Die Versicherten der Pensionskassen zahlen die Zeche für die Vorstösse der Politiker

claude chatelain am Dienstag, den 26. April 2016

Viele Pensionskassen fühlen sich verpflichtet, ihre Anlagestrategie nach sozialen, ökologischen und ethischen Kriterien auszurichten. Das versuchen auch die Bernische Pensionskasse (BPK) oder die städtische Personalvorsorgekasse. Nun hat «Der Bund» geschrieben, dass die beiden Kassen trotzdem in anrüchige Unternehmen investierten. Angeblich besitzen sie Aktien von Textron, Raytheon und General Dynamics, «welche neben anderen Rüstungsgütern auch Streubomben herstellen».

Kein Wunder, dass nun linke Politiker die Messer wetzen und Vorstösse vorbereiten, um diesem Tun einen Riegel zu schieben. Freilich muss man wissen, dass die genannten Kassen ihre Grundsätze zur nachhaltigen Vermögensanlage in keiner Weise verletzten. Im Anlagereglement der BPK steht zum Beispiel, dass die BPK keine Direktanlagen in Unternehmen tätigt, die Atomwaffen oder Streubomben herstellen. Es steht aber nirgends, dass sie in solche Unternehmen keine indirekte Anlagen tätigen darf, also via Anlagefonds, die einen bestimmten Index nachbilden. Anders gesagt: Die BPK besitzt keine Aktien besagter Firmen; sie besitzt nur Anteile von Finanzkonstrukten, die einen Aktienindex replizieren. Zudem steht im Reglement, dass die BPK Investitionen in Unternehmen «wenn möglich vermeidet», die einen erheblichen Anteil ihres Umsatzes in den Sektoren Rüstung, Tabak, Pornografie erzielten. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.

Ich finde, wenn man indirekt 0,5 Prozent des gesamten Portefeuilles in zweifelhafte Unternehmen investiert, so hat man dem Postulat «wenn möglich» Genüge getan.

Laut BPK-Direktor Hansjürg Schwander betragen die Vermögensverwaltungskosten 0,06 Prozent. Könnte die BPK nur Finanzprodukte kaufen, welche hundertprozentig stubenrein sein wollen, müsste sie höhere Kosten in Kauf nehmen. Das hat direkte Auswirkungen auf die Rendite, die Verzinsung der Sparguthaben und damit auf die Höhe der Renten. Die Zeche zahlen nicht die Politiker, die sich mit Vorstössen in Szene setzen. Die Zeche zahlen die Versicherten.

Die Versicherer büssen für die Untaten der Banken

claude chatelain am Dienstag, den 19. April 2016

Die Versicherungsgesellschaften sind schlank durch die Finanzkrise von 2008 gekommen. Das ist bemerkenswert und kann nicht genug wiederholt werden. Und doch müssen auch sie für die Finanzkrise einen hohen Preis zahlen. Ausgedrückt wird dieser Preis mit drei Buchstaben: SST: Das Kürzel steht für Schweizer Solvenztest.

Der SST ist in vielerlei Hinsicht viel strenger als sein europäisches Pendant Solvency II. Sie müssen 1,5- bis 2-mal mehr Kapital halten als Versicherer aus dem EU-Raum.

Zudem hat die Finanzmarktaufsicht die verschärften Vorschriften erst noch früher eingeführt als die EU Solvency II. Die Versicherungsgesellschaften finden das nicht gerechtfertigt und kritisieren das bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Wenn hiesige Grossbanken strengere Kapitalvorschriften zu erfüllen haben als europäische Konkurrenten, so lässt sich das mit der Grossbankenregulierung «too big to fail» begründen. Vor der Finanzkrise machten die Bilanzen von UBS und CS rund das Sechsfache des damaligen Schweizer BIP aus. Doch die Versicherungen sind nicht «too big to fail». Banken und Versicherungen haben ganz andere Anforderungen. «Banken haben liquide Verbindlichkeiten und illiquide Finanzanlagen. Und die Versicherungen haben illiquide Verbindlichkeiten und liquide Anlagen», sagte jüngst Patrick Frost, der CEO der Swiss-Life-Gruppe, in einem Interview mit dieser Zeitung. Bei Versicherungen kann niemand in die Empfangshalle kommen und sein ganzes Geld verlangen. Ein Bankkunde kann das hingegen schon.

