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Über das Schummeln in der Steuererklärung

claude chatelain am Montag, den 13. April 2015

indexSeit 2010 können sich Steuerhinterzieher selber anzeigen und kommen damit straflos davon. Kürzlich konnten wir erfahren, dass sich  im Kanton Bern seit Einführung der straflosen Selbstanzeige 2950 Personen gemeldet und insgesamt 83,8 Millionen Franken in die Kantonskasse nachbezahlt haben.

Das erinnert mich an einen Artikel, den ich vor langer Zeit über Steuerhinterziehung geschrieben hatte. Ich sprach damals von Schummeln, was einen Steuerjuristen ziemlich auf die Palme trieb. Erzürnt schrieb er mir, Steuerhinterziehung könne man nicht mit «schummeln» umschreiben. Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt.

Wenn ich aber bedenke, dass man bei einer Selbstanzeige straflos davonkommt, hat für mich Steuerhinterziehung sehr wohl den Charakter eines Kavaliersdelikts. Seien wir ehrlich: Wer hat nicht schon daran gedacht, bei den Berufskosten etwas mehr Kilometer anzugeben, als in Wirklichkeit für den Arbeitsweg zurückgelegt worden sind?  Wer erlag noch nie dem Hang, den Anteilschein von Mobility oder gar ein kleines Nebeneinkommen zu vergessen? Klassische Beispiele von Steuerhinterziehung.

Definitiv kein Kavaliersdelikt ist der Steuerbetrug. Er  ist im Unterschied zur Steuerhinterziehung ein strafrechtlicher Tatbestand. Er wird von der Justiz und nicht nur von der Verwaltung geahndet. Steuerbetrug begeht, wer für die Steuerhinterziehung falsche oder gefälschte Urkunden oder Belege einreicht.

Nochmals etwas anderes ist die Steuerumgehung: Gemeint ist hier das Ausnützen gesetzlicher Möglichkeiten, die grundsätzlich nicht für diese Situation geschaffen worden sind. Eine so verstandene Steuerumgehung ist nicht strafbar. Doch die Behörde kann korrigierend eingreifen, wenn  sie es für angemessen erachtet.

Der eingangs zitierte Steuerjurist meinte übrigens, man merke aufgrund meiner Wortwahl, dass ich kein Jurist sei. Stimmt. Ich bin Ökonom, stets bemüht, mich verständlich auszudrücken.

Axa weiss auf drei Kommastellen genau, wie lang ihre Versicherten leben

claude chatelain am Samstag, den 4. April 2015

Zufällig gesehen, zu welchen Sätzen die Axa-Winterthur das überobligatorische Guthaben in Renten umwandeln will?  Heute beträgt der Umwandlungssatz bei der Axa für Männer 5,604 und für Frauen 5,601 Prozent. Der Unterschied beträgt hier also 0,003 Prozentpunkte, wenn ich das richtig verstanden habe. Frauen erhalten ein Mü weniger, weil sie länger leben und damit im Schnitt  länger eine Rente beziehen.

Wie in der Samstagsausgabe berichtet, senkt der Schweizer Ableger des französischen Versicherungsmultis ab nächstem Jahr schrittweise die Renten für Leute, die ab nächstem Jahr in Pension gehen. Ab 2018 beträgt der  Umwandlungssatz für Mann und Frau identisch 5 Prozent.

Spannend finde ich den Umwandlungssatz, der ab 2017 gültig sein wird. Dieser Satz gilt  für Frauen und Männer mit Jahrgang 1952. Hier beträgt der Umwandlungssatz für Männer 5,174 und für Frauen 5,176 Prozent. Ein Unterschied von 0,002 Prozentpunkten. Kein Druckfehler,  liebe Leser, jedenfalls nicht von mir. Für diesen Jahrgang erhalten Frauen eine höhere Rente als Männer. Axa weiss auf drei Komastellen genau, wie lang ihre weiblichen und männlichen Versicherten leben. Leben demnach die Frauen mit Jahrgang 1952 weniger lang als  Männer gleichen Jahrgangs? Keine Ahnung.

Schon fast sympathisch ist mir der ab 2018 gültige  Umwandlungssatz von 5 Prozent. Er ist zwar alles andere als hoch, dafür einfach und klar, für Frau und Mann identisch. Kein Kommanullnullnull und so.

