Beiträge mit dem Schlagwort ‘Software’

Alles im Griff

Mathias Born am Montag den 11. Mai 2015

Dieses Mal hat er kein Musikgehör. «Keine Zeit», brummt Kollege Musikus. «Notier deine Gitarrengriffe und Schlagzeugstimmen selber!» Der Webflaneur versucht ihn umzustimmen: Er spendiert ihm ein Holdrio und lobt ihn in den höchsten Tönen. Doch der Kollege will nicht mitspielen.

Eines späten Abends macht sich der Webflaneur dann selber ans Werk. Er versucht den Song zu Papier beziehungsweise in den Computer zu bringen. Dazu besorgt er sich das freie Notationsprogramm Musescore.

Mit Freude stellt er fest: Die neu erschienene Version 2 bietet genau das, was er braucht. Nun können etwa Griffangaben für Gitarren sowie Schlagzeugnoten hinzugefügt werden. Im Vergleich zur Vorversion wurden zudem der Im- und der Export verbessert. Auch lassen sich einfacher einzelne Stimmen aus der Partitur herausholen. Und dank einer neuen Notenschrift muss man nicht mehr oft nachträglich selber Hand anlegen.

Eben gerade will der Webflaneur damit beginnen, Note für Note auf oder zwischen die Linien zu ziehen. Da bemerkt er rechts die Musikaustauschplattform, die harmonisch mit dem Programm zusammenspielt. Darin findet er jenes Lied, das er arrangieren will. Ein Klick und wenige Retouchen – schon ist das Werk fertig. Das ist Musik!

Der neue Computer

Webflaneur am Dienstag den 15. Januar 2013

Sie hat neulich ein Notebook gekauft. Zu Beginn freute sie sich übers neue schnuckelige Gerät sowie den attraktiven Preis. Aber nicht lange. Denn plötzlich wurde der Bildschirm schwarz. Zwar strahlte er sie nach einem Neustart wieder an, als wäre nichts gewesen. Aber nur kurz: bis zum nächsten Blackout. Enerviert stürmte sie daraufhin das Verkaufsgeschäft. Und konsterniert kam sie wieder heraus. Natürlich stottere die Maschine, hatte ihr der Verkäufer beschieden – bei all den Programmen, die sie darauf installiert habe. Er tadelte sie: Nächstes Mal lasse sie diese besser vom Fachmann installieren, wie ihr das beim Kauf geraten worden sei. Und er bot an, das Problem zu beheben – für 340 Franken.

So erzählt es die Kollegin dem Webflaneur. Sie klagt: Sie werde das Gerät wohl doch flicken lassen müssen. Ob er einen Blick darauf werfen dürfe, fragt der Webflaneur. «Klar», sagt sie, holt das Notebook und startet es.

Nun staunt auch der Webflaneur über die vielen Programme. Aber nicht über die paar wenigen, die seine Kollegin installiert hat. Sondern über all jene, die bereits vorinstalliert waren: Da breitet zum einen Microsoft das eigene Sortiment aus. So liegt etwa eine wenig nützliche Testversion von Office bereit, die einen nach kurzer Zeit bereits zur Kasse lotst. Weitaus mühsamer findet der Webflaneur die übrigen Zugaben: die auf dem Desktop abgelegten Games etwa, den daneben platzierten Direktlink zum Versandhändler oder die Toolbar im Browser. «Ein hoher Haufen Schrott», kommentiert er, während er ein Programm nach dem anderen vom PC kickt. «Crapware» nenne man solche Zugaben: Die Firmen bezahlten den Händler dafür, dass dieser ihre Produkte prominent platziert.

Eine halbe Stunde dauert es, bis der Webflaneur die Zugaben weggeputzt hat. Als besonders resistent erweist sich dabei das Antivirenprogramm. Dieses lässt sich nur mit einem Programm deinstallieren, das von der Website der Sicherheitsfirma heruntergeladen werden muss. Doch der Aufwand lohnt sich. Denn offenbar war der Virenscanner verantwortlich für die Blackouts. Jetzt läuft ein anderer. Einer, der nicht vorinstalliert war. Ein kostenloser.