Gerne hätte ich Mitleid mit den Versicherern. Doch dann denke ich an die Art und Weise, wie sie sich wiederholt vor Schadenzahlungen drücken. Nicht immer und nicht überall. Aber besonders häufig tun sie das im Unfallversicherungsgeschäft. Sie sagen, der Unfall sei kein Unfall im versicherungsrechtlichen Sinne und lehnen die Zahlung ab. Dies in der Hoffnung, dass der Geschädigte kein Bock hat oder zu schwach ist, um sich juristisch dagegen zu wehren. Leider geht die Rechnung für die Versicherer meistens auf.

«Ich bewerte keine Aktien. Das macht bereits der Markt»

claude chatelain am Dienstag, den 12. April 2016

Heute wollen wir uns über die Bewertung von Aktien unterhalten. Die Namenaktie von Lindt kostet um die 72 000 Franken; die UBS-Aktie ist dagegen für eine Lächerlichkeit von 14,60 Franken zu haben. Laien werden spontan konstatieren: Lindt ist teuer; UBS ist billig. Doch in der Finanzmarkttheorie ist der absolute Preis einer Aktie unerheblich. Ob ein Dividendenpapier als teuer oder billig einzustufen ist, hängt von anderen Faktoren ab. Etwa vom Gewinn pro Aktie, vom geschätzten zukünftigen Gewinn, von der Dividende, vom Marktumfeld oder vom Wachstumspotenzial einer Firma.

Der Profi spricht nicht von teuer und billig. Er spricht von überbewertet und unterbewertet. Und selbstverständlich versucht er dann die unterbewerteten Papiere herauszupicken.

Pius Zgraggen, CEO von OLZ & Partners in Bern.

Pius Zgraggen, CEO von OLZ & Partners in Bern.

Einer, der in der Lage sein müsste, unter- und überbewertete Aktien herauszufiltern, ist Pius Zgraggen. Der gebürtige Urner ist Mitautor des über 1000 Seiten starken «Handbuchs der Bewertung». Doch der CEO der Berner Vermögensverwaltungsfirma OLZ und Partners wird uns enttäuschen: «Ich bewerte keine Aktien. Das macht bereits der Markt», sagte er mir kürzlich in seinem Büro an der Marktgasse in Bern.

Im Verlauf der Jahre ist Zgraggen zur Überzeugung gelangt, dass die häufig gehandelten Aktien vom Markt im Durchschnitt richtig bewertet würden. Öffentlich zugängliche Informationen werden in weniger als einer Sekunde in den Aktienpreis – rauf oder runter – einfliessen. Wohlverstanden, wir sprechen hier einzig von liquiden Titeln, eben von den häufig gehandelten Aktien wie ABB, Nestlé, UBS oder Roche.

Pius Zgraggen stützt sich bei der Aktienwahl also nicht auf die Bewertung, sondern auf das Risiko. Je grösser die Schwankung einer Aktie, desto grösser das Risiko. Wie seine Strategie und Bemessung des Risikos genau aussieht, lässt sich hier in einer Spalte nicht erklären. Daher nur so viel: Bleiben Sie hellhörig, liebe Leser, wenn Sie in Börsenbriefen oder Analystenkommentaren lesen, die Aktie X oder Y sei unterbewertet. Wie will das der Anlageberater wissen, wenn es selbst der Autor des «Handbuchs der Bewertung» nicht weiss?

Ehe light – mir graut davor

claude chatelain am Dienstag, den 29. März 2016

Nun soll also in der Schweiz eine «Ehe light» eingeführt werden. Mir graut davor, wenn ich daran denke, was diese neue, vom Staat definierte Form des Zusammenlebens für steuerliche und erbrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Wie viel wird die nur leicht verheiratete Frau vom Nachlass des nur leicht verheirateten Ehemanns erben? Stirbt ein schwer verheirateter Familienvater, so erben nach geltendem Recht Ehegattin und Kinder je die Hälfte seines Nachlasses, sofern weder Testament noch Erbvertrag vorhanden sind. Lebte der Verstorbene im Konkubinat, geht die Partnerin leer aus; die Kinder erhalten alles. Wie soll das nun bei der «Ehe light» gehen? Womöglich wird die nur leicht verheiratete Frau 25 Prozent des Vermögens erben, den Betrag zwischen den Konkubinätlern und der schwer verheirateten Frau.

