Beiträge mit dem Schlagwort ‘Android’

Die Notifikation

Mathias Born am Mittwoch den 20. Mai 2015

Sie liest ihm gehörig die Leviten. «Von einem Technikfreak wie dir dürfte man schon erwarten, dass das Smartphone nicht stundenlang in der Tasche liegen bleibt», tadelt sie ihn.  Der Webflaneur schaut ganz betreten drein. Dann entschuldigt er sich in aller Form. Schliesslich rechtfertigt er sich – er sei emsig am Arbeiten gewesen – und faselt etwas von «ablenkungslosem Schreiben».

Was der Webflaneur nicht sagt: Er vergisst das Smartphone auch dann ab und zu in der Jackentasche, wenn er nicht unter Hochdruck arbeitet. Es könnte also tatsächlich vorkommen, dass er deshalb wirklich etwas Wichtiges verpasst.  Deshalb sucht er nun nach einer Lösung für sein  Aufmerksamkeitsdefizit. Er findet sie rasch: die App Pushbullet zeigt Notifikationen ab dem Smartphone direkt am Computerbildschirm an. Trifft eine Kurznachricht ein oder ruft jemand an, erscheint am grossen Bildschirm ein Hinweis, selbst dann, wenn das Smartphone noch bei der Garderobe abhängt. Und auch, wenn der Wecker läutet oder der Kalender auf einen Termin hinweist. Selbstverständlich lässt sich einstellen, welche Notifikationen gewünscht sind. Ganz begeistert ist der Webflaneur aber von einer Zusatzfunktion: Er kann eintreffende SMS gleich am Computer beantworten – ohne sich mit der kleinen Bildschirmtastatur seines Smartphones abmühen zu müssen.

Die Begeisterung über die Notifikationsapp hält indes nur kurz an. Dann merkt der Webflaneur: Seit ihn Pushbullet auf neue Meldungen aufmerksam macht, kann er sich nicht mehr konzentrieren.

Freier Fotograf

Webflaneur am Dienstag den 7. Mai 2013

Was er schon wieder am Smartphone herumnestle, fragt die Kollegin, als sie von der Theke zurückkommt. Sie stellt die beiden Kaffeetassen auf den Tisch und setzt sich wieder. Der Webflaneur legt sein Smartphone beiseite. In der Wikipedia habe es noch kein Bild von diesem wunderschönen, historischen Café gegeben, antwortet er. Deshalb habe er das Foto, das er vorher gemacht habe, kurzerhand in die entsprechende Mediendatenbank hochgeladen: zu Wikimedia Commons. Bis vor kurzem sei ein solches Unterfangen aufwendig gewesen, doziert er: Man musste sich am Computer einloggen, die Fotodatei auswählen, sie mit kryptischen Tags verschlagworten, die richtige Lizenz auswählen. Nun aber hätten die Wikipedia-Macher eine Smartphone-App für Android und für iOS-Geräte veröffentlicht. «Mit dieser ist das alles im Nu erledigt.»

Ob er ihr zeigen könne, wie das funktioniere, fragt die Kollegin und nimmt einen Schluck Kaffee. Der Webflaneur lässt sich nicht zweimal bitten. Er ergreift das Smartphone und setzt zur Demonstration an: Er startet die App, drapiert seine Kaffeetasse, macht ein Foto davon. «Eine grosse Tasse Kaffee», schreibt er ins Titelfeld. Und er verfasst eine kurze Beschreibung. Dann wählt er einige Stichworte aus. «Jetzt muss ich nur noch speichern – und schon können die Wikipedia-Autoren das Bild in ihre Artikel einbinden.»

Die Kollegin, die soeben den letzten Schluck ihres Cappuccinos getrunken hat, hebt warnend die Hand. «Warte noch», sagt sie. Der Titel sei nicht ganz korrekt und sollte unbedingt noch angepasst werden. «Viel besser wäre: Eine grosse Tasse mit kaltem Kaffee.»

Begrenzte Möglichkeiten

Webflaneur am Dienstag den 20. November 2012

Dieser Preis ist völlig überrissen, ereifert sich der Webflaneur. «200 Franken!», ruft er aus. So viel hätte ihn das Navigationsgerät beim Autovermieter gekostet. «Zum Kauf?», fragte der Freund vis-à-vis. «Zur Miete während der 14-tägigen Fahrt durch die USA», sagt der Webflaneur. «So etwas ist zum Davonlaufen.»

Der Freund pflichtet ihm bei. Er habe sich anders beholfen: Kurzerhand habe er die App eines bekannten Herstellers von Navigationsgeräten gekauft. «Seither navigiere ich mit dem Smartphone.» Genau das habe er sich auch überlegt, sagt der Webflaneur. Schliesslich habe er sich aber für die Low-Cost-Variante entschieden: Auf seinem Android-Smartphone habe er die Apps OSMand und Navigator installiert. Beide sind kostenlos. Und bei beiden kann man – auch ohne Internetzugang – die Daten von Openstreetmap nutzen, der Wikipedia der Landkarten.

«Das bewährt sich?», fragt der Freund. «Ja», sagt der Webflaneur. Man müsse eine Spur wachsamer sein als bei kommerziellen Navis. Ein, zwei Einbahnen seien falsch erfasst gewesen, wie er auf der Reise festgestellt habe. Und die eine App habe manchmal einen Schlenker vorgeschlagen. «Wir sind aber fast immer direkt ans Ziel gekommen.»

Der Webflaneur spricht gleich weiter; wenns es um Karten geht, ist er kaum zu bremsen. Es gebe bei Openstreetmap einen Unterschied zwischen Europa und den USA, doziert er. In Europa sind die meisten Strassen von Freiwilligen erfasst worden. In den USA hingegen durfte ein nationales Register importiert werden. «Entsprechend ist das Wegnetz fast komplett. Da es aber weniger Freiwillige gibt, fehlen viele Points of Interest: Monumente, Cafés, Hotels.»

