Sommaruga zahlt ihre Steuern nicht mehr in Köniz

claude chatelain am Freitag, den 22. Juli 2016
Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier vom Dezember 2014.

Peter Rothenbühler, Kolumnist in der Schweizer Illustrierten, bewundert, wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga von Köniz nach Bern zügeln konnte, ohne dass ein grosses Aufheben gemacht wurde. Und er bewundert die Coolness von uns Schweizern, denn wenn eine Ministerin nicht mehr bei ihrem Partner wohnt, sage der emanzipierte Normalbürger nur: “U de?”.

Was hat das mit Finanzen zu tun? Nichts. Doch ein Leser hat die Kolumne gelesen und mir die Frage gestellt, was die Trennung für Bundesrätin Sommarruga und Schriftsteller Lukas Hartmann für die Steuern bedeutet.

Um es vorweg zu nehmen: Ich gehe nicht davon aus, dass bei unserer Justizministerin Steueroptimierung im Vordergrund steht. Zudem geht es uns gar nichts an, wie das berühmte Ehepaar ihre steuerlichen Pflichten regelt.

Da es jedoch im Trend liegt, zusammen zu leben, ohne zusammen zu wohnen, so ist doch die Frage interessant, wie in solchen Fällen zu verfahren ist. Klar ist, dass unsere Bundesrätin in der Gemeinde Bern steuerpflichtig wird. Sie verlegte ihre Schriften in die Bundesstadt und hat dort ihren Lebensmittelpunkt. Die beiden werden für das ganze Jahr – und nicht nur ab dem Zügeltermin – getrennt veranlagt.

Offen ist, wie sie die Liegenschaft in Köniz zu besteuern haben. Gehört sie beiden, so besteuern sie das Haus entsprechend ihrer Quote. Das gilt für den Eigenmietwert, die Schuldzinsen wie auch für den Unterhalt. Möglich ist natürlich, dass der im Haus bleibende Mann seiner Frau einen Mietzins bezahlt, sollte sie Mitbesitzerin oder gar Alleinbesitzerin sein. Die Höhe dessen ist jedoch eine güterrechtliche und nicht eine steuerliche Frage.

Gehört die Liegenschaft ausschliesslich Lukas Hartmann, dann dürfte der Fall klar sein. Gehört sie ausschliesslich Simonetta Sommaruga, so müsste er ihr wohl einen Mietzins bezahlen, den sie statt den Eigenmietwert als Einkommen versteuern müsste. Aber wie gesagt: All das geht uns gar nichts an.

Über Gap, Nintendo und Heiko Thieme

claude chatelain am Montag, den 18. Juli 2016

Pokemon Go am Gurtenfestival

Die amerikanische Kleiderkette Gap und der japanische Spielkonsolenanbieter Nintendo haben etwas gemeinsam. Die Geschichte geht zurück in die frühen Neunzigerjahre. Ich war damals USA-Korrespondent der «Handelszeitung» und traf mich ab und zu mit dem Börsenexperten Heiko Thieme. Der Jurist ist zwar nicht der erfolgreichste, sicher aber einer der unterhaltsamsten Fondsmanager. Hierzulande ist der deutschstämmige Amerikaner gern gesehener Gast an Podiumsgesprächen und ein origineller Gastredner.

Vor gut zwanzig Jahren erzählte er mir in seinem New Yorker Büro, wie er sich im Nachhinein ärgerte, keine Aktien von der Modekette Gap gekauft zu haben. Seine Erzählung habe ich folgendermassen in Erinnerung:

«Eines Abends kam meine Tochter mit einem neuen Kleid nach Hause. Ich fragte sie: Woher hast du das? Sie sagte: «Von Gap.» Zwei Wochen später hat sie sich wieder mit neuen Klamotten eingedeckt. «Wo hast du das gekauft?», fragte er. – «Bei Gap.» Nachdem Thiemes Tochter weiterhin bei Gap einkaufte, ging der Börsenguru der Frage nach, was es mit Gap auf sich hatte. Und siehe da: ein blühendes Geschäft mit einem stark steigenden Aktienkurs. «Ich ärgerte mich grün und blau», gestand er mir damals, «nicht sofort die Aktie von Gap be­gutachtet zu haben. Als er das Versäumnis nachholte, war es zu spät.

