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Urs Rohner fehlt das Charisma, um ein Institut wie die CS lenken zu können

claude chatelain am Mittwoch, den 23. Juli 2014

Brady Dougan tritt also nicht zurück – noch nicht. Im Vorfeld der gestern veröffentlichten Quartalszahlen wurde verschiedentlich gemunkelt, der CEO der Credit Suisse würde nun seinen Rücktritt bekannt geben. Er tat es nicht, was insofern nicht überrascht, weil Rücktritte nur selten zur gleichen Zeit wie miserable Geschäftszahlen bekannt gegeben werden. Und zweitens verhalten sich Firmenmanager – wie übrigens auch die Politiker – störrisch, wenn die Medien ihre Demission verlangen.

Als im Mai bekannt wurde, dass die Credit Suisse für ihr Fehlverhalten von der US-Justiz zu einer Busse von 2,8 Milliarden Dollar verknurrt worden war, haben selbst bankenfreundliche Gazetten wie die «Finanz und Wirtschaft» einen Wechsel an der CS-Spitze gefordert. Doch Spekulationen um den Rücktritt von Brady Dougan kursieren schon seit über zwei Jahren. Im Mai 2012 erklärte der Bankanalyst bei der Bank Sarasin dem «Landboten»: «Die Kritik am CS-Management aus dem Aktionariat hat deutlich zugenommen.» Dougan hat die Anlegergemeinde wiederholt enttäuscht. Seine vollmundigen Versprechen blieben Versprechen.

Dies ist insofern bitter, als Brady Dougan die Grossbank im Unterschied zu etlichen    Konkurrenzbanken  fast schadlos durch die Finanzkrise zu steuern vermochte. Seither hat aber der 54-jährige Amerikaner den Umbau der risikoreichen Sparten nicht mit der gleichen Konsequenz durchgezogen wie zum Beispiel die UBS.

Swiss International Finance Forum: Urs Rohner, CS-Präsident. © Beat Mathys

Urs Rohner, ein wenig überzeugender VR-Präsident.

Doch der  CEO trägt nicht die alleinige Schuld. Wie weit sich eine globale Universalbank nach der Finanzkrise neu zu orientieren hat, basiert auf strategischen Entscheiden. Und für die Strategie ist der Verwaltungsrat zuständig. Daher  gerät auch VR-Präsident Urs Rohner wiederholt ins Schussfeld. «Wenn die Dinge aus dem Ruder laufen und die Verunsicherung auf Kunden und Mitarbeiter übergreift, sollte ein verantwortungsvoller Manager seinen Stuhl räumen», schrieb die NZZ vor zwei Wochen, «unabhängig davon, ob ihn ein Verschulden trifft oder nicht.»

Gerade die CS bräuchte dringend Leute an der Spitze, die Vertrauen geniessen. Brady Dougan verdient das Vertrauen nicht, weil er die Situation wiederholt beschönigte. Urs Rohner verdient das Vertrauen nicht, weil er wenig überzeugend und glaubhaft auftritt. Der ehemalige Chefjurist  hat schlicht nicht das Format und das Charisma eines – zum Beispiel – Axel Weber, VR-Präsident bei  der UBS. Solche Attribute sind aber nötig, damit bei einem Institut  wie der Credit Suisse die oberste Verantwortung getragen werden darf.

