Sanders in der Seniorenfalle

Bernie Sanders vor Anhängern in Flagstaff, Arizona, 17. März 2016. Foto: Ricardo Arduengo (AP)

Der 74-jährige Senator hat einen schweren Stand: Bernie Sanders vor Anhängern in Flagstaff, Arizona, 17. März 2016. Foto: Ricardo Arduengo (AP)

Neulich war im Onlinemagazin Politico.com, einer elektronischen Insider-Postille mit Zugang zu allen Geheimnissen Washingtons, Folgendes zu lesen: «Führende Demokraten sind zuversichtlich, dass Sanders am Ende die richtige Entscheidung treffen wird.» Bei «Sanders» handelt es sich um Bernie, den demokratischen Präsidentschaftsanwärter und Widersacher Hillarys. Er bezeichnet sich als «demokratischer Sozialist» und will Texas in Dänemark und Alabama in Norwegen verwandeln.

Der Politico-Artikel verhiess nichts Gutes. Denn die «führenden Demokraten» möchten, dass Bernie aufgibt und den Weg frei macht für Hillary. Das wäre in ihren Augen «die richtige Entscheidung». Mehrere «führende Demokraten» werden sogar zitiert, darunter die Senatorin Barbara Mikulsi aus Maryland. Bernie, sagt sie, möge doch bitte die Zahl seiner Delegiertenstimmen durchrechnen «und daraus seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen». Klingt das nicht drohend?

Die «führenden Demokraten» wollen dem 74-jährigen Bernie die Arbeit als Präsidentschaftsanwärter verwehren – ein klarer Fall von Altersdiskriminierung zugunsten einer jüngeren Kollegin. Cormac McCarthy sah es kommen: Die Vereinigten Staaten, betitelte er eines seiner Bücher, seien «kein Land für alte Männer». Dabei ist Bernie gut beisammen, auch sind seine Fans nahezu alle jung, indes die Fans von Hillary alt sind. Doch Hillarys Alte sehen teilnahmslos zu, wie einer der Ihren von der politischen Bühne geschubst wird.

Womöglich buchstäblich: Die Clintons sind bekannt für ihre Jiu-Jitsu-Politik mit harten Bandagen. Ein «führender Demokrat» müsste Bernie bei einem seiner Auftritte lediglich einen leichten Stoss versetzen, worauf der Senior aus Vermont vom Podium ins Publikum kippte – Ende der Vorstellung! Wenngleich alle Umfragen zeigen, dass er der bessere Kandidat wäre und Republikaner wie Trump oder Ted Cruz deutlicher als Hillary besiegen würde.

Doch statt ins Weisse Haus zu dürfen, wird Bernie diskriminiert. Zu alt. Natürlich wäre er der älteste amerikanische Präsident aller Zeiten. Aber 70 ist bekanntlich das neue 20. Zumal sich Sanders auf seine jugendlichen Anhänger stützen könnte: Sie würden ihm im Winter die Einfahrt zum Weissen Haus freischaufeln, für ihn einkaufen, seinen Hund Gassi führen und so weiter. Ausserdem hätte Bernie einen Koch und Chauffeur, einen Hubschrauber sowie einen eigenen Anti-Thrombosen-Jumbojet mit mächtig Beinfreiheit für Reisen nach Übersee.

Trotzdem soll er «Schlussfolgerungen» ziehen. Und abtreten. Dabei gibt ihm sein Vorbild Skandinavien recht: Senioren besässen «in höherem Masse als ihre jüngeren Kollegen» die vom Arbeitgeber «nachgefragten Kompetenzen», heisst es in einem Report des «Nordisk Ministerråd» von 2004. Zweifelsohne haben wir es hier mit einem eklatanten Fall von Altersdiskriminierung zu tun. Bernie soll von der Bühne geschubst werden, obwohl er extrem kompetent ist. Niemals wäre er wie Hillary in Libyen einmarschiert und dann wieder ausmarschiert, hinter sich eine rauchende Ruine inklusive eines gigantischen Rekrutierungslagers für islamistische Mörder.

Aber Bernies Kompetenz zählt nicht. «Führende Demokraten» möchten ihn zwangspensionieren. Ist das nicht skandalös?