Trutzburg des alten Südens

trutzburg. (Screeshot/Wncn.com)

Die letzte verbliebene Festung der Konföderierten: Das Haus von Herrn Edward Lee West. (Screenshot/Wncn.com)

Mit dem amerikanischen Bürgerkrieg verhält es sich wie mit einem Zombie: Er ist vorbei und tot, bis er wieder aufersteht und untot ist. In den fiebrigen Fantasien mancher Südstaatler flammt er gelegentlich auf, als ritten die Armeen Stonewall Jacksons und Robert E. Lees unter der konföderierten Fahne neuerlich in Schlachten, die sie längst verloren haben. Diese Fahne, ein Wahrzeichen von Rassisten und Ewiggestrigen, ist seit dem rassistischen Massaker an neun Afroamerikanern in Charleston endgültig in Misskredit geraten. Es ist unschicklich geworden, sich mit ihr zu schmücken, weshalb Südstaaten-Gouverneure in South Carolina, Alabama und North Carolina jetzt auf die Flagge verzichten.

In der letzten verbliebenen Festung der Konföderierten – sie kapitulierten 1865 in Appomattox in Virginia – wird die Fahne nicht als Einzelstück gehisst, sondern massenhaft. Das konföderierte Fahnenmeer befindet sich im Städtchen Rocky Mount in North Carolina, wo ein gewisser Edward Lee West, 71 und von weisser Hautfarbe, sein bescheidenes Anwesen mit konföderiertem Tuch überflutet: Mindestens 150 Fahnen flattern auf und über Herrn Edwards Grund und Boden. Gesichert ist diese Trutzburg des alten Südens wie Fort Knox: Rings um das Haus kündet ein hoher Lattenzaun von Herrn Edwards entschlossener Wehrkraft, derweil Schilder den Zutritt verbieten.

Damit nicht genug, ölt der Herr des Hauses offenbar so manche Knarre in den Räumlichkeiten. Seine ansehnliche Polizeiakte weist ihn als einen Aficionado der Handfeuerwaffe aus, der gelegentlich zieht und bisweilen sogar abzieht. Es macht die Sache noch pikanter, dass sich Herrn Edwards konföderiertes Refugium mitten in einem afroamerikanischen Viertel in Rocky Mount befindet und die Symbolkraft der Fahnen deshalb besonders grell wirkt. «Ich mag euch Leute nicht in meinem Viertel», interpretierte Charles Little, ein afroamerikanischer Nachbar des Herrn Edward, den konföderierten Overkill.


Edward Lee West und Nachbarn vor seinem Haus – mit 150 Konföderiertenflaggen. (Video: WWLP.com)

Der Fähnrich der Sklavenhalter gibt freilich nicht klein bei: Die Fahnen wehten, weil er es so wolle und es sein gutes Recht sei, sagt er. Nach dem Mordanschlag in Charleston schaltete Herr Edward nach Angaben der Nachbarn sogar einen Gang zu und hisste mehr konföderierte Fahnen als jemals zuvor. Im Trend liegt er damit nicht: Walmart und andere Kaufhäuser – Backstein wie Online – nahmen das historisch befleckte Tuch aus dem Sortiment, bei Ebay gibt es das Kreuz des Südens gleichfalls nicht mehr zu kaufen.

Herrn Edward aber ficht das nicht an: Hinter Palisadenzaun und Stacheldraht frönt er trotzig der Erinnerung an Zeiten, als die Vorfahren seiner schwarzen Nachbarn auf Sklavenmärkten an den Meistbietenden versteigert wurden. Die Fahnen sind mithin weltanschauliche Accessoires eines weissen Mannes mit einem rabenschwarzen Herzen. Stoff sind sie, aus dem eine üble Geschichte gewirkt wurde. Herr Edward wäre sicherlich anderer Meinung. Denn sein Bürgerkrieg geht unverändert weiter. Wenn auch nur in Rocky Mount.