Vorsorgeberatung im Grossraumbüro

claude chatelain am Montag, den 21. Juli 2014

Etwa so verlief kürzlich ein Fachgespräch im Grossraumbüro:
Arbeitskollege (AK): Was ist besser, Clödu, wenn ich das Pensionskassenguthaben auszahlen lasse oder die Rente beziehe?
Chatelain (CCH): Das kommt darauf an.
AK: Der Kapitalbezug ist besser.
CCH: Okay.
AK: Oder etwa nicht?
CCH: Es kommt darauf an.
AK: Wenn ich kurz nach der Pensionierung sterbe, ist es für meine Frau besser, wenn ich das Kapital nehme.
CCH: Okay.
AK: Oder etwa nicht?
CCH: Das kommt darauf an.
AK: Auf was kommt es an?
CCH: Wenn man früh stirbt, ist der Kapitalbezug meistens besser. Meines Wissens ist aber das Todesfalldatum nicht immer im voraus bekannt.
AK: Ich werde wahrscheinlich nicht alt.
CCH: Also nimm das Kapital.
AK: Meine Frau sagt aber, ich soll doch die Rente nehmen.
CCH: Also nimm  die Rente.
AK: Was ist besser?
CCH: Das kommt darauf an.
AK: Mein Gott, bist du eigentlich der Spezialist oder ich?
CCH: Hast  du nicht eben gesagt, der Kapitalbezug sei besser?
AK: Ja, wenn man früh stirbt.
CCH: Sage ich ja.
AK: Und wenn man nicht früh stirbt?
CCH: Dann kommts  darauf an.
AK: Ich glaube fast, du weisst selber nicht, was besser ist.
CCH: Sage ich ja. Vor allem fühle ich mich nicht dazu berufen, deine Lebenserwartung zu prognostizieren.
AK: Also kann man gar nicht sagen, was besser ist.
CCH: Für den einen ist der Kapitalbezug, für den anderen die Rente besser.
AK: Hahaha, je nachdem, wie lange man noch lebt.
CCH: Nicht nur: Der eine fühlt sich mit der Rente wohler; der andere traut der Pensionskasse nicht und will das Geld selber anlegen.
AK: Was rentiert mehr?
CCH: Meines Erachtens ist nicht die Rendite massgebend, sondern das Wohlbefinden. Wenn man sich mit der Rente wohler fühlt, soll man die Rente nehmen.
AK: Ich fühle mich mit dem Kapital wohler.
CCH: Bravo: Und wie legst du das Geld an?
AK: Ich komme zu dir, du bist ja der Spezialist.
CCH: Bei diesen tiefen Zinsen? Bei diesen hohen Aktienkursen? Vergiss es: Nimm die Rente.

 

Wehe, wenn die Zinskurve fällt

claude chatelain am Dienstag, den 15. Juli 2014

Die Banken jammern über die zu tiefen Zinsen. Tiefe Zinsen heisst für sie auch tiefe Margen, denn sie können die Sparzinsen nicht noch weiter senken. Doch sollten die Zinsen abrupt ansteigen, werden Regionalbanken, die vor allem vom Zinsdifferenzgeschäft leben, trotzdem kein Halleluja anstimmen.

Wenn das Zinsniveau steigt, müssen die Banken ihren Sparkunden höhere Zinsen zahlen; doch all die Hypothekarkunden, die acht- bis zehnjährige Festhypotheken abgeschlossen haben, werden weiterhin ihre tiefen Zinsen zahlen. Unter Umständen erhält eine Bank für einen Hypothekarkredit weniger Zins, als sie auf der anderen Seite der Bilanz für das Sparkonto bezahlen muss. Natürlich können sich die Banken gegen dieses Szenario absichern. Doch solche Absicherungen kosten Geld.

Ein Horrorszenario wären steigende Zinsen bei einer fallenden Zinskurve. Gemeint ist damit eine Situation, in welcher die langfristigen Zinsen tiefer sind als die kurzfristigen. Solche Situationen sind untypisch – und doch kommen sie vor. Inverse Zinskurven sind häufig Vorboten einer Rezession.

Auch bei fallenden Zinskurven müsste die Bank ihren Sparkunden höhere Zinsen zahlen. Und auch in dieser Situation erhielte die Bank von bestehenden Hypothekarschuldnern den einst vereinbarten Hypozins. Doch darüber hinaus könnte die Bank mit neuen Hypothekarschuldnern kein Geld verdienen. Diese würden auf langfristige Hypotheken mit den tiefen Zinsen pochen. Das heisst, die Bank erhielte auf ihren Hypotharkrediten einen Zins, der tiefer liegt als die gängigen Sparzinsen.

Hätten wir hingegen eine steigende Zinskurve, bei der die langfristigen Zinsen höher sind als die kurzfristigen, so könnte die Bank mindestens mit neuen Hypotheken Geld verdienen.

Laut Prognostikern ist nicht mit einer inversen Zinskurve zu rechnen. Hoffen wir, sie behalten wenigstens diesmal recht. Nicht nur wegen der drohenden Rezession, sondern wegen der Profitabilität unserer Banken.

Wer das Vertrauen in den Euro verstehen will, soll Max Frisch lesen

claude chatelain am Dienstag, den 8. Juli 2014

Die Europäische Zentralbank ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Glauben Sie mir: Es wird genug sein.» Die Worte von EZB-Chef Mario Draghi, gesprochen im Sommer 2012, wirkten Wunder: Die Marktteilnehmer glaubten ihm. Der Euro scheint gerettet. Selbst den Griechen vertrauen Investoren wieder ihr Geld an: Sie rissen sich um die Anleihen, die der griechische Staat im April emittierte, obschon sich Griechenland immer noch in einem desolaten Zustand befindet. Investoren gehen davon aus, dass es Super-Mario schon richten wird, sollten die Griechen wieder ins Trudeln geraten.

