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Franz Kafka in der bernischen Amtsstube

claude chatelain am Sonntag, den 26. Oktober 2014
Franz Kafka

Franz Kafka

Frau C. wähnte sich wie Herr K.in Kafkas Roman «Der Prozess». Sie wollte nichts Geringeres, als die ID ihres 16-jährigen Sohnes erneuern. Sie ersuchte via Internet um einen Termin und  füllte den entsprechenden Fragebogen aus. Darin gab sie an, dass sie über das alleinige Sorgerecht verfüge.

Im Internet las sie, dass alleinerziehende Mütter mit alleinigem Sorgerecht  das Scheidungsurteil mit dem Sorgerechtsentscheid mitbringen müssten. Heja. Es könnte ja sein, dass die Mutter gar nicht über das alleinige Sorgerecht verfügt und der Vater etwas dagegen haben könnte, dass dem 16-jährigen die ID erneuert würde. Dennoch liess Frau C. das Scheidungsurteil zuhause, denn ihr Ex-Mann ist verstorben.

Auf dem Amt an der Effingerstrasse in Bern erklärte Frau C. der pflichtbeflissenen Beamtin, weshalb sie das Scheidungsurteil nicht mitgenommen habe. Doch gemäss der diensthabenden Beamtin, die  ein vergleichbares Verhalten an den Tag legte wie der Untersuchungsrichter in Franz Kafkas «Der Prozess», gibt es keine ID ohne Unterschrift des Vaters. Frau C. wiederholte, was sie eben erst gesagt hatte, dass der Vater verstorben sei und es deshalb saumässig schwierig sei, von ihm eine Unterschrift zu erheischen. Der 16-Jährige verdrehte die Augen. Die Beamtin entschuldigte sich.

Und doch kommt Frau C. nicht umhin, das Scheidungsurteil einzureichen. Es könnte ja sein, dass der Gymnasiast einen Vormund habe, musste sie sich sagen lassen. Nun, gemäss Scheidungsurteil hatte die alleinerziehende Frau C. das gemeinsame Sorgerecht. Mit dem Tod des Ex-Mannes mutierte logischerweise das gemeinsame Sorgerecht zum alleinigen. Und ob der Filius über einen Vormund verfügt oder nicht, steht  nicht im Scheidungsurteil. Trotzdem musste Frau C. das Dokument  nachliefern und, wow, der 16-jährige hat wieder ein ID.

Ich  hoffe, der Sohn von Frau C. wird sich als Matura-Lektüre  «Der Prozess» von Franz Kafka zu Gemüte führen. Seine persönliche Erfahrung wird es ihm erlauben, die  staunenden Experten an der Reifeprüfung davon zu überzeugen, dass die Geschichte des Josef K . keineswegs surreal ist.

Wie sich eine amerikanische Bank betont schweizerisch gibt

claude chatelain am Dienstag, den 21. Oktober 2014
Pinus cembra, auch Arve genannt.

Pinus cembra, auch Arve genannt.

Die Amerikaner machen uns das Leben schwer. Das spüren alle Schweizerinnen und Schweizer, die einen US-Pass oder eine Greencard besitzen und allein deshalb bei Schweizer Banken nicht mehr willkommen sind. Das gilt aber insbesondere auch für die Banken, die auf Geheiss der Amerikaner einen grossen Papierkrieg führen und sogar amerikanische Anwälte beschäftigen müssen, damit diese überprüfen, ob die Bank die Befehle von Uncle Sam ausführt. Jemand muss das bezahlen. Wer, wenn nicht der Kunde?

