Archiv für die Kategorie ‘Kommerzielles’

Aufgespielt

Mathias Born am Sonntag den 22. Juni 2014

Dieses Mal bereitet sich der Webflaneur sehr gut vor. Lange bevor das erste Konzert über die Bühne geht, spielt er die Apps auf sein Smartphone auf, die ihm vor und während der Open Airs von Nutzen sein könnten. Dazu gehören zuallererst die Programme mit den Festivalprogrammen.

Für den Fall, dass er am Festival einmal ein Stück nicht benamsen kann, installiert der Webflaneur Shazam (Android, iOS), TrackID (Android) oder SoundHound (Android, iOS). Eine Aufnahme von wenigen Sekunden genügt – schon zeigen diese Apps den Titel und den Interpreten des Songs an. Zumindest, wenn der Musiker das Stück nicht allzu frei interpretiert und das Festivalvolk nicht allzu laut grölt.

Apropos laut: Mit Decibel 10th (iOS), Noise Meter (Android) und Sound Meter (Android) kriegt der Webflaneur, wenn auch keine exakten Werte, zumindest eine leise Ahnung davon, wie laut das Konzert ist. So kann er rechtzeitig die Stöpsel setzen, bevor es in seinen Ohren zu pfeifen beginnt. Und apropos Grölen: Mit dem Promille Rechner (Android) oder mit Intelli Drink (iOS) gedenkt der Webflaneur anhand seiner Körpergrösse, des Gewichts, des Alters sowie der konsumierten Getränke sicherzustellen, dass er selber nicht allzu laut und lustig wird.

Schliesslich installiert er noch den Tentfinder (iOS) auf seinem Smartphone, dank dem er das eigene Zelt wiederfinden soll – trotz Dunkel- und allfälliger Trunkenheit. Auf dem Weg zum Zelt dürfte – sofern das Gerät dann noch Saft hat – zudem die integrierte Taschenlampenfunktion hilfreich sein.

Zufrieden lehnt sich der Webflaneur nun zurück. Jetzt fehlt ihm nur noch eines: ein Ticket fürs Open-Air-Festival.

Der Abgang

Webflaneur am Dienstag den 18. März 2014

Facebook übernimmt den Kurznachrichtendienst Whatsapp. Diese Meldung war für einen Freund des Webflaneurs das Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen brachte. Jedenfalls eröffnete er, kurz nachdem die Nachricht eingetroffen war, einen Gruppenchat bei Whatsapp, um sich von den Kontakten zu verabschieden. Man sehe sich wieder, schrieb er – drüben bei Threema.

Der Webflaneur kaufte sich kurzerhand die App Threema, mit der man Texte, Bilder, Videos und Standortinfos verschicken kann. Für weniger als den Preis eines Kaffees kriegt er viel Sicherheit: Die App verschlüsselt alle Nachrichten. Nicht einmal die Betreiber des Dienstes, die Mitarbeiter eines kleinen Unternehmens aus Zürich, können mitlesen. Weil die Chatpartner ihre Schlüssel tauschen müssen, ist die Bedienung zwar komplizierter als bei Whatsapp. Threema führt aber vorbildlich durchs Prozedere. Die Schlüssel lassen sich persönlich weitergeben. Oder man verwendet die Synchronisation. Dazu werden Infos aus dem Adressbuch auf den Schweizer Server der Firma geladen. Anders als bei Whatsapp verbleiben sie dort aber nur so lange wie nötig.

Tatsächlich trifft der Webflaneur seinen Freund auf Threema wieder. Und er tadelt ihn sogleich: Es sei keine gute Idee gewesen, die Abschiedsmeldung in einer Whatsapp-Gruppe zu veröffentlichen. Denn damit steckte er sämtlichen Mitgliedern gegenseitig die Handynummern zu.  Das ist dem Freund peinlich. Er entschuldigt sich in der Whatsapp-Gruppe. Dann verlässt er sie. Der Webflaneur hingegen nutzt sie seither, um mit den übrigen Gruppenmitgliedern liebevoll über den gemeinsamen Freund zu lästern.

Der Experte

Mathias Born am Dienstag den 4. Februar 2014

Der Webflaneur wird ganz kribbelig. Seit Stunden schon probiert er dieses und jenes aus. Ohne Erfolg. Egal, wie er die Computerbastelarbeit auch dreht und wendet – sie funktioniert nicht. Mit den darin enthaltenen Texten ist zwar alles in Ordnung. Nicht aber mit den Fotos. Diese wollen sich partout nicht automatisch der Grösse des Bildschirms anpassen. Der Webflaneur weiss zwar, dass dies möglich ist. Aber er hat keinen blassen Schimmer, wie man es anstellt. Ihm fehlt schlicht das einschlägige Know-how.