Jürgen Stark

Jürgen Stark: "Die EU hat kein Konzept*

Vor diesem Hintergrund ist es nicht uninteressant, was Jürgen Stark dazu meint. Der deutsche Ökonom war von 2006 bis 2011 Direktionsmitglied der EZB und sprach jüngst in Zürich an einem Anlass der Axa Asset Management. Stark sagte, dass all die Institutionen, von der Europäischen Finanzstabilisierungsfaszilität über den Europäischen Stabilitätsmechanismus bis zur Europäischen Bankenunion, nur aus der Not heraus entstanden seien. «Die EU hat kein Konzept.» Das heisst: Die EU nimmt eine Form an, wie sie ursprünglich nicht gewollt war. Eigentlich haben sich die EU-Länder im Lissabonner Vertrag auf die Funktionsweise der Union geeinigt. Inzwischen sind aber zwischenstaatliche Abkommen unterzeichnet worden, die laut Jürgen Stark den Vertrag von Lissabon verletzten. «Wir brechen laufend das Völkerrecht», sagt Stark.

Das führt mich zu Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut in München. Er wurde kürzlich in dieser Spalte mit den Worten zitiert: «Die Eurokrise schwelt unter dem Teppich.» Und: «Ich gehe davon aus, dass es zu einem schleichenden Siechtum kommt.» Marktakteure, Politiker und deren Berater wissen, dass die Eurokrise nicht bewältigt ist. Aber sie verhalten sich, als wäre alles im Butter. Ein solches Verhalten ist nicht untypisch. Schon Max Frisch hat dieses Phänomen beschrieben. Nachzulesen im Drama «Biedermann und die Brandstifter».

Warum das Investieren in nicht effiziente Märkte effizient ist

claude chatelain am Dienstag, den 1. Juli 2014
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Die Victoria-Jungfrau Collection ist seit Dezember nicht mehr börsenkotiert. Ihre Aktien werden nur noch ausserbörslich gehandelt. Im Bild: Das Victoria-Jungfrau in Interlaken.

Ein Finanzmarkt gilt als effizient, wenn sämtliche verfügbaren Informationen und Einschätzungen im Aktienkurs enthalten sind. Im Fachjargon sagt man, alle Informationen seien im Kurs eingepreist (was für ein scheussliches Wort). Auch der amerikanische Wirtschaftswissenschafter Eugene Fama, der 2013 den Nobelpreis erhalten hat, vertritt die These der effizienten Finanzmärkte.

Wenn also ein Banker glaubhaft versichern will, man sollte auf Aktie X und nicht etwa auf Aktie Y setzen, so nimmt er für sich in Anspruch, gescheiter zu sein als die Millionen von Anlegerinnen und Anlegern, die sich rund um den Globus mit Informationen versorgen. Selbstverständlich gibt es Leute, die über eine bestimmte Aktie mehr wissen als alle anderen, zum Beispiel Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder. Sie sind Insider und dürften ihren Informationsvorsprung von Gesetzes wegen nicht missbrauchen. Manche tun es trotzdem. Das belegen die Kursbewegungen, die jeweils vor der Publikation kursrelevanter Informationen zu beobachten sind.

Das Gesetz der effizienten Märkte gilt aber nur für grosse Unternehmen mit international gehandelten Aktien. Bei kleineren, lokalen Firmen ist man eher in der Lage, das Potenzial besser einzuschätzen als das Gros der Anleger. Aktien von kleineren Firmen werden auch nicht von einem Heer von Analysten begutachtet. Solche Märkte bezeichnet man als nicht effizient. Das gilt auch für Aktien, die bei der OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank, ausserbörslich gehandelt werden. Viele sind Liebhaberaktien. Man kauft sie, weil man den Geschäftsführer persönlich kennt, weil man lokale Unternehmen fördern will oder weil es an der Aktionärsversammlung ein reichhaltiges Essen gibt. Man könnte solche Aktien auch kaufen, um auf hohe (und steuerfreie) Kursgewinne zu spekulieren, denn sie haben zum Teil enorme Kursausschläge. Man könnte fast sagen, das Investieren in OTC-Aktien sei effizient, gerade weil der Markt der Nichtkotierten nicht effizient ist.