Was ist in die Versicherungsmathematiker der Axa-Winterthur gefahren, plötzlich etwas zu vereinfachen? Eine Zahl zu runden? Frau und Mann gleich zu behandeln wie bei einer Sozialversicherung?

Sozialversicherung? Der Begriff ist mir herausgerutscht. Klar: Die 2.Säule der beruflichen Vorsorge wäre sehr wohl eine Sozialversicherung. Doch die Axa-Winterthur und andere Player sind börsenkotierte Unternehmen. Sie wollen mit der 2.Säule Geld verdienen und im Fall der Axa nach Frankreich abliefern. Haarscharf rechnen wollen sie auch. Auf drei Kommastellen genau.

Über nervige Firmensprecher

claude chatelain am Montag, den 30. März 2015

Kürzlich fragte ich bei einer Lebensversicherung, weshalb der Verkauf privater Leibrentenversicherungen gestoppt wurde.  Leider können Fachjournalisten solche Fragen nicht mehr mit einem Fachmann besprechen, stattdessen wird man von einem Kommunikationsexperten mit Floskeln abserviert. So schrieb mir besagter Sprecher: «Wir prüfen die technischen Aspekte unserer Produkte fortlaufend vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklungen». Dass ein Versicherungskonzern die Produkte laufend überprüft — mein Gott, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.

Noch schlimmer ein anderes Beispiel: Ich fragte einen (anderen) Lebensversicherer, ob es stimme, dass bei Scheidungen das Kapital, das die Frau vom Ex-Mann erhält, in den  schlechter verzinsten, überobligatorischen  Topf ihrer Pensionskasse gelange. Das hätte ich jüngst in einer Konsumentenzeitschrift gelesen. Ein Sprecher beteuerte mir darauf am Telefon, dass sich die Praxis  geändert habe. Neu könne die Versicherte  selber entscheiden, wie viel in den obligatorischen und wie viel in den überobligatorischen Topf gelange. Ich sagte: das könne nicht stimmen. Er fragte: Warum kann das nicht stimmen? Ich sagte, weil doch niemand freiwillig das Geld in den schlechter verzinsten Topf überweisen liesse. Und vom Geld, das sich  im überobligatorischen Topf befindet, gebe es ja  eine deutlich tiefere Rente. Offensichtlich verstand der Sprecher das Problem nicht.

Er fragte intern nochmals nach und bestätigte mir schriftlich, dass «PK-Gelder nach einer Scheidung gemäss ihrer Herkunftsdeklaration zugewiesen würden. Sprich: Gelder aus dem Obligatorium werden im Obligatorium, und Gelder aus dem Überobligatorium werden im Überobligatorium verbucht.»

Was wäre geschehen, wenn ich den Stuss geschrieben hätte, den mir der Sprecher zuerst erzählte? Man hätte mir gesagt: Ich hätte keine Ahnung. Ich hätte schlecht recherchiert. Versicherungsmanager behaupten, sie hätten die Kommunikationsabteilung ausgebaut, um die Arbeit von Journalisten zu erleichtern. Ich nehme das Gegenteil wahr.

Wenn Stiftungsräte befangen sind – und trotzdem über die Sanierung befinden

claude chatelain am Montag, den 23. März 2015

Als Arbeitnehmervertreter in der Pensionskasse meines früheren Arbeitgebers  setzte ich mich jeweils für eine höhere Verzinsung des Alterskapitals ein. Wir hatten das Beitragsprimat und einen Deckungsgrad von deutlich über 100 Prozent. Je höher die Verzinsung, desto grösser die Leistungen im Alter und desto grösser das Kapital, das Arbeitnehmer beim Stellenwechsel in die neue Pensionskasse überweisen können.

Selbstverständlich stimmten die anderen Arbeitnehmervertreter mit mir; und alle Arbeitgebervertreter stimmten gegen mich. Sie wollten verhindern, dass der Firmeninhaber bei einer allfälligen Unterdeckung Geld einschiessen muss. Den Stichentscheid fällte der aussenstehende Präsident, der bei Parität meistens gleich stimmte wie der CEO.

