Planet Trump

Martin Kilian aus Washington am Samstag den 12. März 2016
Wahltheater 

Wohin man schaut, stets fällt der Blick auf Donald Trump. Gern kaufte man ihm einen Fahrschein zu einem der Jupitermonde («Ganymed, einfache Fahrt, 2. Klasse bitte»), doch Trump dächte nicht daran, dorthin auszuwandern. Da ist ja niemand. Obendrein müsste er von seinem kleinen Mond auf den viel grösseren Jupiter schauen, was unerträglich wäre: Er kreiste auf seinem Mini-Trabanten um einen Planeten, der womöglich im Besitz von jemand anderem wäre. Und dieser andere besässe mehr als er, Donald Trump!

Die Selbstbeweihräucherung des New Yorkers erreichte einen neuen Höhepunkt, als Trump nach seinen drei Wahlsiegen in Michigan, Mississippi und Hawaii eine TV-Pressekonferenz im noblen Clubhaus eines Golfplatzes anberaumte. Selbstverständlich gehört der Golfplatz ihm. Er umgab sich dort mit amerikanischen Fahnen, um präsidial auszusehen, eigentliches Ziel der Veranstaltung aber war neben der Abrechnung mit seinen Feinden («Little Marco») eine ausgefuchste Produktplatzierung. Wie in einem James-Bond-Film.

Statt für Seiko-Uhren und Bollinger-Champagner warb Trump natürlich für Trump. Neben ihm auf der Bühne im Clubhaus grüssten Steaks sowie Wein- und Wasserflaschen der Marke Trump. Amerikanische Medien behaupteten, Trump habe so den Vorwurf entkräften wollen, sich jede Menge unternehmerischer Fehlzündungen geleistet zu haben. In Wahrheit aber gab Trump seinen Fans eine Vorschau auf seine Präsidentschaft: Produktplatzierung, Schleichwerbung und mächtig Kasse!

Trump branded wine is displayed prior to a scheduled news conference by Republican presidential candidate Donald Trump, Tuesday, March 8, 2016, in Jupiter, Fla. Trump branded steaks, wine, and water were on display next to the stage at the Trump National Golf Club. (AP Photo/Lynne Sladky)

Überall Trump: Weinauswahl in Jupiter, Florida. Foto: Lynne Sladky (Keystone)

Deshalb verwies er bei seiner Pressekonferenz immer wieder auf die Steaks und den Wein, ja sogar ein «Trump-Magazin» hielt er in die Kameras. Man stelle sich einen Präsidenten Trump bei der alljährlichen «Rede zur Lage der Nation» live im Kongress vor, neben sich Trump-Plastikeimer und Trump-Gartenschläuche, dazu auf der Nase eine Trump-Sonnenbrille («nur so gehen Gentlemen durch UV-Strahlen!») und im Revers eine Plastikblume aus Trumps Fabrik im Industriebezirk 5 in Guangdong.

Bei seiner ersten Auslandsreise zu Wladimir Putin in Moskau brächte er Trump-Wodka mit. Den gab es wirklich. «Destillierter Erfolg» stand auf der Flasche. Putin wäre gewiss entzückt, und Trump könnte seinen «Destillierten Erfolg» von Smolensk bis Wladiwostok massenweise absetzen. Geht Präsident Trump auf dem «Trump National Golfclub» in Washington Bälle schlagen, ist die Presse natürlich zugegen und vermeldet penibel Trumps Accessoires: Schuhe der Marke Trump, Golfschläger aus Trumps Designerwerkstatt sowie dank eines Joint Venture einen Golfkart der Marke Mercedes-Trump. Und so weiter.

Was übrigens die Steaks auf der Pressekonferenz in Florida betrifft, so prangte auf dem Label der Verpackung nicht der Name Trump. «Bush Brothers» war da zu lesen. Angeblich sind die Brüder Bush Fleischhändler in Florida. Aber vielleicht verkaufte Trump sein Schlachthaus an George W. und Jeb Bush? «Bush Brothers» klingt ziemlich verdächtig. Doch Trump ist nicht beizukommen. Der Mann serviert Bullshit wie andere Leute Kaffee und Kuchen. Und niemand verwertet sich besser als er. Seine Präsidentschaft gliche einer gewaltigen Brandingkampagne. Vom Dach des Weissen Hauses würde es neonrot und in riesigen Buchstaben leuchten: Donald Trump, Amerika GmbH and Co KG.

Martin Kilian
Martin Kilian, Washington Er ist Amerikaner und Reisender durchs amerikanische Hinterland. Ihn interessiert ziemlich alles zwischen Boston und Seattle, San Diego und Miami. Er lebte unter anderem in Athens, Georgia, und Washington DC und wohnt derzeit in Charlottesville, Virginia. Gelegentlich fliegt er nach Europa und bewundert die Putzigkeit des Alten Kontinents.

