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Rezept gegen den Schuldenberg: Man büsst die Banken

claude chatelain am Montag, den 24. November 2014

Westliche Staaten leiden unter einer enormen Schuldenlast. Nach Lehrbuch gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Schuldenberg abzutragen:

  1. Man kann die Schulden weginflationieren. Sinkt der Wert des Geldes, nimmt auch die relative Höhe der Schulden ab.
  2. Man könnte die Ausgaben drosseln und damit im Haushaltbudget Gewinne statt Defizite schreiben.
  3. Man könnte die Steuern erhöhen, um auf diesem Weg mehr einzunehmen, statt auszugeben.

Die Amerikaner, um Innovationen nicht verlegen, haben eine neue Methode entdeckt, die in keinem Lehrbuch steht: Sie büssen die Banken. Opfer dieser Politik sind nicht nur globale Investmentbanken. Auch auf kleinere Institute hat es die schuldengeplagte Weltmacht abgesehen. Dazu zählen Geldhäuser wie Postfinance, Valiant, Migros-Bank, Bank Coop, Berner Kantonalbank und zahlreiche andere Kantonalbanken. Sie alle haben sich im Steuerstreit mit den USA in die Kategorie zwei einteilen lassen. Das bedeutet, dass sie sich offiziell schuldig bekennen, US-Steuerrecht gebrochen zu haben. Dies in der Hoffnung, sich mit der Zahlung einer Busse aus dem Würgegriff der US-Justiz befreien zu können.

Gemäss der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer sollte jedoch nicht der Verdacht aufkommen, die Amis hätten es allein auf Schweizer Banken abgesehen. Die Rangliste der bisher auferlegten Bussen geben ihr recht:

  • Bank of America: 17 Milliarden
  • J.P.Morgan: 13 Milliarden
  • BNP Paribas: 9  Milliarden
  • Citigroup: 7 Milliarden
  • Credit Suisse: 2,6 Milliarden
  • UBS: 800 Millionen.

Laut Handelskammer haben Banken in den USA in den letzten fünf Jahren Bussen in  Höhe von über 110 Milliarden Dollar bezahlt.

110 Milliarden? Die Staatsverschuldung der USA türmt sich auf 18500 Milliarden Dollar. Die genannten 110 Milliarden entsprechen also nicht mal einem müden Prozent. Uncle Sam muss sich wohl noch etwas anderes einfallen lassen, um der grassierenden Verschuldung Herr zu werden.

Wenn Juristen über die Goldinitiative parlieren

claude chatelain am Dienstag, den 18. November 2014

Mindestens 20 Prozent der Nationalbankreserven sollen in Gold angelegt sein. Das verlangt das Volksbegehren, über das wir am 30. November abstimmen. Ist das sinnvoll? Das wäre eine Frage für Ökonomen. Doch in den Parlamentsdebatten ergriffen vor allem Juristen das Wort:

Rechtsanwalt Luzi Stamm (SVP, AG): «Es braucht Gold, um dem Franken einen glaubwürdigen Rückhalt zu geben, damit jedermann sieht, dass es hinter dem Franken auch Gold gibt.»
Frage: Haben wir heute nicht das Problem, dass das Vertrauen in den Franken zu stark ist?

Jurist Lukas Reimann (SVP, SG): «Das Aufblähen der Geldmenge ist bequem. Es handelt sich um eine unsichtbare Steuer, die sich beliebig erhöhen lässt.»
Frage: Hätte die Nationalbank den Frankenkurs nicht stützen sollen?

Advokat Yves Nydegger (SVP, GE): «Die Vereinigten Staaten führen gegen uns einen Wirtschaftskrieg. Unser Gold beim Feind zu hinterlegen, zeugt nicht von sehr grosser Intelligenz.»
Frage: Ist Ihnen entgangen, dass das Schweizer Gold schon längst nicht mehr in den Bunkern der New Yorker Federal Reserve Bank liegt?

Umweltberater Beat Jans (SP, BS): «Die Initiative ist nichts anderes als ein weiterer Versuch der SVP, die Nationalbank zu schwächen. Den verbissenen Kampf gegen den Präsidenten gewann die SVP; Philipp Hildebrand musste gehen.»
Frage: Musste Hildebrand nicht wegen privater Devisengeschäfte gehen?

