Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

«An meinem 30. Geburtstag erhielt ich die Nachricht vom Konkurs»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 14. Juli 2018
Rolf Locher hat mit 25 Jahren sein eigenes Herrenmodegeschäft eröffnet. Foto: Rikk Zimmerli

Rolf Locher: «Ich perfektionierte die Fassade, wahrte den schönen Schein.»

Mit 24 Jahren angelte sich Rolf Locher einen prestigeträchtigen Vertreterjob, mit 25 Jahren eröffnete er sein erstes eigenes Herrenmode-Geschäft in Burgdorf, bald darauf zwei weitere. Im ersten Teil des Interviews* erzählt der Unternehmer, wie er in den boomenden Achtzigerjahren zum Überflieger und schliesslich zum Versager wurde.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Der Tod kann viel mehr sein als eine Zumutung»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 9. Juni 2018
Pascal Mösli: «Wir sind nie so lebendig, wie wenn wir uns auf unsere Ängste einlassen.»

Pascal Mösli: «Wir sind nie so lebendig, wie wenn wir uns auf unsere Ängste einlassen.»

Pascal Mösli hat schon als Kind dem Tod ins Auge geblickt, später begleitete er sterbenskranke Menschen. Der Tod als Inbegriff der Unsicherheit mache uns Angst, sagt der 51-Jährige, es lohne sich aber, sich frühzeitig mit dem Sterben auseinanderzusetzen. Dies erleichtere nicht nur den Abschied, sondern lehre uns Entscheidendes über das Leben.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Wenn man zu sehr leidet, ist kein Schmerzensgeld hoch genug»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 2. Juni 2018
Ramun Hofmann lässt sich von seiner Neugier und dem Spieltrieb leiten.

Ramun Hofmann lässt sich von seiner Neugier und dem Spieltrieb leiten.

Der Berner IT-Unternehmer Ramun Hofmann gab seinen Kaderjob bei der Swisscom auf, um mit Kunden schneller und unkomplizierter Probleme lösen zu können. Von seinen 30 Angestellten erwartet er Neugier und Verspieltheit statt Perfektionismus. Kommende Woche will er im Auftrag des Swiss Economic Forums Jugendliche fürs Unternehmertum begeistern.

Interview: Mathias Morgenthaler

Herr Hofmann, Sie veranstalten im Rahmen des Swiss Economic Forums kommende Woche ein Summer Camp für den Unternehmernachwuchs. Was wollen Sie den 30 Jugendlichen da vermitteln?

RAMUN HOFMANN: Meine wichtigste Botschaft ist: Es gibt nicht nur die glamourösen, kapitalintensiven Start-up-Geschichten, die man aus den Medien kennt. Unternehmerisch agieren heisst, neugierig sein, Dinge ausprobieren, testen, verbessern – kurz: pragmatisch vorgehen statt perfektionistisch. Wir wollen die 16- bis 22-jährigen Teilnehmer ermutigen, indem wir sie aus der Komfortzone herausholen. Sie sollen einerseits lernen, welche Werkzeuge und Methoden dabei helfen, Ideen weiterzuentwickeln und mit anderen zu teilen. Ebenso wichtig ist, dass die Teilnehmenden etwas über sich lernen, verstehen, wie sie in einer Gruppe funktionieren, welche Rolle ihnen entspricht. Nicht immer ist der mit dem grössten Fachwissen auch der beste Chef. Und schliesslich ermöglichen wir den jungen Leuten einen direkten Austausch mit den Chefs bekannter Unternehmen. So wird hoffentlich beim einen oder anderen der unternehmerische Funke gezündet.

Sie waren in dieser Hinsicht eher ein Spätzünder und gründeten erst nach einem Studium an der ETH Lausanne und nach sechs Jahren bei der Swisscom Ihr eigenes Unternehmen 89grad.

