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Die Versicherer haben ihr Image verbessert – dank der Banken

claude chatelain am Montag, den 26. Januar 2015

Älteren Semestern ist der Satz geläufig: «Wer nichts wird, wird Wirt. Ist ihm das nicht gelungen, geht er zu den Versicherungen». Jedes Kind kannte den Spruch. Heute  ist diese Redewendung bei  jüngeren Kolleginnen und Kollegen kaum mehr bekannt, wie ich aufgrund einer kurzen Umfrage im Grossraumbüro feststellen konnte.

Früher lag das Image der Versicherungswirtschaft ziemlich im Argen. Versicherungsagenten würden viel versprechen und nichts halten. Sie würden einem Versicherungen aufschwatzen, die man nicht brauche. Es  zähle allein die Provision. Dass das nicht nur ein Klischee ist, konnte man mit eigenen Augen sehen, sobald man vom Agenten heimgesucht wurde. Der Massanzug und die edle Karosse schien den üppigen Fluss von Provisionen zu bestätigen.

Das war einmal. Das Image der Versicherer ist besser geworden. Dazu beigetragen hat auch der Umstand, dass die Versicherungsgesellschaften  im Unterschied zu etlichen Banken die Kliffen der Finanzkrise ziemlich elegant zu umschiffen wussten.

Allerdings  bin ich  der Meinung, dass die Versicherer nicht viel dafür können, dass sie heute in den Augen der Öffentlichkeit besser dastehen. Ich hege eher den Verdacht, dass die Versicherer  vom Imageverlust der Banken profitieren. Letztere kommen aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Man hört von:

- unügendenden Eigenmitteln
- Retrozessionen, die sie in den eigenen Sack stecken, statt sie dem Kunden gutzuschreiben
- Beihilfe zur Steuerhinterziehung, auch nachdem Uncle Sam bereits die Messer wetzte
- manipulierten Zinssätzen im Liborskandal
- Marktmanipulationen, wie  im Fall der Valiant-Bank und der Coop Bank.
- Strukturierten Produkten, die selbst der Bankberater nicht versteht.

Erlauben Sie mir   in Anlehnung an den eingangs zitierten Spruch,  mein limitiertes lyrisches Talent zu offenbaren:
«Es erübrigt sich  zu zanken; das schlechtere Image haben die Banken.»

 

Thomas Jordan hat die Grenzen aufgezeigt

claude chatelain am Montag, den 19. Januar 2015

Beispiel USA: Nach Ausbruch der Finanzkrise war es nicht das Geschwätz eines George W.Bush oder eines Barack  Obama, das  dem System zu Stabilität verhalf. Es war die Federal Reserve Bank. Sie überflutete die Märkte mit Liquidität und bewahrte damit das weltweite Finanzsystem vor einem Zusammenbruch – koste es, was es wolle.

Beispiel Europa: Auf die Finanzkrise folgte die Schuldenkrise und damit die Eurokrise. Auch hier waren es nicht Angela Merkel und schon gar nicht Nicolas Sarkozy oder sein Nachfolger François Hollande, die die Märkte zu beruhigen wussten. Es war Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, der mit seinem denkwürdigen Satz von Mitte 2012 die Spekulanten in die Schranken wies. Er sagte damals:  «Die Europäische Zentralbank ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Glauben Sie mir: Es wird genug sein.» Noch gilt Draghi als Retter des Euro.

Beispiel Schweiz: Als der Franken immer stärker und stärker wurde, schnürten Bundesrat und Parlament flugs ein Hilfspaket für die Exportindustrie. Doch das Paket brachte nichts. Es war die Notenbank, die mit ihren beherzten Devisenkäufen den Eurokurs auf 1.20 Franken  stabilisierte –  koste es, was es wolle. Die Schweizerische Nationalbank galt der Retter der Nation.