Ärgerlich, dass ich von der Erfahrung Thiemes keinen Nutzen zog. Vor ein paar Tagen ging mein Sohn auf Pokémon-Jagd. «Was ist das denn wieder?» fragte ich. Er erklärte es mir. Wie meistens bei neuen Handyspielen bin ich nicht drausgekommen. Doch wenigstens hätte ich der Frage nachgehen müssen, welche Firma dahintersteckt. Es ist Nintendo, zumindest teilweise.

Als mein Sohn von Pokémon erzählte, kostete die Nintendo-Aktie an der Schweizer Börse 140 Franken. Wenige Tage später hätte ich fürs gleiche Papier 266 Franken erhalten, plus 90 Prozent.

Warum nur hatte ich mich nicht an die Geschichte von Heiko Thieme erinnert, als sich mein Sohn auf Pokémon-Jagd begab?

Drücken die Katari die CS-Aktie?

Claudia Salzmann am Mittwoch, den 13. Juli 2016

 

Tidjane Thiam

Tidjane Thiam macht auch Spekulanten für den fallenden Kurs der CS-Aktie verantwortlich. Bei einem mir bekannten Banker löste diese Nachricht ein ungläubiges Lachen aus. «Diese Aussage könnte aus dem linken politischen Lager kommen, aber nicht vom CEO der Credit Suisse», sagte er mir.
Recht hat er. Die Linken kritisieren, dass Spekulanten die Nahrungsmittelpreise nach oben trieben.

Doch die Investmentbanker rechtfertigen ihr Tun mit dem Argument, es sei der Markt, der den Preis bestimme. Nach dieser Lesart ist es also auch der Markt, der den Kurs der CS-Aktie ins Boden­lose fallen lässt, und nicht die Spekulanten. Die Marktteilnehmer sind demnach ganz offensichtlich der Meinung, dass das CS-Papier bei der aktuellen Führung keine 25 Franken wert ist wie vor einem Jahr, sondern eben nur noch 10 Franken. Doch der unglücklich operierende CEO aus der Elfenbeinküste weiss mehr als wir. Vielleicht stimmt ja das Gerücht, dass die Katari im grossen Stil Leerverkäufe tätigen. Der Golfstaat ist mit einer Beteiligung von 18 Prozent grösster Aktionär der zweitgrössten Schweizer Bank.

Die Katari, so das Gerücht, wollen mit Leerverkäufen den Kurs der CS auf  8 Franken drücken.

Mit Leerverkäufen verkauft man Aktien, die man nicht besitzt, und verspricht gleichzeitig, die Papiere zu einem späteren Zeitpunkt zu liefern. Ist der Kurs gefallen, kann man die zu einem höheren Kurs verkauften Aktien zu einem tieferen Kurs erstehen. Die Katari, so das Gerücht, wollen mit Leerverkäufen den Aktienkurs der CS auf 8 Franken drücken. Bei dieser Grenze könnten sie günstig Aktien kaufen, die sie vorher zu einem höheren Kurs verkauften, womit ihre Beteiligung anwachsen würde. Wirklich nachvollziehen kann ich das zwar auch nicht. Aber eben: Gerüchte gibt es an der Börse zuhauf.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Anlageberater ruft einen Kunden an und erklärt ihm anklagend, dass sein Konto um eine Million überzogen ist. Der Kunde fragt, welchen Kontostand er am 30. des Vormonats aufwies. Der Berater sieht nach und meint: «Zwei Millionen Guthaben.» – «Sehen Sie», sagt der Kunde, «habe ich Sie deswegen angerufen?»

Mails an: claude.chatelain@bernerzeitung.ch

Mit Fondsanteilen besitzt man von allem ein bisschen

claude chatelain am Dienstag, den 28. Juni 2016
Passanten gehen an der Baustelle vor der Schweizerischen Nationalbank vorbei, am Mittwoch, 9. September 2015, auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Passanten gehen an der Baustelle vor der Schweizerischen Nationalbank vorbei, am Mittwoch, 9. September 2015, auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kürzlich schrieb mir eine Frau eine Mail folgenden Inhalts: «Ich habe kürzlich gelesen, dass man Nationalbankaktien kaufen kann. Was halten Sie persönlich davon? Da ich mich mit Aktien nicht auskenne, interessiert es mich, ob es empfehlenswert ist, solche zu kaufen. Was können Sie mir persönlich empfehlen?»