Ich gehe jede Wette ein: Ist einmal die «Ehe light» etabliert, wird sich ein kreativer Kopf für eine «Ehe super light» stark machen. Im alpinen Rennsport begnügt man sich auch nicht mit Slalom, Riesenslalom und Abfahrt. Seit den Achtzigerjahren gibt es auch den Super-G. Was dem Weltskiverband recht ist, kann Familienpolitikern billig sein.

Fragen Sie mich nicht, wie viel die Frau bei einer «Ehe super light» erben würde. Womöglich ein Achtel, etwas zwischen der leichten Ehe und dem Konkubinat.

Was das Konkubinat betrifft, schlage ich vor, dass man die alte, durchaus treffende Bezeichnung hervorholt: wilde Ehe. Wir hätten dann die Ehe, die «Ehe light», die «Ehe super light» und eben die wilde Ehe, abgekürzt WE. Wichtig scheint mir, dass der Begriff Ehe überall vorkommt. Wie weit sich eine Wortschöpfung auch für die eingetragene Partnerschaft mit den Buchstaben «e» und «h» kreieren lässt, will ich hier offenlassen…

Und ja: Wie verhält es sich mit den Steuerabzügen? Der blanke Horror. Drei Steuerhotlines à je drei Stunden haben wir in den zurückliegenden Wochen durchgeführt. Wir werden kaum darum herumkommen, das Angebot zu verdoppeln.

Asset Manager müssen einem fast leid tun

claude chatelain am Montag, den 21. März 2016

Vermögensverwalter sind nicht zu beneiden. Stets müssen sie ihr Dasein rechtfertigen, weil passives Anlegen erfolgversprechender ist. Das bestätigen zig Studien neutraler Stellen. Es gibt zwar jede Menge Anlagefonds, die den zugrunde liegenden Index zu übertreffen vermögen. Aber nur wenigen davon gelingt dies über mehrere Jahre und Jahrzehnte. Welchen Fonds dieses Glück auch in Zukunft beschieden sein wird, wissen die Götter – wenn überhaupt.

Wenig überraschend sagte daher Martin Jufer am Swiss Funds & Asset Management Forum, das am Freitag in Bern abgehalten wurde: «Aktives Investieren macht nach wie vor Sinn.» Jufer ist Regionalleiter Kontinentaleuropa der GAM Holding in Zürich, des grössten Asset-Managers der Schweiz.

Aktiv heisst, dass ein Team von Anlageexperten mit gezieltem Herauspflücken von Aktien eine höhere Rendite zu erzielen versucht als den zugrunde liegenden Vergleichsindex.

Passiv heisst, dass ein Anlagefonds exakt einen Börsenindex abbildet. Es braucht keine blitzgescheiten Analysten und hellseherischen Propheten. Es braucht höchstens Informatiker, die den Computer entsprechend programmieren.

Martin Jufer zitierte in Bern eine Studie, wonach aktives Investieren vor allem dann sinnvoll ist, wenn die Anlagestrategie sehr stark vom Vergleichsindex abweicht. In solchen Fällen sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine Überrendite erzielt werden könne. Weichen jedoch die getätigten Anlagen nur leicht von der Messlatte ab, so könne der Index kaum geschlagen werden. Dies vor allem auch wegen der Kosten.

Hat Martin Jufer recht? Keine Ahnung. Mit Studien und Statistiken kann man bekanntlich alles beweisen, auch das Gegenteil. Interessant waren seine Ausführungen allemal.

Und überhaupt: Ein Börsenhändler bereitete seinem Leben vorzeitig ein Ende, da er sich verspekuliert und viel Geld verloren hatte. Seine Bürokollegen stifteten ihm einen Grabstein, auf dem in goldenen Buchstaben steht: «Hier liegt er richtig, an der Börse lag er immer falsch.»

Besitzt Mario Draghi eigentlich Aktien?

claude chatelain am Montag, den 14. März 2016

Ich weiss nicht, wie viele Aktien Mario Draghi besitzt. Ich weiss auch nicht, ob der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB)  überhaupt Dividendenpapiere besitzen darf. Sollte er viele davon sein Eigentum nennen, was einem bei einem Banker kaum  überraschen würde,  so ist sein Entscheid von letzter Woche durchaus nachzuvollziehen.