Schon von der Cembra Money Bank gehört? Das tönt nicht gerade schweizerisch. Doch Tausende von Schweizern erhalten monatlich eine Rechnung von diesem Institut: all die Besitzer einer Mastercard der Migros oder des TCS. Gegen aussen gibt sich Cembra trotz des wenig heimischen Namens betont schweizerisch. «Cembra – Ihr Schweizer Finanzierungspartner», steht auf der Website. «Wir sind eine erfahrene Schweizer Bank, die ihre Kunden und deren Privatsphäre schützt.» Und siehe da: Selbst der Nama Cembra ist nicht so exotisch, wie er klingt. Der Name beziehe sich auf die in den Schweizer Bergen beheimatete Arve Pinus Cembra, steht auf der Website weiter. Sie wachse auf bis zu 2850 Metern Höhe unter schwierigen Bedingungen und könne sogar bei Temperaturen bis minus 45 Grad bis zu tausend Jahre alt werden. «Ein starker Baum für eine starke Marke.» Die Bank mit Hauptsitz Zürich ist nur in der Schweiz mit einem landesweiten Netz von 25 Filialen vertreten. Seit knapp einem Jahr ist sie an der Schweizer Börse kotiert. Keine Frage: Die Cembra Money Bank ist rechtlich eine Schweizer Bank.

Und doch ist Cembra für mich ein US-Institut: 32 Prozent des Aktienkapitals wird von der amerikanischen General Electric kontrolliert. Manchem geht jetzt ein Licht auf: Das nach einem Baum in den Schweizer Bergen benannte Geldhaus ist die vormalige GE Money Bank. Man hat sich von diesem Namen verabschiedet, um nicht auf den ersten Blick als Amerikaner erkannt zu werden. Verständlich.

Warum wir nicht alles Gold in der Schweiz verwahren sollten

claude chatelain am Montag, den 13. Oktober 2014
BANK, GOLDBARREN, GOLDRESERVEN, LAGER, FUELLEN

Es wäre nicht klug, alles Gold in der Schweiz zu horten.

Die Einbruchrate in der Schweiz wächst jährlich zweistellig. Die Fangquote der Verbrecher ist erbärmlich. Hat die Polizei ausnahmsweise einen Einbrecher geschnappt, so kann sich dieser auf eine milde Strafe freuen. Er wird deshalb nicht einsehen, weshalb er nicht weiter seinem Hobby des Einbrechens frönen  soll.

Wegen dieser unerfreulichen Entwicklung würde ich Kurantmünzen, Goldbarren oder andere Edelmetalle nie und nimmer zu Hause aufbewahren, wenn ich welche besässe.

Dieser Gedanke führt mich zur Goldinitiative, über die wir am 30.November abstimmen. Die Initianten wollen  nicht nur einen minimalen Goldbestand des Nationalbankvermögens sicherstellen. Sie wollen auch dafür sorgen, dass sämtliches Gold in der Schweiz verwahrt wird.

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen den Goldbarren, die ich leider nicht habe, und  der Goldinitiative, über die wir glücklicherweise abstimmen dürfen?

In beiden Fällen geht es um den Ort, wo das Edelmetall aufzubewahren ist. Die Initianten betrachten den minimalen  Goldbestand  von 20 Prozent  als vorbeugende Massnahme, weil man kein Schreckensszenario ausschliessen könne. Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm sagte es so: «Gold kann im allerschlimmsten Fall auch zum Notgroschen werden, wenn alle Brücken brechen, wenn es Währungszusammenbrüche und Turbulenzen gibt.»

Wenn wir uns  gegen jedes mögliche Schreckensszenario wappnen müssen, so dürfen wir doch erst recht nicht all unser Gold hierzulande bunkern. Stellen Sie sich  vor,  eine westlich gelegene marode Atommacht marschiert über die Schweizer Grenze und entwendet unser Gold. Lachen Sie nicht:  Schon 1798 mussten wir Berner zuschauen, wie die dreisten Franzosen den Staatsschatz beschlagnahmten.

Sie sehen,  es ist wohl gar nicht so dumm, einen Teil unseres Schatzes in England und in Kanada zu horten. Sicher ist sicher.

Die Gewerkschaften wollen “Erstaunliches” herausgefunden haben

claude chatelain am Dienstag, den 7. Oktober 2014

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat letzte Woche eine eigene Studie präsentiert und dabei laut eigenen Worten «Erstaunliches herausgefunden».

Der SGB hat nämlich herausgefunden, dass «die AHV mit ihrem Preis- Leistungs-Verhältnis die private Vorsorge um Längen schlägt». Die grosse Mehrheit der Schweizer Haushalte bekomme für jeden Franken AHV-Beitrag deutlich mehr Rente, als wenn sie das gleiche Geld auf einem Konto 3a anlegen würde. Bitte sehr: Was ist erstaunlich an diesem Befund?

