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Hier liegt Ihr Steuerparadies

Von Iwan Städler, 13. Juni 2016 28 Kommentare »
Wo zahlen Sie mit Ihrem Einkommen am wenigsten Steuern? Erkunden Sie es mit unserer interaktiven Grafik. Einkommensmillionäre fahren in Wollerau besonders günstig. Sie zahlen dort aber 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Veraltete Daten

Diese Version der Steuerbelastungskarte ist nicht auf dem neusten Stand.

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Wer in Wollerau wohnt, kann sich nicht über exzessive Steuern beklagen. Die Gemeinde ist seit langem bekannt für rekordtiefe Steuersätze. Dennoch dürften die Wollerauer Einkommensmillionäre leer schlucken, wenn sie die Steuerrechnung für 2015 sehen. Verlangt doch der Fiskus im Vergleich zum Vorjahr rund 40 Prozent mehr. Das zeigen die neusten Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Nehmen wir das Beispiel eines Verheirateten mit zwei Kindern. Bei einem Bruttoarbeitseinkommen von einer Million Franken muss er in Wollerau 8,9 Prozent für Kantons- und Gemeindesteuern abliefern. 2014 waren es noch 6,4 Prozent. Der Aufschlag ist happig, doch die Einkommensmillionäre fahren auch so in Wollerau immer noch am günstigsten. Alle anderen 2323 Schweizer Gemeinden verlangen mehr.

Am teuersten ist Schelten im Berner Jura. Dort werden 28,2 Prozent fällig – mehr als das Dreifache wie in Wollerau. Ein Vergleich lohnt sich also – auch für andere Einkommensklassen und Steuerkategorien. Wie schon in den Vorjahren hilft Ihnen dabei unsere interaktive Karte. Hier finden Sie in wenigen Sekunden heraus, wo Ihr persönliches Steuerparadies respektive Ihre Steuerhölle liegt.

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Vergleicht man die Daten mit jenen vom Vorjahr, so resultiert nicht nur in Wollerau ein beträchtliches Plus. Auch in den benachbarten Steuerparadiesen Feusisberg und Freienbach beträgt der Aufschlag für Einkommensmillionäre mehr als 35 Prozent – egal ob sie ledig, verheiratet, Doppelverdiener oder Rentner sind.

Grund dafür ist eine Tarifänderung, die das Stimmvolk des Kantons Schwyz beschlossen hat. Dadurch stieg der Maximalsteuersatz für Spitzenverdiener stark an. Auch der Mittelstand und die Wenigverdiener zahlen seither mehr Kantons- und Gemeindesteuern. Ihr Aufschlag fällt aber geringer aus. In Wollerau beträgt er 12 bis 19 Prozent.

Über 100’000 Franken mehr Steuern

Der Kanton Schwyz will damit etwas gegen seine enormen Defizite unternehmen. Auch für 2016 steigt die Steuerbelastung nochmals an. Als Folge davon fahren Spitzenverdiener künftig im zugerischen Walchwil besser als in den Ausserschwyzer Steuerparadiesen. Dies hat aber laut den Wollerauer Gemeindebehörden bislang nicht zu vermehrten Wegzügen geführt. Die Fluktuation sei schon in den vergangenen Jahren hoch gewesen. Daran habe sich nichts Wesentliches geändert, sagt René Senn, Leiter des Steueramts. Auch im benachbarten Feusisberg hat man keine Absetzbewegungen ausgemacht.

Betroffen sind keineswegs nur ein paar Wenige. Denn in den Ausserschwyzer Steuerparadiesen ist die Dichte an Einkommensmillionären ausserordentlich hoch. Während in der ganzen Schweiz jeder Tausendste Steuerpflichtige über eine Million Franken versteuert, ist es in Wollerau jeder Fünfundzwanzigste. Oft verdienen sie gleich mehrere Millionen. Im Schnitt versteuert ein Wollerauer Einkommensmillionär 4,6 Millionen Franken. Auf dieser Höhe beträgt die Mehrbelastung für 2015 im Vergleich zum Vorjahr weit über 100’000 Franken.

