Ich bin dann mal weg

Andreas Fink aus Buenos Aires am Donnerstag den 10. Dezember 2015
Kleine Geschichte 
epa05052457 A handout picture provided by the Argentinian Government shows Argentinian President Cristina Fernandez de Kirchner (C) during the opening of multiple refurbished Human Rights Memorial buildings, in Buenos Aires, Argentina, 02 December 2015. Fernandez will leave the Presidency on 10 December 2015, when President elect Mauricio Macri will take oath on the charge. EPA/PRESIDENCY OF ARGENTINA HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Der Abschied fällt ihr schwer: Cristina Fernández de Kirchner, nunmehr ehemalige Präsidentin Argentiniens. (Bild: Keystone)

Scheiden tut weh, heisst es, und wenn der Abschied gar bedeutet, ein Lebenswerk hinter sich zu lassen, dann kann man davon ausgehen, dass der Schmerz erheblich ausfällt.

Cristina Kirchner, seit 1991 mit Machtakkumulation beschäftigt, leidet unter der Tatsache, dass ihre Amtspflicht – und damit ein Gutteil der Macht – seit heute, 0.00 Uhr, erledigt ist. Argentiniens erste gewählte Präsidentin wird nicht, wie das am Río de la Plata so Sitte ist, ihrem Nachfolger die Insignien des Amtes überreichen. Mauricio Macri muss heute Donnerstag Amtsstab und Banderole vom Präsidenten des obersten Gerichtshof entgegennehmen, Cristina Kirchner mochte nicht kommen können.

Argentina's president-elect Mauricio Macri smiles during a news conference in Buenos Aires, Argentina, November 23, 2015. Argentines assets rose broadly on Monday after conservative opposition challenger Macri scraped to victory in the presidential election, ending more than a decade of rule under the Peronist movementREUTERS/Enrique Marcarian

Der Neue: Mauricio Macri. (Bild: Enrique Marcarian/Keystone)

Eine Woche lang bekamen die Argentinier ein bizarres Hin und Her vorgeführt über die Frage, ob die Zeremonie, wie von der scheidenden Präsidentin gewünscht, im Kongress stattfinden soll. Also unmittelbar nach Macris Amtseid und in Anwesenheit von mindestens 130 Kirchner-freundlichen Abgeordneten und dem verlässlich krakeelenden Peronistenpublikum auf den Rängen. Oder ob sie, wie in der Verfassung dargelegt, im Präsidentenpalast zu erfolgen hat, vor geladenen Gästen. Konkret: vor Macris geladenen Gästen.

Man muss sich diese Schmach vorstellen: Cristina Fernández de Kirchner, die mit immer noch 40 Prozent Zustimmung in den Ruhestand geht, hätte gute Chancen auf eine Wiederwahl gehabt, wenn die Verfassung das denn erlauben würde. Und nun soll sie, die nicht um ihr Amt kämpfen durfte, in der Casa Rosada – in ihrer Casa Rosada, die sie neu dekorieren, umbauen und nachts blau anleuchten liess – auch noch vor einem Haufen Wirtschaftsfuzzis und Neoliberaler den Diener machen. Nicht mit einer Präsidentin, die sich mit Konzernen, dem IWF und den Geier-Fonds angelegt hat! Nicht mit CFK!

Und schon gar nicht seit Samstag. Da bekam CFK nämlich einen Anruf von Mauricio Macri, der ihr wohl zu verstehen geben wollte, dass sie sich am 10. Dezember nach seinen Wünschen richten möge, denn dann sei er der Präsident. Macri hatte dabei offenbar nicht seinen unverbindlichen TV-Ton angestimmt. Bald konnte die Nation auf Kirchners Website ein Traktat über dieses Telefonat studieren, das mehr als dreimal länger ausfiel als der Text, den Sie gerade lesen.

Da war zu erfahren, dass Macri Frau Kirchner angeschrien haben soll. «Ich musste ihn daran erinnern, dass er ein Mann ist und ich eine Frau bin und dass es sich einfach nicht gehört, wie er mich hier behandelt.» Der ganze Anruf sei nichts als eine Medienoperation gewesen, argwöhnt Kirchner, denn eine detailreiche Meldung über das Telefonat erschien tags darauf in «Clarín», der Zeitung, die von Kirchners Hauspostille zum Hassobjekt mutierte. Zudem liess Cristina Kirchner ihre Getreuen via Twitter wissen, dass sie keinesfalls in die Casa Rosada kommen könne, denn sie müsse zum Flughafen. Der einzige Linienflug in ihre patagonische Heimatstadt Río Gallegos verlässt die Hauptstadt nämlich um 15 Uhr.