Das soll sich nun ändern, liest der Webflaneur wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Freund: Am nächsten Wochenende werden Freiwillige in der «Operation Cowboy» anhand von Luftfotos Fehlendes in der US-Karte nachtragen. Der Webflaneur wird sich nicht beteiligen, denn er hat am Wochenende andere Pläne. Seinen Beitrag hat er bereits auf der Reise geleistet: Er hat gute Cafés und Restaurants kartografiert – als Dank dafür, dass er kein überteuertes Navi mieten musste.

App die Post

Webflaneur am Montag den 18. Juli 2011

Ob er wirklich an alles gedacht habe, fragt sie. «Klar», sagt der Webflaneur, «die Reise kann beginnen». Da sie ihn etwas misstrauisch ansieht, zählt er auf: Zuerst habe er die App-Läden nach Reiseführern fürs Smartphone durchstöbert. «Und ich bin tatsächlich fündig geworden.» Sollten sie unterwegs ein Hotel buchen müssen, werde er die App einer Reiseplattform anwerfen, etwa jene von Booking.com (iOS/ Android), Hostelworld.com (iOS/ Android), Hotels.com (iOS/Android), HRS (iOS/ Android) oder Kayak (iOS/ Android). Damit sie die lokalen In-Spünten nicht verpassten, habe er zudem Qype (iOS/ Android) installiert: Darin seien auch Ausgehtipps von Einheimischen zu finden. Die iApps von World Top 7 wiederum verzeichneten je sieben Tipps pro Stadt. Auch an ein Wörterbuch habe er gedacht, was ihn einige Batzen gekostet habe. Zudem habe er die App Google Translate (iOS/ Android) installiert, die er zur Überwindung von Sprachbarrieren zu Hilfe zu nehmen gedenke. Auch einige Landkarten lägen vor: Damit die Kosten für die Datenübertragung nicht aus dem Ruder laufen, habe er auf dem Android-Smartphone Google Maps-Ausschnitte heruntergeladen und zudem OsmAnd installiert. Auf dem Apple-Teil setze er auf Off Maps 2 und Open Maps Pro. Und die App von Accu Weather (iOS/ Android) werde sie übers Wetter auf dem Laufenden halten.

Nun kommt der Webflaneur erst richtig in Fahrt. Sollten sie sich nächstes Mal für eine Autoreise entscheiden, werde er die iApp SRF Verkehrsinfo im Blick behalten, oder den Verkehrslage-Layer von Google Maps. Vor Reisen per Flugzeug installierte er die App der Fluggesellschaft. Da sie dieses Mal aber den Zug nähmen, habe er es bei den Apps der SBB (iOS/ Android) und deren ausländischen Pendants belassen. Den Stapel mit den ausgedruckten Buchungsblättern müssten sie übrigens nur zur Sicherheit mitschleppen, sagt der Webflaneur: Er habe die App Worldmate (iOS/ Android) installiert, mit der sich der Papierkram verwalten lassen soll.

«Du siehst: Ich habe an alles gedacht.» Sie schüttelt besorgt den Kopf. «Identitätskarte?», fragt sie. «Badehose? Zahnbürste?» Der Webflaneur errötet noch vor dem ersten Sonnenbad.

Die eigene App

Webflaneur am Dienstag den 19. April 2011

Der Webflaneur horcht auf. Ob es wirklich so einfach sei, eine eigene App für ein Android-Smartphone zu bauen, fragt er den Kollegen vis-à-vis. Dieser nickt. Programmierkenntnisse seien keine nötig. Alles, was man dazu brauche, sei etwas Zeit und Geduld. Der Webflaneur schaut ihn ungläubig an. Noch vor kurzem hätten nur ambitionierte Jungs Apps hingekriegt, sagt er. Zudem habe man sich als Programmierer registrieren und einen Obolus entrichten müssen. «Das ist längst passé», sagt der Kollege. «Probiers doch mal selbst.»

Das lässt sich der Webflaneur nicht zweimal sagen. Er leert das Glas und verabschiedet sich mit dem saloppen Spruch: «Ich gehe dann noch rasch eine Webflaneur-App bauen.» Die Kollegen am oberen Ende des Tisches horchen auf. Ob es wirklich so einfach sei, eine eigene App zu programmieren, fragen sie. Euphorisch sagt der Webflaneur: «Probierts doch mal selbst.»

Zuhause angekommen, schiebt er eine Fertigpizza in den Ofen und holt eine Dose Cola. So viel Programmier-Romantik muss sein! Dann surft er zu Googles Appinventor und guckt sich das Beispielvideo an. Er schmökert in der Dokumentation. Dann packt er links einen Knopf und drapiert diesen auf der leeren Seite daneben. Er fügt seinen Lieblingssong hinzu. Nun wechselt er in den Blocks-Editor. Weshalb dieser so heisst, leuchtet ihm bald ein: Hier sollen vorbereitete Teilchen aneinandergehängt werden. Wie in Puzzle-spielen gibt es Teilchen, die zueinander passen, und solche, die sich nicht verbinden lassen. Der Webflaneur packt einen Knopf. Dieses Teil lässt sich mit dem Soundstückchen koppeln.

Nun wirft er den Emulator an. Auf dem Monitor startet ein virtuelles Handy seine App. Es funzt: Drückt er auf den Knopf, wird sein Lied gespielt. Mehr kriegt der Webflaneur an diesem Abend aber nicht mehr hin. Und so murmelt er schliesslich entnervt: «Probierts doch selbst.»

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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