Sanders in der Seniorenfalle

Martin Kilian aus Washington am Samstag den 26. März 2016
Wahltheater 
Bernie Sanders vor Anhängern in Flagstaff, Arizona, 17. März 2016. Foto: Ricardo Arduengo (AP)

Der 74-jährige Senator hat einen schweren Stand: Bernie Sanders vor Anhängern in Flagstaff, Arizona, 17. März 2016. Foto: Ricardo Arduengo (AP)

Neulich war im Onlinemagazin Politico.com, einer elektronischen Insider-Postille mit Zugang zu allen Geheimnissen Washingtons, Folgendes zu lesen: «Führende Demokraten sind zuversichtlich, dass Sanders am Ende die richtige Entscheidung treffen wird.» Bei «Sanders» handelt es sich um Bernie, den demokratischen Präsidentschaftsanwärter und Widersacher Hillarys. Er bezeichnet sich als «demokratischer Sozialist» und will Texas in Dänemark und Alabama in Norwegen verwandeln.

Der Politico-Artikel verhiess nichts Gutes. Denn die «führenden Demokraten» möchten, dass Bernie aufgibt und den Weg frei macht für Hillary. Das wäre in ihren Augen «die richtige Entscheidung». Mehrere «führende Demokraten» werden sogar zitiert, darunter die Senatorin Barbara Mikulsi aus Maryland. Bernie, sagt sie, möge doch bitte die Zahl seiner Delegiertenstimmen durchrechnen «und daraus seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen». Klingt das nicht drohend?

Die «führenden Demokraten» wollen dem 74-jährigen Bernie die Arbeit als Präsidentschaftsanwärter verwehren – ein klarer Fall von Altersdiskriminierung zugunsten einer jüngeren Kollegin. Cormac McCarthy sah es kommen: Die Vereinigten Staaten, betitelte er eines seiner Bücher, seien «kein Land für alte Männer». Dabei ist Bernie gut beisammen, auch sind seine Fans nahezu alle jung, indes die Fans von Hillary alt sind. Doch Hillarys Alte sehen teilnahmslos zu, wie einer der Ihren von der politischen Bühne geschubst wird.

Womöglich buchstäblich: Die Clintons sind bekannt für ihre Jiu-Jitsu-Politik mit harten Bandagen. Ein «führender Demokrat» müsste Bernie bei einem seiner Auftritte lediglich einen leichten Stoss versetzen, worauf der Senior aus Vermont vom Podium ins Publikum kippte – Ende der Vorstellung! Wenngleich alle Umfragen zeigen, dass er der bessere Kandidat wäre und Republikaner wie Trump oder Ted Cruz deutlicher als Hillary besiegen würde.

Doch statt ins Weisse Haus zu dürfen, wird Bernie diskriminiert. Zu alt. Natürlich wäre er der älteste amerikanische Präsident aller Zeiten. Aber 70 ist bekanntlich das neue 20. Zumal sich Sanders auf seine jugendlichen Anhänger stützen könnte: Sie würden ihm im Winter die Einfahrt zum Weissen Haus freischaufeln, für ihn einkaufen, seinen Hund Gassi führen und so weiter. Ausserdem hätte Bernie einen Koch und Chauffeur, einen Hubschrauber sowie einen eigenen Anti-Thrombosen-Jumbojet mit mächtig Beinfreiheit für Reisen nach Übersee.

Trotzdem soll er «Schlussfolgerungen» ziehen. Und abtreten. Dabei gibt ihm sein Vorbild Skandinavien recht: Senioren besässen «in höherem Masse als ihre jüngeren Kollegen» die vom Arbeitgeber «nachgefragten Kompetenzen», heisst es in einem Report des «Nordisk Ministerråd» von 2004. Zweifelsohne haben wir es hier mit einem eklatanten Fall von Altersdiskriminierung zu tun. Bernie soll von der Bühne geschubst werden, obwohl er extrem kompetent ist. Niemals wäre er wie Hillary in Libyen einmarschiert und dann wieder ausmarschiert, hinter sich eine rauchende Ruine inklusive eines gigantischen Rekrutierungslagers für islamistische Mörder.

Aber Bernies Kompetenz zählt nicht. «Führende Demokraten» möchten ihn zwangspensionieren. Ist das nicht skandalös?