Kurz und gut: Der Webflaneur steht am Berg. Er weiss sich nicht mehr zu helfen. Entweder, so sagt er sich, ackere er sich nun halbe Nächte lang durch die vielen Expertenforen im Internet und probiere jeden erdenklichen Ratschlag aus. Oder er belästige einen der Informatiker aus seinem Bekanntenkreis. Doch da kommt ihm eine bessere Idee: Weshalb engagiert er nicht kurzerhand einen Experten?

Der Webflaneur surft zu  Freelancer.com; er hätte auch eine andere Plattform wie Gulp.de, Projektwerk.com oder Freelance.de ausprobieren können. Ins Suchfeld tippt er nun einige Angaben zu den Qualifikationen ein, die sein zukünftiger Angestellter mitbringen sollte: Unter anderem sollte er HTML- und CSS-Kenntnisse haben. Schon präsentiert ihm das Vermittlungsportal Freelancer, die seine Arbeit erledigen könnten.

Fast an oberster Stelle steht Vladimir aus der Ukraine. Dieser arbeitet für 6 Dollar pro Stunde. Der Webflaneur fragt ihn im Chat an, ob er Interesse daran habe, drei Stunden lang an seiner Datei zu polieren. Vladimir antwortet postwendend   und nimmt den Job an. Der Webflaneur schickt ihm die Datei. Und Vladimir macht sich sogleich an die Arbeit. Ab und zu meldet er sich per E-Mail mit einer Frage – in äusserst holprigem Englisch. Schliesslich kommt das Resultat seiner Arbeit. Tatsächlich hat Vladimir einige Kleinigkeiten korrigiert. Das Problem mit er Fotoskalierung konnte er aber auch nicht lösen. Der Webflaneur bezahlt ihn trotzdem. Und er überlegt sich, den nächsten Profi zu engagieren: Tarek aus Indien.

Entweder – oder

Webflaneur am Dienstag den 12. Februar 2013

Der Webflaneur schaut sie tadelnd an. «Das ist unfair», sagt er mit strenger Stimme. Und vermutlich eine Spur zu laut. Jedenfalls zuckt die Kollegin ziemlich zusammen. «Was ist in dich gefahren?», fragt sie. Und: «Was ist unfair?» Der Webflaneur formuliert es nun etwas diplomatischer. Er persönlich finde es nicht ganz korrekt, sagt er, wenn man sich im Fachgeschäft ausführlich beraten lasse, sich anschliessend etwas Bedenkzeit ausbedinge und das Produkt schliesslich online bestelle. «Für mich gilt: Entweder lasse ich mich beraten. Oder ich informiere mich selbst und kaufe günstig online ein.»

So einfach sei dies nicht, kontert die Shopperin. «Ich hätte dem Schnüggu im Fachgeschäft gerne etwas abgekauft», behauptet sie. «Ich hätte auch einige Franken mehr auf den Tisch gelegt.» Schliesslich sei die Beratung gut gewesen, und sie hätte das Produkt gleich mit nach Hause nehmen können. «Es ging aber nicht um einige Franken, sondern um ein Fünftel des Preises.»

Die Shopperin und der Webflaneur diskutieren noch geraume Zeit darüber, wie man sich korrekt verhält. Und sie erörtern, wie man beim Online-Einkauf vorgeht. Er lasse sich von Freunden beraten, sagt der Webflaneur, lese Zeitschriften, studiere Testberichte, klicke Bewertungen durch. Schliesslich suche er auf Websites wie Toppreise den günstigsten Anbieter. Apropos, fügt er an: Soeben habe eine Schweizer Firma ein neues Portal online geschaltet: Auf Pricebook kann man Preise vergleichen, Testberichte studieren, Kommentare lesen. Integriert ist zudem ein soziales Netzwerk: Man kann etwa anderen Nutzern folgen und diese bei Bedarf kontaktieren. Und man kann Wunschlisten hinterlegen.

«Dank solchen Websites brauche ich gar keine Beratung im Fachgeschäft mehr», sagt der Webflaneur. Doch da guckt ihn die Kollegin Shopperin gespielt entrüstet an. Und sie ruft: «Und was passiert mit dem Schnüggu im Fachgeschäft?»

Mega!