Dass eine Dame, die acht Jahre lang ein ganzes Land herumkommandierte, die 19 Staatschefs inklusive Barack Obama warten liess, sich nun nach irgendwelchen Flugplänen richten soll, ist wirklich eine Zumutung.

Andreas Fink
Andreas Fink, Buenos Aires Andreas Fink wuchs auf im Voralpenland und studierte in Wien. Seit 2007 lebt er, fern aller Berge, in Buenos Aires und berichtet über Südamerika. Fast alle Länder des Subkontinents (noch fehlen die Guayanas) hat er bereist und dabei erkannt: Der beste Türöffner – ob am Amazonas oder in den Anden – ist ein solides Fussballwissen.

19 Kommentare zu “Ich bin dann mal weg”

  1. Tigre . sagt:

    In den paar tagen an der macht hat der neue “president” per dekret das land ruiniert ,international verschuldet,nachdem die kirchners argentinien aus den klauen der internat.finanzgangster befreit hatten ,er hat seinen grossgrundbesitzenden freunden die exportzölle gestrichen und den peso abgewertet,damit sie nochmehr raffen können…… diese politik wird innkurzer zeit zu schwehren sozialen unruhen führen , da die unteren schichten in den letzten 12 jahren politisches bewusstsein entwickelt haben und sich nicht in ihre ausplünderung zugunsten der oligarchie fügen werden.
    Interessante jahre kommen auf uns zu im süden ….. macri wird wegdemonstriert …

  2. Markus Knoblauch sagt:

    Sie wird Zweifels ohne jede die mit Abstand die korrupteste allen Präsidenten Argentinien sein, man kann nur hoffen das sie im Gefängnis landet, und sie enteignet wird zusammen mit ihrer Familie! Ueber 4000% ist ihr Vermögen gestiegen in nur acht Jahren, das schaffte nicht einmal Bill Gates…….

    • Cristina Siegenthaler sagt:

      Herr Knoblauch, CFK und alle um sie herum, haben sich auf allen Ebenen bereichert, gestohlen, betrogen und wenn notwendig, Leute aus dem Weg geräumt. Die Liste ist endlos. Was ihr Ehemann und sie in Patagonien gestohlen haben, kann keiner glauben, der es selbst nicht gesehen und erlebt hat. Ich glaube nicht, dass sie oder irgendeiner von denen im Gefängnis landet aber hoffentlich bekommen sie auf irgendeine Weise die Quittung. Sie haben Argentinien ruiniert und Macri hat ein sehr schweres Erbe. Es tut mir im tiefsten Herzen weh, was in diesen Jahren zerstört wurde….

      • Markus Knoblauch sagt:

        In der Tat Frau Siegenthaler, einige Stimmen gehen sogar noch weiter und behaupten das sie Nestor auf dem Gewissen hat, die Autopsie und auch sein Leichnam hat man nie zu Gesicht bekommen. Bei Nisman ist es klar wer hinter seinem Tod steckt.

        Für Morgen hätte Mauricio Macri gerne eine Pressekonferenz einberufen in der Quinta Presidencial de Olivos – geht leider nicht den Krish hat alles mitlaufen lassen, Computer’s, Flatron TV’s, Telefone, Möbel, Bilder, Geschirr, und selbst vor den Leintücher machte sie keinen halt….

        Ob sie ins Gefängnis muss oder nicht werden wir noch sehen, aber die ganze Familie hat enormen Dreck am Stecken, ev. Enteignungen…., Saludos.

  3. Tigre . sagt:

    Die scheidende presidentin und ihr verstorbener gemahl waren das beste,was argentinien seit peron und evita passiert ist. Vor 12 jahren haben sie ein ruiniertes land übernommen, und es i n der zeit ihrer präsidentschaft durch abschottung vom internationalen finanzwesen zum blühen gebracht. Hier ist die arbeitslosigkeit gering und die löhne erlauben ein gutes leben. Mit importzöllen,ausfuhrsteuern und einer mässigen inflation wurden grosszügige sozialprogramme finanziert, welches geld dann sofort in den konsum und somit zur mittelklasse wanderte,was die wirtschaft blühen lässt.
    Argentinien war unter den kirchners ein vorbild für die welt. Danke christina !!

