Verkorkte Diskussion: Korken oder Drehverschluss?

Für die einen eine diskussionslose Alternative, für die anderen ein absoluter Stilbruch bei Wein: Die Drehverschlüsse.
Korkenzieher

Die liebgewordene Gewohnheit des Entkorkens eines Weines. (Bild: Flavia Vergani)

Drehverschlüsse sind auf dem Vormarsch, nicht nur bei Weissweinen. Immer öfter werden sie auch für Rotweine verwendet, tendenziell für solche, die jung getrunken werden. Ihre Verwendung scheidet nach wie vor die Geister, die Assoziation von Drehverschluss und Billigware ist aus den Köpfen schwer wegzubringen.

Schuld an der ganzen Misere ist der «zapfende» Wein, auch bekannt als TCA oder Korkschmecker. Jedes Jahr macht er unzähligen Flaschen Wein den Garaus, eine ökonomische und auch ökologische Katastrophe. Über den Prozentanteil des Verlustes gehen die Meinungen auseinander, die Zahlen reichen von 3% mindestens bis über 10% der jährlichen Weinproduktion. Was bei einer weltweiten Produktion von über 30 Milliarden immer noch eine unglaubliche Milliarde Flaschen ist, wenn man von nur 3% ausgeht. Welche Verschwendung. Die Ursache dieses Weinfehlers liegt meist bei der Qualität des Korkens. Ein Naturkork in hoher Qualität ist nach wie vor ein ausgezeichneter Flaschenverschluss, Sorgenkinder sind die minderwertigen Korken, solche aus Granulatkork.

Dabei sind Drehverschlüsse nicht einmal unbedingt billiger als Naturkorken, gute Schraubverschlüsse sind sogar fast anspruchsvoller als Korken. Technisch gesehen sind Schraubverschlüsse auf höchstem Niveau entwickelt und aus rein qualitativer Sicht sind sie heute vielleicht die beste Verschlussart für alle Weine.

Wenn da, ja wenn da nicht die emotionale Komponente wäre. Weintrinken ist eben nur bedingt eine technische Geschichte sondern hat sehr viel mit Ritualen und Emotionen zu tun. Und da gehört das Entkorken zweifelsfrei dazu. Das ganze Bimbamborium des Probierens, das theatralische Plopp beim Entkorken, das Schnuppern, das kritische Begutachten bietet eine Plattform, sich als Experte zu beweisen und ist liebgewordene Gewohnheit und zeremoniell. Und all das entfällt beim profanen Drehen.