Ausgerechnet bei meinem letzten Auftritt als Arbeitnehmervertreter konnte ich im Stiftungsrat eine Mehrheit gewinnen. Einer der Arbeitgeber stellte sich auf unsere Seite. Er leitete die Immobilienabteilung und dürfte daher einen tollen Zapfen erhalten und somit ein stolzes Pensionskassenguthaben beisammengehabt haben. Warum stimmte jener Arbeitgebervertreter plötzlich im Interesse der Arbeitnehmer? Bingo: Der Mann stand kurz vor der Pensionierung. 1 Prozentpunkt mehr oder weniger Zins auf seinem Kapital von über einer Million Franken macht über 10000 Franken aus. Der CEO sagte ihm leicht säuerlich: «So, jetzt hast du deine Rente schön  aufpoliert.»

Stiftungsräte sind befangen. Das gilt gerade bei jenen, die kurz vor der Pensionierung stehen. Und das gilt erst recht für Arbeitgebervertreter, die faktisch Arbeitnehmer sind. Denn bei Pensionskassen der öffentlichen Hand werden die Interessen des Arbeitgebers, sprich Steuerzahlers, häufig von Gemeinderäten vertreten. Muss nun eine solche Kasse saniert werden, haben  ältere Stiftungsräte ein ureigenes Interesse, die Sanierung und allfällige Leistungskürzungen möglichst hinauszuschieben. Zugunsten ihrer Rente und zulasten des Steuerzahlers.

Non olet. Geld stinkt nicht. Hier stinkt das System.

Aus dem BLVK-Debakel keine Lehren gezogen

claude chatelain am Sonntag, den 22. März 2015

Wieder ist der Stiftungsrat einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung unter Beschuss geraten. Daran haben wir uns im Kanton Bern gewöhnt. Das Debakel rund um die Bernische Lehrerversicherungskasse (BLVK)  ist in bester Erinnerung.

Mit der Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO) ist nun eine vergleichsweise kleine Einrichtung in die Schlagzeilen geraten. Nach Einschätzung von Colette Nova, im Bundesamt für Sozialversicherungen zuständig für die berufliche Vorsorge, hat der Stiftungsrat versagt. Das schrieb sie in einem 13-seitigen Papier, weil sie ebenfalls im Grossen Gemeinderat die SP vertritt und damit als Steuerzahlerin direkt betroffen ist. «Die Unterdeckung der Pensionskasse wäre bei guter Leistung durch den Stiftungsrat weitestgehend vermeidbar gewesen», steht im Papier, das sie zusammen mit Hans Flury, dem ehemaligen Finanzchef der BLS verfasste.  Nun werden die Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Interessant ist ein Phänomen, dass immer wieder zu beobachten ist: Stiftungsräte sind persönlich betroffen, wenn es um Sanierungen geht. Das gilt insbesondere für die älteren Semester. Exemplarisch kann man  das am Beispiel von  Beat Giauque aufzeigen, dem langjährigen Gemeindepräsidenten von Ittigen, der Ende März 2015 in Pension geht. Hätte er sich als Stiftungsrat für jene Massnahmen eingesetzt, welche man laut Nova und Flury schon vor Jahren hätte treffen sollen, nämlich den Wechsel ins Beitragsprimat mit der einhergehenden Kürzung der Renten, so kriegte er heute eine deutlich tiefere Rente.

Womit ich nicht gesagt haben will, dass Beat Giauque aus persönlichem Interesse so und nicht anders handelte. Er vertraute wohl wie andere  Stiftungsräte  auf den Pensionskassen-Experten der Firma AON Hewitt, der jeweils der Stiftungsaufsicht rapportierte, wonach man mit der  Sanierung der Pensionskasse auf Kurs sei.

Nicht verhehlen möchte ich aber an dieser Stelle, dass Beat Giauque seit 2002 für die FDP im Grossen Rat sitzt und sich im Herbst um die Wiederwahl bemüht. Als Grossrat  hat er das Debakel rund um die BLVK und die teuren Folgen für den Steuerzahler hautnah miterlebt.  Schade, dass er als langjähriger Stiftungsrat der PVS BIO daraus keine Lehren gezogen hat.

 

Das Problem mit den zwei Umwandlungssätzen

claude chatelain am Montag, den 16. März 2015

rentenklauHeute vor elf Jahren enthüllte der «Blick» folgenden Skandal. Er erzählte von einer  geschiedenen  Frau  aus einem Dorf nördlich von Bern. Bei der Scheidung vier Jahre zuvor erhielt sie bei der Teilung des  Pensionskassenkapitals  300'000 Franken. Ihr  Ex-Mann verdiente gutes Geld.