Dr. iur. Andrea Caroni (FDP, AR): «Wir wissen seit Goethe, dass alles am Golde hängt und alles zum Golde drängt. Heute Nachmittag aber haben Sie gehört, dass eben doch nicht alles Gold ist, was glänzt.»
Frage: Wo sehen Sie bei dieser Initiative einen Glanz?

Ständerätin Anita Fetz (SP, BS): «Es ist nicht alles Gold, was glänzt.»
Frage: Beschäftigen SP und FDP den gleichen Ghostwriter?

Nochmals Rechtsanwalt Luzi Stamm: «Es ist ganz offensichtlich, dass die Nationalbank nach dem Takt tanzt, den die USA und die Europäische Zentralbank vorgeben.»
Frage: Tanzt die Nationalbank nicht eher nach dem Takt der Wirtschaft, um den Eurokurs bei 1.20 Franken zu halten?

Zwischendurch ergriff auch ein Ökonom das Wort. Roland Fischer (GLP, LU): «Was nützen uns Tausende von Tonnen Gold, wenn wir diese im Krisenfall nicht verkaufen dürfen?»
Gute Frage.

Asche auf mein Haupt: Ich habe Steuern optimiert

claude chatelain am Montag, den 10. November 2014

Liebe Bernerinnen und Berner, ich will mich bei Ihnen aufrichtig entschuldigen. Asche auf mein Haupt. Mea culpa. Ich habe Steuern optimiert.

Als geschiedener Vater zahle ich Unterhaltsleistungen und Kinderalimente, die ich hemmungslos vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringe. Und noch schlimmer: Ich überweise der Pensionskasse jährlich einen stolzen Betrag, was meine Steuerschuld erheblich entlastet. Ich zahle praktisch keine Einkommenssteuern. Shame on me.

Wie ich letzte Woche vernommen habe, müsste ich mich dafür eigentlich gar nicht entschuldigen, denn ich werde mir bei der Pensionierung die lebenslängliche Rente und nicht das Kapital auszahlen lassen. Damit soll ich angeblich unter dem Strich gar keine Steuern sparen.  Denn ich muss nach der Pensionierung die Rente zu hundert Prozent als Einkommen versteuern. Um das zu erklären, hat letzte Woche eine prominente (Pauschal-)Steuerexpertin eigens eine Medienkonferenz einberufen.

Selbstverständlich werde ich auch nächstes Jahr wieder Steuern optimieren. Ich werde weiterhin freiwillig in die Pensionskasse einzahlen, den entsprechenden Betrag steuerlich geltend  machen und mich dann bei Ihnen entschuldigen.

Und überhaupt: Unter Umständen werde ich meine Rente doch nicht versteuern. In Südafrika, wo ich nach der Pensionierung vielleicht hinziehe, um mein erbärmliches Golfhandicap zu verbessern, ist das Renteneinkommen steuerbefreit. Ob ich dort als reicher Ausländer pauschalbesteuert würde, weiss ich nicht. On verra.

Eigentlich ist ja Steueroptimierung durchaus legal. Es ist nicht einmal moralisch verwerflich, denn es ist vom Gesetzgeber so gewollt. Sie werden sich deshalb  fragen, liebe Leser, weshalb ich mich denn dafür entschuldige, wenn doch Steueroptimierung legal und vom Gesetzgeber so gewollt ist? Nun, ich weiss das eigentlich selber nicht so genau. Heute macht man das einfach so. Was Politikerinnen recht ist, kann mir nur billig sein.

Ist das Vergehen der Bank Coop schlimmer als jenes der früheren Valiant-Spitze?

claude chatelain am Sonntag, den 2. November 2014
Katja Stauber.

Tagesschausprecherin Katja Stauber berichtet über Marktmanipulationen der Bank Coop.

