Fünf Gründe für Dauermüdigkeit

Kommen Sie morgens schwer in die Gänge, könnte sie ein Arztbesuch lohnen. (iStock)

Kommen Sie morgens nur schwer in die Gänge, könnte sich ein Arztbesuch lohnen. (iStock)

Es gab Zeiten, in denen ich ständig müde war. Sogar während ich schlief, war ich mir meiner Müdigkeit bewusst. Im Traum versuchte ich jeweils, meine Augen zu öffnen, aber es gelang mir nicht – ich war zu erschöpft, die Augendeckel fühlten sich an wie aus Blei. Ich steckte mir dann ein Stück Zündholz zwischen die Lider, und so gelang es mir einigermassen, die Augen offen zu halten. Am Ende des Traums fiel ich regelmässig vom Stuhl, ich hatte keine Kraft mehr, aufrecht zu sitzen.

Diesen Traum hatte ich nicht nur ein- oder zweimal, sondern viele Male. Mein Alltag war zu dieser Zeit stressig, aber eigentlich nicht stressiger als sonst. Lange Zeit gestand ich mir meinen ständig übermüdeten Zustand nicht ein. Ich fand immer eine andere Ausrede dafür, dass ich nicht fit war. Erst als ich sogar im Sommer ständig fror und an Gewicht zulegte, obwohl ich mich nicht anders als sonst ernährte, ging ich zum Arzt. Dieser diagnostizierte bei mir eine Schilddrüsenunterfunktion. Heute würde ich schneller handeln und weniger leiden. Aber im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer.

Gründe für ständige Müdigkeit gibt es viele. Viele (chronische) körperliche und psychische Krankheiten machen beispielsweise sehr müde. Dann gibt es aber auch scheinbar gesunde Menschen, die rechtzeitig ins Bett gehen, genug und gut schlafen – und trotzdem kommen sie am Morgen nur schwer in die Gänge.

Hier einige der häufigsten Ursachen und was man dagegen tun kann:

1. Herbst-Blues

Die Tage werden kürzer und dunkler, darauf reagiert der Körper und wechselt in den Energiesparmodus. Je weniger Licht wir bekommen, desto weniger wird das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet. Und da wir uns weniger an der Sonne aufhalten, wird auch der Vitamin-D-Vorrat knapp. Viele Menschen leiden in den dunklen Monaten am sogenannten Seasonal Affective Disorder Syndrome (SAD), auch als Winterdepression bezeichnet: Die Stimmung ist gedrückt, man schläft viel und ist trotzdem den Tag über müde, weil die Nachtruhe zu oberflächlich ist. Gleichzeitig aber steigt der Spiegel des Schlafhormons Melatonin, dessen Produktion durch die Dunkelheit getriggert wird. Die Folge: Müdigkeit und depressive Verstimmung. So fand man an der University of Texas bei depressiven Patienten besonders niedrige Vitamin-D-Spiegel.

Was man dagegen tun kann: Ein Spaziergang in der Sonne von 20 bis 30 Minuten sollte reichen, um den Vitamin-D-Bedarf zumindest halbwegs zu decken. Senioren müssten sogar länger als eine Stunde an die frische Luft, weil ihre Haut als Vitaminproduzent zunehmend mehr nachlässt. Eine weitere wichtige Option ist die Anwendung einer Tageslichtlampe, die in der Behandlung von Winterdepressionen mit grossem Erfolg eingesetzt wird. Betroffene setzen sich jeden Morgen mindestens eine halbe Stunde vor die spezielle Lampe. Umstritten ist, ob es Sinn macht, ein Solarium zu besuchen, da es im Verdacht steht, Hautkrebs zu fördern. Morten K. B. Bogh, der an der Universität Kopenhagen zu diesem Thema forscht, ist überzeugt, dass ein 14-täglicher Besuch eines Sonnenstudios reicht, um genügend Vitamin D zu bilden.

2. Eisenmangel und Blutarmut

Eisen hilft bei der Blutbildung und dem Sauerstofftransport im Blut. Haben wir zu wenig von diesem Mikroelement, kann der Körper nicht mehr alle seine Funktionen ausüben. «Vor allem Frauen leiden wegen starker Menstruation unter Eisenmangel, aber auch eine einseitige Ernährung, Glutenunverträglichkeit oder chronische Entzündungen mit Blutungen im Magen-Darm-Bereich können Ursache des Eisenmangels sein», sagt Christoph Gasche, Gastroenterologe und Facharzt für Innere Medizin.

Ein leichter Eisenmangel kann durch die Ernährung ausgeglichen werden. Damit der Bedarf von 1 bis 2 mg Eisen am Tag vom Körper aufgenommen werden kann, sollte man überlegt kombinieren. Eine grosse Rolle spielen dabei Vitamin-C-haltige Lebensmittel und Säfte. Sie verbessern die Eisenaufnahme aus dem Darm. Wenn eine geeignete Ernährung und die Einnahme von Eisentabletten die Situation nicht verbessern oder die Eisentabletten nicht vertragen werden, helfen bei schwerem Eisenmangel nur noch Infusionen beim Arzt.

3. Niedriger Blutdruck

Ist der Blutdruck zu niedrig, gelangen weniger Blut und Sauerstoff in die Organe. Betroffene sind blass, es wird ihnen schnell schwindlig, und sie sind oft müde.

Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung. Ausreichendes Trinken und Kneippen stärken die Durchblutung ebenfalls.

4. Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In den meisten Fällen führt eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zur Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto). Die Symptome sind vielfältig, Müdigkeit und Gewichtszunahmen gehören dazu. Die Ärzte verschreiben dagegen L-Thyroxin (synthetisch hergestelltes Schilddrüsenhormon), das teilweise ein ganzes Leben lang eingenommen werden muss und regelmässige Kontrollen beim Arzt erfordert.

5. Unverträglichkeiten und Allergien

Ob Laktoseintoleranz, Zöliakie, Lebensmittel- oder Pollenallergie: Wenn der Organismus dagegen ankämpfen muss, verliert er viel Energie und ermüdet schneller.

Was man dagegen tun kann: Selbstbeobachtung, ein Nahrungsmitteltagebuch führen und Allergien ärztlich testen lassen.

 


Mittagsschlaf & schlechte Laune. (Video: Youtube/Knallerfrauen)