Millionen für die Unterlinge

Republican presidential candidate Ben Carson, top left, and his wife Candy, top center, pose for a selfie with a young supporter after a town hall meeting Sunday, Feb. 21, 2016, in Reno, Nev. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Seine Kassen sind leer, die Konten seiner ehemaligen Mitarbeiter voll: Präsidentschafts-Anwärter Ben Carson, mit Ehefrau Candy und jungem Fan beim Selfie. Foto: Marcio Jose Sanchez/AP, Keystone

Bekanntlich sind amerikanische Wahlkämpfe gigantische Geldvernichtungsmaschinen. Cash sei «der beste Freund eines Politikers», wusste schon 1996 der republikanische Senator Phil Gramm. Er wollte Präsident werden und hatte Cash. Aber er war nicht sexy genug und wurde verschmäht. Jeb Bush verlor im aktuellen Wahlkampf gleichfalls, obschon er 150 Millionen Dollar ausgegeben hat. Geld ist eben nicht alles.

Aber vielleicht gibt es Wahlkämpfe, bei denen es nur ums Geld und nicht um den Sieg geht. Also Kampagnen, die vor allem der persönlichen Bereicherung dienen. So wie der Wahlkampf des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ben Carson. Der pensionierte Chirurg ist ein untadeliger Mann, wenngleich er nicht zum Präsidenten geeignet ist. Dazu kollern ihm zu viele Ungereimtheiten aus dem Mund. Aber Carsons Team erweckte schon vor Monaten den Verdacht, vornehmlich in die eigenen Taschen zu wirtschaften. Weshalb Carson Ende vergangenen Jahres diverse Mitarbeiter feuerte.

Kürzlich sagte er auf eine entsprechende Frage bei CNN, er habe «Leute gehabt, die von finanziellen Dingen keine Ahnung hatten, oder vielleicht haben sie ja auch Ahnung gehabt und alles vorsätzlich gemacht». Dazu lachte Ben Carson. Seine Leute bedienten sich einer bewährten Methode: Mithilfe von Telemarketing und Bettelbriefen an ausgewählte Zielgruppen zockten sie bei kleinen Spendern Dollars ab. Angeklopft wurde vor allem bei evangelikalen Christen. Der Zaster floss enorm, denn Carson ist ein ausgewiesener Freund von Jesus.

Das Fundraising seiner Unterlinge diente indes vor allem einem Zweck: Es sollte noch mehr Fundraising finanzieren. Denn für jedes Fundraising erhielten Carsons Berater und Strategen immense Gebühren. Schliesslich gehörten ihnen die Firmen, die das Fundraising für Carson betrieben. Die Masche ist seit Jahrzehnten eine tolle Einkommensquelle für Medienstrategen, Marketing-Experten und professionelle Wahlkämpfer.

In Carsons Fall verdienten enge Mitarbeiter samt ihren Verwandten prächtig am Geldsegen. Der Kandidat wiederum beklagt auf seiner Website die «fiskalische Unverantwortlichkeit» der Regierung in Washington und verspricht «fiskalische Disziplin», sobald er im Weissen Haus installiert sei. Das klang prima, aber offenbar entging Carson, dass sich direkt unter seinen Augen eine Art ausgeklügelter Beschiss ereignete.

So erhielt etwa eine «Eleventy Marketing Group» für «digitale Medien/Webservice» allein im letzten Quartal 2015 nahezu fünf Millionen Dollar. Chef der Firma ist Ken Dawson, in Carsons Wahlkampfteam verantwortlich für Marketing. Eine andere Marketingfirma strich 2,8 Millionen Dollar ein. Ihr Besitzer fungierte bei Carson als Experte für «Graswurzel-Marketing», einer Fundraising-Idee, die die Bevölkerung als Basis hat. Und so weiter.

Kriminell ist nichts daran, und die Masche ist super. Als sich amerikanische Medien die Carson-Truppe und ihr Finanzgebaren etwas genauer ansahen, zog der gute Doktor die Notbremse und schmiss die Selbstbereicherer hinaus. Jetzt steht er vor dem Aus: Nur mehr vier Millionen Dollar befinden sich in seiner Wahlkampfkasse. Seine Helfer und Freunde hingegen verdienten prächtig, wohl kaum werden sie das nahende Ende der Kandidatur des Dr. Ben Carson beweinen. Dafür sind ihre Bankkonten zu üppig.