Tagesschau-Sprecherin Katja Stauber sagte  letzten Mittwoch im Schweizer Fernsehen: «Marktmanipulationen - die Finanzmarktaufsicht Finma belegt den Ex-Chef der Bank Coop mit einem Berufsverbot».  Und während sie das sagte, stand   eingeblendet «Kursmanipulationen». Was jetzt? Marktmanipulationen oder Kursmanipulationen?
Liebe Kollegen vom Leutschenbach: den Unterschied noch nicht  gecheckt? Um ehrlich zu sein: Ich sehe auch keinen faktischen Unterschied. Wer den Markt  manipuliert, um den Aktienkurs zu stützen, manipuliert auch den Kurs. Doch wenn es keinen  faktischen Unterschied gibt, so gibt es  einen juristischen: Bei der Marktmanipulation handelt es sich  laut Finma-Sprecher Tobias Lux «um eine schwere Verletzung von Aufsichtsrecht». Kursmanipulation ist hingegen ein Straftatbestand.  Gemäss Tobias Lux setzt Kursmanipulation eine persönliche Bereicherung voraus. Bei Andreas Waespi, dem Ex-Chef der Coop Bank,  hätte dies nicht  nachgewiesen werden können.
Das führt mich zur Valiant Bank. Auch sie wurde vor zweieinhalb Jahren wegen Marktmanipulation gerügt. Langjährige Valiant-Aktionäre werden sich an dieses düstere Kapitel erinnen, falls sie es nicht verdrängt haben.  Jahrelang hatten die Verantwortlichen den Kurs der eigenen Namenaktien gegen den allgemeinen Markttrend hochgehalten. Der Aktienkurs stieg bis über 200 Franken, ehe er in Raten auf 80 Franken abstürzte.
Aber war da nicht noch ein Optionsprogramm? Hatten  nicht die Verantwortlichen mit diesen Optionen dank dem künstlich hochgehaltenen Aktienkurs üppig Kasse gemacht? Warum also bloss Marktmanipulation und nicht Kursmanipulation? War  keine persönliche Bereicherung im Spiel?
Und noch etwas: Andreas Waespi wurde mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt. Den Job als CEO bei der Aargauer Kantonalbank kann er deshalb nicht antreten. Den  Verantwortlichen der Valiant Bank um Kurt Streit wurden —  trotz Optionsprogramm — kein Berufsverbot auferlegt. Aufgrund dessen, was bekannt ist, wurde hier nicht mit gleichen Ellen gemessen.

 

Franz Kafka in der bernischen Amtsstube

claude chatelain am Sonntag, den 26. Oktober 2014
Franz Kafka

Franz Kafka

Frau C. wähnte sich wie Herr K.in Kafkas Roman «Der Prozess». Sie wollte nichts Geringeres, als die ID ihres 16-jährigen Sohnes erneuern. Sie ersuchte via Internet um einen Termin und  füllte den entsprechenden Fragebogen aus. Darin gab sie an, dass sie über das alleinige Sorgerecht verfüge.

Im Internet las sie, dass alleinerziehende Mütter mit alleinigem Sorgerecht  das Scheidungsurteil mit dem Sorgerechtsentscheid mitbringen müssten. Heja. Es könnte ja sein, dass die Mutter gar nicht über das alleinige Sorgerecht verfügt und der Vater etwas dagegen haben könnte, dass dem 16-jährigen die ID erneuert würde. Dennoch liess Frau C. das Scheidungsurteil zuhause, denn ihr Ex-Mann ist verstorben.

Auf dem Amt an der Effingerstrasse in Bern erklärte Frau C. der pflichtbeflissenen Beamtin, weshalb sie das Scheidungsurteil nicht mitgenommen habe. Doch gemäss der diensthabenden Beamtin, die  ein vergleichbares Verhalten an den Tag legte wie der Untersuchungsrichter in Franz Kafkas «Der Prozess», gibt es keine ID ohne Unterschrift des Vaters. Frau C. wiederholte, was sie eben erst gesagt hatte, dass der Vater verstorben sei und es deshalb saumässig schwierig sei, von ihm eine Unterschrift zu erheischen. Der 16-Jährige verdrehte die Augen. Die Beamtin entschuldigte sich.

Und doch kommt Frau C. nicht umhin, das Scheidungsurteil einzureichen. Es könnte ja sein, dass der Gymnasiast einen Vormund habe, musste sie sich sagen lassen. Nun, gemäss Scheidungsurteil hatte die alleinerziehende Frau C. das gemeinsame Sorgerecht. Mit dem Tod des Ex-Mannes mutierte logischerweise das gemeinsame Sorgerecht zum alleinigen. Und ob der Filius über einen Vormund verfügt oder nicht, steht  nicht im Scheidungsurteil. Trotzdem musste Frau C. das Dokument  nachliefern und, wow, der 16-jährige hat wieder ein ID.