Martin Kilian
Martin Kilian, Washington Er ist Amerikaner und Reisender durchs amerikanische Hinterland. Ihn interessiert ziemlich alles zwischen Boston und Seattle, San Diego und Miami. Er lebte unter anderem in Athens, Georgia, und Washington DC und wohnt derzeit in Charlottesville, Virginia. Gelegentlich fliegt er nach Europa und bewundert die Putzigkeit des Alten Kontinents.

10 Kommentare zu “Sanders in der Seniorenfalle”

  1. Hans Stärkle sagt:

    Das ist doch Blödsinn. Nicht das Alter ist es, das ihn für die Amis nicht wählbar macht. Für viele, vor allem Ältere ist er ein Kommunist. Und es gibt nicht hassenswerteres für die Amis als ein Kommunist. Er ist nur nicht genug rechts für die Amerikaner. Und das ist man eben schnell in den USA.

    • Peter sagt:

      Hans Stärkle, Sie sind leider schlecht informiert, in allen US nationalen Umfragen schlaegt Bernie Sanders Trump bei 20%(Hillary bei 8%) und alle andern Republikaner, im neusten Bloomberg Poll auch Hillary bei 1%. Sein Hindernis Anfangs war das er nicht prominent war, doch das hat sich geaendert und bringt Hillary ins schwitzen. Bei Umfragen hat er die hoechsten Resultate in “BELIEBTHEIT”!

  2. Anapa sagt:

    Bernie ist aufrichtig, weise, fair, integer und kein Narzist, ein sehr seltener Politiker!
    Von wegen alt, er hat hunglaubliche Stamina, Junge koennten da kaum mithalten, die Presidentschaftswahlen sind wie ein Maraton, er fuellt riesige Stadien, ist auf Tour wie ein Rockstar.
    Leider versuchen die US Medien ihn zu ignorieren, da er dem Status Quo, der Koruption ein Ende setzen will.
    Beschaemend war auch Aipac, als einziger Kanidat wurde seine Rede augelassen, unerhoert is dass besonders da er der einzige juedische Kanidat ist der auch in Israel gelebt hat. Seine Rede war augezeichnet, er schenkt den Palistinensern sowie den Israelies den selben Respeckt und Gerechtigkeit! Taube des…

    • max sagt:

      Endlich spricht ein juedischer Politiker gegen die besetzten Gebiete in Palestina, die Ungerechtigkeit, Menschenrechtsverletzungen, Bombenangriffe an Schulen, Spitaeler, die UN.
      Israel hat keine Demokratie solange gegen die Palistinaenser diskreminiert wird, 80% des Wassers geht an die Juden, Heiraten zwischen Moslem und Juden sind nicht erlaubt, Besetzungen, die Steuergelder werden zurueckgehalten….
      Israel will davon nichts wissen, doch wenigstens koennen sie President Bernie keinen Antisemtissmus vorwerfen!

  3. Florian Müller sagt:

    Wo Killias recht hat, hat er recht, aber Bernie ist echt stur. Erst am Abend des 7. Juni (WT) wird er seine Zahlen durchrechnen und Schlüsse ziehen. Bis dann lebt Utopie und Hoffnung, und bis dann wird er, auch dank seinen Fans, jeden Tag jünger.

    • Florian Müller sagt:

      Sorry, Kilian natürlich.

      • Michael Dürst sagt:

        Florian Müller, sie missverstehen etwas. Sanders ist dabei eine epochale Bewegung anzuführen. Die Konsequenzen dieser Wahl werden für die Demokraten und die Amerikaner im Allgemeinen weit über den 7 Juni hinausreichen. Aber es stimmt, sagen genau dass, was die corporate elite uns alle glauben machen möchte: dass die Amerikaner sich daran erinnern, dass gute Gesundheitsversorgung zu fairen Preisen, erschwingliches Uni Studium und ein 15 $ Stundenlohn etc. etc. nicht möglich sind, oder?

  4. Gerber sagt:

    Ich würde ihn auf jeden Fall wählen. Er ist der Beste und vor allem hat er ein soziales Gewissen.

  5. Peter Gutknecht sagt:

    “ein klarer Fall von Altersdiskriminierung ” – was für ein Unsinn wieder mal. Im ganzen Artikel von POLITICO kommt das Wort Alter nicht einmal vor.

  6. Alex Kramer sagt:

    Wenn Bernie Sanders auch nur 4 Jahre Präsident sein sollte, hätte er immerhin Trillary beseitigt. Wenn ich könnte, würde ich ihn wählen.
    Das ist für die Weltgemeinschaft sehr wertvoll, wenn plötzlich kein Bilderberger mehr auf der Bühne steht.

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