Hier abgekürzt und ohne die dazugehörenden Höflichkeitsfloskeln meine Antwort: «Da Sie sich mit Aktien nicht auskennen, sollten Sie auch keine kaufen. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ich empfehle Ihnen, nur Anteile von Anlagefonds zu kaufen. Mit Fondsanteilen decken Sie ganze Märkte ab. Sie besitzen also von allem ein bisschen. Möchten Sie zum Beispiel Schweizer Aktien kaufen, so gäbe es da zahlreiche Schweizer Aktienfonds. Am besten kaufen Sie einen Indexfonds, dessen Kursverlauf dem Swiss-Market-Index (SMI) oder dem Swiss-Leaders-Index (SLI) folgt. Sie heissen etwa UBS-ETF-SMI, Ishares SMIM oder UBS-ETF-SLI. Sinnvoll ist auch, Anteile eines globalen Aktienfonds zu kaufen, zum Beispiel den Postfinance Global.

Und noch etwas habe ich der Frau geschrieben: dass ich aus Prinzip keine Aktienempfehlungen abgebe. Erstens, weil es mir an hellseherischen Fähigkeiten mangelt. Zweitens, weil ich ein Feigling bin und keine Verantwortung übernehmen will. Wenn nämlich der Aktientipp in die Hosen geht, will ich nicht derjenige sein, der einen schlechten Rat erteilt hat.

Ich bewundere all die Frauen und Männer, die ihren Kundinnen und Kunden den Kauf von bestimmten Aktien ans Herz legen, dafür ein Honorar kassieren und dann trotzdem noch gut schlafen können.

Wenn wir schon beim Thema sind. Sagt der Bankkunde:
«Meinen Berater möchte ich sprechen.»
«Der ist leider nicht da.»
«Aber ich habe ihn doch durchs Fenster gesehen!»
«Kann sein. Aber er hat Sie zuerst gesehen.»

Wieder ein Fall einer unnötigen Versicherung

claude chatelain am Dienstag, den 21. Juni 2016

Einem Arbeitskollegen erging es in jüngeren Jahren wie Tausenden anderen Schweizerinnen und Schweizern: Er liess sich von einem Bekannten dazu überreden, eine fondsgebundene 3a-Police abzuschliessen. Er tat dies bei der Generali. Damals war er 23 Jahre alt. Jetzt bereut er es bitter.

Seit 14 Jahren überweist er der Generali jährlich 3600 Franken. Weitere 28 Jahre sollte er dies gemäss Vertrag noch tun. «Soll ich?», fragte er mich kürzlich. «Nein», erwiderte ich ihm. Er hat Frau und Kind und einen ansprechenden Lohn. Sollte er erwerbsunfähig werden oder sterben, wäre er beziehungsweise wären die Hinterbliebenen via AHV und Pensionskasse bestens versorgt.

Der Rückkaufswert der Generali-Police beträgt heute gut 31 000 Franken. Doch einbezahlt hat der Kollege bisher 54 000 Franken. Er könnte nun diese 31 000 Franken auf ein Konto 3a überweisen. «Dann verliere ich aber 23 000 Franken», sagte er mir.

Da macht der Kollege leider einen Denkfehler. Er bekam für die bezahlte Prämie eine Leistung. Seine Sparversicherung hat einen hohen Risikoteil. So war er all die Jahre gegen Tod und Erwerbsunfähigkeit versichert. Nur einen Teil der Prämie hat Generali in den Anlagefonds investiert. Wie hoch diese Sparprämie ausfällt, konnte ich nicht eruieren. Transparenz ist eben nicht die Stärke von Sparversicherungen. Die durchschnittliche Jahresrendite beträgt angeblich 2,4 Prozent.

Der Arbeitskollege braucht diesen Versicherungsschutz nicht. Oder sagen wir: nicht mehr.

Statt den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen, könnte der Kollege die Prämienzahlung einstellen und das Kapital samt Zins in 28 Jahren beziehen. Man nennt das Prämienfreistellung.