Seit acht Jahren bin ich ausschliesslich als Unternehmer tätig, aber eine eigene Firma hatte ich schon vorher gegründet – als Kontrast zum trockenen Studium. Ich war ernüchtert, wie theorielastig der damals neu lancierte Studiengang zum Ingenieur für Kommunikationssysteme ausgestaltet war. So schaltete ich schon nach zwei Jahren ein Zwischenjahr für den Militärdienst ein und gründete eine Firma für Webdesign. Es dauerte nicht lange, da hatte ich einen riesigen Auftrag an Land gezogen: die Website für Roche Holland zu realisieren. Während meiner Masterarbeit über Sensornetzwerke arbeitete ich bei Swisscom und blieb dann dort hängen. Nach einer Reorganisation konnte ich ein kleines Team übernehmen, wo wir uns mit der Kommunikation von Maschinen befassten, heute bekannt unter dem Stichwort «Internet of Things». Über eine weitere Station übernahm ich schliesslich die Verantwortung für ein 25-köpfiges Team, das sich mit der Frage beschäftigte, wie sich die technologische Innovation auf die Kunden auswirkt, etwa, wie wir künftig arbeiten und kommunizieren werden.

Sie waren also flott unterwegs auf der Karriereleiter.

Ja – mit einigen unschönen Nebeneffekten. Plötzlich war ich hauptsächlich damit beschäftigt, mich um die Sorgen meiner Mitarbeiter zu kümmern und bei meinen Vorgesetzten zu lobbyieren, um Projekte bewilligt zu bekommen. Ich hatte kaum mehr mit Projektarbeit oder Kunden zu tun und tat mich zunehmend schwer damit, wie lange es in einer so grossen Organisation dauerte, bis etwas umgesetzt werden konnte. Ein Beispiel: Als das Thema Smartphone-Apps aufkam, konnte man bei Apple Lizenzen für 150 Franken kaufen. Ich wollte nicht warten, bis das intern bewilligt wurde, sondern kaufte über meine private Kreditkarte eine Lizenz und jemand aus meinem Team entwickelte übers Wochenende die erste Swisscom-App. Die Geschäftseinheit, die dafür zuständig war, brauchte ganze sieben Monate, bis sie mit einer vergleichbaren App herauskam.

Und Sie entschieden sich dann, dass Ihnen Freiheit wichtiger ist als ein garantiertes hohes Einkommen?

Wenn man zu sehr leidet, ist kein Schmerzensgeld hoch genug. Ich begann, exzessiv Sport zu treiben, fünfmal pro Woche, aber mit der Zeit genügte das nicht mehr als Ventil. Schliesslich litt ich immer öfter unter Migräneanfällen und begriff, dass es Zeit war, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Mein Kollege Florian Baumgartner und ich entschieden uns, die interessante Arbeit ausserhalb des Konzerns weiterzuführen. Wir gaben uns ein Jahr Zeit, verzichteten auf einen ausgeklügelten Businessplan und stürzten uns direkt in Kundenprojekte. Mit dem Firmennamen 89grad signalisierten wir, dass wir keine Standardsachen machen, also nicht einfach rechte Winkel bauen, sondern immer wieder vom Kundenbedürfnis ausgehen. Zudem taucht der Name im Telefonbuch weit vorne auf und die 89 Grad entsprechen der idealen Brühtemperatur für den Espresso, wie ich nachträglich erfuhr.

Sie sind in der Software-Entwicklung, aber auch in der Hardware-Produktion und im 3-D-Druck tätig. Müsste man sich nicht spezialisieren als kleiner Anbieter?

Dafür bin ich schlicht zu neugierig und zu verspielt. Ich habe schon im Kindergartenalter mit dem Elektronik-Experimentierkasten gespielt statt mit den Zwergen und Holzklötzen. Und als wir den ersten Amiga-500-Computer gekauft hatten, studierte mein Vater immer noch die Bedienungsanleitung, als ich schon mit der Maus und den Disketten hantierte. Als die Apps aufkamen, stellten wir mal zum Spass eine rudimentäre Tennis-App in den Apple-Store und staunten, wenn jemand in Australien oder Kanada sie runterlud. Eines Tages kam dann eine Rüge von Apple, der Begriff «Grand Slam» sei geschützt, plus via Anwalt eine Schadenersatzforderung über 50’000 Dollar, die wir zum Glück abwenden konnten. Für mich ist der spielerische Ansatz extrem wichtig, auch bei der Auswahl der Mitarbeiter. Ich stelle eher jemanden an, der für seinen Vater eine App programmiert hat, damit dieser aus seiner DVD-Sammlung auf Knopfdruck alle romantischen Liebesfilme rausfiltern kann, als einen, der bis in alle Tiefen Code schreiben kann.