Nach der Scheidung hatte die Winterthur  der teilzeitbeschäftigten Frau vorgerechnet, dass sie bei der Pensionierung mit einer Rente von jährlich 32417 Franken rechnen könne. Ein paar Jahre später dann der Hammer: Die Frau erhielt einen  aktuellen Versicherungsausweis, wonach sie sich mit 21475 Franken begnügen müsse,  33 Prozent beziehungsweise 1000 Franken pro Monat weniger.

Was war geschehen? Die Versicherungsgesellschaften hatten damit angefangen,  obligatorische und überobligatorische Guthaben mit unterschiedlichen Sätzen in Renten umzuwandeln: den obligatorischen mit den damals gesetzlich vorgeschriebenen 7,2 Prozent, den überobligatorischen bloss mit lächerlichen  5,356 Prozent. Mit nicht zu überbietender Dreistigkeit stufte die Winterthur die  300'000 Franken als überobligatorisch ein, was zu dieser drastischen  Rentenkürzung führte und den Begriff «Rentenklau» rechtfertigte.

Logisch, dass nicht nur linke Politiker aufschrien. Mittlerweile sind  Vorsorgeeinrichtungen dazu übergegangen,  bei Scheidungen nicht das gesamte Guthaben in den überobligatorischen und damit schlechter verzinsten Topf zu werfen.  Doch eine gesetzliche Regelung fehlt. Deshalb ist nicht immer klar, wie weit freiwillige Einkäufe oder Kapitalien aus Scheidungen in den besser verzinsten obligatorischen oder den schlechter verzinsten überobligatorischen Topf gelangen.

Warum wiederhole ich diese Geschichte?

  • Weil man solche Missstände nicht genug wiederholen kann.
  • Weil es unerträglich ist, dass die Vorsorgeeinrichtungen  die obligatorischen und die überobligatorischen Guthaben mit unterschiedlichen Sätzen in eine Rente umwandeln.
  • Weil ich es war, der damals vor elf Jahren die Geschichte über die geprellte Frau enthüllte.

Bescheidenheit war noch nie meine Tugend.

Über die wahre Heiratsstrafe

claude chatelain am Montag, den 9. März 2015

UnbenanntLetzte Woche wurde im Parlament viel über die  Heiratsstrafe geredet. Wie wir wissen, sind  viele bestraft, wenn sie heiraten. Schon der Philosoph Arthur Schopenhauer wusste: Mit der Heirat werden die Rechte halbiert und die Pflichten verdoppelt.

Die CVP versteht unter Heiratsstrafe die steuerliche Benachteiligung gewisser Ehepaare. Sie reichte dazu eine Verfassungsinitiative ein. Mich belustigt, wie diese wirkungsarme Initiative einen derartigen Lärm zu verursachen vermag: Lediglich 6 Prozent der Ehen sind betroffen. Und dies zu relativ bescheidenen Beträgen. Diese Zeitung hat in der Ausgabe vom Donnerstag ein paar Beispiele herausgepflückt.  Im Beispiel mit der höchsten Strafe beträgt diese 2386 Franken.

Eine zusätzliche Steuerbelastung von 2386 Franken  mag für manchen viel Geld sein – und doch ist es ein Klacks im Vergleich zur echten Heiratsstrafe, welche im Alter zum Tragen kommt. Nämlich dann, wenn beide Ehepartner rentenberechtigt sind.  Dann darf  die Summe der beiden Einzelrenten nicht höher sein als 150 Prozent der Maximalrente. 57 Prozent der Ehepaare hätten Anspruch auf die Maximalrente von 28'200 Franken pro Jahr. Zusammen kämen sie auf 56400 Franken. Wegen der Plafonierung gibts aber bloss 42'300 Franken. Die maximale Strafe beträgt  14100 Franken.

Der Bundesrat findet, man dürfe die Plafonierung der AHV-Rente nicht isoliert betrachten. Würden auch die übrigen Leistungen wie Witwenrente, Beitragsbefreiung und IV mitberücksichtigt, bestünde bei einer Gesamtbetrachtung keine Benachteiligung für Ehepaare.