Die Zeche zahlt der Mittelstand

Für 2017 will die Schwyzer Regierung eine Flat Rate Tax einführen – wie zuvor Obwalden und Uri. Davon verspricht sich der Kanton weitere Mehreinnahmen. Gleichzeitig möchte man die Spitzenverdiener nicht vertreiben, indem der Steuertarif künftig flach statt progressiv verlaufen soll. Die Zeche würde der Mittelstand zahlen, der stärker zur Kasse gebeten werden soll. Am 25. September stimmt das Volk darüber ab.

Bereits heute fahren Familien mit mittleren Einkommen im Kanton Zug günstiger als in Ausserschwyz – am günstigsten in Baar. Eine Doppelverdienerfamilie mit zwei Kindern und 150’000 Franken Einkommen muss dort 1,9 Prozent für Kantons- und Gemeindesteuern abliefern. Im neuenburgischen Les Verrières sind es 14,2 Prozent – also mehr als das Siebenfache.

Individuelle Rangliste

Je nach Einkommen und Steuerkategorie sieht die Rangliste der günstigsten und teuersten Gemeinden anders aus. Mit unserer interaktiven Karte können Sie jene Kantone, die Sie speziell interessieren, auch separat analysieren. So erhalten Sie eine Rangliste, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Nicht ausser Acht lassen sollte man schliesslich die Miete. Vor allem für Schlechtverdiener kann ein Steuerparadies nämlich ziemlich teuer sein, wenn man auch die Wohnkosten miteinbezieht. Unter dem Strich ist die Steuerhölle nicht selten günstiger. Denn wo hohe Steuern verlangt werden, sind in der Regel die Mieten tief – und umgekehrt. Für eine Familie mit Vierzimmerwohnung zahlt sich der Wechsel in ein Steuerparadies über den Daumen gepeilt etwa ab einem Jahreseinkommen von 150’000 Franken aus.

28 Kommentare zu “Hier liegt Ihr Steuerparadies”

  1. Nutal Bischoff sagt:

    Wie ist eigentlich das Bruttoarbeitseinkommen definiert? Ich finde, dass diese Bezugsgröße nicht sehr hilfreich ist. Besser wäre es, wenn das effektive steuerbare Einkommen (Reineinkommen, Nettoeinkommen) unter Berücksichtigungen alle Abzüge verwendet würde. Dann kann man die Zahlen mit der Steuerrechnung vergleichen.

  2. Dominik Marty sagt:

    Wäre es möglich, auch die Daten der EStV für Vermögen kartographisch darzustellen? Vielen Dank.

  3. Stefan Mueller sagt:

    Ich finds ja einfach lustig, dass als Standard-Wert von einem Einkommen von einer Million ausgegangen wird. Ist das etwa das Publikumssegment von diesem Blog?

    Wenn man beispielsweise vom schweizerischen Medianeinkommen 2015 von 49’000.- als Standardwert einsetzen würde, würde man plötzlich auf den ersten Blick sehen, dass die Steuerstrategien von Schwyz, Obwalden, Uri & Co für die normale Bevölkerung gar nix bringen.

    • Gian Fillipo sagt:

      das hat wohl eher damit zu tun, dass die geschichte diese einkommensklasse behandelt. die grafik zeigt dann, wovon der text spricht

  4. Michael A. Aebersold sagt:

    Finde es schade, dass Ihre “Kategorie” höchstens 2 Kinder erlaubt, obwohl Einkommensmillionäre meistens über 4 Kinder verfügen, wie es beispielsweise bei meinen Eltern der Fall ist.

  5. Jakob Weber sagt:

    Als Rentner kann man locker 75 % Steuern sparen, wenn man von Basel nach Deutschland auswandert. Weder Eigenmietwert noch Vermögenssteuer werden hier eingefordert und auch die Pensionskassenleistungen werden nur teilweise besteuert. So spare ich jährlich rund 20`000 Franken und profitiere erst noch von den niedrigeren Lebenshaltungskosten.