Aber die Kunden wollen doch mit Fachleuten zu tun haben.
Die Kunden brauchen in erster Linie jemanden, der ihnen hilft, herauszufinden, was sie wirklich wollen. Ideen und Fachspezialisten gibt es viele, die entscheidende Frage ist oft, welche Probleme rasch mit überschaubarem Aufwand gelöst werden können. Deswegen entwickeln wir in allen Projekten rasch Prototypen, um beim Kunden zu testen, ob sich die Idee bewährt. So können wir schon nach zwei, drei Wochen Dinge verbessern, während andere nach sechs Monaten mit einem ausgeklügelten Produkt auf den Markt kommen, das keiner will. Als Stromer 2012 das E-Bike-Modell ST2 auf den Markt brachte, wusste die Firma zwar, dass die Vernetzung mit dem Smartphone viele neue Möglichkeiten eröffnete, aber sie hatte keine klare Vorstellung, was sie nun damit anfangen sollte. Wir halfen, einen Hardware-Lieferanten auszuwählen und eine einfache Software zu entwickeln. In einem zweiten Schritt ging es darum, zu verstehen, wie sich das Geschäftsmodell durch die Technologie verändern würde. Wie änderte sich die Beziehung zu den Händlern, wenn die Kundendaten via Smartphone direkt bei Stromer landeten? Welche anderen Akteure sollten wie ins Ökosystem eingebunden werden? Es ist wichtig, die Tragweite solcher Veränderungen früh zu erkennen.

Wenn Sie Experimente und Innovation so sehr mögen: Warum sind Sie nach wie vor als Bataillonskommandant in der Schweizer Armee tätig?
Vier Wochen Abwesenheit pro Jahr sind zwar viel für einen Unternehmer, aber diese Absenzen helfen mir, regelmässig auf Distanz zum Tagesgeschäft zu gehen, mehr zu delegieren, besser vorauszudenken. Generell habe ich im Militär viel über Führung gelernt. Dass ich in jungen Jahren eine Kompanie mit 150 Leuten führte, erleichterte es den Swisscom-Verantwortlichen, mir ein fünfköpfiges Team anzuvertrauen. Später wuchs die Führungsspanne. Ein Bataillon von 700 Leuten kann man nicht mit Befehl und Kontrolle führen, sondern nur über persönliche Überzeugung und klare Ziele. In meinem Unternehmen mit 30 Angestellten handhabe ich das ähnlich. Zudem gefällt mir die bunte Mischung aus Menschen verschiedenster Herkunft und mit sehr unterschiedlichem Bildungsstand im Militär. Und man kann auch in der Armee einiges bewegen. Ich habe generell ein Flair für unkonventionelle Ansätze. Das zeigt sich auch darin, dass ich bei der Hochzeit den Namen meiner Frau angenommen habe – nur, weil etwas schon immer so war, muss es ja nicht auf ewig so bleiben.

Information und Kontakt: ramun.hofmann@89grad.ch oder www.89grad.ch

«Die Kinder lernen hier, wie und wann sie wollen»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 26. Mai 2018
Brigitte Wechsler, Geschäftsführerin der Schule Fokus, in der auch Kinder mitbestimmen.

Brigitte Wechsler, Geschäftsführerin der Schule Fokus, in der die Kinder mitbestimmen.

Was würde passieren, wenn es in der Schule keinen Stundenplan, keine Noten und keinen Pflichtstoff gäbe? Würden die Kinder dann nur auf der faulen Haut liegen? Brigitte Wechsler, die vor gut vier Jahren die demokratische Schule Fokus mitbegründet hat, ist überzeugt, dass es sich lohnt, Schülern beim Lernen grosse Freiheiten zu lassen.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Ich lasse mich treiben und geniesse die Intensität des Lebens»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 28. April 2018
Deborah Stotz lernt in Ghana eine ganz andere Arbeitswelt kennen.

Deborah Stotz lernt in Ghana eine ganz andere Arbeitswelt kennen.

