Beiträge mit dem Schlagwort ‘App’

Die Notifikation

Mathias Born am Mittwoch den 20. Mai 2015

Sie liest ihm gehörig die Leviten. «Von einem Technikfreak wie dir dürfte man schon erwarten, dass das Smartphone nicht stundenlang in der Tasche liegen bleibt», tadelt sie ihn.  Der Webflaneur schaut ganz betreten drein. Dann entschuldigt er sich in aller Form. Schliesslich rechtfertigt er sich – er sei emsig am Arbeiten gewesen – und faselt etwas von «ablenkungslosem Schreiben».

Was der Webflaneur nicht sagt: Er vergisst das Smartphone auch dann ab und zu in der Jackentasche, wenn er nicht unter Hochdruck arbeitet. Es könnte also tatsächlich vorkommen, dass er deshalb wirklich etwas Wichtiges verpasst.  Deshalb sucht er nun nach einer Lösung für sein  Aufmerksamkeitsdefizit. Er findet sie rasch: die App Pushbullet zeigt Notifikationen ab dem Smartphone direkt am Computerbildschirm an. Trifft eine Kurznachricht ein oder ruft jemand an, erscheint am grossen Bildschirm ein Hinweis, selbst dann, wenn das Smartphone noch bei der Garderobe abhängt. Und auch, wenn der Wecker läutet oder der Kalender auf einen Termin hinweist. Selbstverständlich lässt sich einstellen, welche Notifikationen gewünscht sind. Ganz begeistert ist der Webflaneur aber von einer Zusatzfunktion: Er kann eintreffende SMS gleich am Computer beantworten – ohne sich mit der kleinen Bildschirmtastatur seines Smartphones abmühen zu müssen.

Die Begeisterung über die Notifikationsapp hält indes nur kurz an. Dann merkt der Webflaneur: Seit ihn Pushbullet auf neue Meldungen aufmerksam macht, kann er sich nicht mehr konzentrieren.

Gruss aus der Wand

Mathias Born am Freitag den 1. August 2014

An dieser Ansichtskarte hat der Webflaneur seine helle Freude. Zum einen, weil sich die Kollegin, die gerne Felswände hochkraxelt, die Zeit nahm zu schreiben. Zum anderen wegen des Sujets: Die Kletterin hat es nicht bei einer Landschaftsaufnahme belassen, wie sie in Souvenirshops zu Hunderten für wenig Geld zu haben sind. Stattdessen hat sie eine Postkarte mit einem eigenen Bild fertigen lassen. Und zwar wortwörtlich: Man sieht darauf, wie sie scheinbar mühelos und sehr elegant eine Felswand erklimmt, im Hintergrund der Vulkan der Ferieninsel.

Die Partnerin des Webflaneurs hingegen runzelt die Stirn. Nicht wegen der Selbstinszenierung  der Kollegin auf der Vorder-, sondern wegen der Marke auf der Rückseite: Die Karte wurde offensichtlich aus Deutschland versandt. Unterwegs ist die Kletterin aber in Spanien. Das sei logisch, sagt der Webflaneur: Die Ansichtskarte ist von einem deutschen Onlineanbieter produziert worden.

Das war letztes Jahr. Mittlerweile bietet mit Ifolor ein Schweizer Labor Ähnliches an: In der Postkarten-App fürs iPhone wählt man ein Foto für die Vorderseite aus und auf Wunsch ein zweites für die Marke. Adresse erfassen, Text tippen, bezahlen – schon wird die Karte gefertigt. Kostenpunkt: 2.95 Franken inklusive Versand.

Der Schönheitsfehler bleibt derselbe: die falsche Marke. Wobei: Allzu oft prangen auch auf den ganz normalen Postkarten des Webflaneurs Schweizer Marken: immer dann, wenn er sie im letzten Moment geschrieben, dann aber auf die Schnelle keinen Briefkasten mehr gefunden hat.

Freier Fotograf

Webflaneur am Dienstag den 7. Mai 2013

Was er schon wieder am Smartphone herumnestle, fragt die Kollegin, als sie von der Theke zurückkommt. Sie stellt die beiden Kaffeetassen auf den Tisch und setzt sich wieder. Der Webflaneur legt sein Smartphone beiseite. In der Wikipedia habe es noch kein Bild von diesem wunderschönen, historischen Café gegeben, antwortet er. Deshalb habe er das Foto, das er vorher gemacht habe, kurzerhand in die entsprechende Mediendatenbank hochgeladen: zu Wikimedia Commons. Bis vor kurzem sei ein solches Unterfangen aufwendig gewesen, doziert er: Man musste sich am Computer einloggen, die Fotodatei auswählen, sie mit kryptischen Tags verschlagworten, die richtige Lizenz auswählen. Nun aber hätten die Wikipedia-Macher eine Smartphone-App für Android und für iOS-Geräte veröffentlicht. «Mit dieser ist das alles im Nu erledigt.»