Ob es gescheiter ist, den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen oder die Prämie freizustellen, weiss ich nicht. Ich will bloss behaupten, dass beide Varianten sinnvoller sind, als weiterhin Jahr für Jahr für einen Versicherungsschutz zu bezahlen, der im Verlauf der Jahre obsolet geworden ist.

Der neue Trend: Methusalem-Bonds

claude chatelain am Freitag, den 3. Juni 2016

Heute wollen wir uns mit festverzinslichen Anlagen beschäftigen. Es gibt eine ganze Reihe davon: Wandelobligationen, hybride Anleihen, Zerobonds, Junk-Bonds, Pflichtwandelanleihen, Scharia-Bonds und sicher noch einige mehr. Neulich habe ich von einem Obligationen-Begriff gelesen, der mir bisher nicht geläufig war: Methusalem-Bonds.

Geschlossen hat mir die Bildungslücke die NZZ, die man in Journalistenkreisen ehrfürchtig Alte Tante nennt. Wer könnte kompetenter über Methusalem berichten als die Alte Tante herself? Methusalem ist jene Figur aus dem Alten Testament, die 969 Jahre alt wurde. Folgerichtig sind Methusalem-Bonds laut NZZ Obligationen mit «ultralangen Laufzeiten». Sie seien wegen der verzweifelten Suche nach etwas Rendite gefragt, schrieb die NZZ.

Etwas Rendite? Eben erst hat Spanien eine 50-jährige Anleihe plaziert. Die Rendite beträgt 3,5 Prozent. Aber auch nur, wenn die Spanier ihrer Zins- und Rückzahlungspflicht nachkommen werden. Noch schlimmer: Die Eidgenossenschaft emittierte jüngst eine Obligation mit einer 42-jährigen Laufzeit. Der Zinscoupon beträgt ein halbes Prozent. Doch die Nachfrage nach diesem himmeltraurig verzinsten Papier war so gross, dass an der Auktion ein Preis von 110 Prozent erzielt werden konnte. Damit sinkt die Rendite auf 0,25 Prozent.
Nehmen wir mal das Jahr 2056. Zig Investoren hocken dannzumal auf einem Papier, das während 40 Jahren eine Rendite von 0,25 Prozent abzuwerfen vermochte. Offenbar gehen Anleger davon aus, dass wir noch sehr, sehr, sehr lange Jahre mit negativen Zinsen leben müssen. Auch Ausländer dürften hier zugelangt haben. Sie rechnen wohl damit, dass der Franken noch stärker wird und sie bei der Rückzahlung einen Wechselkursgewinn einstreichen können.

2058, wenn die Eidgenossenschaft ihre Anleihe mit der lausigen Rendite von 0,25 Prozent zurückzahlt, werde ich 105 Jahre alt sein. Damit komme ich noch lange nicht an die 969 Jahre des Methusalem heran. Doch so lange will ich gar nicht leben – schon gar nicht bei diesen Renditen.

Wer zu «Pro Service public» ja sagt, hat keine Swisscom-Aktien

claude chatelain am Dienstag, den 24. Mai 2016

Die Volksinitiative «Pro Service public» ist auch für Anleger von Belang. Sollte die vom «K-Tipp» lancierte und von allen relevanten politischen Parteien abgewiesene Verfassungsinitiative eine Mehrheit finden, sehen Swisscom-Aktionäre alt aus. Für sie gibt es keine Dividenden mehr, wenn der Telekommunikationskonzern seine Gewinne nicht mehr ausschütten darf. Dabei ist die Swisscom-Aktie bei Privatanlegern gerade wegen der hohen und stabilen Dividende äusserst beliebt.

DownloadUnd doch bleibt ein Funken Hoffnung. Womöglich wird bei einem Ja der Service-public-Teil der Swisscom abgespalten und der lukrativere Teil privatisiert. Das ist zwar keinesfalls das, was die Initianten wollten. Es ist aber etwa das, was den Bürgerlichen zupasskäme. Das könnte ein Grund sein, weshalb rechte Parteien der Abstimmung gelassen entgegenblicken. Und wenn ich sehe, dass der Aktienkurs der Swisscom trotz wenig verheissungsvollen Umfrageergebnissen kaum unter Druck gerät, so bin ich wohl nicht der Einzige, der mit diesem Szenario rechnet.