Webflaneur am Dienstag den 29. Januar 2013

Der Webflaneur traut seinen Augen kaum. «50 Gigabyte», stammelt er. Um sich zu versichern, liest er die Meldung gleich nochmals. Tatsächlich: 50 Gigabyte Speicher kriegt, wer Mega nutzt – gratis und franko. Oder anders gesagt: Bei Mega profitiert man von sieben oder noch mehr mal mehr Speicher als bei der Konkurrenz. Microsoft etwa stellt auf Skydrive derzeit 7 Gigabyte gratis zur Verfügung. Bei Googles Drive und Canonicals Ubuntu One sind es je 5, und bei Dropbox abhängig von der Anzahl erfolgreicher Empfehlungen 2 bis 18 Gigabyte.

Der Webflaneur hat auch schon eine Idee, wozu er den Speichersegen nutzen könnte. Nein, er gedenkt keine raubkopierten Filme zu tauschen, und er besitzt auch keine ausufernde Musiksammlung. Aber er braucht Speicher für die Fotos, die er mit der neuen Kamera macht, für all die Bilder, die er aus der analogen in die digitale Zeit rettet, sowie für Videos, die er bei Festen und während der Ferien dreht. All diese für ihn wertvollen Erinnerungen möchte er in zweifacher Ausführung haben: auf seiner Festplatte und in der Datenwolke. Da kommt ein Angebot wie jenes von Mega recht.

Der Webflaneur widersteht diesem trotzdem. Denn er weiss um die Geschichte: Mega ist das Nachfolgeprojekt von Megaupload. Lanciert wurde es exakt ein Jahr, nachdem die Polizei das Anwesen des Gründers Kim Schmitz alias Kim Dotcom in Neuseeland gestürmt und die Server, über die offenbar besonders viele Raubkopien getauscht worden waren, konfisziert hatte. Noch ziehen sich die Untersuchungen gegen Kim Dotcom hin, der mit seinem Onlineimperium schnell sehr reich geworden ist. Wie zur Provokation hat dieser nun eine Nachfolge-Site lanciert. Dabei macht er einiges besser als beim ersten Mal.

Dem Webflaneur ist das Angebot trotzdem suspekt. Für seine Fotos wünscht er sich einen sichereren Hafen als jenen von Kim Dotcom. Und für einen solchen ist er auch bereit, einige Franken auszugeben.

Der neue Computer

Webflaneur am Dienstag den 15. Januar 2013

Sie hat neulich ein Notebook gekauft. Zu Beginn freute sie sich übers neue schnuckelige Gerät sowie den attraktiven Preis. Aber nicht lange. Denn plötzlich wurde der Bildschirm schwarz. Zwar strahlte er sie nach einem Neustart wieder an, als wäre nichts gewesen. Aber nur kurz: bis zum nächsten Blackout. Enerviert stürmte sie daraufhin das Verkaufsgeschäft. Und konsterniert kam sie wieder heraus. Natürlich stottere die Maschine, hatte ihr der Verkäufer beschieden – bei all den Programmen, die sie darauf installiert habe. Er tadelte sie: Nächstes Mal lasse sie diese besser vom Fachmann installieren, wie ihr das beim Kauf geraten worden sei. Und er bot an, das Problem zu beheben – für 340 Franken.

So erzählt es die Kollegin dem Webflaneur. Sie klagt: Sie werde das Gerät wohl doch flicken lassen müssen. Ob er einen Blick darauf werfen dürfe, fragt der Webflaneur. «Klar», sagt sie, holt das Notebook und startet es.

Nun staunt auch der Webflaneur über die vielen Programme. Aber nicht über die paar wenigen, die seine Kollegin installiert hat. Sondern über all jene, die bereits vorinstalliert waren: Da breitet zum einen Microsoft das eigene Sortiment aus. So liegt etwa eine wenig nützliche Testversion von Office bereit, die einen nach kurzer Zeit bereits zur Kasse lotst. Weitaus mühsamer findet der Webflaneur die übrigen Zugaben: die auf dem Desktop abgelegten Games etwa, den daneben platzierten Direktlink zum Versandhändler oder die Toolbar im Browser. «Ein hoher Haufen Schrott», kommentiert er, während er ein Programm nach dem anderen vom PC kickt. «Crapware» nenne man solche Zugaben: Die Firmen bezahlten den Händler dafür, dass dieser ihre Produkte prominent platziert.

Eine halbe Stunde dauert es, bis der Webflaneur die Zugaben weggeputzt hat. Als besonders resistent erweist sich dabei das Antivirenprogramm. Dieses lässt sich nur mit einem Programm deinstallieren, das von der Website der Sicherheitsfirma heruntergeladen werden muss. Doch der Aufwand lohnt sich. Denn offenbar war der Virenscanner verantwortlich für die Blackouts. Jetzt läuft ein anderer. Einer, der nicht vorinstalliert war. Ein kostenloser.