Ob er ihr zeigen könne, wie das funktioniere, fragt die Kollegin und nimmt einen Schluck Kaffee. Der Webflaneur lässt sich nicht zweimal bitten. Er ergreift das Smartphone und setzt zur Demonstration an: Er startet die App, drapiert seine Kaffeetasse, macht ein Foto davon. «Eine grosse Tasse Kaffee», schreibt er ins Titelfeld. Und er verfasst eine kurze Beschreibung. Dann wählt er einige Stichworte aus. «Jetzt muss ich nur noch speichern – und schon können die Wikipedia-Autoren das Bild in ihre Artikel einbinden.»

Die Kollegin, die soeben den letzten Schluck ihres Cappuccinos getrunken hat, hebt warnend die Hand. «Warte noch», sagt sie. Der Titel sei nicht ganz korrekt und sollte unbedingt noch angepasst werden. «Viel besser wäre: Eine grosse Tasse mit kaltem Kaffee.»

Das Löchersieb

Webflaneur am Dienstag den 26. März 2013

Das werde er sich merken, sagt der Webflaneur. Sie kichert. «Mit diesem Löchersieb?», fragt sie und tippt ihm an die Stirn. Der Webflaneur ignoriert ihre Provokation. Stattdessen sagt er: «Ich notiere es mir einfach.» Und während er am Smartphone herumfingert, schiebt er nach: «Hier drin bewahre ich auf, was nicht vergessen gehen soll.» – «Evernote?», fragt sie? «Fast», antwortet er. Derzeit probiere er ein neues Angebot aus: Keep von Google, erhältlich seit letzter Woche in einer Android– und einer Webbrowserversion. Der Dienst sei einfacher gehalten als der Klassiker Evernote oder Onenote von Microsoft, funktioniere aber ähnlich: Man notiert, was man nicht vergessen soll. Auch Fotos lassen sich anhängen. «Und wie bei Evernote kann man auch Kurztexte diktieren», sagt er.

Das glaube sie ihm erst, wenn sies mit eigenen Augen gesehen habe, sagt sie. Und so probieren es die beiden aus: «Google Keep besitzt eine Diktierfunktion», diktiert der Webflaneur. «Mal schauen, ob sie funktioniert.» Sekunden später liefert die App das Transkript: «Google Cheat besitzt eine Diktierfunktion mal schauen ob sie funktioniert.» «Nicht schlecht», sagt der Webflaneur. «Mit dem eigenen Namen und der Interpunktion harzt es noch», moniert die Begleiterin. Nun wiederholen die beiden das Prozedere mit Evernote. Heraus kommt: «Auch immer Nord eine Diktierfunktion schauen ob sie funktioniert.»

Die automatische Transkription bei Google sei jedenfalls besser, als er es erwartet habe, zieht der Webflaneur ein Fazit. Wirklich brauchbar sei sie nicht, kritisiert seine Begleiterin. «Nun ist aber fertig gespielt», sagt sie. «Eigentlich wolltest du doch bloss einen Merkzettel erstellen.» – «Genau», sagt der Webflaneur und nimmt das Smartphone zur Hand. «Weisst du noch, was ich notieren wollte?»

Die eigene App

Webflaneur am Dienstag den 19. April 2011

Der Webflaneur horcht auf. Ob es wirklich so einfach sei, eine eigene App für ein Android-Smartphone zu bauen, fragt er den Kollegen vis-à-vis. Dieser nickt. Programmierkenntnisse seien keine nötig. Alles, was man dazu brauche, sei etwas Zeit und Geduld. Der Webflaneur schaut ihn ungläubig an. Noch vor kurzem hätten nur ambitionierte Jungs Apps hingekriegt, sagt er. Zudem habe man sich als Programmierer registrieren und einen Obolus entrichten müssen. «Das ist längst passé», sagt der Kollege. «Probiers doch mal selbst.»

Das lässt sich der Webflaneur nicht zweimal sagen. Er leert das Glas und verabschiedet sich mit dem saloppen Spruch: «Ich gehe dann noch rasch eine Webflaneur-App bauen.» Die Kollegen am oberen Ende des Tisches horchen auf. Ob es wirklich so einfach sei, eine eigene App zu programmieren, fragen sie. Euphorisch sagt der Webflaneur: «Probierts doch mal selbst.»

Zuhause angekommen, schiebt er eine Fertigpizza in den Ofen und holt eine Dose Cola. So viel Programmier-Romantik muss sein! Dann surft er zu Googles Appinventor und guckt sich das Beispielvideo an. Er schmökert in der Dokumentation. Dann packt er links einen Knopf und drapiert diesen auf der leeren Seite daneben. Er fügt seinen Lieblingssong hinzu. Nun wechselt er in den Blocks-Editor. Weshalb dieser so heisst, leuchtet ihm bald ein: Hier sollen vorbereitete Teilchen aneinandergehängt werden. Wie in Puzzle-spielen gibt es Teilchen, die zueinander passen, und solche, die sich nicht verbinden lassen. Der Webflaneur packt einen Knopf. Dieses Teil lässt sich mit dem Soundstückchen koppeln.

Nun wirft er den Emulator an. Auf dem Monitor startet ein virtuelles Handy seine App. Es funzt: Drückt er auf den Knopf, wird sein Lied gespielt. Mehr kriegt der Webflaneur an diesem Abend aber nicht mehr hin. Und so murmelt er schliesslich entnervt: «Probierts doch selbst.»

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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