Mit seiner Politik der offenen Geldschleusen beflügelt Mario Draghi vor allem die Aktienmärkte.

Mit seiner Politik der offenen Geldschleusen beflügelt Mario Draghi vor allem die Aktienmärkte.

Mit der Politik der offenen Geldschleusen verleiht Mario Draghi den Aktienkursen mächtig  Auftrieb. Offiziell ist das nicht seine Absicht. Inoffiziell passiert jedoch genau das. Seit der Finanzkrise wird die Wirtschaft mit billigem Geld überflutet.  Doch das Geld fliesst nicht in die reale Wirtschaft. Es fliesst in die Aktienmärkte.

Vereinfacht gesagt: Unternehmungen stehen vor der Frage: Soll mit dem billigen Geld Maschinen gekauft und somit die Produktion erhöht werden oder ist es wohl gescheiter, vielversprechende Aktien zu kaufen? Es macht ganz den Anschien, dass viele Unternehmen befürchten, für ihre zusätzlich hergestellten Produkte in den gesättigten Märkten keine Abnehmer finden zu könnnen. Deshalb kaufen sie lieber Aktien, deren Kurse schön und stetig nach oben klettern.Und falls die Kurse sinken, wird man sich dank der grosszügigen Ausschüttungen trotzdem auf einen akzeptablen Return on Investment freuen können.

Besonders gefallen hat mir der Kommentar in der NZZ.  Wenn ein Medikament seine Wirkung nicht erziele, könne man auf zwei Arten darauf reagieren: Man setze das Medikament ab oder man erhöhe die Dosis ­ — «im festen Glauben daran, dass die Medizin irgendwann schon ihre segensreiche Wirkung entfalten wird».  Mario Draghi setzte auf die zweite Variante, eben auf die erhöhte Dosis.

Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, einer der renommiertesten seines Fachs, hält nichts von dieser Medizin.  «Mehr Wasser hilft nicht, wenn die Pferde nicht saufen wollen». Doch wer weiss, vielleicht will Mario Draghi gar nicht, dass die Pferde saufen. Vielleicht ist er vorab daran interessiert, dass die Aktienkurse weiter steigen.

Wenn der Staat bestimmt, wer wieviel erben kann

claude chatelain am Mittwoch, den 9. März 2016

Es gibt Leute, die fragen ihren Eltern nicht gross nach. Sie gratulieren allenfalls zum Geburtstag, früher telefonisch, heute per SMS. Sie melden sich kurz vor Weihnachten, um frohe Festtage zu wünschen. Ansonsten sind sie auf ihr Leben und ihre Familie fixiert. Es gibt auch Frauen und Männer, die sich mit ihren Eltern total verkracht haben.

Das ist keine Anklage. Man wird seine Gründe haben. Doch warum kommen solche Leute beim Tod der Eltern zwingend in den Genuss eines Erbes? Gewiss: Der Bundesrat schlägt vor, die Pflichtteile zu senken, damit der Erblasser freier über sein Vermögen verfügen kann. Freier als heute, aber meines Erachtens nicht frei genug. So sollen direkte Nachkommen auch in Zukunft mindestens ein Viertel des Erbes erhalten, sofern der Verstorbene einen Ehegatten hinterlässt. Heute sind es drei Achtel. Und wenn zum Beispiel die Mutter gestorben ist und der Vater in einer Partnerschaft lebt, so sollen die Kinder auch in Zukunft mindestens 50 Prozent seines Erbes bekommen, auch wenn sie mit dem Vater kaum Kontakt pflegten.

Alt-Ständerat Felix Gutzwiller, der mit seiner Motion die längst fällige Revision des Erbrechts angestossen hatte, wollte sogar die «bisher diskriminierten unverheirateten Lebenspartnerinnen und Lebenspartner» mit Pflichtteilsansprüchen segnen. Davon will der Bundesrat glücklicherweise nichts wissen. Und doch schlägt er mit einem sogenannten Unterhaltsvermächtnis eine Sonderregelung vor, um in Härtefällen dem überlebenden Konkubinatspartner einen Teil des Erbes zukommen zu lassen.

