So gefährlich kann ein Bikini sein

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Ob sie ihren Bikini vor dem Kauf auch ohne Unterhose anprobiert hat? Bild: Iamsuperkane, Flickr.com

Letzthin belauschte ich zwei Girls, als ich in einem grossen Modeshop auf eine freie Umkleidekabine wartete. Die beiden standen vor mir in der Schlange, jede hatte mehrere Bikinis zum Anprobieren über ihren Arm gelegt. «Weisch», flüsterte die eine zur anderen, «zerscht riiss ich de gruusig Plastik ab, wo im Hösli chläbet.» «Klar», erwiderte die andere, «meinsch ich will de gruusigi Scheiss a mim Füdli haa?» Mit «dem gruusige Scheiss» meinte sie die Klebeetikette, die den Bikinislip vor Verunreinigungen schützt.

Natürlich musste ich meinen Senf dazugeben. «Am besten, ihr behaltet eure Unterhosen an, wenn ihr den Bikini probiert», sagte ich und versuchte, nicht allzu belehrend zu klingen. Die beiden schauten mich mit weit aufgerissenen Augen an, und eines der Mädchen antwortete: «Sicher nöd, wüssed Sie, wie blöd en Tanga uusgseet, wenn mer drunder en Unterhose trait?» Ihre Kollegin schaute mich hingegen nur stumm an. Ich konnte ihre Gedanken hinter ihrem entsetzten Ausdruck lesen: «Mueter, du häsch ächt käi Aanig!»

Gut, dachte ich im Stillen. Ich mag vielleicht keine Ahnung haben, dafür schleppe ich auch keine Hautpartikel, Fäkalbakterien und Vaginalorganismen vorheriger Anprobiererinnen mit nach Hause. Denn genau diese netten Untermieter kann man auflesen, wenn man Bikinis im Laden ohne Unterwäsche anprobiert. Und dies machen viele Frauen, vor allem die Trägerinnen von knappen Bikinis. «Je kleiner der Stofffetzen, desto mehr Bakterien und Pilze sammeln sich auf ihnen», sagt der Medizinprofessor Philip Tierno von der New York University (NYU).

Letzten Sommer machte eine RTL-Reporterin einen verdeckten Hygienetest und liess Bikinis, die sie sich in verschiedenen Läden besorgt hatte, im Labor untersuchen. Der Test deckte ziemliche Hygienemängel auf: 8 von 10 Bikinihöschen waren verschmutzt. Und nein, dies kam nicht nur in «Billigläden» vor, sondern auch in teuren Boutiquen.

Dreckige Bikinis sind an und für sich schon ziemlich unappetitlich. Doch wer ein gesundes Immunsystem hat, kann die Bakterien auch meistens abwehren. Allerdings könnten Fäkalbakterien Krankheiten wie Hepatitis A übertragen. So ganz genau will ich mir das nicht vorstellen. Ich halte mich da an den Rat des Wissenschaftlers, einen neuen Bikini vor dem ersten Tragen zu waschen. Und hey, Girls, bitte behaltet eure Unterwäsche beim nächsten Anprobieren an!