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«Manchmal fühle ich mich wie ein neugeborener Eisbär»

Mathias Morgenthaler am Montag den 10. Januar 2011

52 Interviews zum Thema «Beruf und Berufung» sind im Jahr 2010 erschienen. Zu den Gesprächspartnern gehörten prominente Persönlichkeiten wie Adolf Ogi, Heinrich Villiger oder Klaus Wellershoff, aber auch unbekannte wie die Bergbäuerin Sabine Reichenbach oder der Aktienhändler Erich Perroulaz. Ein Rückblick in Zitaten.

«Wenn ein 40- bis 45-jähriger Chef gesucht wird, habe ich natürlich schlechte Karten.»

(Hanspeter Danuser, 61, über seinen forcierten Abgang als Kurdirektor von St. Moritz.)

«Ich könnte ohne jeden Knochen hier hinstehen – so dick ist meine Haut geworden.»
(Nochmals Danuser über die Folgen von 30 Jahren Arbeit in der Öffentlichkeit.)

«Ich bin ja nichts anderes als ein notorischer Geschäftskuppler und Happymaker.»
(Danuser zum Dritten – über seine neue Aufgabe als Direktor bei der Deutschen Bank.)

«Wer nur mit Managern und nie mit Kindern zu tun hat, riskiert, unschön und schnell zu altern.»
(Barbara Artmann, Besitzerin und Chefin der Schuhfabrik Künzli)

«Zu einer Marke muss man jeden Tag Sorge tragen, genau wie zu einer Ehefrau – sonst kostet es rasch viel Geld.»
(Art Furrer, Hotelier, Hofnarr und ungekrönter König auf der Riederalp)

«Weil ein Dollar damals 4.30 Franken wert war, konnte ich für relativ wenig Geld viel Land kaufen.»
(Nochmals Furrer über seine Anfänge auf der Riederalp nach der Rückkehr aus den USA.)

«Man wird künftig nicht weniger denken, aber man hat dank elektronischen Assistenten Kapazitäten frei für Neues.»
(ETH-Professor Gerhard Tröster über den Nutzen des technologischen Fortschritts.)

«Wir überschätzen chronisch den Einfluss der materiellen Güter auf unsere Lebenszufriedenheit.»
(Bruno Frey, Professor an der Uni Zürich mit Spezialisierung auf die Glücksökonomie)

«Plötzlicher Reichtum ist eine problematische Sache, die zuweilen direkt ins Unglück führt.»
(Nochmals Bruno Frey über das trügerische Glück der Lottokönige)

«Manchmal fühle ich mich wie ein neugeborener Eisbär – ein Exot, der Schaulustige anzieht.»
(Andy Keel, der vom Banker zum Hausmann wurde und die Seite teilzeitkarriere.ch aufgebaut hat.)

«Ämterkumulation ist offenbar kein Problem – was also spricht gegen familienbedingte Teilzeitarbeit von Männern?»
(Nochmals Andy Keel.)

«Eine der grössten Gefahren in unserem Beruf ist, dass man zum Guru wird.»
(Jörg Wetzel, Mentaltrainer ohne entsprechende Absichten.)

«Kein gesunder Mensch ist seinen Stimmungsschwankungen wehrlos ausgesetzt.»
(Nochmals Jürg Wetzel.)

«Wenn ich wissen wollte, wer ich bin, konnte ich nur mein Bankkonto befragen.»
(Erich Perroulaz, der als Aktienhändler Erfolge feierte und als Coach Erfüllung fand.)

«Frei ist nur, wer Reichtum empfindet unabhängig vom Geld.»
(Nochmals Erich Perroulaz.)

«Plasticsäcke sind Zeitbomben – sie werden im Schnitt 20 Minuten gebraucht, es dauert aber 400 Jahre, bis sie in der Natur abgebaut werden.»
(Frédéric Mauch, Chef der Firma BioApply, die Tragtaschen aus Bio-Kunststoff herstellt.)

«Wo kann man den Tag besser revue passieren lassen als am Abend über den Wolken?»
(Jeannine Pilloud, damals Managerin bei T-Systems, neu Chefin SBB-Personenverkehr.)

«Meine Tochter sagt schon jetzt, sie wolle später auch Chefin werden.»
(Nochmals Pilloud – über den Spagat zwischen Arbeit und Familie.)

«Es bringt nicht viel, verbissen gegen Männer zu kämpfen, die den Patriarchen markieren.»
(Helena Trachsel, langjährige „Miss Egalité“ bei Swiss Re, heute Partnerin bei PromoveTM)

«Wenns nach Regentagen schön ist, beginnt der Tag um 5 Uhr und endet nicht vor 23 Uhr.»
(Sabine Reichenbach, Bergbäuerin in Lauenen bei Gstaad)

«Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass man in einer Organisation etwas Wichtiges verändern kann, kleiner ist als die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Gebilde zusammenbricht, dann muss man gehen.»
(Klaus Wellershoff, langjähriger Chefökonom der UBS, über die Gründe seines Abgangs.)

«Die Finanzindustrie ignoriert konsequent die Forschung und die praktische Erfahrung der letzten 20 Jahre.»
(Nochmals Wellershoff, der seit 2009 für Wellershoff & Partners tätig ist.)

«Überfordert war ich nie – ich konnte immer innerhalb von einer Minute einschlafen.»
(Adolf Ogi über seine Zeit im Bundesrat.)

«Manchmal muss ich darüber lachen, dass ich ein wenig zum Doktor und Seelsorger geworden bin.»
(Nochmals Ogi, der täglich 30 Briefe erhält und oft auf der Strasse angesprochen wird.)

«Ich bin froh, mein Geld nie einem Banker anvertraut zu haben – das sind in vielen Fällen keine Anlageberater, sondern Anlageverbrater.»
(Heinrich Villiger, der sein Unternehmen Villiger Söhne auch im 81. Lebensjahr mit starker Hand führt.)

«Bis 2020 will die WHO die rauchfreie Gesellschaft installiert haben – so lange werde ich weitermachen und Gegensteuer geben.»
(Nochmals Villiger, ohne Anzeichen von Altersmilde.)

«Ich hasse Mittelmässigkeit. Wer kann, soll machen, was ihn fesselt – und zwar mit 150 Prozent Einsatz.»
(Peter Rebeiz, Chef von Caviar House & Prunier und grösster Kaviarhändler der Welt.)

Das Buch zum Thema:

Mathias Morgenthaler: Beruf und Berufung. Interviews. Zytglogge Verlag,  Oberhofen 2010. 349 S., 36.- Fr. Im Buchhandel oder über www.zytglogge.ch

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