Insidertipp

Webflaneur am Donnerstag den 7. Juni 2012

Es ist zum Verzweifeln: Zwar gibt es in der Grossstadt, in die der Webflaneur zu reisen gedenkt, Tausende von Hotels. Trotzdem findet er kein passendes. Entweder sind ihm die Etablissements zu teuer; da er seine Zeit vorab in den Strassen der Stadt zu verbringen gedenkt, will er fürs Hotel nicht allzu viel auslegen. Oder aber: Die Unterkünfte scheinen ihm zu billig, zu schmuddelig, zu altbacken. Stundenlang sucht der Webflaneur nun schon nach einem günstigen, aber spannenden Hotel. Vergeblich.

Der Zufall will es, dass in exakt jenem Moment eine Medienmitteilung in seinen digitalen Briefkasten flattert. Wie man in einer fremden Stadt eine angesagte Bar, ein passendes Restaurant oder ein gutes Hotel finde, wird darin gefragt. Und die Antwort wird gleich nachgeliefert: indem man im Freundeskreis herumfrage. Genau dies sei nun mit Google+ Local im virtuellen Raum möglich: Der neue Dienst, der in die Websuche, in Maps und ins soziale Netzwerk Google+ integriert worden ist, soll die Ausgehempfehlungen der Freunde bündeln. Damit diese nicht bei null anfangen müssen, hat Google schon mal die Datenbank der im Herbst aufgekauften Firma Zagat eingelesen.

Der Webflaneur probiert Google+ Local aus. Doch spannende Insidertipps für seine Reise findet er über den noch jungen Dienst keine. Und so macht er schliesslich, was ihm in der Medienmitteilung empfohlen wird: Er fragt Freunde nach Tipps. Er tut dies aber direkt auf Facebook, Twitter und Google+.

Lohnschreiber

Webflaneur am Mittwoch den 23. Mai 2012

Die Zeit rast. Längst sollte der Webflaneur das Interview zu Papier gebracht haben. Schliesslich muss er es noch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen, redigieren, kürzen und zum Gegenlesen schicken. In solch einem dringenden Fall nehme er besser eine Abkürzung, sagt er sich. Er hat bereits eine Idee: Eine Spracherkennungssoftware soll automatisch transkribieren.

Sofort macht sich der Webflaneur auf die Suche nach einer passenden Software. Mehrmals glaubt er sein Ziel fast erreicht zu haben. Doch stets scheitert er in letzter Sekunde kläglich: Entweder ist die Software zu teuer. Oder sie ist kompliziert und müsste lange trainiert werden. Schliesslich zieht der Webflaneur die Notbremse. Denn die Zeit rast. Schon sieht er sich die halbe Nacht am PC sitzen. Ausser: Er engagiert eine Hilfskraft.

So einfach ist das auch nicht, stellt der Webflaneur bald fest. Entweder verkaufen die Transkriptoren ihre Arbeit zu teuer für seine Zwecke. Oder aber: Sie arbeiten zu wenig schnell. Doch da hat er eine andere Idee: Er könnte es mit Mechanical Turk von Amazon probieren – einem Dienst, über den man einfache, aber umfangreiche Arbeiten bequem «crowdsourcen» kann.

Der Webflaneur probiert es aus. Zuerst muss er indes eine Hürde nehmen: Der Dienst wird nur in den USA angeboten. Kein Problem, sagt er sich, und bittet kurzerhand eine Kollegin um Asyl. Anschliessend beschreibt er, was die Angestellten tun sollen. Er schneidet die Tonaufnahme in Häppchen von je fünf Minuten, lädt diese auf einen Server und verlinkt sie. Dann legt er den Preis fest; er versuchts mal mit 2.50 Dollar pro Häppchen. Nun können die Arbeiter loslegen. Der Webflaneur fährt derweil den Computer herunter und legt sich schlafen. Tags darauf guckt er sofort nach. Und tatsächlich: Während er seelenruhig schlief, haben Heinzelmännchen das Interview transkribiert.

Zugegeben: In der Zeit, die er fürs Suchen und Vorbereiten gebraucht hat, hätte er den Text auch selber transkribieren können. Dafür hätte aber hier ein Loch geklafft.

