Frauenbilder aus den 30er-Jahren

Womöglich steckt in den Fotografien von Jean Gaberell eine politische Botschaft.

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BILDSEITE VOM 5.3.16 Gabarells Schweizer Bilder /Int. Frauentag vom 8.3.16

 

Doch, es gab ihn schon damals, den Internationalen Frauentag, der auch dieses Jahr am 8. März wieder begangen wird. Aber Jean Gaberell ging es nicht um den Kampf für Gleichberechtigung, den die Sozialisten aller Länder an und mit diesem Tag führten. Es war 1927/1930, als dieser Gaberell, Fotograf und Postkartenverleger im zürcherischen Thalwil, sein zweibändiges Monumentalwerk «Schweizer Bilder» herausgab. Und darin hatten auch die «Walliser Mädchen im Festkleid» (oben) und die «Wassernixen im Strandbad» ihren Auftritt.

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Walliser Mädchen im Festkleid (alle Bildlegenden original übernommen)

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Walliserin; alte Patriziertracht.

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Lötschentalermädchen beim Strohflechten.

Allerdings nicht als Persönlichkeiten. Und schon gar nicht als politische Subjekte. Sondern nur als Exempel eines Menschenschlags, als Elemente jenes Landes, von dem es im Buch so schwärmerisch heisst, es sei «ein Land des Friedens, der Ruhe und Erholung, ein Land der Kraft, des Glücks und der Fröhlichkeit». Die Natur, so lernt man es bei Gaberell, und mehr noch sieht man es auf seinen Bildern – die Natur also habe die Schweiz «verschwenderisch» mit landschaftlichen Schönheiten bedacht, sie dagegen umso knapper an anderen «Reichtümern» gehalten. Das aber mit guter Absicht: Charakterbildung! «Hier wollte die Natur gerade durch die Armut ihres Bodens sich ihre Kinder enger verbinden und sie nötigen, tatkräftig, arbeitsam und erfinderisch zu sein.»

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Frauen bei der Gemüseernte.

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Wassernixen im Strandbad.

Den Trachtenfrauen traut man dieses Ethos ohne weiteres zu. Aber in Gaberells fotografischem Heimatalbum illustriert auch das Freizeitvergnügen am See die Idee, dass in diesem Land die schöne Natur Heimat und Menschen «enger verbindet». Der Sport – im Schwimmanzug genauso wie auf dem Golfplatz oder am Steuer der staubstiebenden Automobile auf dem Klausenpass – verkörpert zwar ein Lebensgefühl, das seinerzeit enorm modern war: das Tempo und die Dynamik einer neuen Generation. Zugleich ist es bei Gaberell erneut die Natur, die dieses Gefühl auf den Boden holt: Auch der Sport, «bei reiner Luft und strahlender Sonne», ist eine Erfahrung der Heimat, in der «alles in Schönheit erglänzt». Und so sind auch die Sportsleute letztlich nur Statistinnen im Dienst dieser Postkartenheimat. Immerhin diese Rolle tragen hier beide Geschlechter gemeinsam. Dass niemand auf Flausen kommt und etwa das Wahl- und Stimmrecht für Frauen verlangt – dafür sorgt dann wohl auch die schöne Natur.

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Auf der Furka; Blick gegen Finsteraarhorn.

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Furkastrasse und Rhonegletscher

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Im Eislabyrinth des Jungfraugebietes.