Total kontraproduktiv sind indes Aussagen, wie sie im «Blick» zu lesen waren: «Wer Ja stimmt, spielt mit seiner Rente», soll Thomas Egger von der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete gesagt haben. Das Sprachrohr der Initiativgegner stützt sich auf die Tatsache, dass die Pensionskassen Aktien von Swisscom besässen. Doch der Anteil ist verschwindend klein. Die meisten Vorsorgeeinrichtungen investieren analog einem Index. Im Swiss-Market-Index (SMI) hat Swisscom ein Gewicht von gerade mal 1,27 Prozent.

Wer solche Behauptungen in die Welt setzt, spielt den Initianten in die Hände. Sie reiben sich im Versteckten eh die Hände, dass die Linken nicht auf ihren Zug aufgesprungen sind. Mit irreführenden und mit Lügen durchsetzten Abstimmungskampagnen verlieren Politik und Wirtschaft zusehends ihre Glaubwürdigkeit. Für den unverdächtigen «K-Tipp» ist es offenbar kein Nachteil, das gesamte Establishment gegen sich zu wissen.

Aktiv oder passiv?

Claudia Salzmann am Mittwoch, den 18. Mai 2016

BOERSENKURS, BOERSENKURSE, NIKKEI, INDEX, NIKKEI INDEX, FINANZKRISE, WIRTSCHAFTSKRISE, BOERSENKRISE, SCHULDENKRISE,

Aktiv versus passiv. Jeder, der sein Geld in Wertschriften anlegt, muss dazu eine Meinung haben. Ich habe auch eine: Ich plädiere für passiv. Passiv heisst, ein Wertschriftenportfolio zusammenzustellen, das eins zu eins einen Börsenindex wie zum Beispiel den Swiss Performance Index nachbildet. Vertreter dieser Philosophie gehen davon aus, dass der Markt immer recht hat. Die meisten börsenkotierten Anlagefonds, bekannt als ETF, verfahren nach diesem Schema.

Beim aktiven Anlageansatz sind Fondsmanager bemüht, mit einer kreativen Zusammenstellung des Aktienkorbes eine höhere Performance zu erzielen als der zugrunde liegende Börsenindex.
Ich gebe zu, dass es nicht wirklich mutig ist, für den passiven Ansatz einzustehen. Zig Studien bestätigen, dass es nur wenigen Fondsmanagern gelingt, über längere Zeit den Index zu schlagen.
Mein Leibblatt, die «Finanz und Wirtschaft», hat kürzlich das Resultat einer aktuellen Studie publiziert. Sie erteilte dem Analysehaus E-fundresearch.com den Auftrag zu untersuchen, wie viele Fondsmanager über fünf Jahre den Vergleichsindex konsequent zu übertreffen vermochten. Das Resultat ist niederschmetternd: Von knapp 4600 untersuchten Aktienfonds erfüllten die Geldmanager lediglich bei 33 Produkten dieses Ziel. Also bei jedem 139. Fonds.

Schweizer Aktienfonds sind unter diesen 33 Fonds keine zu finden. Die F+W erklärt das mit dem Umstand, dass es bei regionalen, kompakten Märkten wegen ihrer Homogenität schwieriger sei, den Börsenindex zu schlagen. Auch mit deutschen Aktien schaffte es nicht ein einziger Fondsmanager, eine über dem Index liegende Performance zu erzielen.
Gemäss E-fundresearch.com hatten jene Fondsmanager mehr Glück, die für Aktienfonds von Schwellenländern, Europa oder Japan verantwortlich waren.

Und wenn wir schon beim Thema sind:
Nach einem Crash fragt Broker A seinen Kollegen B: «Hast du dir schon einen Revolver gekauft?»
Broker B: «Wovon denn?»

Bernie Sanders for President

claude chatelain am Dienstag, den 10. Mai 2016

Bernie SandersNichts deutet darauf hin, dass Bernie Sanders der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden könnte. Zumindest aus einem Blickwinkel ist das zu bedauern. Der Senator aus dem Bundesstaat Vermont hat versprochen, die riesigen Finanzkonzerne zu zerschlagen, falls er ins Weisse Haus einziehen könne.

