Die Super-First-Lady

Mit diesem Video will Michelle Obama die Amerikaner zu mehr körperlicher Aktivität anspornen. (letsmove/Youtube)

Wir sind eine Nation der Fetten. Es schwabbelt und blubbert überall in Amerika. So ausser Form sind wir, dass viele Leute überhaupt keine normalen Autos mehr fahren können. Sie brauchen ein «Sport Utility Vehicle» – nicht weil es sportlich wäre oder nützlich. Sondern weil Türen und Sitze so breit sind, dass ihre dicken Hintern nicht eingequetscht werden. So ist es leider.

Mitten in dieses Festival des Specks platzt als himmlische Lichtgestalt eine gewisse Michelle Obama, Ehefrau des Präsidenten und eine leidenschaftliche Befürworterin amerikanischer Fitness. Als First Lady besitzt sie ein eigenes kleines Podium, von wo aus sie den Amerikanern unablässig zuruft, mit der allgemeinen Völlerei aufzuhören, sich anständig zu ernähren und Sport zu treiben. Michelle will ein Sixpack für alle, doch keinesfalls meint sie damit Bier. Sie meint eine Bauchmuskulatur, auf der ein voll betankter Jumbojet landen kann.

Wir sollen gesünder leben und uns bewegen, mahnt sie, weg von Pizza und Hamburger und hin zum Grünzeug und Obstbaum. Rundherum ist Michelle eine neue Version der First Lady: keine Alkoholikerin wie Betty Ford und auch kein Bücherwurm wie Laura Bush. Ihre Schultern und Muskeln sind formidabel, weshalb sie gern Kleider trägt, die den Rest von uns daran erinnern, dass wir Loser sind. Auch ihren Ehemann will sie wahrscheinlich daran erinnern. Zwar schwabbelt er nicht, doch ist er dünn und nicht wie Schwarzenegger gebaut.

Am vergangenen Dienstag schob Michelle wieder mal nach und twitterte ein kleines Fitnessvideo, auf dem sie Leibesübungen betreibt. «Michelle Obama stemmt 16-Kilo-Gewichte und trägt Boxhandschuhe im Fitnessstudio», titelte die «Washington Post» bewundernd und zeigte Michelles Video, auf dem sie Wohlbefinden ausstrahlt und Muskulatur aufbaut und sich nebenbei sicherlich entschlackt. Sie hüpft mit einem Seil, ohne dabei zu schwitzen, wie die «Washington Post» anerkennend anmerkt. Dann legt sie sich mit einem Medizinball auf eine Gymnastikmatte und verrenkt sich mühelos.

Welttheater

Auch Ehemann Barack zeigt sich gerne in sportlicher Pose, hier beim Basketballspiel. Foto: Keystone

Danach springt sie auf eine Bank und wieder hinunter und wieder hinauf, bis andere Leute schwitzen würden. Sie schwitzt nicht. Und dann stemmt sie Gewichte und zeigt ein wenig Kickboxing, wobei sie die Beine bis an die Decke des Fitnessstudios schleudert. Zuletzt aber kommt der Hammer: Stabhochsprung mit einer Pirouette direkt über der Latte. Kein Schweiss! Nein, nicht wirklich, das mit dem Stabhochsprung.

Aber immerhin: Michelle Obama macht vor, was Amerika tun müsste, um endlich abzuspecken und pro Person nur einen Sitz im Flugzeug buchen zu müssen. Nicht nur Sport aber gilt es dafür zu treiben: Michelle möchte, dass amerikanische Kids gesünder essen, und empfahl deshalb zum Entsetzen vieler fetter Kinder, den Speiseplan amerikanischer Schulen zu verändern. Statt Fritten soll es Salate und Gemüse geben, worüber die Republikaner in Rage geraten sind und manche Kids ebenfalls. Die Beschaffenheit der Viktualien an den Schulen gehe den Staat nichts an, sagen sie.

Nach Michelles Fitnessvideo dürfte derlei Lästerei verstummen: Wer kickboxend mit einem Medizinball beim Stabhochsprung Gewichte stemmt und elegant über die Latte segelt, ohne dabei zu transpirieren, sollte uns allen ein grosses Vorbild sein.