IGT und Supertoskaner

Die Qualitätssiegel der italienischen Weine.
COLLAZZI

Supertoskaner – eine inoffizielle Kategorie für (oftmals) herausragende Weine.

Eigentlich sind die Qualitätsnachweise bei italienischen Weinen strikt hierarchisch und im italienischen Weinrecht geregelt.

  • DOCG ist die höchste Qualitätsstufe (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) und umfasst mit vielen Auflagen, Kontrollen und Reglementen die Spitzenweine.
  • Darauf folgt die DOC, Qualitätsweine mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung.
  • Die typischen italienischen Landweine werden mit IGT (Indicazione geografica tipica) zertifiziert.
  • Der Rest wird als Tafelwein (vino da tavola) verkauft.

Je höher die Zertifizierung, umso grösser sind die Auflagen, wie beispielsweise zu Traubensorten, Ausbauart oder Ausbaudauer. Findige Produzenten, die mit ihrem Wein aber andere Wege gehen möchten, können schon mal aus den DOC- oder DOCG-Richtlinien heraus fallen. Was passiert?

Es entstehen ausserordentliche Weine, die aber «nur» ein IGT-Prädikat auf der Flasche führen. Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten Supertoskaner. Der renommierte Weinjournalist Robert Parker prägte diesen Begriff in den 1970er Jahren, weil er fand, die herausragende Qualität dieser Weine benötige eine eigene Kategorie. Wohlgemerkt: es ist eine inoffizielle Kategorie. Einige Produzenten wollten sich dem engen Korsett des Chianti Classico entwinden und schufen Weine mit mehr internationaler Anlehnung: Ausbau in Barriquefässern beispielsweise oder Verwendung von internationalen Rebsorten ähnlich wie im Bordeaux. Dadurch fielen sie aus dem herkömmlichen Schema und konnten in keiner anderen Kategorie als dem Tafelwein zertifiziert werden. Die Bildung der IGT-Kategorie 1992 war auch mit ein Grund, diese Weine etwas hochstufen zu können.

Heute hat sich der Begriff der Supertoskaner als Sammelbegriff eingebürgert für qualitativ hochstehende Weine aus der Toscana, die einen international gängigen Weinstil pflegen. Oft sind sie so etwas wie die Signatur des Hauses. Was gleichzeitig auch die Schwierigkeit im Umgang mit ihnen aufzeigt: Sie stellen ein Problem für die Vermarktung des Chianti Classico dar, denn bei vielen Chianti-Weingütern steht an der Spitze der Preis- und Qualitätshierarchie kein geschützter Qualitätswein, sondern eben ein IGT-Wein.

big_Artikel_24452964

Unsere Weinempfehlung eines grossartigen Supertoskaners:

Collazzi von I Collazzi (Toskana)
Merlot 23%, Petit Verdot 4%, Cabernet Sauvignon 55%, Cabernet Franc 18%
18 Monate Barriques

2 Kommentare zu «IGT und Supertoskaner»

  • Toni Gysin sagt:

    Meines Wissens ist seit August 2009 DOP die höchste Klassifizierung italienischer Weine.

  • vergani sagt:

    Da haben Sie recht, lieber Herr Gysin. Italien hat sich mit den von Ihnen erwähnten Klassifizierungen an EU-Normen angepasst. Die alten Bezeichnungen sind aber noch immer sehr stark verbreitet, und werden auch weiterhin genutzt. Die DOP fasst die beiden „alten“ Kategorien DOC und DOCG wieder zusammen, was die ganze Geschichte nicht vereinfacht. Wir hoffen, dass uns diese Unterlassung im Dienste der Verständlichkeit und im Sinne des Themas nachgesehen wird.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.