  6. Hans Meier sagt:

    Zum Beispiel hätte man den Kanton Jura nie gründen dürfen. Es war absehbar, dass dieser Kanton nicht übelebensfähig sein wird. Es braucht Fusionen, damit die Kosten der Gemeinden besser kontrolliert werden können. Die Zukunft wird zeigen, dass sich die Kantone und Gemeinden breiter abstützen müssen. Solange jeder Bürger glaubt, dass nur sein Kanto oder Gemeinde gut sei, solange müssen wir auch solch hohe Steuern bezahlen.

    • Pitt Almeida sagt:

      was wäre die Alternative zur Nicht-Gründung des Kantons Jura gewesen?

      • Peter Widmer sagt:

        Da könnte man ja auch gleich fordern, dass der Kanton Jura und der Kanton Bern durch die den NFA finanzierenden Kantone anteilgemäss verwaltet werden 🙂 siehe ua

    • Hans Grob sagt:

      … damit die Kosten der Gem. besser kontrolliert werden koennen.

      Quatsch. Der elementare Aufwand ist mehr oder weniger ueberall derselbe, mit Vorteil eher bei kleineren Koerperschaften. Sehr verschieden hingegen die Einnahmen. Was waere, wenn Novartis von Basel weggehen und sich in Soulce JU niederlassen wuerde?

    • Thomas Hartl sagt:

      Wenn es bei der Grenzziehung um möglichst kostengünstige Verwaltungseinheiten gehen würde, hätten wir auch die Schweiz nie gründen dürfen. Als Süddeutsches Bundesland könnten wir jede Menge Administration in Bern sparen. Nur sind Grenzen eben auch da, um der lokalen Bevölkerung Autonomie und eine Identität zu geben. Im Hinblick auf den drohenden Bürgerkrieg, war die Gründung des Kantons Jura sicher keine schlechte Idee. Unterschiede in der Steuerlast müssen durch einen Finanzausgleich, und nicht durch die Liquidierung von Kantonen, ausgeglichen werden.

  7. Pedro Aledo sagt:

    Paradiese sind meistens langweilig auf Dauer. Interessant wäre primär, wie sich Steuersatz und hohes Einkommen gegenüber gesellschaftlicher Beteiligung, gemessen z.B. an Vereinsmitgliedschaften, verhält. Von letzterer können wir sicher erwarten, dass sie bei immigrierten ‘Managern’ und ex-pat-Typen bei Null liegt. Wer sich hingegen in den ‘Steuerhöllen’ des hinteren Juras umsieht, sieht überdurchschnittlich viele ‘unions’ und entsprechende Treffpunkte. Geld ist zwar ein genau messbarer, aber wenig zutreffender absoluter Indikator für gutes Leben, das man auch in abgelegenen armen Regionen der Welt findet, vorausgesetzt, es herrsche Friede und Kommunitarimus bei genug Freiheit.

  8. Dominic sagt:

    Ich gehe davon aus, dass diese Prozentzahlen auf das Bruttoeinkommen bezogen sind. Nur so komme ich auf die Werte. Würden aber alle Bewohner die Steuern vom Brutto-Einkommen bezahlen, würde es ganz anders aussehen. Aber jedes Kind weiss ja, wenn man richtig Geld hat kann man viel am Fiskus vorbeisteuern.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Schön, dass das jedes Kind weiss. Können Sie mir erklären wie, ich würde das gerne auch nutzen, aber leider weiss ich nicht das, was ja jedes Kind weiss.

    • Jürg Hauser sagt:

      ist auch normal. Oder wie wollen sie mit wenig Geld, viel Geld am Fiskus vorbei schleusen?!

  9. Bernhard Piller sagt:

    Die Bundessteuer und die kantonalen Steuern werden immer ausgeklammert, wenn die Gemeinden miteinander verglichen werden. Wenn diese dazu kommen, sind die Unterschiede in der Gesamtsteuerbelastung im Bereich von ein paar wenigen Prozent.
    Und außerdem, in Les Verrières leben ja auch Leute, und zwar freiwillig. Steuern sind nicht alles im Leben eines Menschen.

    • Rudolf Bächtold sagt:

      @Piller – Lesen bildet: Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern sind in dieser Berechnung miteinbezogen. Die Bundessteuer ist im ganzen Land gleich. Was fehlt, ist die Vermögenssteuer (die recht einschenken kann).