Fazit: Regierungen verschulden sich und lassen sich von den immer mächtiger werdenden Banken in Geiselhaft nehmen. Und wenn es brennt,  müssen die Zentralbanken die Kastanien aus dem Feuer holen.  «Es besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik mit Aufgaben überfrachtet wird, die nicht in ihre Kompetenzen und in ihre Zuständigkeit fallen», schrieb die Denkfabrik Avenir Suisse im Juli 2013.

Noch schlimmer: Die Regierungen können dem Schlendrian frönen und sich sagen: «Die Zentralbank wird es schon richten.» Deshalb ist es positiv, dass  Thomas Jordan die Grenzen aufgezeigt hat. Und was die Eurozone betrifft: Je länger die EZB geldpolitische Feuerwehrübungen durchführt, desto weniger Druck verspüren Länder wie Frankreich und Italien, ihre verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

«An den Finanzmärkten hat sich eine riesige Blase aufgebaut»

claude chatelain am Samstag, den 10. Januar 2015
Martin Neff: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter».

Martin Neff: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter.»

Jeweils gegen Ende  Oktober gehts  los mit dem Reigen der Prognosen für das kommende Jahr. Banken für Banken laden zum Outlook.  Die meisten erzählen dasselbe. Sie erklären, weshalb Aktien  trotz rekordhoher Kurse attraktiv seien. Sie sagen, es gebe schlicht keine Alternativen. Und sie verraten, in welcher Branche in  welcher geografischen Region sie das grösste Potenzial orteten.

Erst letzte Woche lud auch Raiffeisen Schweiz zur Medienkonferenz. Allfällige Befürchtungen  eines Dejà-vue erwiesen sich aber als unbegründet.  Chefökonom Martin Neff hielt kein Plädoyer für Dividendenpapiere. Vielmehr wies er darauf hin, was einigen womöglich nicht bewusst ist und viele andere  verdrängt haben. «Nine fifteen ist noch nicht ausgestanden».

«Nine fifteen» ist zumindest in Finanzkreisen  ein stehender Begriff: Am 15. September 2008 musste die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmelden. Dies war der Startschuss einer neuen  Ära — der Ära der Geldhüter.
Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank wie auch die Schweizerische Nationalbank liessen die Gelddruckmaschinen anwerfen und  überschwemmten den Markt mit Liquidität. Damit verliess die Geldpolitik laut Martin Neff «den Pfad der Tugend, begnadigt die öffentlichen Schuldner, finanziert die öffentlichen Haushalte und stimuliert die Finanzmärkte». All das hat Nebenwirkungen. «An den Finanzmärkten hat sich eine riesige Blase aufgebaut», sagt der Raiffeisen-Ökonom.

Während die Notenbanker gemeinhin als Retter der Not verehrt werden, äussert Martin Neff eher kritische Worte: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss,  ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter».  Wenn ständig neue Massnahmen beschlossen würden, bedeute das, dass die alten nicht funktionieren.

Die ernüchternde Diagnose des Chefökonomen: «Die monetäre Ambulanz ist noch immer vor Ort, das Warnlicht blinkt, nur die Sirenen sind abgeschaltet».

Vom Übergewicht

claude chatelain am Montag, den 5. Januar 2015

Heute wollen wir uns mit dem Übergewicht befassen. Ich meine nicht das Übergewicht, das wir uns über die Festtage zugelegt haben. Ich meine das Übergewicht von Aktien oder Obligationen. Wertschriften werden laufend übergewichtet, untergewichtet oder neutral gewichtet. Das ist ihr Schicksal.

Derzeit werden Aktien eher übergewichtet. Das heisst, dass Experten im heutigen  Marktumfeld den Aktien ein grösseres Gewinnpotenzial zutrauen als Obligationen. Und es heisst, dass man den in der Anlagestrategie definierten Aktienanteil etwas nach oben schrauben sollte.
Ich werde nicht selten gefragt, wie ich  es mit dem Übergewichten von Aktien halte. Um ehrlich zu sein: Bei mir gibt es nichts   über-, unter- oder neutral zu gewichten.   Denn ich folge keiner  Anlagestrategie.  Ich habe keine Prozentzahl und auch keine  Bandbreite festgelegt, wie hoch der Aktienanteil in meinem Fall sein darf.