Ich  hoffe, der Sohn von Frau C. wird sich als Matura-Lektüre  «Der Prozess» von Franz Kafka zu Gemüte führen. Seine persönliche Erfahrung wird es ihm erlauben, die  staunenden Experten an der Reifeprüfung davon zu überzeugen, dass die Geschichte des Josef K . keineswegs surreal ist.

Wie sich eine amerikanische Bank betont schweizerisch gibt

claude chatelain am Dienstag, den 21. Oktober 2014
Pinus cembra, auch Arve genannt.

Pinus cembra, auch Arve genannt.

Die Amerikaner machen uns das Leben schwer. Das spüren alle Schweizerinnen und Schweizer, die einen US-Pass oder eine Greencard besitzen und allein deshalb bei Schweizer Banken nicht mehr willkommen sind. Das gilt aber insbesondere auch für die Banken, die auf Geheiss der Amerikaner einen grossen Papierkrieg führen und sogar amerikanische Anwälte beschäftigen müssen, damit diese überprüfen, ob die Bank die Befehle von Uncle Sam ausführt. Jemand muss das bezahlen. Wer, wenn nicht der Kunde?

Schon von der Cembra Money Bank gehört? Das tönt nicht gerade schweizerisch. Doch Tausende von Schweizern erhalten monatlich eine Rechnung von diesem Institut: all die Besitzer einer Mastercard der Migros oder des TCS. Gegen aussen gibt sich Cembra trotz des wenig heimischen Namens betont schweizerisch. «Cembra – Ihr Schweizer Finanzierungspartner», steht auf der Website. «Wir sind eine erfahrene Schweizer Bank, die ihre Kunden und deren Privatsphäre schützt.» Und siehe da: Selbst der Nama Cembra ist nicht so exotisch, wie er klingt. Der Name beziehe sich auf die in den Schweizer Bergen beheimatete Arve Pinus Cembra, steht auf der Website weiter. Sie wachse auf bis zu 2850 Metern Höhe unter schwierigen Bedingungen und könne sogar bei Temperaturen bis minus 45 Grad bis zu tausend Jahre alt werden. «Ein starker Baum für eine starke Marke.» Die Bank mit Hauptsitz Zürich ist nur in der Schweiz mit einem landesweiten Netz von 25 Filialen vertreten. Seit knapp einem Jahr ist sie an der Schweizer Börse kotiert. Keine Frage: Die Cembra Money Bank ist rechtlich eine Schweizer Bank.

Und doch ist Cembra für mich ein US-Institut: 32 Prozent des Aktienkapitals wird von der amerikanischen General Electric kontrolliert. Manchem geht jetzt ein Licht auf: Das nach einem Baum in den Schweizer Bergen benannte Geldhaus ist die vormalige GE Money Bank. Man hat sich von diesem Namen verabschiedet, um nicht auf den ersten Blick als Amerikaner erkannt zu werden. Verständlich.

Warum wir nicht alles Gold in der Schweiz verwahren sollten

claude chatelain am Montag, den 13. Oktober 2014
BANK, GOLDBARREN, GOLDRESERVEN, LAGER, FUELLEN

Es wäre nicht klug, alles Gold in der Schweiz zu horten.

Die Einbruchrate in der Schweiz wächst jährlich zweistellig. Die Fangquote der Verbrecher ist erbärmlich. Hat die Polizei ausnahmsweise einen Einbrecher geschnappt, so kann sich dieser auf eine milde Strafe freuen. Er wird deshalb nicht einsehen, weshalb er nicht weiter seinem Hobby des Einbrechens frönen  soll.

Wegen dieser unerfreulichen Entwicklung würde ich Kurantmünzen, Goldbarren oder andere Edelmetalle nie und nimmer zu Hause aufbewahren, wenn ich welche besässe.

