich Walter Wobmann in den Ständeratswahlkampf geschickt….
      Von daher steht dieser Satz schon ein bisschen quer in der Landschaft. Aus dieser Ausgangslage kann auch das grösste Werbebudget nicht eine “kompetente Persönlichkeit” basteln…

  9. Dani Keller sagt:

    Fazit: nicht nur im Parlament stimmt die Mitte(?) oft mit Links, sondern die Wähler auch bei den Ständeratswahlen.
    SVPler sind nicht mehr oder weniger Parteisoldaten als SPler. Aber die Medien verwenden diesen Begriff sehr gezielt und gerne für die SVP – nicht ohne Wirkung wie man sieht.
    Interessant wäre noch, inwiefern ein SP Ständerat Kompetenz und Persönlichkeit verkörpert. Mehr Staat? Höhere Steuern? Mehr Bundesgeld für den Kanton?

    • Peter L sagt:

      SP Ständeräte sind menschlich und sind gestandene Männer und Frauen, die sich in der Schweiz sehr bewährt haben. Bei der SVP sind meist rückständige laut und undifferenziert bellende Parteisoldaten. Alle sagen dasselbe und denken gleichgeschaltet mit Blocher und noch schlimmer mit Köppel.

  10. Simone W. sagt:

    Etwas platter ausgedrückt: In den Nationalrat werden Parteien gewählt, in den Ständerat Persönlichkeiten.

    Gleiche Bauernregel gilt auch für weitere Exekutiv- vs. Legislativ-Räte…