Aufgeräumtes Adressbuch

Webflaneur am Dienstag den 7. Februar 2012

So gehe das nicht, sagt sie. «In meinem Adressbuch herrscht ein gigantisches Chaos.» Während sie immer nervöser auf dem Smartphone herumfingert, ruft sie aus: Viele Personen seien doppelt, drei- oder gar vierfach verzeichnet. Bei manchen stehe der Vor-, bei anderen der Nachname zuerst. Und einige würden zusätzlich unter ihrem Spitznamen aufgelistet. «Ich kann mir nicht erklären, wie dieses Durcheinander entstehen konnte», sagt sie.

Er sich schon, sagt der Webflaneur: Das Smartphone ziehe Kontakte aus unterschiedlichsten Quellen zusammen: ab der SIM-Karte, aus dem E-Mail-Programm, von Facebook, Twitter, Skype und so weiter. Das sei sehr praktisch, da man so sämtliche Kontaktinfos stets mit dabei habe. Allerdings führe dies auch dazu, dass ab und zu ein Kontakt doppelt aufgeführt werde. Er rät: «Du musst doppelte Einträge halt zusammenführen.»

Sie verwirft die Hände. «Bei meinem dicken Adressbuch kostet mich das Tage», ruft sie aus. In diesem Fall versuche sie es wohl besser mit einem Automaten, sagt der Webflaneur – am besten mit jenem des Schweizer Start-ups Connex.io. Sobald sie dort ein Konto eröffnet habe, könne sie die Adressbücher von Gmail, Facebook, Linkedin sowie von Android-Smartphones oder dem iPhone anbinden. Der Dienst durchkämme die Adressen nach Duplikaten und miste die Datenbank aus – während 60 Tagen gratis, anschliessend für fünf Franken pro Monat.

Doch eigentlich sei es egal, ob ein Eintrag ein- oder mehrmals im Adressbuch stehe, fügt der Webflaneur an. Schliesslich verfüge dieses doch über eine gute Suchfunktion.

Ab die Post!

Webflaneur am Dienstag den 29. März 2011

Adresse notieren, Umschlag zukleben – und ab die Post. Doch beim Briefkasten wird der Webflaneur jäh ausgebremst. Der Markenautomat fehlt und jener drüben bei der Poststelle auch. Unverrichteter Dinge fährt der Webflaneur an diesem Abend wieder nach Hause. Ihm bleibt nur der Amtsweg. Da dieser lediglich während der ordentlichen Postöffnungszeiten beschritten werden kann, schleicht er sich tags darauf, als der Chef gerade nicht aufpasst, aus dem Büro und eilt zur Poststelle – zum ersten Mal seit langer Zeit. Dort staunt er übers postmoderne Kundenmanagement: Zu den Schaltern wird nur vorgelassen, wer ein nummeriertes Zettelchen vorzulegen hat. Er nimmt eines und irrt durch den bunten Basar des Postproduktesortiments, bis seine Nummer auf der Leuchtanzeige blinkt.

«B-Post», sagt der Webflaneur. Die Angestellte sucht im dicken Ordner nach der passenden Marke, klebt sie aufs Couvert und sagt: «85 Rappen.» Sie nimmt das Geld entgegen, klaubt das Rückgeld aus der Kasse. Eineinhalb Minuten dauert das Prozedere. Was denn mit den Markenautomaten passiert sei, will der Webflaneur schliesslich noch wissen. Diese würden entfernt, sagt die Postmitarbeiterin. «Denn sie rechnen sich nicht.»

Dieses verquere Effizienzstreben tue er sich nie mehr an, sagt sich der Webflaneur. Als er das nächste Mal einen Brief verschicken muss, loggt er sich auf der Post-Website ein und gestaltet eine Webstamp. Zugegeben: In der Zeit, die er fürs Gestalten, Bezahlen und Drucken benötigt, hätte er den Brief gleich selbst ausliefern können. Mit den paar Bogen, die er nun ausdruckt, gehts fortan aber schneller.

Trotzdem trauert der Webflaneur den Markenautomaten nach. Denn wo sonst wird er die Fünfräppler los?

Wettbewerb: Weshalb soll der Webflaneur ausgerechnet Ihnen einen Bogen Webflaneur-Webstamps zukommen lassen? Bitte begründen Sie in den Kommentaren. Der Chef des Webflaneurs wählt am 5. April die seines Erachtens beste Antwort aus.

  • Mathias Born


    Mathias Born, der geistige Vater des Webflaneurs, arbeitet als IT-Redaktor bei der Berner Zeitung sowie als freier Journalist in Bern. Alle 14-Tage heckt er eine neue Episode im schier unglaublichen Online-Leben des Webflaneurs aus. Eine Auswahl der übrigen Artikel von Mathias Born finden Sie im Autoren-Dossier. Seinen privaten Blog finden Sie unter www.borniert.com.
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