Zudem kann ich Aktien gegenüber Obligationen auch deshalb nicht  übergewichten, weil ich gar keine Obligationen besitze und vom Kauf solcher Papiere abrate. Ich habe nur Aktienfonds, Immobilienfonds und Cash. Ich  sehe im heutigen Umfeld keinen Grund, in Obligationen zu investieren. Die mündelsicheren Papiere werfen kaum Zinsen ab. Und wenn das Zinsniveau wieder eine vernünftige Höhe erreicht, werden die Obli-
Kurse in die Tiefe sacken. Ein Aufwärtspotenzial, wie das bei Aktien nicht auszuschliessen ist, kann ich bei Obligationen nicht ausmachen.
Eine Redewendung besagt: Mit Aktien gut essen, mit Obligationen gut schlafen. Auch damit weiss ich wenig anzufangen. Bei mir heisst es: Mit Aktien gut essen, mit Cash gut schlafen. Und sobald die Aktienkurse in die Tiefe sausen, was sie irgendeinmal tun werden, werde ich mit dem Geld auf dem Konto zuschlagen. Frei nach dem Motto: Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse.

Deshalb brauche ich über das Übergewicht von Aktien keine Gedanken zu verschwenden. Das andere Übergewicht, eben jenes von den Festtagen Na ja, lassen wir das.

So düpierte Pierin Vincenz die Konkurrenz

claude chatelain am Dienstag, den 23. Dezember 2014

Die Clientis-Gruppe nimmt nicht am Steuerprogramm teil. Dies teilte die Gruppe mit ihren 15 unabhängigen Regionalbanken gestern mit. Von aussen betrachtet scheint dies ein weiser Entscheid zu sein. Womöglich liess sich Clientis von Raiffeisen beziehungsweise deren Chef Pierin Vincenz leiten.

Pierin Vincenz, cleverer Chef der Raiffeisenbanken.

Pierin Vincenz, cleverer Chef der Raiffeisenbanken.

Die Geschichte geht so: Die Banken, welche allenfalls US-Steuerrecht gebrochen haben, mussten bis Ende 2013 der Finanzmarktaufsicht (Finma) mitteilen, ob sie sich schuldig bekennen. Etliche Institute wie die Berner Kantonalbank, die Migros-Bank, Postfinance, die Valiant-Bank und viele mehr taten dies, obschon sie vermutlich gar nichts verbrochen haben. Sie sagten sich: lieber die unschöne Sache mit einer Busse hinter sich bringen, statt das Risiko einer Klage einzugehen. Im US-Steuerprogramm gehören diese Banken der Kategorie 2 an.

Anfänglich liess auch Pierin Vincenz durchblicken, dass sich Raiffeisen für die Kategorie 2 entscheiden werde. Viele Banken sagten sich daher: «Wenn sich sogar die ländlichen Raiffeisen-Genossenschaften schuldig bekennen, müssen wir das wohl auch tun.» Doch Vincenz hatte gar nie daran gedacht, seine Bankengruppe als schuldig zu bekennen. Er liess die Frist ablaufen. Somit ist Raiffeisen in der Kategorie 3. Diese Banken sollten von einer Busse verschont bleiben.

Der Raffeisen-Chef sagte sich, wenn sich möglichst viele Banken für Kategorie 2 anmelden, bleiben die anderen unbehelligt. Denn die US-Justiz ist darauf erpicht, dass sich möglichst viele Institute schuldig bekennen. Damit können die Amerikaner die Schweizer Banken mit einer tüchtigen Busse belegen und auf einfachstem Weg zu Geld kommen. Sofern ein respektabler Betrag zusammenkommt, glaubt Vincenz, werden die Amis davon absehen, weitere Banken zu verfolgen. Die Raiffeisenbanken sind fein raus.