Diese Betrachtung ist ein kleiner Trost, wenn man  Ende Jahr 14000 Franken weniger auf dem Konto hat als Konkubinatspaare in gleichen  finanziellen Verhältnissen. Nach Auskunft von AHV-Ämtern soll es nur vereinzelt vorkommen, dass Ehepaare vor der Pensionierung die Scheidung einreichen, um der Heiratsstrafe zu entgehen. Ich denke jedoch: Viele nicht ganz taufrische Paare meines Alters, welche sich in der zweiten Runde befinden, dürften es sich zweimal überlegen, ob ihnen das Jawort über 1000 Franken pro Monat wert ist.

Mitte Januar tüchtig Aktien gekauft?

claude chatelain am Montag, den 2. März 2015
Die Aktien steigen wieder. Starker Franken hin oder her.

Die Aktien steigen wieder. Starker Franken hin oder her.

Ich hoffe, Sie haben am 15.Januar tüchtig Schweizer Aktien gekauft. Nein? Selber schuld. Schliesslich lautet eine anerkannte Börsenregel «Buy on bad news». Bad News waren der Wortbruch der Nationalbank alleweil, den  Euromindestkurs von 1.20 Franken nicht mehr zu garantieren, wie sie das an jenem Donnerstag bekannt gegeben hatte. Die schlechte Nachricht sorgte an der Schweizer Aktienbörse für einen Taucher von 15 Prozent. Vielleicht sahen Sie vom Aktienkauf ab, weil Sie sich von der aufflammenden Untergangsstimmung anstecken liessen und befürchteten, die Kurse würden ins Bodenlose fallen. Schade, denn die Aktien haben sich seither  wieder  hochgerappelt. Der Swiss Performance Index (SPI) liegt wieder über dem Stand von Anfang Jahr.

Warum haben sich die Aktien trotz jener schlechten Nachricht wieder erholt? Vermutlich erinnerten sich die Aktionäre daran, dass gewisse Exponenten der Wirtschaft gelernt haben, zu jammern, ohne zu leiden. Schon mein Vater pflegte zu sagen: «Guet gjammeret isch haub buuret.» Von den Bauern haben Wirtschaftskapitäne und deren Lobbyisten gelernt. Mir brummen noch heute die Ohren ob des Lärms, den die Wirtschaft in den Jahren 2010 und 2011 verursachte. Im Frühjahr 2010 kostete ein Euro noch 1.45 Franken. Als der Wechselkurs im Juni 2010 auf unter 1.40 rutschte, ging das Gejammer los. Es wurde immer lauter, als der Euro für weniger als 1.30 zu haben war. Im Juni des folgenden Jahres fiel der Euro auf unter 1.20, was den Lärmpegel auf ein ohrenbetäubendes Niveau ansteigen liess. Als dann die Parität erreicht war, schnürte ein angeblich liberaler Wirtschaftsminister auf Druck linker und angeblicher liberaler Parteien ein Hilfspaket. Wenig später fixierte die Nationalbank den Wechselkurs auf 1.20.

Das in Eile geschnürte Hilfspaket blieb weitgehend ungeöffnet, denn mit einem Eurokurs von 1.20 Franken liess sich anscheinend sehr gut leben. Die Unternehmen schütteten in den Folgejahren  trotz früherer Hiobsbotschaften rekordhohe Dividenden aus. Die Gewerkschaften konnten keinen Mangel an Arbeitsplätzen beklagen, dafür beklagte die Exportindustrie dank des guten Auftragseingangs einen Mangel an Fachkräften.

Merke: Wenn die Wirtschaft jammert, heisst das noch nicht, dass die Dividenden unter Druck geraten.

 

 

Mit der Familieninitiative wird das Steuergesetz kaum vereinfacht

claude chatelain am Montag, den 23. Februar 2015
66-25139484

Familien profitieren von allerhand Kinderabzügen. Warum ein einfaches Gesetz verabschieden, wenn es kompliziert auch geht?

Bei der Familieninitiative, über die wir am 8.März abstimmen, geht es wie meistens ums Geld.  Die Befürworter wollen die Kinder- und Ausbildungszulagen von der Einkommenssteuer befreien. Und die Gegner sagen, die Schweiz könne sich den Steuerausfall nicht leisten.

