Beiträge mit dem Schlagwort ‘Smartphone’

Die Notifikation

Mathias Born am Mittwoch den 20. Mai 2015

Sie liest ihm gehörig die Leviten. «Von einem Technikfreak wie dir dürfte man schon erwarten, dass das Smartphone nicht stundenlang in der Tasche liegen bleibt», tadelt sie ihn.  Der Webflaneur schaut ganz betreten drein. Dann entschuldigt er sich in aller Form. Schliesslich rechtfertigt er sich – er sei emsig am Arbeiten gewesen – und faselt etwas von «ablenkungslosem Schreiben».

Was der Webflaneur nicht sagt: Er vergisst das Smartphone auch dann ab und zu in der Jackentasche, wenn er nicht unter Hochdruck arbeitet. Es könnte also tatsächlich vorkommen, dass er deshalb wirklich etwas Wichtiges verpasst.  Deshalb sucht er nun nach einer Lösung für sein  Aufmerksamkeitsdefizit. Er findet sie rasch: die App Pushbullet zeigt Notifikationen ab dem Smartphone direkt am Computerbildschirm an. Trifft eine Kurznachricht ein oder ruft jemand an, erscheint am grossen Bildschirm ein Hinweis, selbst dann, wenn das Smartphone noch bei der Garderobe abhängt. Und auch, wenn der Wecker läutet oder der Kalender auf einen Termin hinweist. Selbstverständlich lässt sich einstellen, welche Notifikationen gewünscht sind. Ganz begeistert ist der Webflaneur aber von einer Zusatzfunktion: Er kann eintreffende SMS gleich am Computer beantworten – ohne sich mit der kleinen Bildschirmtastatur seines Smartphones abmühen zu müssen.

Die Begeisterung über die Notifikationsapp hält indes nur kurz an. Dann merkt der Webflaneur: Seit ihn Pushbullet auf neue Meldungen aufmerksam macht, kann er sich nicht mehr konzentrieren.

Montagsmaler

Webflaneur am Dienstag den 27. März 2012

Warf sie ihm einen Blick zu, schoss dem Webflaneur das Adrenalin ins Blut. Nannte die Lehrerin daraufhin auch noch seinen Namen und komplementierte ihn mit einem sanften Nicken zur Wandtafel, wurden seine Hände feucht und begannen zu zittern. Bezeichnenderweise schmierte der Webflaneur mit seiner Performance daraufhin regelmässig ab: Die Kreativität war wie weggeblasen, und auf gestalterische Gaben konnte er nicht zählen. Deshalb dauerte es jeweils, wenn er bei «Montagsmaler» in der letzten Lektion vor den Ferien an der Tafel stand, eine gefühlte Ewigkeit, bis jemand den gesuchten Begriff in den Mund nahm – meist eher fragend denn überzeugt. Das Gelächter der Mitspieler verfolgte den Webflaneur bis weit in die Ferien hinein.

Das ist zwar längst passé. Doch nun holt die Vergangenheit den Webflaneur wieder ein: Eine ehemalige Klassenkollegin fordert ihn zu einer Partie «Draw Something» auf dem Smartphone auf. Dabei handelt es sich um eine digitale Variante von «Die Montagsmaler»: Man wählt eines der Wörter aus, die das Spiel vorschlägt, und stellt dieses in einer Skizze dar. Die andere Person muss erraten, was gemeint ist. Nach kurzem Zögern macht der Webflaneur dann doch mit. Denn er will nicht abseits stehen: Jedermann scheint derzeit «Draw Something» zu spielen. In den paar Wochen, in denen das Spiel erhältlich ist, wurde es laut dem Hersteller 35 Millionen Mal heruntergeladen. Jede Woche sollen damit über eine Milliarde Skizzen angefertigt werden. Die kleine Herstellerfirma, die fürstlich an der eingeblendeten Werbung und am Verkauf virtueller Malutensilien verdient, wird nun sogar von der Onlinespielschmiede Zynga aufgekauft. Der Webflaneur versucht sich also ein weiteres Mal im Zeichnen – statt an der grossen Wandtafel nun auf dem Smartphone-Bildschirm. Bei den ersten Versuchen macht er oft vom Knopf «Clear drawing» Gebrauch – bis er endlich merkt, dass die Mitspieler auch missglückte Skizzen sehen. Sie dürften sich dabei königlich amüsiert haben.

