Sieben Tipps gegen Hungerattacken

Kühlschrank-Cuisine morgens um eins ist ein wahres Vergnügen. (Foto: istock)

Kühlschrank-Cuisine morgens um eins ist ein wahres Vergnügen. (Foto: iStock)

Eigentlich bin ich ein vernünftiger Mensch. Und es gibt Lebensbereiche, in denen ich eine gewisse Struktur und Disziplin für unverzichtbar halte. Da wäre mal der Job und … – sorry, mehr fällt mir momentan nicht ein. Also sagen wirs so: Ich gebe mir echt Mühe, ein strukturiertes und vernünftiges Leben zu führen, wenn es um so wichtige Bereiche wie Gesundheit, Finanzen und Ernährung geht.

Nehmen wir Letzteres. Weil ich weiss, dass ich punkto Essen zu einem gewissen Laissez-faire neige – für mich sind ein Pain au Chocolat und Thon mit Mayo kein kulinarischer Gegensatz, sondern ein kulinarischer Höhepunkt –, versuche ich, mich im Alltag möglichst ausgewogen zu ernähren. Regelmässige Mahlzeiten, vollwertige Nahrungsmittel, Produkte aus der Region helfen dabei. Und okay, hin und wieder etwas Schokolade. Oder etwas mehr. Zum guten Glück ist mein Mann ein wunderbarer Koch; das hilft ungemein bei der gesunden Ernährung. Ohne ihn würde ich wohl verhungern – oder mich von Pain au Chocolat und Thon mit Mayo ernähren.

Bei aller Vernunft: Es gibt dann diese Nächte, wo mich die Begierde überkommt und ich morgens um eins vor dem Kühlschrank stehe und mich der Kühlschrank-Cuisine hingebe. Dieser Begriff stammt übrigens nicht von mir, sondern von meiner geschätzten Kollegin Meike Winnemuth, die sich hin und wieder dem gleichen Phänomen ausgesetzt sieht. Sprich: Sie findet die fliegende nächtliche Verköstigung köstlich. In ihrer Kolumne im Magazin «Stern» schrieb sie: «Kühlschrank-Cuisine ist eine Kunst, der bislang viel zu wenige Bücher gewidmet wurden. Gar keines, soweit ich das überblicke. Sehr schade, denn hier vereinen sich Schnelligkeit, Kühnheit, Improvisationsgabe und Geschmacksabenteuerlust zu einem kulinarischen Hochgenuss. Kühlschrank-Cuisine ist, was man wirklich essen will. Nicht was man essen sollte, weil es sich so gehört, oder essen müsste, weil es knapp vor Ablauf des Verfallsdatums ist.»

Und so gebe ich mich bei meiner nächtlichen Orgie einem ausgefallenen Mix aus einer reifen halben Avocado mit zwei Scheiben Schinken, einem harten Ei mit Meersalz, einem kleinen Stück reifem Gruyèrekäse, einem kleinen Rest hausgemachtem, kaltem Kartoffelstock und zum Schluss einem Kübelchen Chocolate-Fudge-Brownies-Glace von Ben & Jerry’s hin. Die Zutaten zur Kühlschrank-Cuisine können übrigens variieren; es wird gegessen, was es hat. Ohne Rücksicht auf allfällige Verbote und Kalorien.

Eine besonders appetitanregende Episode dieser Art erlebten übrigens auch schon mal Kim Basinger und (der damals noch ziemlich appetitliche) Mickey Rourke im Film «9½ Weeks».


Kim Basinger und Mickey Rourke am Kühlschrank: Food-Szene aus «9½ Weeks». (Quelle: Youtube)

Damit solche herrliche Kühlschrank-Cuisine eine genussvolle Seltenheit bleibt, hier siebenTipps gegen (nächtliche) Heisshungerattacken:

1. Gescheit einkaufen

Wenn ich keine Chips, Schokolade, Cola und Co. zu Hause habe, kann ich sie auch nicht essen und trinken. Und Kühlschrank-Cuisine mit ausschliesslich gesunden Dingen ist nur halb so lustig.

2. Gut frühstücken

Die einen bringen am Morgen nichts runter, für mich sind genügend Ballaststoffe, Vitamine und Eiweiss wichtig. Ohne diese Grundlage steigt bei mir die Gefahr von Heisshungerattacken mit unnötiger Nascherei. Obst, Nüsse, Joghurt oder Quark gehören am Morgen bei mir dazu.

3. Bewegung

Eine nützliche Vorsorgemassnahme gegen Essensgelüste aus Stress, Frust oder Langeweile. Das muss nicht unbedingt Sport sein, ein Spaziergang tut es auch.

4. Genug schlafen

Habe ich zu wenig geschlafen, bin ich oft unleidlich, müde und traurig. Das Naheliegende sind dann Kohlenhydrate und Zucker, um die Laune zu heben. Aber Kohlenhydrate mit hohem glykämischem Index heben den Blutzuckerspiegel nur kurz an. Dann rauscht er nach kurzer Zeit in den Keller, und die Lust respektive die Unlust ist wieder da.

5. Drei vollwertige Mahlzeiten essen

Esse ich bei den Hauptmahlzeiten richtig genug, neige ich weniger zu Heisshungerattacken. Nasche ich zu viel zwischendurch, habe ich das Gefühl, nicht richtig gegessen zu haben. Mich sättigen Eiweisse in (Bio-)Fleisch, Fisch, Magerquark und Frischkäse am besten. Und für unterwegs habe ich immer Mandeln dabei, falls ich in ein «Hungerloch» fallen sollte.

6. Genügend trinken

Mühsames Kapitel, wenn man, wie ich, zu den Wenigtrinkern gehört. Aber ein grosses Glas Wasser vor dem Essen hemmt meinen Appetit. Ehrlich gesagt, schaffe ich regelmässig keine zwei bis drei Liter pro Tag, wie gewisse Experten raten. Aber anderthalb sind es alleweil, und das reicht mir.

7. Geduld haben

In der Regel dauern Heisshungerattacken gerade mal eine gute Viertelstunde. Deshalb besteht eine gute Strategie darin, dem Bedürfnis nicht sofort nachzugeben und sich mit einer anderweitigen Beschäftigung abzulenken. Falls gar nichts anderes hilft: Zähne putzen!