Über das allein seligmachende Wirtschaftswachstum

claude chatelain am Montag, den 23. Juni 2014

Mein Vater war ein eidgenössischer Beamte. Er verdiente ordentlich. Die Mutter besorgte den Haushalt. Sie ging nicht etwa deshalb keiner Erwerbstätigkeit nach, weil sie die Kinder unterhalten musste: Mit Lego, Zinnsoldaten, Dreirad und später Trottinett konnten wir uns selber beschäftigen. Doch rüsten, putzen, stricken, flicken und einkaufen zu Fuss war damals ein Fulltime-Job.

Obschon also keine Doppelverdiener, waren wir alles andere als Working Poor.  Jedes Jahr verbrachten wir über Ostern  zwei Wochen Skiferien in  Mürren; im Sommer wanderten wir im Kiental, im Engadin oder in Reit im Winkl. Oder wir machten Strandferien an der Adria oder an der Riviera. Flugreisen lagen finanziell nicht drin. Mit dem Opel Rekord gings über den Susten, dann über den Gotthard, und irgendwo im Tessin übernachtete die fünfköpfige Familie in einem Motel, ehe wir auf der italienischen Autobahn ans Meer fuhren.

Damals gab es viel weniger Gesetze, weniger Vorschriften, weniger Reglemente. Brüssel machte der Schweiz keine Vorschriften, Washington liess die Banken in der Schweiz gewähren, und Zölle schützten die hiesige Produktion.

Damals gab es weniger Invalide,  weniger Burn-outs und praktisch keine Drögeler – zumindest nicht auf der Strasse. Dafür leben wir heute länger, am Schluss aber nicht selten dement und im Pflegeheim. Damals gab es keine obligatorische Krankenkasse und keine obligatorische Pensionskasse. Den Beruf des Pensionskassenexperten gab es nicht, weil man damals die Gesetze nicht so kompliziert machte, um Berufsgattungen hervorzuzaubern, die kaum Wertschöpfung erzielen.

Und doch wird männiglich beteuern, dass es der Schweiz heute besser geht. Zahlen lügen nicht: Die Wirtschaft wächst und wächst. Seit 1920 ist das Bruttosozialprodukt jährlich um 4,5 Prozent gewachsen.

Ein Schelm, wer bei diesem eindrücklichen Wirtschaftswachstum an unserem Glück zweifeln möchte.

Die Richter bestimmen, nicht die Politiker

claude chatelain am Donnerstag, den 19. Juni 2014

Das neue Kindesunterhaltsrecht trägt dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung: Es sorgt dafür, dass Kinder von unverheirateten Paaren gegenüber Kindern von verheirateten Paaren gleichgestellt werden.  Dies geschieht, indem der Vater nach einer Trennung nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter finanziell unterstützen muss, wie das bei verheirateten Paaren üblich ist. Angesichts der Tatsache, dass heute bereits jedes fünfte Kind unverheiratete Eltern hat, kommt diese Gesetzesanpassung reichlich spät.

richterAuch andere Anpassungen täten not: Bei der Berechnung der nachehelichen Unterhaltspflicht muss die getrennte Mutter gemäss Bundesgerichtspraxis erst dann eine 50-Prozent-Stelle annehmen, wenn das jüngste Kind zehn Jahre alt ist. «Natürlich sind auch die Gerichte gehalten, bei ihrer Beurteilung den sich verändernden Lebensbedingungen Rechnung zu tragen», sagte gestern Justizministerin Simonetta Sommaruga. Hier ist ein grosses Fragezeichen zu setzen: Haben die Gerichte bisher den veränderten Lebensbedingungen Rechnung getragen? Weshalb kann man einer Mutter erst dann eine 50-prozentige Arbeit zutrauen, wenn das jüngste Kind zehn Jahre alt ist? Was ist mit all den Teilzeit arbeitenden Vätern,  die nach der Scheidung wieder 100 Prozent arbeiten müssen und zum Wochenendclown degradiert werden?

Der Gesetzgeber könnte die Unterhaltspflichten klar definieren und die Höhe der Alimente in Prozent des Einkommens beziffern. Damit kann man zwar nicht auf jeden individuellen Fall eingehen. Man würde aber eine gewisse Rechtssicherheit schaffen.  Heute gewinnt jener Elternteil, der den besseren Anwalt oder die stärkeren Nerven hat. Und jener verliert, der – vielleicht den Kindern zuliebe – auf den gerichtlichen Streit verzichtet und eine unvorteilhafte Konvention unterschreibt. Dies, um die unwürdige Sache möglichst rasch hinter sich zu bringen.

