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Über Witwen, die im Rentenalter geschieden wurden

claude chatelain am Dienstag den 18. Oktober 2016

Wie Sie wissen, gibt es in der Schweiz fast für jedes Hobby und jede Interessengemeinschaft einen Verein. So gibt es auch den «Verein der rentengeschädigten geschiedenen Witwen». Ein äusserst erfolgreicher Verein übrigens. Er hat mit seiner Hartnäckigkeit eine Revision des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge erwirkt. Sie tritt Anfang 2017 in Kraft. Damit werden künftige Witwen bessergestellt. Nichts davon haben aber die heutigen «rentengeschädigten geschiedenen» Witwen, die sich für die Gesetzesänderung starkmachten.

Wohlgemerkt, es geht hier nur um Witwen, deren Scheidung erfolgte, als der Mann bereits eine Rente bezog. In solchen Fällen kann man die 2. Säule nicht mehr teilen. Ergo muss der rentenbeziehende Partner, bis dato meistens der Mann, einen Teil der Rente der Ex-Frau abliefern. Das geht ordentlich, aber nur solange der Mann lebt.

Ab 2017 soll deshalb die Teilung auch dann vollzogen werden, wenn ein Ehegatte bei der Scheidung bereits pensioniert oder invalid ist. Die Berechnung beruht dann auf einer Austrittsleistung. Möglich ist auch, dass die vorhandene Rente geteilt und in eine lebenslange Rente für den berechtigten Gatten umgerechnet wird.

Was hier relativ einfach und plausibel daherkommt, ist in der Praxis kompliziert und für Pensionskassen mit viel Aufwand verbunden. Einmal mehr werden den Vorsorge- und Freizügigkeitseinrichtungen neue Auflagen gemacht, was schliesslich in höheren Verwaltungskosten mündet.

Dieser neuen Regelung ging ein langwieriger Gesetzgebungsprozess voraus. Und das für eine doch überschaubare Zahl von Fällen. Das Bestreben, möglichst jedem Einzelfall gerecht zu werden, wird mit einem enormen Aufwand erkauft – auf Kosten der übrigen Versicherten.

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7 Kommentare zu “Über Witwen, die im Rentenalter geschieden wurden”

  1. Mimi Ott sagt:

    Danke für die gute Note, die sie unserem Verein geben. Man darf aber nicht alle Pensionskassen in den gleichen Topf werfen. Vor 9 Jahren, als wir unseren Verein gründeten, gab es eine Reihe von PK’s, welche die geschiedenen Witwen anständig behandelten. Diese haben heute wohl das Problem mit dem Mehraufwand nicht. Es waren vor allem die kleveren Juristen der Publica, welche die Gesetzeslücke schamlos ausnutzten und uns damit aus der Gesellschaft ausstiessen – und andere PK’s zogen nach. Vor allem die PK der Migros, bei welcher sicher mehrheitlich Frauen versichert sind. Traurig und unverständlich ist, dass unsere Gesetzgebung eine derartige Diskriminierung einer Minderheit zulässt.

    • Häsler Margrit sagt:

      Guten Morgen Mimi, eh liebe Grues von Interlaken, wo ich wieder gelandet bin. Du hast so gekämpft, wir haben mitgeholfen, danke Dir. Ja, die Migros, war mein Arbeitsplatz. Ich versuchte damals, sie zu überzeugen, weil sie sozial waren und siehe da……. mehr sage ich nicht dazu. Beschämend…. Alles Gute, Mimi.

  2. Kilchör Barbara sagt:

    Ich bin auch eine Frau, die nach 40 Jahren geschieden wurde (2012). Mein Mann war damals schon 69, ich 62. Er arbeitete beim Bund. Nun erhalte ich eine Rente von meinem Exmann. Wenn er stirbt, habe ich nur noch die AHV. Meine Frage: Erhalte ich nun eventuell auch eine Rente von der Publica, falls er sterben sollte? Danke für ihre Antwort. Lese ihre Berichte immer sehr gerne

    • claude chatelain sagt:

      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Für konkrete, auf Ihren Fall bezogene Auskünfte empfehle ich Ihnen, dass Sie sich direkt an die Pensionskasse Ihres Ex-Mannes, also an Publica wenden. Immerhin kommen mir zwei Gesetzesbestimmungen in den Sinn, sodass Sie nach dem Tod Ihres Ex-Mannes möglicherweise doch nicht nur die AHV haben werden:

      Zum einen erhalten geschiedene Witwen eine BVG-Rente, sofern sie gewisse Bedingungen erfüllen: Die Ehe muss mindestens 10 Jahre gedauert haben, und der geschiedenen Ehegattin muss im Scheidungsurteil eine lebenslängliche Rente zugesprochen worden sein. Die Rente der Vorsorgeeinrichtung wird jedoch zusammen mit der Hinterlassenenleistung der AHV nicht höher sein als die jetzige Rente Ihres Ex-Mannes. Diese gesetzliche Mindestrente nach BVG gilt zwar gesamtschweizerisch, deren Höhe ist wohl relativ gering.

      Zum anderen gibt es im neuen Scheidungsrecht, das nun auf Anfang2017 in Kraft tritt, eine wichtige Übergangsbestimmung: Demnach können seit dem 1.Januar 2000 unter dem alten Recht geschiedene Personen, welche – solange dieser lebt – eine Rente des Ex-Partners erhalten, innerhalb eines Jahres (also während dem Jahr 2017) beim Scheidungsgericht verlangen, dass ihnen stattdessen eine lebenslange Rente zugesprochen wird. Dies zu verlangen, könnte für Sie von Vorteil sein. Ich empfehle Ihnen, sich beim Gericht zu erkundigen beziehungsweise dort einen Antrag einzureichen.

    • Häsler Margrit sagt:

      Guten Tag Frau Kilchör, ja, es ist beschämend, wie man bei der Scheidung angelogen und nicht aufgeklärt wurde , betreffend “Lebenslänglich” ..vom Anwalt.. Bekome nur die Minimal-Rente, dafür musste ich zwei Jahre kämpfen: für die 400 Franken anstelle 1900 Franken. Gottlob bekomme ich jetzt etwas von der EL, dafür bin ich dankbar..Konnte leider nicht mehr arbeiten gehen, da ich Infarkt hatte und nun noch Blutkrebs…Ja, so viel Ungerechtigkeiten haben krank gemacht. Ich hoffe für Sie, dass Ihr Mann noch lange am Leben bleien kann, denn nachher wird es happig mit der Publica. Alles Gute.

  3. Barbara Kilchör sagt:

    Danke für ihre Antwort
    Lese ihre Berichte immer sehr gerne

  4. Markus Meier sagt:

    Aufgrund einer Gesetzeslücke sind die Pensionskassen bislang frei, beim Tod des Ex-Gatten die Rente der Witwe auf das BVG-Minimum zu senken, wenn deren Scheidung nach Rentenbezug des Ex-Gatten erfolgte. Üblicherweise beträgt die Rente für die geschiedenen Witwen dann nur wenige Hundert Franken pro Monat. Der Bundesrat hat erkannt, dass diese Gesetzeslücke behoben werden muss. Leider werden die heute betroffenen geschiedenen Witwen dabei leer ausgehen. Aus deren Sicht ist der Artikel von Claude Chatelain äusserst stossend und zynisch. Chatelain stipuliert mit seinen Worten, dass der Mehraufwand für die Pensionskassen höher zu gewichten ist als das Unrecht, das allen aktuell Betroffenen widerfährt.

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