Dieser Gedanke führt mich zur Goldinitiative, über die wir am 30.November abstimmen. Die Initianten wollen  nicht nur einen minimalen Goldbestand des Nationalbankvermögens sicherstellen. Sie wollen auch dafür sorgen, dass sämtliches Gold in der Schweiz verwahrt wird.

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen den Goldbarren, die ich leider nicht habe, und  der Goldinitiative, über die wir glücklicherweise abstimmen dürfen?

In beiden Fällen geht es um den Ort, wo das Edelmetall aufzubewahren ist. Die Initianten betrachten den minimalen  Goldbestand  von 20 Prozent  als vorbeugende Massnahme, weil man kein Schreckensszenario ausschliessen könne. Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm sagte es so: «Gold kann im allerschlimmsten Fall auch zum Notgroschen werden, wenn alle Brücken brechen, wenn es Währungszusammenbrüche und Turbulenzen gibt.»

Wenn wir uns  gegen jedes mögliche Schreckensszenario wappnen müssen, so dürfen wir doch erst recht nicht all unser Gold hierzulande bunkern. Stellen Sie sich  vor,  eine westlich gelegene marode Atommacht marschiert über die Schweizer Grenze und entwendet unser Gold. Lachen Sie nicht:  Schon 1798 mussten wir Berner zuschauen, wie die dreisten Franzosen den Staatsschatz beschlagnahmten.

Sie sehen,  es ist wohl gar nicht so dumm, einen Teil unseres Schatzes in England und in Kanada zu horten. Sicher ist sicher.

Die Gewerkschaften wollen “Erstaunliches” herausgefunden haben

claude chatelain am Dienstag, den 7. Oktober 2014

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat letzte Woche eine eigene Studie präsentiert und dabei laut eigenen Worten «Erstaunliches herausgefunden».

Der SGB hat nämlich herausgefunden, dass «die AHV mit ihrem Preis- Leistungs-Verhältnis die private Vorsorge um Längen schlägt». Die grosse Mehrheit der Schweizer Haushalte bekomme für jeden Franken AHV-Beitrag deutlich mehr Rente, als wenn sie das gleiche Geld auf einem Konto 3a anlegen würde. Bitte sehr: Was ist erstaunlich an diesem Befund?

Ein Ehepaar mit einem gemeinsamen Lohn von 7400 Franken zahlt gemäss einem Rechnungsbeispiel des SGB 10,3 Prozent des Lohnes an die AHV. Mit der Säule 3a hätte das Paar Monat für Monat 22,5 Prozent des Lohns auf das Konto 3a überweisen müssen, um im Alter die gleiche Rente von 3510 Franken zu erhalten.

Pardon: Dieser Vergleich ist absurd. Die Säule 3a wird allein mit dem eigenen Geld finanziert. Bei der AHV profitieren die Rentner dagegen von der Solidarität der Topverdiener. All die Manager und Abzocker mit ihren Millionensalären zahlen ein Vielfaches dessen in die erste Säule, was sie später als Rente beziehen können. Davon profitieren wir Normalsterblichen. Da braucht man nun wirklich keine Studie zu verfassen, um das zu belegen.

Dem SGB ging es bei dieser Übung natürlich darum, Werbung für die AHV zu machen. Das ist sein gutes Recht. Er hat ja die Initiative «AHV plus» eingereicht, welche einen Zuschlag von 10 Prozent auf allen AHV-Altersrenten verlangt. Das Volksbegehren kommt demnächst zusammen mit dem grossen Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» von SP-Bundesrat Alain Berset ins Parlament. Die erste Säule ist schlank und kräftig. An ihr nagen keine Banken und Versicherungen wie bei der zweiten Säule der beruflichen und der dritten Säule der privaten Vorsorge. Es gibt daher genügend Argumente, die für eine starke AHV sprechen. Dazu braucht es keine wirren Vergleiche mit etwas, das gar nicht vergleichbar ist.

Pilotprojekt Einheitskasse in der Romandie

claude chatelain am Montag, den 29. September 2014
Unbenannt

Pierre-Yves Maillard - will er wirklich eine Einheitskrankenkasse?