    • Alexander Dominguez sagt:

      selten so gelacht !! Diese Töne kennen wir aus Venezuela, Brasilien, Bolivien etc. etc…..alles Länder, die der Bolivarismus zugrunde gerichtet hat. Jetzt ist endlich eine Reaktion im Gang. Tchau Kirchner, Maduro, Dilma und Evo Morales….bald wird sich Lateinamerika von diesem Krebsgeschwür linker Diktatoren befreit haben.

      • Miguel Tomas sagt:

        Dafür könnt Ihr Euch jetzt wieder wieder von den angloamerikanischen Konzernen melken lassen. Argentina ist ein reiches Land. Es wird nur von den Falschen gemolken. Spätestens wenn der Einzahlungsschein für das Trinkwasser aus Washington kommt weiss man, wessen Agent Macri in Wirklichkeit ist. Wenigstens wächst das Fleisch direkt vor der Haustür … hoffen wir, dass Washington da nicht auch einen Einzahlungsschein schickt.

    • tobias gruber sagt:

      Danke Cristina (ohne h)

      für acht Jahre gefälschte Statistiken – von der Inflation bis zur Exportbilanz
      für eine der höchsten Steuerbelastungen der Welt ohne entsprechende Leistungen
      für die Verprassung jeglicher Finanzreserven – es ist nichts übrig
      für 7 Prozent Budgetdefizit
      für die Währungskontrollen, die einen gigantischen Geldschwarzmarkt anfachten
      für mehr als 100 nationale Sendeketten
      für die 52 Toten von ONCE, die starben, weil Staat und Amigo-Unternehem das Geld für die Züge stahlen
      für den explodierenden Drogenhandel

      Der Kirchnerismus wurde abgewählt, weil die Mehrheit der Argentininier es leid war, ständig belogen und für dumm verkauft zu werden. Aber glauben sie…

      • Beat Müller sagt:

        Gruber: Die Finanzreserven haben die Neoliberalen schon 2001 unter Null gefahren. Die Kirchners haben 2003 ein Land im Elend übernommen, Tauschhandel und Hoffnungslosigkeit herrschte, wer konnte ist aus Argentinien abgehauen!
        Die Kirchners haben Mio Menschen wieder eine Hoffnung gegeben und darum lieben und verehren sie viele Argentinier so sehr wie damals Evita. Die Gorillas hassten auch Evita damals schon und feierten den Krebs, der sie in jungen Jahren dem argentininischen Volk nahm!
        Laut McKinsey ist Argentinien eines der ganz wenigen Länder weltweit, die seine Schulden seit 2007 abgebaut hat!
        .
        Que vuele Cristina (nachdem Macri dann das Land wieder an die Wand gefahren hat)!

        • tobias gruber sagt:

          müller, auch ich fürchte, dass meine argumente wenig ausrichten, ich versuch’s trotzdem: die kirchners haben ein land übernommen, das in schlimmem zustand war, das stimmt. aber die wichtigsten reformen, abwertung, ende der dollarparität, allmähliche öffnung der konten haben 2002 der vorgänger duhalde mit seinen wirtschaftsministern lemes und lavagna bewerkstelligt. als kirchner anfing, beliess er lavagna im amt, was sicher die beste entscheidung war. der damalige zentralbankchef -auch der blieb in den ersten kirchner-jahren im amt – ist seit heute argentiniens finanzminister: alfonso prat gay. als kirchner anfing, war gerade die erste soja-superernte eingefahren

        • tobias gruber sagt:

          und das ging, dank des rohstoff-booms fünf jahre so weiter. in jenen jahren wurden arbeitsplätze geschaffen und reserven angehäuft. doch anstelle das geld zu reinvestieren, wurde es verpulvert. ganz besonders, nachdem nestor im oktpber 2010 starb. Cristina, misstrauisch, wollte alles selsbt entscheiden und scharte um sich einen haufen lakaien, die sich nicht trauten, der großen vorsitzenden die realität nahezubringen. Ich denke, die dame hat wirklich die frisierten zahlen aus dem statistikamt geglaubt. ich bin sicher, dass kirchner die wahl vor allem wegen der ständigen lügerei verloren hat, nab kann ein land nicht ohne datenbasis lassen