Vor einem halben Jahr hat Deborah Stotz ihren Lebensmittelpunkt von Bern nach Accra in Ghana verlegt. Dort hat die 34-Jährige rasch gemerkt, dass sie mit Planung und Kontrolle wenig erreicht. Obwohl alles lauter und chaotischer ist als in der Schweiz, fühlt sie sich wohl in der 2-Millionen-Stadt und denkt nicht an die Rückkehr.

Interview: Mathias Morgenthaler

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Wie indische Spezialitäten direkt auf Schweizer Teller kommen

Mathias Morgenthaler am Samstag den 21. April 2018
Tobias Joos will mit transparenten Sammelbestellungen die Gestze des Handels brechen. Foto: Mathyas Kurmann

Tobias Joos will «die Gesetze des Handels brechen». Foto: Mathyas Kurmann

Im Lebensmittelhandel diktieren die grossen Akteure die Preise, für die Produzenten bleibt oft nicht mehr viel übrig. Tobias Joos will das ändern. Dank seinem Projekt Crowdcontainer können Schweizer Kunden direkt in Indien, Italien oder Peru einkaufen und sich mit Kleinproduzenten austauschen. Die Kosten sind transparent aufgeschlüsselt.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Wenn du auf den richtigen Moment wartest, startest du nie»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 14. April 2018
Daniela Marino hat drei Kinder, zwei leibliche und ein Start-up, das menschliche Haut züchtet. Foto: Wyss Zurich

Daniela Marino hat drei Kinder, zwei leibliche und ein Start-up, das menschliche Haut züchtet. Foto: Wyss Zurich

Eigentlich wollte Daniela Marino Professorin werden, doch dann machte ihr Forschungsteam am Kinderspital Zürich bei der Züchtung von menschlicher Haut solche Fortschritte, dass sie sich über Nacht entschied, die Firma Cutiss zu gründen. Nun setzt die 36-jährige Mutter alles daran, den Weltmarkt für Eigenhaut-Transplantation zu erobern.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Meditieren sollte so normal werden wie Zähneputzen»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 7. April 2018
Richard Davidson, Erforscher und Promotor der regelmässigen Meditation.

Richard Davidson, Erforscher und Promotor der regelmässigen Meditation.

Zu Beginn seiner Karriere untersuchte Richard Davidson, Professor für Psychiatrie und Psychologie an der Universität Wisconsin-Madison, neuronale Ursachen von Angststörungen. Seit einem Treffen mit dem Dalai Lama konzentriert er sich auf die Frage, wie Menschen ihre Verfassung und ihr Verhalten durch Meditation verbessern können.

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«Ich versuche, den Jagd-Instinkt der Frauen zu wecken»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 31. März 2018
Marie-Louise Swain, Sozialarbeiterin und Laufbahncoach für Frauen.

Anne-Louise Swain, Sozialarbeiterin und Laufbahncoach für Frauen.

Seit über 10 Jahren begleitet Anne-Louise Swain Frauen bei der beruflichen Neuorientierung. Die 48-Jährige kennt die Höhen und Tiefen einer nicht linearen Karriere aus eigener Erfahrung. Swain, die sich vor einem Jahr selbständig gemacht hat, rät Frauen, ihre Bescheidenheit abzulegen und ihre Stärken mutiger hervorzustreichen.

Interview: Mathias Morgenthaler
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«Wenn wir eine Stelle besetzen, kocht der Kandidat fürs ganze Team»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 24. März 2018
Emanuel Steiners Start-up Felfel wächst so schnell, dass die Personalsuche viel Zeit und Geld kostet.

Emanuel Steiners Start-up Felfel wächst so schnell, dass die Personalsuche viel Zeit und Geld kostet.

Was passiert, wenn ein Unternehmensberater einen Businessplan in eigener Sache erstellt und den Quereinstieg in die Gastronomie wagt? Im Fall von Emanuel Steiner und seinem Start-up Felfel hat sich die Realität exakt an den Plan gehalten. Der 34-Jährige beschäftigt vier Jahre nach der Firmengründung schon über 40 Mitarbeiter und verpflegt 20’000 hungrige Kunden.

Interview: Mathias Morgenthaler
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