Diese Sonderregelung ist unnötig. Mit einem Testament oder einem Konkubinatsvertrag kann man seinen Partner ohne Probleme begünstigen. Wer das unterlässt, ist selber schuld. Es ist eine Unsitte, wie man in der Politik immer wieder bestimmten Einzelfällen gerecht werden will. Das macht die Gesetze komplizierter, als sie es bereits schon sind.

Sagt der Mann am Stammtisch: «Wir Geschwister haben nie Krach. Wir verstehen uns blendend.» Fragt der andere: «Habt ihr schon geerbt?»

«Enten hättest du kaufen müssen»

claude chatelain am Montag, den 7. März 2016

Stellen Sie sich vor, die Notenbanken halten an ihrer verantwortungslosen Politik fest, überschwemmen den Markt uneinsichtig mit Geld, sorgen weiterhin für negative Zinsen und mit Obligationen lässt sich auch in fünf Jahren kein Geld verdienen… Dann steigt der Swiss Market Index (SMI) bis 2020 auf 20 000 Punkte. Das sind nicht meine Worte, bewahre, der das sagt, ist Burkhard Varnholt, der oberste Geldanleger der Bank Julius Bär.

Seine Überlegung: Wenn man über viele Jahre mit Obligationen null Renditen erzielt und mit Aktien Dividendenrenditen von über 3 Prozent herausschauen, so werden Investoren verstärkt nach Dividendenpapieren trachten. Mit der steigenden Nachfrage steigt auch der Kurs.

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Burkhard Varnholt.

Burkhard Varnholt macht einen historischen Vergleich: Was wir seit sechs Jahren erleben, hätten die Märkte auch ab 1957 erlebt. Die damaligen Rahmenbedingungen seien mit den heutigen vergleichbar. Damals habe die US-Notenbank den Markt ganze zwölf Jahre manipuliert, ähnlich wie heute. 1957 lag der Dow Jones bei 100 Punkten, 1968 bei 1000 Punkten, eine Verzehnfachung. Wobei der starke Anstieg der Kurse erst in der zweiten Hälfte erfolgte.

Na ja, ob nun der SMI in fünf Jahren auf 20 000 oder «bloss» auf 15 000 Punkte steigen wird, ist nebensächlich. In beiden Fällen müsste man sagen: Unbedingt Aktien kaufen. Dass freilich die Einschätzung von Burkhard Varnholt nicht von allen geteilt wird, zeigte sich kürzlich in der Fernsehsendung «Bilanz Standpunkte».

Was mich betrifft, so halte ich mich lieber an Börsenwitze als an Börsenprognosen. Ein Händler erklärt seinem Sohn die Börse: «Es ist wie auf dem Bauernhof. Du kaufst einen Hahn und ein Huhn. Das Huhn legt Eier, und die Eier werden zu Hühnern und Hähnen. Die Hühner legen wieder Eier, und schon hast du einen grossen, wertvollen Hühnerbestand.»

«So einfach ist das?»

«Ja! Nur jetzt kommt ein Unwetter und spült alles weg.»

«???»

«Enten hättest du kaufen müssen.»

Warum Zürich viel günstiger ist als Bern

claude chatelain am Montag, den 22. Februar 2016

Zürcherinnen und Zürcher stimmen am Wochenende über eine Senkung der Grundbuchgebühr von 1,5 auf 1 Promille ab. Für eine Liegenschaft von 1 Million Franken betrüge die Grundbuchgebühr nur noch 1000 statt 1500 Franken. Hinzu kommen 1 Promille für das Notariat, insgesamt also 2000 statt 2500 Franken. Inklusive Mehrwertsteuer sind es 2580 Franken.

Von solchen Tarifen können wir Berner nur träumen: Hier rechnet man nicht in Promillen, sondern in Prozenten. Die Verschreibung einer Liegenschaft von 1 Million kostet über 23’000 Franken. Und sollte man von der Handänderungssteuer teilweise befreit sein, so sind es in unserem Fallbeispiel immer noch über 8000 Franken, die man im Staate Bern für eine Verschreibung hinblättern muss.

