Luitpold ist an allem schuld!

Reiterdenkmal für Luitpold von Bayern vor dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Foto: Rufus46 (Wikimedia)

Eine schwere Verantwortung lastet auf den toten Schultern: Reiterdenkmal für Luitpold vor dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Foto: Rufus46 (Wikimedia)

Der Prinzregent Luitpold II. von Bayern war ein famoser Mann. Allseits beliebt war er, dazu ein Generalfeldzeugmeister im Rang eines Generalfeldmarschalls. Bei seinem Begräbnis 1912 in München lobte ihn Kaiser Wilhelm II. als «letzten Ritter», bald grüssten Denkmäler des Luitpold überall in Bayern: in Augsburg und Kulmbach, aber auch in der Pfalz, die damals zu Bayern gehörte.

Insgesamt ist dieser Luitpold jedoch ein schlimmer Finger: Ihm verdanken wir den amerikanischen Trump. Ohne Luitpold sässe Donald Trump wahrscheinlich in Kallstadt in der Pfalz über einer Portion Saumagen und einem Schoppen Wein. Er betriebe die Gastwirtschaft «Zum rüden Lautsprecher», wäre Mitglied im Schützenverein und verbrächte seine Ferien in der Schweiz im Bezirk Oberhasli.

Dank Luitpold II. aber ist Trump ein Amerikaner mit Hochhäusern und Kasinos sowie einem heftigen Drang ins Weisse Haus. Wie anders hätte doch alles enden können! Trumps Grossvater Friedrich wanderte 1885 bekanntlich aus Kallstadt nach New York aus, wo er als Friseur arbeitete, ehe er sich in den pazifischen Nordwesten begab und sogar beim Goldrausch im kanadischen Yukon auftauchte. Friedrich betrieb Hotels und Restaurants, folgte 1902 indes dem Murmeln seines Herzens und kehrte nach Kallstadt zurück, um die Nachbarstochter Elisabeth Christ zu ehelichen.

Elisabeth wollte auf keinen Fall in die Vereinigten Staaten, doch blieb ihr keine Wahl, da Friedrich auf Luitpolds Abschussliste stand. Die bayerischen Behörden bezichtigen ihn, er habe sich nach Amerika abgesetzt, um Steuern und Wehrpflicht zu entgehen. Sie verweigerten ihm die Aufenthaltsbewilligung, worauf sich Friedrich samt Frau ausschaffte – nach New York, wo das Unheil seinen Lauf nahm.

Donald Trump am 3. März 2016 in Detroit. Foto: Carlos Osorio (AP)

Friedrichs Enkel Donald Trump am 3. März 2016 in Detroit. Foto: Carlos Osorio (AP)

Natürlich ist unklar, inwieweit Luitpold persönlich an diesem Debakel beteiligt war. Als Prinzregent griff er wahrscheinlich nicht in die Details der Ausschafferei ein. Auch ist nicht belegt, ob ihm der Untertan Friedrich Trump ein Begriff war. Statt jedoch zu regieren und sich die historischen Folgen der trumpschen Ausweisung vor Augen zu halten, ging Luitpold lieber jagen. Womöglich befand er sich gerade in Oberstdorf. Dort spendierte er an jedem Geburtstag den Kindern eine Wurst samt Semmel sowie Bier für alle Kinder ab dem dritten Schuljahr.

Ansonsten jagte er wie gesagt oder schaute ab und zu nach seinem Neffen, dem König Ludwig II. Der war bekanntlich gaga. Zwischen Hatz und gaga blieb Luitpold offenbar zu wenig Zeit, als dass er sich um Trump hätte kümmern und dieser in Kallstadt hätte bleiben können. Vielleicht wäre Donald heute Landesvater von Rheinland-Pfalz oder Talkmaster im Zweiten Deutschen Fernsehen.

Stattdessen stieg Friedrichs Enkel zum Promi mit eigenem Jet und einer Ehefrau aus Slowenien auf. Da ihm seine Boeing 757 zu klein ist, möchte er jetzt auf eine Boeing 747 wechseln. Sie gehört den amerikanischen Steuerzahlern und heisst Air Force One. Und Luitpold? Weil er im entscheidenden Moment die Regierungsgeschäfte vernachlässigte, machte er sich vor der Geschichte schuldig. Der Mann und sein Vermächtnis sollten geächtet, die Denkmäler allesamt abgerissen werden. Denn eine schwere Verantwortung lastet auf den toten Schultern des Prinzregenten.