Ob ihm das gelänge, ist fraglich. Präsidentschaftskandidaten haben schon viel versprochen. Doch sollte Washington die Wallstreet-Monster aufspalten, könnte das eine Welle rund um den Globus auslösen.

Aus Schweizer Sicht wäre das wünschenswert. UBS und CS sind zwar nicht mehr so übermächtig wie vor der Finanzkrise. Aber sie sind immer noch «too big to fail». Grund genug zur Unruhe. Auch Notfallpläne und zusätzliches Eigenkapital vermögen nicht zu entspannen.

Ich mache mir freilich keine Illusionen: Selbst wenn UBS und CS ihr Investmentbanking abspalten würden, wäre hierzulande das Problem nicht gelöst. Die Grossbanken wären wegen ihrer Dominanz im Spar- und Kreditgeschäft sowie im Zahlungsverkehr immer noch zu gross dafür, zu scheitern. Das gilt selbst für die Raiffeisenbanken, die kein Investmentbanking betreiben und inzwischen auch offiziell als «too big to fail» eingestuft werden.

Ich gebe zu: Es ist politisch nicht einfach, zu stark gewachsene Unternehmen zu zerlegen. Einfacher wäre es, sie nicht allzu gross werden zu lassen. Dazu bräuchten wir eine Wettbewerbsbehörde, die dafür sorgt, dass wir Steuerzahler nicht in Abhängigkeit einzelner privater Unternehmungen geraten können. Sie hat dies jedoch unterlassen.

Offiziell kann die Wettbewerbsbehörde bloss Zusammenschlüsse verhindern, die zu einer marktbeherrschenden Situation führen. Sie kann aber nicht Unternehmen davon abhalten, «too big to fail» zu werden. Womit wir bei einer juristischen Begriffsklauberei wären. Soll mir keiner erzählen, ein Unternehmen, das «too big to fail» ist, sei nicht auch marktbeherrschend. Wer den Markt nicht beherrscht, kann bankrottgehen, ohne dass dadurch die Wirtschaft aus dem Lot gerät.

Aus dem BLVK-Desaster nichts gelernt

claude chatelain am Dienstag, den 3. Mai 2016

Heute wollen wir uns nochmals mit nachhaltigen Anlagen bei Pensionskassen befassen. Das Thema ist aktuell, weil die Bernische Pensionskasse angeblich auch in Rüstungsaktien investiert, wie vor Wochenfrist an dieser Stelle zu lesen war. Sie tut dies aber nur indirekt, also via Anlagefonds. Sie besitzen keine Aktien von Rüstungskonzernen; sie besitzen lediglich Fondsanteile, welche zu einem bescheidenen Teil in solche Aktien investieren. Nur 0,5 Prozent des Anlagevolumens sind indirekt in zweifelhafte Firmen investiert.

SP-Grossrätin Béatrice Stucki.

SP-Grossrätin Béatrice Stucki, Gewerkschaftssekretärin des VPOD Kanton Bern, hat keine Freude daran. Sie sagte im «Bund», die öffentliche Hand soll in «innovative Startups» investieren.

An ihrem Vorschlag werden nun andere keine Freude haben. All jene zum Beispiel, die aus dem Debakel der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) ihre Lehren gezogen haben. Die BLVK sorgte in den Neunzigerjahren für einen der grössten Pensionskassenskandale in der Schweiz.

Angefangen hatte das Fiasko mit Investitionen in «erfolgversprechende» Start-ups. Die BLVK wollte sich als Wirtschaftsförderer profilieren und investierte in Unternehmen wie die Sarner Cristal in Uetendorf oder Kieser Training in Zürich. Wenn eine Kasse mit einem Milliardenvermögen in ein Start-up investiert, hat man schnell mal die Aktienmehrheit. So geschehen bei der Sarner Cristal, als der später in Ungnade gefallene Pensionskassendirektor Hans-Peter Sieber gleich den Verwaltungsrat präsidierte. Es war der Anfang einer langen Reihe von Ungereimtheiten, die in einem Milliardenloch mündeten. Über die Verfehlungen der BLVK brütete sogar eine parlamentarische Untersuchungskommission, sollte das der einen oder der anderen Grossrätin entgangen sein.

Und überhaupt: Die Versicherten sollen entscheiden, nach welchen Kriterien ihr Geld angelegt werden soll, nicht die Politiker.