Ein Ehepaar mit einem gemeinsamen Lohn von 7400 Franken zahlt gemäss einem Rechnungsbeispiel des SGB 10,3 Prozent des Lohnes an die AHV. Mit der Säule 3a hätte das Paar Monat für Monat 22,5 Prozent des Lohns auf das Konto 3a überweisen müssen, um im Alter die gleiche Rente von 3510 Franken zu erhalten.

Pardon: Dieser Vergleich ist absurd. Die Säule 3a wird allein mit dem eigenen Geld finanziert. Bei der AHV profitieren die Rentner dagegen von der Solidarität der Topverdiener. All die Manager und Abzocker mit ihren Millionensalären zahlen ein Vielfaches dessen in die erste Säule, was sie später als Rente beziehen können. Davon profitieren wir Normalsterblichen. Da braucht man nun wirklich keine Studie zu verfassen, um das zu belegen.

Dem SGB ging es bei dieser Übung natürlich darum, Werbung für die AHV zu machen. Das ist sein gutes Recht. Er hat ja die Initiative «AHV plus» eingereicht, welche einen Zuschlag von 10 Prozent auf allen AHV-Altersrenten verlangt. Das Volksbegehren kommt demnächst zusammen mit dem grossen Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» von SP-Bundesrat Alain Berset ins Parlament. Die erste Säule ist schlank und kräftig. An ihr nagen keine Banken und Versicherungen wie bei der zweiten Säule der beruflichen und der dritten Säule der privaten Vorsorge. Es gibt daher genügend Argumente, die für eine starke AHV sprechen. Dazu braucht es keine wirren Vergleiche mit etwas, das gar nicht vergleichbar ist.

Pilotprojekt Einheitskasse in der Romandie

claude chatelain am Montag, den 29. September 2014
Unbenannt

Pierre-Yves Maillard - will er wirklich eine Einheitskrankenkasse?

Der Röstigraben macht mir Sorgen: Wenn sich bei jeder zweiten wichtigen Abstimmung eine Kluft zwischen der deutsch- und der  französischsprachigen Schweiz auftut, so ist das für den Zusammenhalt problematischer, als wenn die Thurgauer und die Nidwaldner das Frühfranzösisch abschaffen. Doch im Fall der Einheitskasse kann ich dem Röstigraben nur Positives abgewinnen. Denn ich sehe nicht ein, weshalb man den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt verwehren soll, eine Einheitskasse einzuführen. Erstens kann man damit die Mehrheit der Romands zufriedenstellen. Zweitens können wir Deutschschweizer gelassen beobachten, wie ein solcher Systemwechsel vonstattengeht. Und ist der Systemwechsel einmal vollzogen, wird man sehen können, welches Modell besser funktioniert.

Wir hätten dann eine Konkurrenzsituation zwischen zwei Systemen, ähnlich wie in der Unfallversicherung. Dort befindet sich die Suva ebenfalls im Wettbewerb mit den Privatversicherern, auch wenn gewisse Branchen keine Wahlfreiheit haben und sich dem Versicherungsschutz der Suva nicht entziehen können. Doch Prämiensteigerungen, Kundenservice und Kostenbewusstsein lassen sich durchaus vergleichen. Die welsche Einheitskrankenkasse stünde dann ebenfalls in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zu den Deutschschweizer Grundversicherern. Nur dass wir im Unterschied zur Unfallversicherung keine branchenspezifische, sondern eine geografische Abgrenzung hätten.

Ich fürchte jedoch, dass sich die Romands diesem Wettstreit der Systeme gar nicht stellen würden. Eine Abstimmung in den entsprechenden Kantonen könnte also sehr gut bachab gehen, wenn sie über eine kantonale und nicht über eine eidgenössische Einheitskasse abstimmen dürfen. Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard, der prominenteste Befürworter der Einheitskasse, hielt sich dieser Tage vornehm zurück, eine welsche Lösung zu fordern. Ihm wird so oder so nachgesagt, dass er eigentlich gar keine Einheitskasse will. Ihm liege vielmehr daran, mit den wiederkehrenden Initiativen die Krankenkassen zu disziplinieren.