Aufgeräumtes Adressbuch

Webflaneur am Dienstag den 7. Februar 2012

So gehe das nicht, sagt sie. «In meinem Adressbuch herrscht ein gigantisches Chaos.» Während sie immer nervöser auf dem Smartphone herumfingert, ruft sie aus: Viele Personen seien doppelt, drei- oder gar vierfach verzeichnet. Bei manchen stehe der Vor-, bei anderen der Nachname zuerst. Und einige würden zusätzlich unter ihrem Spitznamen aufgelistet. «Ich kann mir nicht erklären, wie dieses Durcheinander entstehen konnte», sagt sie.

Er sich schon, sagt der Webflaneur: Das Smartphone ziehe Kontakte aus unterschiedlichsten Quellen zusammen: ab der SIM-Karte, aus dem E-Mail-Programm, von Facebook, Twitter, Skype und so weiter. Das sei sehr praktisch, da man so sämtliche Kontaktinfos stets mit dabei habe. Allerdings führe dies auch dazu, dass ab und zu ein Kontakt doppelt aufgeführt werde. Er rät: «Du musst doppelte Einträge halt zusammenführen.»

Sie verwirft die Hände. «Bei meinem dicken Adressbuch kostet mich das Tage», ruft sie aus. In diesem Fall versuche sie es wohl besser mit einem Automaten, sagt der Webflaneur – am besten mit jenem des Schweizer Start-ups Connex.io. Sobald sie dort ein Konto eröffnet habe, könne sie die Adressbücher von Gmail, Facebook, Linkedin sowie von Android-Smartphones oder dem iPhone anbinden. Der Dienst durchkämme die Adressen nach Duplikaten und miste die Datenbank aus – während 60 Tagen gratis, anschliessend für fünf Franken pro Monat.

Doch eigentlich sei es egal, ob ein Eintrag ein- oder mehrmals im Adressbuch stehe, fügt der Webflaneur an. Schliesslich verfüge dieses doch über eine gute Suchfunktion.

Fatales Begehren

Webflaneur am Dienstag den 4. Oktober 2011

Die beiden sind unzertrennbar. Das zumindest dachte der Webflaneur. Er hat seinen Kollegen im letzten Jahr nie mehr alleine gesehen. Dieser war total vernarrt. Immer und immer wieder schwärmte er dem Webflaneur vor, dass sein Leben nun viel spannender, einfacher und besser sei.

Doch bei diesem Treffen, zu dem der Kollege mit etwas Verspätung einläuft, ist plötzlich alles anders. Betont unachtsam knallt dieser sein iPhone auf den Tisch. Der Webflaneur wirft einen Blick darauf: Das noch vor kurzem verhätschelte, gestreichelte und stets liebevoll polierte Gerät weist Misshandlungsspuren auf. «Was ist los?», fragt er sec. «Ach, nichts», wiegelt der Kollege ab. «Das iPhone ist neulich hinuntergefallen.» Der Webflaneur hebt die Augenbraue. «Du hast es fallen lassen?», fragt er. «Ein Unfall», präzisiert der Kollege. «Könnte dieser ‹Unfall› etwas mit der Präsentation des neuen iPhones, die eben gerade über die Bühne gegangen ist, zu tun haben?», fragt der Webflaneur. Und er tadelt mit betont ernster Miene: Bloss weil das Gerät nicht mehr das neuste sei und in der intensiven Zeit, die es zusammen mit ihm durchlebt habe, auch den einen oder anderen Kratzer abbekommen habe, lasse man es doch nicht einfach fallen. Früher habe man Geräte noch fürs Leben gekauft – oder für länger: Das Radio seiner Grosseltern etwa plärre bereits in der dritten Generation. «Aber offenbar sind Langzeitpartnerschaften heute passé.»

«Mea culpa», sagt der Kollege nun. Und er setzt zur Erklärung an: Die Beziehung sei seit Wochen zerrüttet – nicht nur wegen der Kratzer, sondern auch weil das Gerät immer öfters an den Aufgaben scheitere, die er ihm stelle. So gesehen sei es irgendwie verständlich, dass er heute bei der Präsentation des neuen iPhones schwach geworden sei. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt er entschuldigend.

Der Webflaneur und sein Kollege brechen in schallendes Gelächter aus. Und sie stossen aufs neue iPhone an.