Die Grundbuchgebühr ist zwar in Bern tiefer als in Zürich, da sie vom Zeitaufwand und nicht vom Wert der Liegenschaft abhängig ist. Sie  kostet zwischen 300 und 800 Franken.  Ins Tuch geht jedoch die Handänderungssteuer von 1,8 Prozent, die  in Bern nur teilweise,  in Zürich hingegen gänzlich abgeschafft wurde. Auch die Entschädigung für den Berner Notar ist nicht Ohne. Gemäss dem Notariatstarif beträgt seine Entschädigung für die Verschreibung eines Hauses von einer Million  3745 Franken.

Die freiberuflichen Berner Notare verteidigen die überdurchschnittlichen Kosten mit der Behauptung, dass die Amtsnotare in Zürich nicht kostendeckend arbeiteten. Ihre Arbeit würde vom Steuerzahler quersubventioniert.

Wie sich nun in der Abstimmungsdebatte in Zürich herausstellt, ist das eine Schutzbehauptung.  Das Gegenteil ist der Fall. Die Zürcher Grundbuchämter hatten 2014 einen Deckungsgrad von 215 Prozent, die Amtsnotariate von 123 Prozent. Bei der Grundbuchgebühr in Zürich handelt es sich nicht um eine echte Gebühr, sondern um eine Gemengsteuer, eine Mischung von Steuern und Abgeltung für den Aufwand.
Selbst bei einem Ja zur Gebührensenkung würden die Grundbuchämter und  Amtsnotariate dem Zürcher Säckelmeister Geld abliefern und nicht umgekehrt. Das müsste uns Bernern zu denken geben.

“Herr Chatelain, was haben Sie gegen Notare……?”

claude chatelain am Dienstag, den 16. Februar 2016

Leser A: Herr Chatelain, was haben Sie eigentlich gegen Notare?
CCH: Nichts.

L. A.: Warum schreiben Sie über Notare so negativ?
CCH: Ich habe nichts gegen Notare, höchstens gegen das Berner Notariatswesen.

L. A.: Das wird jetzt besser.
CCH: Glauben Sie daran?

L. A.: Sie etwa nicht?
CCH: Warten wir mal ab.

L. A.: Der Grosse Rat hat sich für eine Liberalisierung aus­gesprochen. Die Tarife werden purzeln.
CCH: Zuerst muss der Re­gierungsrat einen Gesetzes­vorschlag unterbreiten, der vom Grossen Rat noch abge­segnet werden muss. Und überhaupt: Die Tarife sind meines Erachtens nicht das Problem.

L. A.: Sondern?
CCH: Das bernische Unikum, dass man für jeden Wisch zum Notar muss: Beglaubigungen, Erbenscheine, Steuerinventare. Warum ist es der Gemeinde­behörde nicht erlaubt, Unterschriften zu beglaubigen?

L. A.: Hm.
CCH: Warum muss im Kanton Bern der Notar ein Steuer­inventar erstellen, wenn dazu in anderen Kantonen die Steuererklärung genügt?

L. A.: Hm. Sie sind doch nicht etwa für ein Amtsnotariat?
CCH: Warum nicht? Haben Sie schon einen Zürcher über Notare fluchen gehört?

L. A.: Ich kenne keine Zürcher. In Zürich hats nur Deutsche.
CCH: Hahaha.

L. A.: Warum lancieren Sie nicht einen Volksvorschlag? Wenn ein Garagier für die Senkung der Motorfahrzeugsteuer 10’000 Unterschriften hinkriegt, müssten Sie das als Journalist wohl auch schaffen.
CCH: Unterschätze nie einen Garagisten.

Noch lacht Justizdirektor Christoph Neuhaus.

Noch lacht Justizdirektor Christoph Neuhaus.

L. A.: Warum versuchen Sie es nicht?
CCH: Ich fürchte, der Chef­redaktor könnte etwas dagegen haben.

L. A.: Aber nach der Pensionierung könnten Sie es doch tun?
CCH: Der Neuhaus würde mich verfluchen.

L. A.: Welcher Neuhaus?
CCH: Christoph Neuhaus, der Justizdirektor. Die ganze Arbeit, die er jetzt für die Umsetzung der Motion in Angriff nimmt, wäre für die Katz.

L. A: Na und? Das braucht Sie doch nicht zu kümmern.
CCH: Eigentlich haben Sie recht. Warten wir mal ab.

 

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