Ich habe Mühe mit dieser Debatte. Ich sehe nicht ein, weshalb man auf der einen Seite Kinderzulagen besteuert und auf der anderen Seite die Familien mit allerhand Kinderabzügen wieder entlastet. Falls gewisse Kantone den Steuerausfall nicht hinnehmen wollen, können sie den Kinderabzug kürzen. Wir hätten ein Nullsummenspiel.

Der Gesetzgeber will jedem Spezialfall gerecht werden. Deshalb handelt er nach dem Motto: Warum ein einfaches Gesetz verabschieden, wenn es kompliziert auch geht? Ganze 58 Seiten umfasst das Kreisschreiben, das die Eidgenössische Steuerverwaltung zur «Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer» verfasste. Das Merkblatt 12 der Steuerverwaltung des Kantons Bern unterscheidet zwischen zehn verschiedenen Kinderabzügen.

Besonders geschiedene Eltern stehen vor der sportlichen Frage, wer  den entsprechenden Abzug vornehmen darf, ob der Vater oder die Mutter oder beide oder keiner von beiden. Beim einen Abzug ist es der Vater; beim anderen ist es die Mutter. Unter Umständen wird die geschiedene Mutter den Kinderabzug für die 13-jährige Tochter und der Vater den gleichen Abzug für den mündigen, in Ausbildung befindlichen Sohn vornehmen.

Mehr und mehr Leute sind nicht mehr in der Lage, die Steuererklärung selber auszufüllen. Sie müssen einen Steuerexperten anheuern, nicht nur wegen der Kinderabzüge. Das Steuergesetz ist kompliziert und wird immer komplizierter. Das ist das wahre Problem.

Wer am 8.März ein Ja in die Urne legt, wird an diesem Hauptproblem nichts ändern. Wer ein Nein einwirft, auch nicht.

An die höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen

claude chatelain am Montag, den 16. Februar 2015

Eine arme Witwe schreibt dem Christkind einen Brief: «Liebes Christkind, ich bin sehr arm, bitte schicke mir 100 Franken.» Der Brief gelangt irgendwie zu ihrer Bank,  wo sofort eine Sammlung durchgeführt wird. Sie bringt immerhin 90 Franken zusammen. Das Geld schickt sie der Frau. Die Witwe schreibt in ihrer Dankbarkeit zurück: «Liebes Christkind, vielen Dank für das Geld. Aber schicke es das nächste Mal nicht mehr an die Bank, denn diese Gauner haben mir gleich 10 Prozent Bearbeitungsgebühr abgezogen.»

Weihnachten ist zwar vorüber; doch der Ärger über die Gebührenpolitik der Banken ist immer noch akut. Bankkunden staunen, dass das Konto nicht mehr spesenfrei ist oder dass die Bank die Gebühren erhöht. Weil die Banken  mit dem Zinsdifferenzgeschäft kaum mehr Geld verdienen, holen sie es  anderswo herein, eben mit Gebühren. Zur Präzisierung: Das Führen eines Kontos kostete die Banken  schon immer Geld, nur dass sie auf Spesen verzichteten, weil sie mit dem Zinsdifferenzgeschäft genug verdienten.

An all die neuen und höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Banken verlangen höhere und neue Gebühren.

Eine Gebührenerhöhung ist auch auf Wertschriftendepots zu erwarten. Sogar auf den Depots von Vorsorgefonds 3a wird mitunter eine Gebühr erhoben. Diese Gebührenerhöhung ist freilich nicht mit dem raueren Wind zu erklären, der den Banken um die Fassade bläst.  Sie ist vielmehr eine Folge erhöhter Transparenz. Denn wenn eine Bank im Auftrag des Kunden Fondsanteile kauft, erhält sie von der Fondsgesellschaft eine Provision, genannt Retrozession oder Kickback. Doch das Bundesgericht hat wiederholt bekräftigt, dass die Banken solche Retros nicht telquel in den eigenen Sack stecken dürfen. Deshalb setzen mehr und mehr Institute auf retrofreie Fonds. Damit entgeht ihnen die Verkaufsprovision, die sie nun mit einer höheren Depotgebühr kompensieren.

Solange üppige Zinsen fliessen oder die Finanzmärkte boomen, stört sich der Bankkunde nicht an den Gebühren. Wenn aber die Spesen höher sind als der Zinsertrag, so tut das doppelt weh:  Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.