Auch konkrete gesetzliche  Richtlinien wären  nicht das Gelbe vom Ei: Gesetze lassen sich nur mit grosser zeitlicher Verzögerung dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, wie das neue Kindesunterhaltsrecht zeigt.  Richter könnten schneller reagieren – wenn sie es doch nur täten.

Stolperstein 3a

claude chatelain am Montag, den 16. Juni 2014

Aufgepasst beim Sparen 3a. Sonst geht es Ihnen wie einem Bekannten von mir, einem ausgewiesenen Kenner der 2.Säule. Als Experte wusste er, dass die Auszahlung des 3a-Guthabens einer progressiven Steuer unterliegt. Deshalb sollte man mehrere Konti 3a besitzen und in verschiedenen Jahren auflösen. Man spart damit Steuern.

Der Experte wusste ebenfalls, dass er mit Alter 70 das letzte der 3a-Konti aufgelöst haben muss. Zudem ist ihm bekannt, dass man keine Teilbeträge beziehen kann. Alles oder nichts, heisst die 3a-Devise.

Er legte je 50000 Franken in zwei Vorsorgefonds an: in einen mit 45 Prozent Aktien und einen anderen mit 25 Prozent Aktien. Heuer wollte er mit 69 Jahren die Anteile des einen Fonds verkaufen und den Erlös auszahlen lassen. Im nächsten Jahr hätte er dann das Gleiche mit dem anderen Fonds gemacht. Die Steuerprogression wäre gebrochen worden.

«Geht nicht», sagt ihm die Bank. Denn die beiden Fonds sind mit demselben 3a-Konto verknüpft. So muss er den Gesamterlös von rund 100000 Franken auf einen Schlag beziehen und versteuern: Als konfessionsloser, verheirateter Mann mit Wohnsitz Bern liefert er dem Staat 3926 Franken Steuern ab. Könnte er in zwei verschiedenen Jahren je 50000 Franken beziehen, beliefe sich die Steuerschuld auf 3077 Franken. Das Nichtwissen kostet den Experten 852 Franken. Für dieses Geld hätte er mich einige Male zu einem legendären Wienerschnitzel ins Jack’s vom Schweizerhof einladen können.

«Das steht so nirgends in der Verordnung BVV3, sondern nur im Kreisschreiben der Steuerbehörden», beklagt sich der Mann: «Ich Idiot wusste das nicht und gehe deshalb davon aus, dass viele Leute das auch nicht wissen.» Da wird er wohl recht haben. Also: Eröffnen Sie mehrere Konti 3a. Unterschiedliche Fonds sind mit verschiedenen 3a-Konti zu verknüpfen, sonst geht es Ihnen wie dem Experten. Immerhin befänden Sie sich damit in bester Gesellschaft.

Vom Unfall, der keiner ist

claude chatelain am Sonntag, den 8. Juni 2014

Man müsste lachen, wenn es nicht todernst wäre: Wenn man beim Verzehr eines Kirschkuchens auf einen Stein beisst und einen Zahn kaputt macht, gilt das nicht als Unfall. Beisst man jedoch beim Himbeerkuchen auf einen Kirschstein, so ist das ein Unfall. Der Unterschied liegt darin, dass man beim Himbeerkuchen im Unterschied zum Kirschkuchen nicht damit rechnen muss, auf einen Stein zu beissen.

Gestern teilte nun der Bundesrat mit, dass das Unfallversicherungsgesetz in einzelnen Punkten revidiert werden soll: Deckungslücken sollen geschlossen, eine Limite für Grossereignisse eingeführt und Überentschädigungen verhindert werden. Und vor allem: «Neu geregelt werden sollen insbesondere eine Reihe von unfallähnlichen Körperschädigungen, die nicht auf Erkrankung oder Abnützung zurückzuführen sind.»

Gemäss geltendem Recht ist ein Unfall «die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und physischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat». Dieser Gesetzesartikel ist nicht nur schwer verständlich; er widerspricht vor allem auch dem gängigen Verständnis dessen, was ein Unfall ist und was nicht.

