Die Alten sind an allem schuld

claude chatelain am Dienstag, den 27. September 2016
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Zumindest die Explosion der Krankenkassenprämien kann man den Alten nicht in die Schuhe schieben.

Die Alten sind an allem schuld. Sie leben im Schnitt länger, deshalb muss die AHV saniert werden und deshalb sind die Renten der zweiten Säule nicht mehr finanziert. Und Selbstverständlich sind die Alten auch mitschuldig, dass die Krankenkassenprämien beharrlich steigen.

Selbst Sozialminister Alain Berset nannte gestern den demografischen Wandel als einen der Gründe für die anhaltende Prämiensteigerung im Gesundheitswesen – neben dem medizinischen Fortschritt und dem medizinisch nicht begründbaren Mengenwachstum.

Das tönt plausibel, hält aber einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand, wie Urs P. Gasche, ein profunder Kenner der Gesundheitspolitik, wiederholt monierte. Der ehemalige «Kassensturz»-Moderator ist überzeugt, dass die Alterung der Bevölkerung die Kosten längst nicht so stark beeinflusst wie gemeinhin behauptet. Er stützt sich dabei auf Erkenntnisse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan. Danach sind die Ausgaben der Krankenkassen von 1998 bis 2010 um 77 Prozent gestiegen. Doch nur 6,5 Prozent des Kostenwachstums sind laut Obsan auf die Alterung zurückzuführen. 14,4 Prozent seien dagegen mit der Zunahme der Bevölkerung zu erklären, schrieb Gasche am 7. Mai 2016 im Internetportal «Infosperber».

Das ist der Hammer. Nicht die Alten sind schuld, sondern die Einwanderer. Sie verstopfen also nicht nur unsere Strassen und Züge – sie sorgen auch für höhere Krankenkassenprämien. Nochmals: Nicht ich sage das, sondern Obsan.

Gestern hat sich übrigens Urs P. Gasche im «Infosperber» auch zu den aktuellen Krankenkassenprämien geäussert. «Es wimmelt von faulen Ausreden und Halbwahrheiten. Kaum jemand wagt es, das Übel der Kostenexplosion an der Wurzel zu packen.»

Ich greife hier nur eines der von Gasche genannten Probleme heraus: die Ärzteschwemme. 1980 genügte in der Schweiz ein Arzt pro 406 Einwohner. Ende 2013 gab es einen Arzt pro 250 Einwohner.

Ein Gespräch über «AHV plus»

claude chatelain am Montag, den 19. September 2016

Kürzlich fand mit einem Redaktionskollegen ungefähr folgendes Gespräch statt:

Er: Clödu, du hast angeblich gesagt, die Initiative «AHV plus» sei eine gute Sache.
Ich: So habe ich es nie gesagt.

Er: Aber du sollst eine gewisse Sympathie haben dafür.
Ich: Ja, weil ich dann pro Monat 235 Franken mehr erhielte; 2820 Franken pro Jahr; 56 400 Franken auf 20 Jahre.

Er: So alt wirst du gar nicht.
Ich: Ich stimme weder links noch rechts. Ich stimme hinten rechts – mit dem Portemonnaie. Hahaha.

Er: Die Sache ist zu ernst dafür, Witze zu reissen. Man kann doch nicht so egoistisch denken. Höhere AHV-Renten sind nicht finanzierbar.
Ich: Nicht finanzierbar? Solche Lügen rufen bei mir einen Abwehrreflex hervor. Die Finanzierung der AHV ist nicht eine Frage des Könnens, sondern des Wollens, nicht eine Frage der Finanzierung, sondern des politischen Willens.

Er: Wie soll man das denn finanzieren?
Ich: Via Lohnabzüge fliessen pro Jahr 53 Milliarden in die zweite Säule, hingegen bloss 30 Milliarden in die erste. Man sollte die erste auf Kosten der zweiten Säule stärken.

Er: Das steht nicht zur Debatte.
Ich: Schade.

Er: Du schürst den Generationenkonflikt.
Ich: Der Generationenkonflikt wird von Wirtschaftsvertretern geschürt, die sich für ein höheres Rentenalter starkmachen, obschon sie die Alten gar nicht mehr anstellen wollen. Das ist zynisch.

Er: Eine Erhöhung des Rentenalters ist im Parlament derzeit chancenlos.
Ich: Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Immerhin will die Mehrheit der nationalrätlichen Sozialkommission das Rentenalter erhöhen. Wer heute so was fordert, will gar keine Reform, weil sie zum Scheitern verurteilt ist. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Volk als Protest gegen das Establishment einer Erhöhung der AHV zustimmt.

Er: Bei deinem Alter wärst du von einer Erhöhung des Rentenalters eh nicht betroffen.
Ich: Siehst du? Ich bin eben doch nicht so egoistisch.

Er: Stimmst du jetzt Ja oder Nein?
Ich: Der Kopf sagt Nein, weil sonst die Reform beider Säulen begraben werden müsste. Damit ginge für die Reform der zweiten Säule zu viel Zeit verloren. Das Herz sagt Ja, weil ich die Angstmacherei der Initiativgegner schlecht ertrage.

Er:
Du hast meine Frage nicht beantwortet.

 

Vom hochgelobten Dreisäulensystem ist die zweite Säule jene mit der stärksten Lobby

claude chatelain am Mittwoch, den 14. September 2016

Was wurde doch unser Land von Pensionskassenskandalen heimgesucht: Ascoop, Eidgenössische Versicherungskasse, Bernische Lehrerversicherungskasse (BLVK), Personalvorsorge des Kantons Zürich (BVK),  SBB-Pensionskasse und aktuell die Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen. Manchmal führte kriminelle Energie zum Desaster, manchmal Misswirtschaft, manchmal eine falsche Anlagestrategie, doch in fast allen Fällen musste der Steuerzahler blechen. Und meistens haben die Versicherten Sanierungsbeiträge zu leisten und tiefere Leistungen in Kauf zu nehmen. Sie hatten einfach das Pech, beim falschen Arbeitgeber angestellt zu sein.