Pierin Vincenz ist kürzlich von über 3000 «Cash»-Lesern zum besten Bank-CEO der Schweiz erkoren worden. Weshalb der Bündner zu dieser Ehre kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Klar ist mir aber, dass Vincenz mit dem US-Steuerprogramm einen Husarenstreich vollbracht hat. Das könnte ein Grund sein, den Raiffeisen-Chef zum CEO des Jahres zu küren.

Keine Michelin-Sterne für Spitäler

claude chatelain am Dienstag, den 16. Dezember 2014

Es gibt Leute, die möchten für Spitäler ein Rating einführen. Kürzlich war das auch Thema an einem Kolloquium. Der Moderator fragte, ob für Spitäler eine Art Gault-Millau-Punkte oder Michelin-Sterne sinnvoll wären, so wie man das von den Restaurants kenne.

Dieser Vergleich hinkt. Gäbe es für Spitäler eine Punktewertung, so würde sich jeder nur im besten Spital behandeln lassen wollen. Es kostet ja nicht mehr. In Gastronomiebetrieben dagegen zeigt sich die Situation deutlich anders: Je mehr Punkte, desto saftiger die Rechnung.

Das Lindenhof-Spital in Bern

Das Lindenhof-Spital in Bern

Doch der Preis ist für mich nur einer von drei Gründen, weshalb ich vor zu vielen Punkten und Sternen zurückschrecke. Gehe ich in einen Gasthof, geht es mir um eine gemütliche und romantische Atmosphäre und nicht darum, kulinarische Kunstwerke zu bestaunen. Wobei ich nicht gesagt haben will, dass das Auge nicht mitisst. Zudem möchte ich mich im Restaurant mit meiner Partnerin oder einem schon lange nicht mehr gesehenen Freund unterhalten. Je mehr Gault-Millau-Punkte, desto schwieriger ist dieses Unterfangen: Der halben Brigade muss man im Minutentakt die Frage beantworten: «Isches rächt?» Nimmt man einen Schluck Wein, wird gleich nachgeschenkt. Meine Gegenüber kommen deshalb immer zu kurz. Und kaum hat man den Faden des Gesprächs wieder aufgenommen, entschuldigt sich schon wieder eine Servicefachangestellte am Tischrand und gibt ihren eingeübten Vortrag über die kulinarischen Kreationen des Hauses zum Besten.

Apropos störendes Personal: Als ich vor ein paar Jahren im Spital lag und nach einer schlaflosen Nacht am heiterhellen Nachmittag endlich den Schlaf des Gerechten finden konnte, glaubte die Pflegefachfrau, mich wecken und mir sagen zu müssen, dass jetzt Schichtwechsel sei und Pflegefrau Soundso für mich zuständig sei. Wie war ich sauer. Den Namen des Spitals verrate ich nicht. Sonst kriegt es noch Gault-Millau-Punkte.

Vom Ökonomen auf der einsamen Insel

claude chatelain am Dienstag, den 9. Dezember 2014

Drei Wissenschaftler stranden nach einem Schiffbruch auf einer einsamen Insel: ein Physiker, ein Chemiker und ein Ökonom. Das Einzige, was sie von ihrem Schiff retten konnten, ist eine Konservendose mit Bohnen. Nun besprechen sie, wie sie die Dose öffnen könnten. Der Physiker: «Nehmen wir einen Stein und schlagen den Deckel der Dose ein.» Der Chemiker schlägt vor, die Dose in die Sonne zu legen und zu warten, bis der Inhalt fermentiert, sich dabei ausdehnt und die Dose sprengt. Als Letzter kommt der Ökonom mit seinem Vorschlag: «Nehmen wir mal an, wir hätten einen Büchsenöffner …»