Zum Stockwerkeigentum

claude chatelain am Montag, den 22. September 2014

66-24062500Stockwerkeigentum boomt. An gewissen Lagen zahlt man horrende Preise, um vier Wände sein Eigen  nennen zu können. Wobei   nur die Wände und die Ausstattung im Innern im Eigentum eines  einzelnen Stockwerkeigentümers sind.   Treppenhaus,  Dach und insbesondere das Grundstück teilt er mit anderen.

Seit 50 Jahren gibt es in der Schweiz Stockwerkeigentum. Die Häuser aus der Pionierzeit kommen in die Jahre. Sie müssen renoviert werden. Nun kann man unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob die Hausfassade  erneuert werden muss.  Man kann sich auch darüber streiten, ob ein Kinderspielplatz einen Mehrwert oder einen Minderwert darstellt.  Wo die Meinungen über das gemeinsame  Eigentum geteilt sind, ist der Knatsch programmiert.

Mit der Häufung solcher  Streitigkeiten wird sich mancher potenzielle Stockwerkeigentümer  fragen: «Muss ich das haben? Bin ich mit einer Mietwohnung nicht besser bedient?» Ein Mietvertrag ist schnell mal gekündigt, wenn man sich mit Nachbarn schlecht versteht. Eine Wohnung zu verkaufen ist mit deutlich mehr Umtrieben verbunden. Zudem besteht immer auch das Risiko, beim Verkauf weniger Geld zu lösen als man beim Kauf hinblättern musste.

Ich wäre nicht erstaunt, wenn  das Interesse an Wohneigentum aufgrund solcher Geschehnisse  in Zukunft abnehmen wird. Das würde für tiefere Preise sorgen.  Und sollten die Zinsen doch noch einmal anziehen, dann kommen die Preise erst recht unter Druck.

Mancher fragt sich, ob Miete oder Kauf besser rentiert. Mit Rechnungsbeispielen kann man beides beweisen. Für mich ist Immobilienbesitz immer auch eine emotionale Angelegenheit. Doch wenn ich mich wegen eines renitenten Stockwerk-Miteintümers grün und blau ärgern muss, helfen mir Renditeschätzungen  wenig.

Viele Behauptungen und keine Beweise

claude chatelain am Freitag, den 5. September 2014

Vor Urnenabstimmungen ist Gegnern und Befürwortern fast jedes Mittel recht, um die Stimmbürger von ihrer Sache zu überzeugen. Beim Abstimmungskampf um die Einheitskasse tun sie dies vorab  mit Behauptungen, die sich weder belegen noch widerlegen lassen.

Die Gegner sagen, die Kosten würden bei fehlendem Wettbewerb steigen. Die Befürworter hingegen beteuern, die Kosten würden wegen der eingesparten Verwaltungskosten sinken. Ich behaupte, wir wissen es nicht.

Ärzte behaupten, die Einheitskasse würde die freie Arztwahl garantieren, denn  der Monopolist könne nicht einzelne Mediziner  ausschliessen. Andere Ärzte versichern, die Einheitskasse schränke die freie Arztwahl ein. Das zeigten Beispiele aus dem Ausland. Ich entgegne: Wir wissen es nicht.

Der Systemwechsel werde 1,75  Milliarden Franken verschlingen, behaupten die Gegner. Es werde weniger als eine Milliarde sein, kontern die Befürworter. Ich lästere: Wir wissen es nicht.

Die Befürworter sagen, die ungebetenen Anrufe von Telefonmaklern würden bei einer Einheitskasse versiegen, da man ja die Kasse nicht mehr wechseln könne. Die Gegner wollen wissen, dass die  «cold calls» bei einer Einheitskasse erst recht zunähmen, weil die Nachfrage nach Zusatzversicherungen steigen würde. Ich räsoniere: Wir wissen es nicht.

Wenn Ärzte im Leitungsgremium sässen, sei das eine Verbesserung, sagen die Befürworter. Die  Gegner hingegen finden, das sei  eine Verschlechterung. Ich sage: Wir wissen es nicht.