          • tobias gruber sagt:

            ich lebe seit 15 jahren in buenos aires und bekomme viel mit. gerade war die amteinführung von macri und die stimmung war freundlich und fad. Und ich denke, das ist genau das, was die Mehrheit der Argentinier nach 12 Jahren Streit, Zuspitzung und Konflikt mit allem und jedem ersehnt. Niemand hier erwartet Grosstaten oder epische Ansprachen vom langweiligen Macri. Eine Merheit wählte ihn, obwohl alle wissen, das er versuchen wird, das Land wieder auf die Finanzmärkte zu bringen , dass er mit den “Geier-Fonds” reden wird und dass er heftig wird sparen müssen. Aber die Argentinier wollen, dass ihnen ihre Regierung endlich die Wahrheit sagt.

          • Beat Müller sagt:

            Zumindest in Capital fühlte ich mich bislang ziemlich sicher, was sicher auch damit zusammenhängt, dass die K’s vielen Aermren zumindest eine Perspektive gab! Kommen jetzt die neoliberalen Ellenbögler zurück, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir plötzlich mal eine Knarre auf uns gerichtet haben – ich befürchte die Kriminalität wird wieder zunehmen!
            .
            Gut dass Nestor 2010 verstorben ist, war sicher nicht gut fürs Land – wäre vermutlich besser gewesen, wenn er 2011 wieder gewählt worden wäre anstatt seine Gattin…
            .
            Nun ja – die K’s sind tempi passati (oder zumindest vorläufig) aber Macri muss doch ziemlich aufpassen, sonst kommt sie 2019 ev. wieder – 51.6% sind keine gr…

        • Beat Müller sagt:

          Gruber: 2002 hätte Argentinien 49% der gesamten Staatseinnahmen für Schuldendienst und Zinsen bezahlen müssen – das so kein Staat mehr zu machen ist, da werden Sie mir ja zustimmen und wenn Sie 2002 schon in Arg. gelebt haben, haben Sie ja das alles mitbekommen – die Hoffnungslosigkeit, den Zerfall etc.
          Das das Land dann 2005/10 die beiden Schuldenschnitte gemacht hat war unumgänglich und dass CFK mit aller Macht gegen die Geierfonds gekämpft hat war auch nicht selbstverständlich — immerhin hat sie 2015 noch eine UNO Resolution durchgebracht, dass dies anderen Ländern in der Form nicht so schnell wieder passieren kann.

          • Beat Müller sagt:

            Gruber: Das grüne Gold Gentechsoya hat das Land zwar finanziell “gerettet”, aber macht das Land auch kaputt – die ausgelaugten Böden, die massiven Glyphosatkonzentrationen, Round Up etc.
            Darum fand ich auch die Retenciones auf Soya von 35% nichts als gerechtfertigt – so hat zumindest das einfache Volk noch eine Entschädigung. Retenciones gibt es übrigens in Arg. schon seit Mitre 1862 – mal waren sie höher, mal tiefer.
            .
            Der Egozentrismus von CFK war sicher ein Fehler, der dann auch Scioli die Wahl gekostet hat.
            Schaun mer mal was Macri bringt – aber ich fürchte nichts gutes.
            PS Ich lebe seit rund 10 Jahren auch jedes Jahr zw. ein paar Wochen bis zu ein paar Monaten pa in Buenos Aires

  4. A.M sagt:

    Artikel 93. Amtseid. Beim Amtsantritt haben der Präsident und der Vizepräsident in die Hände des Präsidenten des Senates vor dem versammelten Kongress zu geloben, die Achtung der religiösen Überzeugungen anderer zu achten, mit Loyalität und Patriotismus das Amt des Präsidenten (oder des Vizepräsidenten) der Nation getreulich auszufüllen und die Verfassung Argentiniens getreulich zu beobachten und durchzusetzen.

  5. frey thomas sagt:

    zum Glück ist sie mal weg. Hat bestimmt einige $ auf die Seite geschaufelt. Adiö Frau Kirchner!

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