Der QR-Code

Webflaneur am Dienstag den 20. September 2011

Die Arbeitskollegin ist ganz aus dem Häuschen. «Guck mal», schmettert sie dem Webflaneur entgegen, als dieser im Anmarsch ist, und fuchtelt wild mit einer Zeitungsseite herum. «Augenblick», sagt der Webflaneur. Er setzt sich betont gemächlich hin. Die Kollegin legt derweil eine Zeitungsseite mit Modewerbung auf sein Pult. «Sensationell!», ruft sie. Der Webflaneur wirft einen Blick darauf. «Julia Saner?», fragt er. «Sie auch», sagt die Kollegin. Sensationell finde sie aber vor allem dies: Sie zückt ihr Smartphone, drückt auf dem Monitor herum, richtet das Gerät dann auf die Werbung und macht ein Foto. «Ein Klick – schon bin ich beim Making-of zur Kampagne», sagt sie. Tatsächlich: Das Smartphone spielt ein Video mit Julia Saner. Sie habe vorher bloss eine der App aus dem Store installieren müssen, die unter dem Stichwort QR zu finden seien, sagt die Kollegin. «Faszinierend, nicht?»

Der Webflaneur schmunzelt. Das sei faszinierend, sagt er – aber nicht neu. Die QR-Tags, also die Quadrate mit der schwarzweissen Musterung wie jenes auf der Werbung, seien einst für einen japanischen Autobauer entwickelt worden, damit dieser die Einzelteile erfassen und im Produktionsprozess verfolgen konnte.

Etwas später: Er wolle einen eigenen QR-Code, beschliesst der Webflaneur. Er schaut auf der Website Qrcode.kaywa.com vorbei; alternativ hätte er etwa Qr.de oder Goqr.me wählen können. Ins Formular trägt er den Link zu seinem Weblog ein – schon generiert der Automat den Code. Der Webflaneur druckt ihn aus. «Guck mal», ruft der Webflaneur der Kollegin entgegen, als diese aus der Pause zurückkommt, und fuchtelt wild mit dem Ausdruck herum. «Augenblick», sagt sie und setzt sich betont gemächlich hin. Dies sei sein eigener QR-Code, sagt der Webflaneur voller Begeisterung. «Faszinierend, nicht?» Die Kollegin setzt ein süffisantes Lächeln auf. Dann sagt sie: «Faszinierend schon – aber nicht neu.»

qrcode
Klappts bei Ihnen? Der abgebildete QR-Code führt Sie zum Weblog des Webflaneurs.

App die Post

Webflaneur am Montag den 18. Juli 2011

Ob er wirklich an alles gedacht habe, fragt sie. «Klar», sagt der Webflaneur, «die Reise kann beginnen». Da sie ihn etwas misstrauisch ansieht, zählt er auf: Zuerst habe er die App-Läden nach Reiseführern fürs Smartphone durchstöbert. «Und ich bin tatsächlich fündig geworden.» Sollten sie unterwegs ein Hotel buchen müssen, werde er die App einer Reiseplattform anwerfen, etwa jene von Booking.com (iOS/ Android), Hostelworld.com (iOS/ Android), Hotels.com (iOS/Android), HRS (iOS/ Android) oder Kayak (iOS/ Android). Damit sie die lokalen In-Spünten nicht verpassten, habe er zudem Qype (iOS/ Android) installiert: Darin seien auch Ausgehtipps von Einheimischen zu finden. Die iApps von World Top 7 wiederum verzeichneten je sieben Tipps pro Stadt. Auch an ein Wörterbuch habe er gedacht, was ihn einige Batzen gekostet habe. Zudem habe er die App Google Translate (iOS/ Android) installiert, die er zur Überwindung von Sprachbarrieren zu Hilfe zu nehmen gedenke. Auch einige Landkarten lägen vor: Damit die Kosten für die Datenübertragung nicht aus dem Ruder laufen, habe er auf dem Android-Smartphone Google Maps-Ausschnitte heruntergeladen und zudem OsmAnd installiert. Auf dem Apple-Teil setze er auf Off Maps 2 und Open Maps Pro. Und die App von Accu Weather (iOS/ Android) werde sie übers Wetter auf dem Laufenden halten.

Nun kommt der Webflaneur erst richtig in Fahrt. Sollten sie sich nächstes Mal für eine Autoreise entscheiden, werde er die iApp SRF Verkehrsinfo im Blick behalten, oder den Verkehrslage-Layer von Google Maps. Vor Reisen per Flugzeug installierte er die App der Fluggesellschaft. Da sie dieses Mal aber den Zug nähmen, habe er es bei den Apps der SBB (iOS/ Android) und deren ausländischen Pendants belassen. Den Stapel mit den ausgedruckten Buchungsblättern müssten sie übrigens nur zur Sicherheit mitschleppen, sagt der Webflaneur: Er habe die App Worldmate (iOS/ Android) installiert, mit der sich der Papierkram verwalten lassen soll.

«Du siehst: Ich habe an alles gedacht.» Sie schüttelt besorgt den Kopf. «Identitätskarte?», fragt sie. «Badehose? Zahnbürste?» Der Webflaneur errötet noch vor dem ersten Sonnenbad.

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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