Beiträge mit dem Schlagwort ‘Ferien’

Gruss aus der Wand

Mathias Born am Freitag den 1. August 2014

An dieser Ansichtskarte hat der Webflaneur seine helle Freude. Zum einen, weil sich die Kollegin, die gerne Felswände hochkraxelt, die Zeit nahm zu schreiben. Zum anderen wegen des Sujets: Die Kletterin hat es nicht bei einer Landschaftsaufnahme belassen, wie sie in Souvenirshops zu Hunderten für wenig Geld zu haben sind. Stattdessen hat sie eine Postkarte mit einem eigenen Bild fertigen lassen. Und zwar wortwörtlich: Man sieht darauf, wie sie scheinbar mühelos und sehr elegant eine Felswand erklimmt, im Hintergrund der Vulkan der Ferieninsel.

Die Partnerin des Webflaneurs hingegen runzelt die Stirn. Nicht wegen der Selbstinszenierung  der Kollegin auf der Vorder-, sondern wegen der Marke auf der Rückseite: Die Karte wurde offensichtlich aus Deutschland versandt. Unterwegs ist die Kletterin aber in Spanien. Das sei logisch, sagt der Webflaneur: Die Ansichtskarte ist von einem deutschen Onlineanbieter produziert worden.

Das war letztes Jahr. Mittlerweile bietet mit Ifolor ein Schweizer Labor Ähnliches an: In der Postkarten-App fürs iPhone wählt man ein Foto für die Vorderseite aus und auf Wunsch ein zweites für die Marke. Adresse erfassen, Text tippen, bezahlen – schon wird die Karte gefertigt. Kostenpunkt: 2.95 Franken inklusive Versand.

Der Schönheitsfehler bleibt derselbe: die falsche Marke. Wobei: Allzu oft prangen auch auf den ganz normalen Postkarten des Webflaneurs Schweizer Marken: immer dann, wenn er sie im letzten Moment geschrieben, dann aber auf die Schnelle keinen Briefkasten mehr gefunden hat.

Aushilfsnavigator

Webflaneur am Dienstag den 3. Juli 2012

Die Kollegin schaut ihn tadelnd an. «Du hast tatsächlich deinen gesamten Gerätepark in die Ferien mitgeschleppt?», fragt sie. Der Webflaneur nickt etwas verlegen. Im Rückblick hätte er wohl besser aufs Notebook verzichtet, sagt er dann. Und er fügt an: «Ohne Smartphone wäre ich aber verloren gewesen.» – «Nun übertreib mal nicht», sagt sie. Er habe das Smartphone sehr oft gezückt, um den richtigen Weg zu finden, erzählt der Webflaneur. Sie wirft ein: «Bloss um festzustellen, dass das ohne Internetzugang auch nicht glückt.» Der Webflaneur schüttelt den Kopf. «Das war einmal», sagt er. Mittlerweile gebe es Karten, die sich direkt auf dem Gerät speichern lassen – nebst den eher teuren der bekannten Hersteller von Navigationsdiensten und – unter Android – jenen von Google existierten auch freien Kartendaten. Ihm genügten diese.

Er habe auf dem Android-Smartphone in diesen Ferien vor allem die App Osmand benutzt, sagt er. Diese tauge sowohl als Stadtplan für Fussgänger als auch zum behelfsmässigen Autonavi. Alternativ hätte er für Letzteres auch auf Mapfactor Navigator oder Zanavi setzen können. Mit ihrem iPhone könne sie es einmal mit GPS Navigation 2 von Skobbler versuchen; pro Landeskarte würden dort aber 4 Franken fällig. Mit Offmaps2 hingegen koste die Stadt respektive ein Gebiet rund 30 Rappen. Dafür erhalte sie eine schön gemachte Karte, allerdings ohne Navigationsfunktion. Es gebe noch zahlreiche weitere Apps, fährt der Webflaneur fort. «Guck dich mal im Store um.» All die erwähnten Applikationen nutzten die Daten von Openstreetmap, der «Wikipedia der Landkarten». Die Gegend, in der er herumgetingelt ist, sei bereits vorbildlich erfasst. «Pass aber auf: Anderorts gibts noch einige Lücken und Fehler.»

Die Kollegin bedankt sich artig für die Ausführungen. Anfangen könne sie damit aber nichts, sagt sie dann. Denn sie plane Ferien mal ganz ohne Geräte – und mit einer echten Landkarte.

Insidertipp

Webflaneur am Donnerstag den 7. Juni 2012

Es ist zum Verzweifeln: Zwar gibt es in der Grossstadt, in die der Webflaneur zu reisen gedenkt, Tausende von Hotels. Trotzdem findet er kein passendes. Entweder sind ihm die Etablissements zu teuer; da er seine Zeit vorab in den Strassen der Stadt zu verbringen gedenkt, will er fürs Hotel nicht allzu viel auslegen. Oder aber: Die Unterkünfte scheinen ihm zu billig, zu schmuddelig, zu altbacken. Stundenlang sucht der Webflaneur nun schon nach einem günstigen, aber spannenden Hotel. Vergeblich.

Der Zufall will es, dass in exakt jenem Moment eine Medienmitteilung in seinen digitalen Briefkasten flattert. Wie man in einer fremden Stadt eine angesagte Bar, ein passendes Restaurant oder ein gutes Hotel finde, wird darin gefragt. Und die Antwort wird gleich nachgeliefert: indem man im Freundeskreis herumfrage. Genau dies sei nun mit Google+ Local im virtuellen Raum möglich: Der neue Dienst, der in die Websuche, in Maps und ins soziale Netzwerk Google+ integriert worden ist, soll die Ausgehempfehlungen der Freunde bündeln. Damit diese nicht bei null anfangen müssen, hat Google schon mal die Datenbank der im Herbst aufgekauften Firma Zagat eingelesen.