Der Witz, den ich vor einiger Zeit in der «Finanz und Wirtschaft» gelesen habe, geniesst derzeit hohe Aktualität. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Finanzinstitut zu einem Anlass lädt, an welchem ein Ökonom Vorhersagen für 2015 macht. Es ist interessant, dass die Kristallkugeln rund um den Globus das Gleiche verraten. Wobei die Ökonomen den Vergleich mit Wahrsagern nicht sonderlich schätzen. Sie stützen sich auf Modellrechnungen. Und wenn das Ergebnis anders herauskommt, so war nicht die Rechnung falsch, sondern die zugrunde liegende Annahme. So wie beim gestrandeten Ökonomen auf der einsamen Insel. Da sich alle Volkswirte mehr oder weniger auf gleiche Annahmen berufen, kommen die Prognosen wie ein Einheitsbrei daher. Und häufig passiert etwas, das in den Modellrechnungen keinen Eingang gefunden hatte. Oder hat jemand vor zwölf Monaten die Einverleibung der Krim durch die Russen vorausgesagt? Es wäre mir entgangen.

Das erinnert an den Bestseller «Der schwarze Schwan». Nassim Taleb beschreibt darin, dass jene Ereignisse, die die Welt massgeblich verändert haben, nicht vorausgesagt wurden. Man sichtet sie weder in der Kristallkugel noch in den Modellrechnungen der Ökonomen. Deshalb gibt es nicht wenige Verfechter des Contrarian-Ansatzes. Das sind jene, die das pure Gegenteil dessen machen, was Ökonomen empfehlen - und nicht selten besser fahren.

“Werde schwanger – es wird gesorgt für dich”

claude chatelain am Dienstag, den 2. Dezember 2014

imagesHeute berät der Ständerat Neuerungen im Kinderunterhaltsrecht. Es soll dem gesellschaftlichen Wandel angepasst werden. Der unverheiratete Vater soll fortan nach der Trennung nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter finanziell unterstützen. Damit würde er den verheirateten Vätern gleichgestellt. So hat es der Nationalrat in der Sommersession beschlossen.

Ausgerechnet Linke und Grüne machen sich für diese Anpassung stark, die sonst über Frauen schnöden, die die tägliche Betreuung des Kindes einer Erwerbstätigkeit vorziehen. Sie zementieren damit das alte Rollenbild, wonach die Mutter nicht für sich selber sorgen kann und vom zahlenden Ex-Partner abhängig ist – ein unselbstständiges Wesen, sozusagen. Drei Fragen:

  1. Weshalb um alles in der Welt sollen Mütter ein Anrecht darauf haben, dass jemand für sie aufkommt?
  2. Sind Frauen, sobald sie Kinder haben, nicht mehr in der Lage, sich selbst zu ernähren?
  3. Macht sie eine Schwangerschaft automatisch behindert und bedürftig?

Sie können mich nun, liebe Leser, als unverbesserlichen Macho qualifizieren. Ich bin fein raus. Die drei rhetorisch gestellten Fragen stammen nicht von mir. Sie stammen von Bettina Weber, Ressortleiterin Gesellschaft bei der «SonntagsZeitung». Sie formulierte die Fragen im Juni im Anschluss an die Debatte im Nationalrat. Den Entscheid findet sie «beleidigend». Er suggeriere, dass Frauen ihrer Biologie hilflos ausgeliefert seien. «Von der Botschaft an junge Mädchen ganz zu schweigen: Sorge dich nicht, werde schwanger, und es wird gesorgt für dich», schrieb sie.

Wenn das eine emanzipierte Frau meint, so will ich ihr nicht widersprechen. Ich frage mich, ob der Ständerat heute seinem Ruf als «Chambre de réflexion» gerecht wird und die Frage reflektiert, ob hier die Richtung stimmt. Vielleicht kommt die von Männern dominierte Runde zum selben Schluss wie Bettina Weber. Das wäre mutig.

Das Hamstern von Gold ist das falsche Rezept

claude chatelain am Sonntag, den 30. November 2014

Selbst bei den grössten Abstimmungsschlappen finden die Verlierer eines Volksbegehrens Argumente, weshalb ihre Initiative eine gute Sache war. Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann macht als Präsident des Initiativkomitees keine Ausnahme.