Es fehlt in dieser Hinsicht nicht an schwer nachvollziehbaren Gerichtsentscheiden: Eine Reiterin erlitt ein Schleudertrauma, als ihr Pferd vom Galopp in den Schritt wechselte. Die Richter befanden, das sei kein Unfall, weil der Wechsel vom Galopp in den Schritt ein gewöhnlicher Vorgang sei. Ein Unfall wäre es gewesen, wenn das Pferd mit den Vorderbeinen eingeknickt wäre. Gemäss einem anderen zweifelhaften Entscheid verstauchte sich ein Jiu-Jitsu-Kämpfer beim Training einen Halswirbel. Die Richter sagten, dass beim Bodenkampf keine unkoordinierte Bewegung zu beobachten war. Ein Unfall wäre es gewesen, wenn der Bewegungsablauf durch etwas Programmwidriges gestört worden wäre.

Für den «Verunfallten» ist es von grosser Bedeutung, ob sein Missgeschick als Unfall taxiert wird oder nicht. Die Unfallversicherung verspricht bessere Leistungen als die Krankenversicherung, was übrigens ebenfalls stossend ist. Es ist zu bezweifeln, dass die neue Regelung solche Absurditäten auch wirklich aus dem Weg schaffen wird. Klar ist hingegen, dass Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf verständliche und nachvollziehbare Gesetze haben, die nicht nur juristischer Logik entspringen.

Warum liess Badran die Aktionäre kalt?

claude chatelain am Dienstag, den 3. Juni 2014
SP-Nationalrätin Jacqueline Badran macht in der Bodenpolitik auf Heimatschutz.

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran macht in der Bodenpolitik auf Heimatschutz.

Ich komme nicht umhin, nochmals auf die Motionen der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zurück zu kommmen. Sie will ausländische Investoren vom Kauf börsenkotierter Immobilienaktien und Immobilienfonds fernhalten. Heimatschutz ist sonst nicht Sache der SP. Doch Badran macht die Ausländer dafür verantwortlich, dass die Häuserpreise derart in die Höhe schossen. Dies auch zum Nachteil unserer Pensionskassen. Die beiden Motionen wurden letzte Woche vom Ständerat versenkt.

Ich habe nie verstanden, weshalb der drohende Rauswurf ausländischer Investoren nicht auf die Kurse drückte. Für mich gab es dazu zwei Erklärung: Entweder nahmen die Investoren die Motionen nicht ernst, oder der Ausländeranteil ist bei indirekten Immobilienanlagen vernachlässigbar klein. 

Die Motionen nicht ernst zu nehmen wäre ziemlich sportlich angesichts der Tatsache, dass sie der Bundesrat mit fünf zu zwei Stimmen befürwortete und der Nationalrat sie in der Wintersession durchwinkte. Also müsste es wohl am marginalen Ausländeranteil liegen. Die CS stützte diese These. Sie schrieb in einer Studie, dass im Mittel weniger als 10 Prozent aller Immoaktien und Immofonds im Besitz ausländischer Anlegern sei.

Nun muss man wissen, dass die Hochfinanz all ihre lobbyistischen Register zog, um die Ständeräte zur Ablehnung der Motionen zu bewegen. Das weiss ich aus persönlichen Gesprächen in der Wandelhalle. Das merkt man aber auch sonst: Wenn Ratsmitglieder sich plötzlich mit abgedroschenen Phrasen über eine Materie äussern, mit welcher sie sich bisher kaum befassten, so steckt meistens eine Lobbyorganisation dahinter. Im vorliegenden Fall ist es die Dynamics Group.

Das muss einen stutzig machen: Warum läuft die Hochfinanz amok, wenn doch der Ausländeranteil nur gering sein soll? Ich traue dieser Sache nicht. Der Pensionskassenverband lief einmal mehr am Gängelband der Hochfinanz und lehnte die Motionen ab, was nun wirklich nicht im Interesse seiner Mitglieder sein kann. Auch wir als Kleinanleger hätten durchaus ein Interesse, wenn Ausländer von diesem Markt fernblieben und somit die Nachfrage nach indirekten Immobilienanlagen abnähme. Die meisten Immofonds und Immaktien sind nur mit einem Aufpreis zu haben. Das heisst, der Kurs liegt über dem Wert der zugrunde liegenden Liegenschaften. Dies nur deshalb, weil die Nachfrage grösser ist als das Angebot.

Schön wäre es, wenn wir über das Anliegen von Jacqueline Badran abstimmen könnten. Im Unterschied zu den Ständeräten stimmen wir in unserem Interesse und lassen uns nicht schmieren.