Schädliche Kosmetik

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Vorsicht! Manchmal machen Beautyprodukte krank. Foto: loogaan. (Flickr)

Ich befasse mich beruflich und privat mit dem Thema Schönheit und Pflege. Und ich liebe tolle Produkte für Gesicht und Körper. Nicht, dass ich an Wunder und allen Versprechen der Beauty-Industrie glaube, aber ich bin überzeugt: Eine gepflegte und gesunde Haut trägt viel zu meinem Wohlbefinden bei. Und so benutze ich einen Mix aus Natur- und klassischer Kosmetik. Und entdecke auch im Nischenbereich der Bio-Kosmetik immer wieder Neues.

In letzter Zeit fühle ich mich allerdings verunsichert, denn vielen Inhaltsstoffen in Pflegeprodukten wird immer wieder nachgesagt, dass sie nicht nur Hautunreinheiten auslösen, sondern dass sie auch Allergien und sogar Krebs auslösen können. Ein Beispiel dafür ist Aluminiumchlorid, das man in vielen Deos findet und das mit Brustkrebs in Verbindung gebracht wird. Zum guten Glück ist es inzwischen einfach, auf den schädlichen Stoff zu verzichten, denn die Hersteller haben auf die Verunsicherung der Kunden und auf negative Schlagzeilen reagiert und neue Deos ohne Aluminiumchlorid auf den Markt gebracht.

Ich will für meinen Körper Verantwortung übernehmen, doch als Laie fällt es mir nicht leicht, über alle Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten Bescheid zu wissen. Und ausschliesslich Naturprodukte zu verwenden, ist für mich als Allergikerin auch keine Lösung. Natürlich könnte man sagen: «Brauche einfach Wasser und Seife für deine Pflege!» Aber in Zeiten, in denen schädliche Umwelteinflüsse die Haut so stark belasten wie heute, ist das keine wirkliche Alternative. Im Alltag lege ich Wert auf einen vernünftigen Umgang mit Beautyprodukten und verzichte beispielsweise auf Nagellacke mit Formaldehyd, das als krebserregend gilt und in Japan und Schweden verboten ist. Auch Produkte mit Parabenen, einem Konservierungsstoff, der Hautcremen haltbarer machen soll, sind für mich als Allergikerin gestrichen. Und im Sommer verzichte ich auf Sonnenschutzmittel mit Oxybenzonen, die als Allergieauslöser und auch als krebserregend gelten, weil sie über die Haut in den Körper gelangen und dort zu Hormonstörungen führen und Zellschädigungen verursachen sollen.

Eine neue Untersuchung der Stiftung Warentest ist alarmierend. Durch Zufall wurde bei einem Test von Körperölen entdeckt, dass ein Produkt kritische Substanzen aufwies – und zwar sogenannte aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz MOAH («Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons»). Die gelten als potenziell krebserregend. Daher wurden 25 weitere Produkte untersucht, die auf Mineralöl basieren – darunter andere Körperöle, Cremen, Babypflege, Lippenstifte, Haarstylingprodukte, Melkfette und Vaselinen. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit könnten aromatische Kohlenwasserstoffe ein «karzinogenes Risiko» sein, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden. Die Stiftung Warentest rät jetzt explizit vom Gebrauch von Lippenpflegeprodukten mit Mineralölen ab, weil diese über den Mund direkt in den Körper gelangen können.

Der Einsatz dieser Öle, die aus Erdöl gewonnen werden, ist in Beautyprodukten nicht neu. Sie stecken als Basis in vielen Cremen. Denn sie sind haltbar und preiswerter als natürliche Öle. Gelten als weniger allergen und schützen die Haut vor Feuchtigkeitsverlust. Bis jetzt haben mehrere Untersuchungen belegt, dass Mineralöle als Inhaltsstoffe in kosmetischen Mitteln gesundheitlich unbedenklich sind.

Kritischer ist Konrad Grob vom Kantonalen Labor in Zürich. Er glaubt an gesundheitliche Gefahren, die von Mineralölen ausgehen. In der «Süddeutschen Zeitung» sagte er: «Die Mengen in Leber, Milz und Lymphknoten sind oft alarmierend hoch», weshalb nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Stoffe auch über die Haut in den Körper gelangten und dort die Krebsentwicklung begünstigten. Und Christian Surber, Professor an der Universität Basel, sagt: Dadurch, dass viele der Ingredienzien in Pflegeprodukten auf dem freien Markt gehandelt werden, sei es für Konsumenten «schwierig bis unmöglich, festzustellen, welche Qualität eingekauft worden ist.» Auch ein teureres Produkt könne genauso über billige Inhaltsstoffe verfügen.

Als Konsumentin bin ich irritiert und auch verärgert. Ich weiss, dass man nicht jedes Risiko im Leben ausschliessen kann, aber ich will den Produkten, die ich teilweise für teures Geld kaufe, vertrauen können und meinen Körper nicht unnötig mit schädlichen Wirkstoffen belasten. Und solange keine Gewissheit besteht, werde ich auch auf Kosmetika mit Mineralölen verzichten. Es kostet zwar Zeit, das Kleingedruckte zu lesen und Inhaltsstoffe wie Cera Microcristallina (Microcristallina Wax), Ceresin, Mineral Oil, Ozokerit, Paraffin und Paraffinum Liquidum oder Petrolatum (Vaseline) herauszufiltern, doch unter diesen Namen kommen Mineralöle auf den Markt.

Und das bin ich mir wert.