Lukas Reimann

Lukas Reimann

«Wir konnten ein Thema aufs Tapet bringen, das bisher niemand beachtete», sagte Reimann gestern im Schweizer Fernsehen. Die Schweiz sei auf Gedeih und Verderb vom Euro abhängig. Damit kritisierte Reimann die Nationalbank, weil sie die Bilanzsumme aufbläht, um mit grossen Stützungskäufen den Eurokurs nicht unter 1.20 Franken fallen zu lassen. Denn hätte das Schweizervolk der Goldinitiative zugestimmt, wäre der Handlungsspielraum der Nationalbank derart eingeschränkt worden, dass sie ihren geldpolitischen Auftrag womöglich nicht mehr hätte ausführen können. Man muss freilich wissen, dass die massiven Stützungskäufe der Nationalbank noch gar kein Thema waren, als sich Reimann und seine Mitstreiter auf Unterschriftenjagd begaben. Im Nachhinein den Anschein zu erwecken, man habe die Initiative lanciert, um eine Debatte über Sinn und Unsinn von Stützungskäufen loszutreten, ist darum ziemlich unverfroren.

Weltweit pumpen Zentralbanken Milliarden in den Kreislauf und blähen ihre Bilanzsummen auf. Da kann man sich tatsächlich fragen, ob das gut kommt. Sollten Experten wider Erwarten die Meinung vertreten, die Nationalbank müsste ihre Stützungskäufe abbrechen und die Bilanzsumme herunterfahren, so wäre das Hamstern von zig Tonnen Gold, die man nie mehr verkaufen dürfte, definitiv das falsche Rezept.

Rezept gegen den Schuldenberg: Man büsst die Banken

claude chatelain am Montag, den 24. November 2014

Westliche Staaten leiden unter einer enormen Schuldenlast. Nach Lehrbuch gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Schuldenberg abzutragen:

  1. Man kann die Schulden weginflationieren. Sinkt der Wert des Geldes, nimmt auch die relative Höhe der Schulden ab.
  2. Man könnte die Ausgaben drosseln und damit im Haushaltbudget Gewinne statt Defizite schreiben.
  3. Man könnte die Steuern erhöhen, um auf diesem Weg mehr einzunehmen, statt auszugeben.

Die Amerikaner, um Innovationen nicht verlegen, haben eine neue Methode entdeckt, die in keinem Lehrbuch steht: Sie büssen die Banken. Opfer dieser Politik sind nicht nur globale Investmentbanken. Auch auf kleinere Institute hat es die schuldengeplagte Weltmacht abgesehen. Dazu zählen Geldhäuser wie Postfinance, Valiant, Migros-Bank, Bank Coop, Berner Kantonalbank und zahlreiche andere Kantonalbanken. Sie alle haben sich im Steuerstreit mit den USA in die Kategorie zwei einteilen lassen. Das bedeutet, dass sie sich offiziell schuldig bekennen, US-Steuerrecht gebrochen zu haben. Dies in der Hoffnung, sich mit der Zahlung einer Busse aus dem Würgegriff der US-Justiz befreien zu können.

Gemäss der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer sollte jedoch nicht der Verdacht aufkommen, die Amis hätten es allein auf Schweizer Banken abgesehen. Die Rangliste der bisher auferlegten Bussen geben ihr recht:

  • Bank of America: 17 Milliarden
  • J.P.Morgan: 13 Milliarden
  • BNP Paribas: 9  Milliarden
  • Citigroup: 7 Milliarden
  • Credit Suisse: 2,6 Milliarden
  • UBS: 800 Millionen.

Laut Handelskammer haben Banken in den USA in den letzten fünf Jahren Bussen in  Höhe von über 110 Milliarden Dollar bezahlt.

110 Milliarden? Die Staatsverschuldung der USA türmt sich auf 18500 Milliarden Dollar. Die genannten 110 Milliarden entsprechen also nicht mal einem müden Prozent. Uncle Sam muss sich wohl noch etwas anderes einfallen lassen, um der grassierenden Verschuldung Herr zu werden.