Wir wissen nicht, wie das Gesetz  bei einem Ja formuliert und wie die paritätische Führung ihre Aufgabe wahrnehmen würde. Solange wir das nicht wissen, kann jeder  behaupten, was er will: Wem es zuwider ist, jedes Jahr zum günstigsten Anbieter zu wechseln, stimmt Ja. Wer nicht einer einzigen Kasse  ausgeliefert sein will,  stimmt Nein. Gar nicht so schwierig, oder?

Über Twitter

claude chatelain am Dienstag, den 2. September 2014

Verfolgen Sie das Geschehen an den Finanzmärkten via Twitter? Tops und Flops in alphabetischer Folge:

Aktientipp CH: der Account von Erfolgreichinvestieren.ch. Hoffentlich investieren die Urheber erfolgreicher, als sie twittern. Langweilig.

Björn Zern: Interessiert an Nebenwerten? Zern ist die Adresse.

Boerseonline: informiert gemäss eigenen Angaben «unabhängig, aktuell, analytisch und kompetent über Geldanlage». Leider deutschlandlastig.

Cash.ch: Was twittert «Cash»? Was twittert «cashInsider»? Die Macher verstehen vielleicht etwas von Finanzmärkten, aber nichts von Markenstrategie. Überflüssig.

cash Insider: verweist auf Artikel auf «Cash.online»; kommentiert gescheit, dürfte selektiver sein. Interessant.

Dirk Müller: Früher war Mister Dax auch mal originell. In jüngster Zeit meist Lieferant wenig aussagekräftiger Konjunkturdaten. Fantasielos.

Die Börsenblogger: zwitschert, was es auf der eigenen Homepage zu lesen gibt. Führt die Rubrik mit dem anbiedernden Titel «Grüezi Zürich». Lesenswert.

Dividendenperle: Ideenlieferant für Zinslipicker. Selten mit einer Wertung. Unkonstant.

Finanz u. Wirtschaft: verweist auf Artikel, für die man sich einloggen muss. No-go.

Finanzen.ch: Das Finanzportal der Springer-Medien lässt keine Börsennachricht aus, wie ein Nachrichtendienst. Gähn.

mein-aktientipp: hält nicht, was der Titel verspricht: publiziert eine Flut von Daten. Etikettenschwindel.

Michael Ferber: Der Kollege von der NZZ twittert durchaus interessante Beiträge seines Blattes. Schade, dass er auch die uninteressanten twittert.

Paul Krugman: twittert zwar nicht über Aktien. Dafür muss man die Kolumne des Nobelpreisträgers nicht mehr in der «New York Times» suchen. Lesenswert.

Schwarzer Schwan: warnt vor Börsencrash, Finanzkrise, Kurseinbruch, Spekulationsblase. Höchstens ein Tweet pro Monat. Faulpelz.

Schweizeraktien: hält auch nicht, was der Name verspricht: müsste Nebenwerte Schweiz heissen. Bedeutungslos.

Vierte Säule: der Account dieser Kolumne: kein Börsenticker, keine Aktientipps, keine Datenflut. Zwitschert über die erste, zweite und dritte Säule. Kompetent und cool.

Nicht über die Einheitskasse, aber über ein echtes Problem

claude chatelain am Montag, den 25. August 2014

Am 28.September dürfen wir uns entscheiden, ob wir für die obligatorische Grundversicherung eine Vielzahl von Kassen oder nur noch eine Einheitskasse haben möchten.

Aufgrund der scharfen Rhetorik könnte man meinen, das Wohl der Schweiz hänge allein von dieser Frage ab. Wobei ich zugeben muss, dass zumindest das Wohl einiger Verwaltungsräte und Vergleichsdienste sehr wohl  von dieser Frage abhängig sein könnte.

Meines Erachtens ist weder die Erhaltung des Pseudowettbewerbs noch die Einführung einer Einheitskrankenkasse eine Katastrophe. Unsäglich finde ich, dass Unfälle viel besser versichert sind als Krankheiten. Verstärkt wird diese Malaise durch den Umstand, dass der  Unfallbegriff im Gesetz sehr eng, kompliziert und unklar definiert ist. Das führt dazu, dass Unfallversicherer gerne gewisse Unfäll als Krankheit einstufen, um sich somit vor Zahlungen zu verschonen.