Der Webflaneur probiert Google+ Local aus. Doch spannende Insidertipps für seine Reise findet er über den noch jungen Dienst keine. Und so macht er schliesslich, was ihm in der Medienmitteilung empfohlen wird: Er fragt Freunde nach Tipps. Er tut dies aber direkt auf Facebook, Twitter und Google+.

App die Post

Webflaneur am Montag den 18. Juli 2011

Ob er wirklich an alles gedacht habe, fragt sie. «Klar», sagt der Webflaneur, «die Reise kann beginnen». Da sie ihn etwas misstrauisch ansieht, zählt er auf: Zuerst habe er die App-Läden nach Reiseführern fürs Smartphone durchstöbert. «Und ich bin tatsächlich fündig geworden.» Sollten sie unterwegs ein Hotel buchen müssen, werde er die App einer Reiseplattform anwerfen, etwa jene von Booking.com (iOS/ Android), Hostelworld.com (iOS/ Android), Hotels.com (iOS/Android), HRS (iOS/ Android) oder Kayak (iOS/ Android). Damit sie die lokalen In-Spünten nicht verpassten, habe er zudem Qype (iOS/ Android) installiert: Darin seien auch Ausgehtipps von Einheimischen zu finden. Die iApps von World Top 7 wiederum verzeichneten je sieben Tipps pro Stadt. Auch an ein Wörterbuch habe er gedacht, was ihn einige Batzen gekostet habe. Zudem habe er die App Google Translate (iOS/ Android) installiert, die er zur Überwindung von Sprachbarrieren zu Hilfe zu nehmen gedenke. Auch einige Landkarten lägen vor: Damit die Kosten für die Datenübertragung nicht aus dem Ruder laufen, habe er auf dem Android-Smartphone Google Maps-Ausschnitte heruntergeladen und zudem OsmAnd installiert. Auf dem Apple-Teil setze er auf Off Maps 2 und Open Maps Pro. Und die App von Accu Weather (iOS/ Android) werde sie übers Wetter auf dem Laufenden halten.

Nun kommt der Webflaneur erst richtig in Fahrt. Sollten sie sich nächstes Mal für eine Autoreise entscheiden, werde er die iApp SRF Verkehrsinfo im Blick behalten, oder den Verkehrslage-Layer von Google Maps. Vor Reisen per Flugzeug installierte er die App der Fluggesellschaft. Da sie dieses Mal aber den Zug nähmen, habe er es bei den Apps der SBB (iOS/ Android) und deren ausländischen Pendants belassen. Den Stapel mit den ausgedruckten Buchungsblättern müssten sie übrigens nur zur Sicherheit mitschleppen, sagt der Webflaneur: Er habe die App Worldmate (iOS/ Android) installiert, mit der sich der Papierkram verwalten lassen soll.

«Du siehst: Ich habe an alles gedacht.» Sie schüttelt besorgt den Kopf. «Identitätskarte?», fragt sie. «Badehose? Zahnbürste?» Der Webflaneur errötet noch vor dem ersten Sonnenbad.

Auf der Piste

Webflaneur am Freitag den 18. Februar 2011

Der Kollege Skifahrer hat die Messlatte hoch gelegt: Schätzungsweise 62 Kilometer bolzte er während eines Skitages. 27-mal bestieg er einen Lift. Insgesamt hat er fast 10 Höhenkilometer zurückgelegt. Der Webflaneur staunt. Um die Fahrt zu überbieten, müsste er die Stöcke unter die Arme klemmen und tief in die Hocke gehen, sagt er sich, als er die Fahrdaten des Kollegen zu Hause studiert. Wobei: Machte er nicht auch eine volle Stunde Mittag, könnte er es schaffen.

Der Webflaneur beschliesst, Skiline – ein System zur Fahrtenerfassung – zumindest auch einmal auszuprobieren. Das Skigebiet, in dem er am häufigsten herumkurvt, macht jedenfalls mit. Und es ist einfach, die Fahrten aufzuzeichnen: Immer wenn man die Tageskarte ans Lesegerät hält, macht dieses einen Eintrag im Logbuch. Wieder zu Hause, gibt man auf der Website die Nummer der Tageskarte ein. Schon sieht man, welche Bahnen man wann bestiegen hat. Auch die Anzahl Höhenmeter blendet der Webdienst ein. Und er errechnet auch gerade, wie viele Kilometer man ungefähr gefahren sein muss. Alle Infos können abgespeichert werden. So hat man selbst Ende Saison noch den Überblick, wann man wo auf der Piste war und wie lange man im Restaurant sass. Zudem kann man sich mit Skikollegen messen und versuchen, mehr Höhenmeter als diese zurückzulegen.

Vorläufig bleibe er aber zu Hause und warte auf neuen Schnee, beschliesst der Webflaneur. Er vertreibt sich die Zeit derweil mit einer kleinen Rechenübung. Kollege Skifahrer hat für seine Tageskarte 59 Franken bezahlt. 27-mal hat er einen Lift genommen. Pro Bergfahrt hat er also Fr. 2.19 bezahlt. Der Pistenkilometer kam ihn dabei auf 95 Rappen zu stehen. «Bei diesem Preis hättest du besser das Auto genommen», schreibt der Webflaneur dem Kollegen Skifahrer.

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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