Der Röstigraben macht mir Sorgen: Wenn sich bei jeder zweiten wichtigen Abstimmung eine Kluft zwischen der deutsch- und der  französischsprachigen Schweiz auftut, so ist das für den Zusammenhalt problematischer, als wenn die Thurgauer und die Nidwaldner das Frühfranzösisch abschaffen. Doch im Fall der Einheitskasse kann ich dem Röstigraben nur Positives abgewinnen. Denn ich sehe nicht ein, weshalb man den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt verwehren soll, eine Einheitskasse einzuführen. Erstens kann man damit die Mehrheit der Romands zufriedenstellen. Zweitens können wir Deutschschweizer gelassen beobachten, wie ein solcher Systemwechsel vonstattengeht. Und ist der Systemwechsel einmal vollzogen, wird man sehen können, welches Modell besser funktioniert.

Wir hätten dann eine Konkurrenzsituation zwischen zwei Systemen, ähnlich wie in der Unfallversicherung. Dort befindet sich die Suva ebenfalls im Wettbewerb mit den Privatversicherern, auch wenn gewisse Branchen keine Wahlfreiheit haben und sich dem Versicherungsschutz der Suva nicht entziehen können. Doch Prämiensteigerungen, Kundenservice und Kostenbewusstsein lassen sich durchaus vergleichen. Die welsche Einheitskrankenkasse stünde dann ebenfalls in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zu den Deutschschweizer Grundversicherern. Nur dass wir im Unterschied zur Unfallversicherung keine branchenspezifische, sondern eine geografische Abgrenzung hätten.

Ich fürchte jedoch, dass sich die Romands diesem Wettstreit der Systeme gar nicht stellen würden. Eine Abstimmung in den entsprechenden Kantonen könnte also sehr gut bachab gehen, wenn sie über eine kantonale und nicht über eine eidgenössische Einheitskasse abstimmen dürfen. Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard, der prominenteste Befürworter der Einheitskasse, hielt sich dieser Tage vornehm zurück, eine welsche Lösung zu fordern. Ihm wird so oder so nachgesagt, dass er eigentlich gar keine Einheitskasse will. Ihm liege vielmehr daran, mit den wiederkehrenden Initiativen die Krankenkassen zu disziplinieren.

Zum Stockwerkeigentum

claude chatelain am Montag, den 22. September 2014

66-24062500Stockwerkeigentum boomt. An gewissen Lagen zahlt man horrende Preise, um vier Wände sein Eigen  nennen zu können. Wobei   nur die Wände und die Ausstattung im Innern im Eigentum eines  einzelnen Stockwerkeigentümers sind.   Treppenhaus,  Dach und insbesondere das Grundstück teilt er mit anderen.

Seit 50 Jahren gibt es in der Schweiz Stockwerkeigentum. Die Häuser aus der Pionierzeit kommen in die Jahre. Sie müssen renoviert werden. Nun kann man unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob die Hausfassade  erneuert werden muss.  Man kann sich auch darüber streiten, ob ein Kinderspielplatz einen Mehrwert oder einen Minderwert darstellt.  Wo die Meinungen über das gemeinsame  Eigentum geteilt sind, ist der Knatsch programmiert.

Mit der Häufung solcher  Streitigkeiten wird sich mancher potenzielle Stockwerkeigentümer  fragen: «Muss ich das haben? Bin ich mit einer Mietwohnung nicht besser bedient?» Ein Mietvertrag ist schnell mal gekündigt, wenn man sich mit Nachbarn schlecht versteht. Eine Wohnung zu verkaufen ist mit deutlich mehr Umtrieben verbunden. Zudem besteht immer auch das Risiko, beim Verkauf weniger Geld zu lösen als man beim Kauf hinblättern musste.

Ich wäre nicht erstaunt, wenn  das Interesse an Wohneigentum aufgrund solcher Geschehnisse  in Zukunft abnehmen wird. Das würde für tiefere Preise sorgen.  Und sollten die Zinsen doch noch einmal anziehen, dann kommen die Preise erst recht unter Druck.

Mancher fragt sich, ob Miete oder Kauf besser rentiert. Mit Rechnungsbeispielen kann man beides beweisen. Für mich ist Immobilienbesitz immer auch eine emotionale Angelegenheit. Doch wenn ich mich wegen eines renitenten Stockwerk-Miteintümers grün und blau ärgern muss, helfen mir Renditeschätzungen  wenig.