Ich habe das an dieser Stelle schon  thematisiert. Das Problem ist derart gravierend, dass man es nicht genug wiederholen kann. Beisst man auf den Stein im Himbeerkuchen, ist es ein Unfall; beisst man auf den Stein im Kirschkuchen, ist es eine Krankheit. Ein anderes Beispiel: Reisst die Sehne, weil man einen 15 Kilo schweren Sack mit einer Drehbewegung auf den Rücken wirft, ist es ein Unfall. Verletzt man sich dagegen beim Ablegen eines 25 Kilo schweren Rucksacks, ist es eine Krankheit. Und wenn sich der Mann der Kehrichtabfuhr  beim Werfen des Abfallsacks die Sehne reisst, ist es kein Unfall, da es sich um eine alltägliche Betätigung handelt. Passiert hingegen einem Privatmann das gleiche Missgeschick, so liegt gemäss vorläufiger Bundesgerichtssprechung ein Unfall vor.

Warum machen sich Politiker und Interessenvertreter nicht dafür stark,  solche Absurditäten aus der Welt zu schaffen? Drei Thesen:

  1. Man kann damit keine Pfründen verteidigen.
  2. Man kann damit nichts verstaatlichen.
  3. Man schafft damit den eigenen Job ab (gilt nur für Juristen).

Zerschlägt man die Grossbanken, sind sie nicht mehr too big to fail

claude chatelain am Dienstag, den 19. August 2014

Mit der Mitteilung der Nationalbank, dass neben UBS, CS und ZKB auch die Raiffeisen-Gruppe systemrelevant sei, ist die Debatte insbesondere um die Notfallkonzepte erneut entbrannt.

Mit den Notfallplänen müssen systemrelevante Banken sicherstellen, dass im Krisenfall der systemrelevante Teil, insbesondere Kreditgeschäft und Zahlungsverkehr, nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. All diese Vorkehrungen sind extrem aufwendig. Dabei ist nicht mal klar, ob der Plan aufgehen wird. Dabei liesse sich das Problem von «too big to fail» einfach lösen: Man könnte die zu gross gewordenen Banken in kleinere Einheiten aufteilen.

Die USA machte das in den frühen Achtzigerjahren vor: Der Telefongigant AT & T wurde derart gigantisch, dass auf Initiative des Justizdepartements der Konzern zerschlagen wurde. Entstanden sind eine um 70 Prozent abgespeckte AT & T, die nur noch Ferngespräche abwickeln durfte, sowie sieben regionale Telefongesellschaften, genannt Baby Bells, die die lokalen Netze und die Schaltzentralen betrieben.

Die USA hatten schon immer ein gestörtes Verhältnis zu Macht. Auch die Standard Oil Company des legendären John D. Rockefeller wurde den Amerikanern aufgrund des Anti-Monopol-Gesetzes zu mächtig, sodass der Konzern schon im frühen 20. Jahrhundert in 34 einzelne Unternehmen aufgeteilt wurde.

Volksbank

Die Volksbank in Bern ist nicht mehr: Sie wurde 1993 von der CS Holding geschluckt.

Im Gegensatz zu den USA geht die Schweiz mit Machtballungen fahrlässig um: Vor nicht so langer Zeit zählten wir hierzulande fünf gesunde Grossbanken: Bankgesellschaft, Bankverein, Kreditanstalt, Volksbank, Bank Leu. Man liess sie fusionieren und aufkaufen. Dann waren es nur noch zwei und «too big to fail».

Es ist keine Überraschung, dass in der Schweiz keiner den Mut aufbringt, auf eine Zerschlagung der Grossbanken  hinzuwirken.  Man stelle sich bloss den Lärm von all den Ospels, Grübels, Mühlemanns vor, wenn sie nur noch kleinere Einheiten führen und geringere Boni kassieren könnten. Sie würden den Parteien keck den Geldhahn zudrehen, ein Heer von Lobbyisten aufstellen. Vorbei wäre der Spuk.