  10. Pedro Aledo sagt:

    Warum sich auf die Steuern konzentrieren????? Einzig wichtig wären die gesamten Lebenshaltungskosten, unter denen die Wohnkosten/Mieten/Immobilienpreise die wichtigsten sind. Tiefe Steuern -> hohe Mieten. Hohe Steuern -> tiefe Mieten (gilt nicht überall, z.B. für Ballungszentren in Westschweiz). Allgemein eine ungute Entwicklung. Hochverdiener wandern in steuergünstige Kantone, welche dadurch noch leistungsfähiger werden. Niedrigverdiener bleiben in Hochsteuerkantonen, welche ihren Status nicht abschütteln können.

    • Enrico Moretti sagt:

      Wieso sollte es eine ungute Entwicklung sein, wenn die Immobilienpreise die Steuerunterschiede ausgleichen. Das sollte ganz in ihrem Sinne der Harmonisierung sein?

  11. Rudolf Bächtold sagt:

    Dieser Steuervergleich ist natürlich unvollständig: Es fehlen die Vermögenssteuern, die im Kanton Schwyz immer noch äusserst tief sind (womöglich tiefer als in Zug). Nimmt man das Steuer-Gesamtpaket, verteidigt Schwyz seinen Spitzenplatz. Und nicht vergessen: Hier gibts keine Erbschaftssteuer …

  12. magerius sagt:

    Das Steuergesetz in diesem Lande ist mehr als ein Desaster. Das innerhalb einem solchen kleinen Land solche horrende Unterschiede bestehen ist eine Schweinerei -und innerhalb eines Kanton noch die grössere. Ein Land ohne Solidaritäten -eben.

    • Jürg Steiner sagt:

      Sie haben es wirklich nicht verstanden. Gerade die Steuergesetze sind der grosse Erfolg der Schweiz. Dadurch entsteht ein anreiz zum Sparen und vorsichtig umzugehen mit den Steuergeldern. Die Konkurenzsituation zwischen den Kantonen und den Gemeinden zwingen zu einer Effizienten Arbeitsweise. Schauen Sie mal wie “super” es in den Ländern geht die dies nicht haben.

      • Carlo Schneider sagt:

        Schauen Sie doch mal: Luxemburg hat solche Steuergefälle nicht und liegt aber auf dem Reichtumssindex vor der Schweiz.

        • Urs Wigger sagt:

          Luxembourg hat auch sage und schreibe 147km Autobahn und etwas mehr als 500K Einwohner toller Vergleich, wie sieht der Vergleich mit Andorra aus?

    • Adrian Wehrli sagt:

      Das nennt sich Steuerwettbewerb. Sind die Unterschiede zu Gross, kommt das Gefühl von Ungerechtigkeit auf, ist der Wettbewerb zu gering, Verschleudern die Steuervögte unsere Kohle ohne Restriktion.

    • Bernhard Piller sagt:

      Haben Sie noch nie von Wettbewerb gehört? Wenn es keinen Wettbewerb gäbe, würde das (es gäbe nur noch eines, und zwar ein schäbiges) Auto 100’000 CHF kosten und die Steuern wären bei 92% Gesamtbelastung.
      Solidarität ist gut, aber man darf sie auch nicht überspannen..

    • magerius sagt:

      Zehn % Steuer bei 50000 Brutto Einkommen oder zwanzig % – sind, werte Herrschaften, in solchen Einkommensverhältnissen von tragender Bedeutung. Aufgrund der Kommentare die auf meinen Kommentar eingegangen sind, muss ich davon ausgehen, dass alle diese Kommentatoren in finanziellen Unbeschwertheit leben und sich auch den Steuersatz günstigsten Ort selber wählen können.

      • David Braun sagt:

        Ich schlage vor alle Milliardäre ziehen nach Wollerau oder Herrliberg, alle Sozialhilfeempfänger nach Basel Stadt oder Winterthur. Das wäre dann der Steuerwettbewerb, wie ihn der gute Schweizer versteht.