11 Kommentare zu “Planet Trump”

  1. Jomes sagt:

    Eine Selbstinstznierung wie man sie selten gesehen hat. Besonders seine Sprache ist beachtenswert. Kurze und knappe Sätze, viele einsilbrige Wörter, Schlagwort. Seine Rhetorik reisst mit.
    Offenbar gefällt das einem nicht zu verachtenden Anteil der Bevölkerung.
    Persönlich finde ich den Typen und seine Anhänger völlig bekloppt. But that’s just my two cents.
    Der Aurthor geht allerdings hart mit um, da hat “Jürg” recht. Beim Lesen wird jedoch klar, dass es sich um eine Meinung des Schreibers handelt. Von daher: kann man auch ablehnen…

  2. Jürg sagt:

    Nach dem Lesen nach oben gescrollt und geschaut wer es geschrieben hat und welche Überraschung: Martin Kilian. Herr Kilian wasbhat Trump ihnen angetan, dass sie dermassen einen Kriegszug gegen ihn unternehmen müssen? Wie kann es sich ein objektives Medium erlauben dermassen subjektive Journalisten zu beschäftigen?
    Herr Kilian, ich denke Sie haben vergessen, dass die meisten Leute in der Schweiz nicht an den US Wahlen teilnehmen dürfen!

    • Marcel sagt:

      Ich denke in einem Blog ist es erlaubt, seine eigene Meinung kund zu tun. Anders siehts in einem Artikel mit dazugehöriger Recherche aus.

    • Peter sagt:

      Donald Trump ist eine riesige Gefahr für die Menschheit und den Weltfrieden. Dieser Mann wird aus einem Moment des gekränkten Egos eigenhändig den 3. Weltkrieg lostreten. Er hat keine Moral, keinen Anstand und wird rücksichtslos alles tun, damit die Amerikanische Geldelite die Macht komplett erhält, sei es durch willentliche Schädigung anderer Länder oder durch die Unterjochung der eigenen Bevölkerung. Ich hoffe inständigst, dass jemand diesen Verrückten stoppt bevor es zu spät ist. Und was Herrn Kilian anbelangt, er ist nicht unbedingt immer mein Fall, hier hat er jedoch vollkommen Recht.

      • sepp z. sagt:

        peter, die oligarchen, die im moment die macht in der usa in den händen halten, sind keinen deut besser als trump. trump ist einfach eloquenter, und vor allem unabhängig von geldgebern im hintergrund. er kann diese ganze misere des realexistierenden kapitalismus vorführen. und das ist gut so. man stelle sich eine clinton vor: besitzstandswahrung für die elite, ausbeutung der habenichtse, weiter wie bisher.

  3. Monisa sagt:

    Ich sag da nur: ein echter Kotzbrocken. Sorry, so unanständig bin ich sonst nicht, aber meine grösste Unanständigkeit ist noch immer weit anständiger, als seine grösste Anständigkeit, wenn es die denn überhaupt gibt. Er darf nicht US-Präsident werden.

    • Martin sagt:

      Er muss ein guter Präsident sein, keiner dieser Schleimer! Schleimer gibt es schon genug. Von daher ist es mir nicht wichtig, ob er nun als Kotzbrocken oder als Smarter gilt, Hauptsache, seine Politik ist gut. Ich kann nur hoffen, er setzt auch einiges von dem um, was er anprangert.

      • Monisa sagt:

        Was, bitte macht denn Trump zu einem guten Präsidenten?

      • Peter sagt:

        Was er anprangert ist Menschlichkeit und Zivilisation. Wenn Sie wirklich wünschen, dass er eine Mauer baut auf Kosten Mexikos, Muslime ausweist und vor allem “Amerika wieder gross macht”, dann sind Sie bestenfalls naiv. Trumps nicht-Schleimertum mag sich gut anhören für die Anhänger von SVP-Blocker, seine Inhalte werden einen Krieg provozieren.

        • sepp z. sagt:

          auch hier, peter: die herren bush waren keine vertreter der menschlichkeit und zivilisation. und obama hat das foltergefängnis in kuba weiterbestehen lassen.

          • Anh Toàn sagt:

            Nein, nicht Obama, sondern die Republikanische Mehrheit im Kongress hat das Foltergefängnis auf Kuba bestehen lassen. Obama selber bezeichnete was auf Guantanamo geschah als Folter.

            Trump ist in etwas gut, er hat erkannt, wie man jemanden effen kann, das Volk, einen Geschäftspartner oder wörtlich, Man erzählt, wie toll und schön und wunderbar er/sie ist/sind, und wer schuld ist an deren Problemen und Miseren. Das funktioniert nicht immer und nicht bei allen, aber viel besser, als wenn man erzählt, sie seien keinen Deut besser als andere, vor allem selber schuld, weil sie, wie andere, auf billige Komplimente reinfallen, Lügen hören wollen.

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