Oh du Fröhliche

Webflaneur am Mittwoch den 15. Dezember 2010

«Alle Jahre wieder packt der Flaneur die Flöte aus, bläst unterm Baum ein Liedchen, zu der Verwandten Graus.» Das trällert der Webflaneur – lustig, lustig tralalala – vor sich hin, während dem er im Estrich eine Kiste nach der alten Blockflöte durchwühlt. Als er sie doch noch findet, ist seine Heiterkeit indes verflogen. Ein weiteres Jahr habe er nie darauf gespielt, sinniert er. Und er fragt sich, ob er in der heiligen Zeit nicht Barmherzigkeit walten lassen und auf die Tortur verzichten sollte. Wobei: Das Weihnachtsspiel hat Tradition. Und wenn er verzichtet, darf er auch keine Wunderkerze abfackeln. Es sei denn, er bietet etwas anderes. Doch was? Soll er ein Gedicht rezitieren? Bei seinem Löchersieb, fürwahr, übt er daran ein ganzes Jahr. Soll er etwas vorlesen? «Es begab sich aber zu der Zeit», setzt er mit sonorer Stimme an.

Doch da hat er eine Erleuchtung: Viel intensiver als mit jedem Instrument habe er dieses Jahr mit dem Computer gespielt, sagt er sich. Und gesungen habe er ja auch. Könnte er nicht seinen Rechner zur Loop-Maschine aufrüsten, dann Spur für Spur zum weihnächtlichen Soundgebilde zusammenbauen? Harmonischer als sein Gedudel sei dies allemal. Er legt die Flöte beiseite und eilt ins Büro.

Viel Geld wolle er für die einmalige Performance nicht in die Hand nehmen, beschliesst er. Deshalb macht er einen Bogen um die ausgereiften Programme, welche die Musiker am Laufen haben, sucht einfache Alternativen und wird fündig: Möbius läuft unter Windows und auf Macs, Sooper Looper ist ein Programm für Mac und Linux-PC.

Der Webflaneur stülpt sich das Headset über und legt los: Er erfindet eine Bassspur, legt die Begleitstimme darüber und singt schliesslich die Melodie ein. Doch bald stellt er fest: Einfach ist es nicht. Die Stimmen laufen nicht synchron! Fleissig übt der Webflaneur weiter. Ob er es bis Weihnacht schafft, weiss er noch nicht. Lasst euch überraschen, liebe Verwandte.

Fenster schliessen!

Webflaneur am Dienstag den 18. August 2009

Es geht gegen Mitternacht. «Fenster schliessen», bittet der Webflaneur. Nichts passiert. Er sagts nochmals, dieses Mal mit mehr Nachdruck. Doch der Computer tut, als hätte er nichts gehört. Der Webflaneur probierts weiter. Schliesslich rutscht ihm sogar ein mit Ausfälligkeiten ergänztes «FENSTER SCHLIESSEN!» über die Lippen. Doch das Fenster bleibt, wo es war: offen auf dem Desktop.

Schon will der Webflaneur frustriert die Maus nehmen, um das Fenster von Hand zuzuknallen. Doch halt, sagt er sich, so schnell gebe er nicht auf. Im Internet findet er eine Erklärung, warum die Spracherkennung schlecht funktioniert: Da jeder Mensch anders spreche, brauche es flexible Erkennungsmodelle. Um solche zu generieren, seien Daten von vielen Sprecherinnen und Sprechern nötig. Diese aber kosteten ein Vermögen – es sei denn, man produziere sie selbst. Und dies könne man bei Voxforge.org tun.

Der Webflaneur probierts aus. Er wählt «Deutsch», klickt auf «männlich», «erwachsen» und bei der Aussprachevarietät auf «Schweiz». Nun werden Sätze eingeblendet, die er vorlesen soll. «Wann erlischt das Schuldverhältnis im engeren Sinne?», liest er. Und: «Aus dem Schuldverhältnis im weiteren Sinne können auch Kündigungsrechte abgeleitet werden.»

Da plötzlich steht sie in der Türe. «Was faselst du da?», fragt sie. Er bringe dem Computer Wörter bei, damit dieser in Zukunft auf Sprachbefehl etwa Fenster schliessen könne, antwortet er. Und mit den Schultern zuckend, fügt er an: «Der Rechner und ich verstehen uns schlecht.» Sie schaut auf die Uhr. «Fenster schliessen», sagt sie mahnend zum Webflaneur. Und der Computer tuts.

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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