Asip-Direktor Hanspeter Konrad

Asip-Direktor Hanspeter Konrad will nicht die erste und zweite Säule gegeneinander ausspielen.

Hanspeter Konrad, Direktor beim Pensionskassenverband Asip, meinte jüngst an einer Medienkonferenz, es sei nicht «zielführend», die erste und die zweite Säule gegeneinander auszuspielen. Wäre ich Interessenvertreter der zweiten Säule, würde ich das Gleiche sagen. Ich betrachte mich aber als freien Geist und finde es durchaus zielführend, Stärken und Schwächen dieser beiden Säulen näher zu betrachten.

Vom hochgelobten Dreisäulensystem ist die zweite Säule jene mit der stärksten Lobby und den grössten Skandalen. Sie ist auch extrem kompliziert, hat viele Mitesser, ist mit unverständlichen Begriffen durchsetzt und sauteuer. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist sie jedenfalls teurer als die erste, wie in dieser Spalte zu lesen war: Knapp 30 Milliarden Franken zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Jahr in die AHV, beide gleich viel. In die zweite Säule zahlen sie hingegen 53 Milliarden Franken ein.

Gemäss einer Umfrage von GFS Zürich zöge jeder Fünfte das Kapital der Rente vor, wenn er heute vor der Wahl stünde. Ein Jahr zuvor hatten sich bei dieser jährlichen Umfrage nur halb so viele für die Auszahlung des gesamten Kapitals ausgesprochen. Wenn das kein Misstrauensvotum ist. Kein Wunder, hüten sich Lobbyisten der beruflichen Vorsorge davor, die erste und die zweite Säule gegeneinander auszuspielen.

Wann die AHV-Rente um 10 Prozent und wann sie um 70 Franken erhöht wird

claude chatelain am Montag, den 5. September 2016
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Der Ständerat will die AHV-Rente um 70 Franken erhöhen.

Heute wollen wir uns mit der ersten Säule beschäftigen, ist doch die AHV momentan auf mehreren Ebenen ein Thema. Da ist die Volksinitiative AHV-Plus, über die wir am 25. September abstimmen. Und da ist die Altersvorsorge 2020, die derzeit von der nationalrätlichen Sozialkommission beraten wird.

Aus diesem Reformpaket greife ich  einen  Punkt heraus: Die vom Ständerat vorgeschlagene Erhöhung der AHV-Rente um 70 Franken.  Diese  keineswegs beschlossene 70-fränkige Aufstockung wird häufig  mit der 10-prozentigen  Erhöhung  von AHV-plus durcheinander gebracht.

AHV-plus tritt in Kraft, sofern wir am 25. September Ja sagen. Sollte das der Fall sein, müsste das ehrgeizige Reformpaket 2020 von Grund auf neu geschnürt werden.

Die Erhöhung der Rente um 70 Franken ist  bloss ein Vorschlag des Ständerats. Noch muss der Nationalrat darüber befinden.  Wie weit die grosse Kammer an diesem Vorschlag Gefallen findet, hängt sicher auch vom Abstimmungsresultat der AHV-plus-Initiative ab. Wird sie haushoch abgelehnt, können wir die 70 Franken vergessen.

Noch ein wichtiger Unterschied: Von der 10-prozentigen Erhöhung laut AHV-plus würden alle Rentnerinnen und Rentner profitieren, auch die heutigen. Hingegen die im Raum stehenden 70 Franken erhielten nur künftige Rentner. Hier stellt sich  die Frage, wann das Reformpaket in Kraft träte.

Für mich, Jahrgang 1953, könnte es zeitlich eng werden, um von den 70 Franken zu profitieren, zumal sie  noch gar nicht beschlossen sind. Die Reform müsste bereits 2018 in Kraft treten. Das wäre sportlich. Gewinnt jedoch die AHV-plus-Initiative am 25. September eine Mehrheit, so könnte ich so oder so profitieren.

Die Bürgerlichen sind gegen die Initiative; die Linken sind dafür. Doch vielleicht hat die NZZ Recht. Sie sagte, das Schweizer Volk stimme bei AHV-Vorlagen weder links noch rechts ab, sondern hinten rechts mit dem Portemonnaie.

Wie kommt man zu einem kleineren Vermögen?

claude chatelain am Montag, den 29. August 2016

Ein Vermögensberater muss einer Anlegerin rund 286’ 000 Franken Schadenersatz zahlen.

Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen? Ganz einfach: Indem man mit einem grossen anfängt. Vielleicht ­haben Sie es auch gelesen: Ein Vermögens-berater muss einer Anlegerin rund 286’000 Franken Schadenersatz zahlen. Das Bundesgericht bestätigte damit ein Urteil des Zürcher Obergerichts. Der Mann hatte ein Vermögen von 940’000 anzulegen. In vier Jahren schmolz das Guthaben auf 40’ 000 Franken. In dieser Zeit hatte die geschädigte Frau lediglich 85’ 000 Franken bezogen. Der Rest versickerte an der Börse.Vielleicht ­haben Sie es auch gelesen. Nun muss er einer Anlegerin rund 286 000 Franken Schadenersatz zahlen. Das Bundesgericht bestätigte damit ein Urteil des Zürcher Obergerichts. Der Mann hatte ein Vermögen von 940’000 anzulegen. In vier Jahren schmolz das Guthaben auf 40’ 000 Franken. In dieser Zeit hatte die geschädigte Frau lediglich 85’ 000 Franken bezogen. Der Rest versickerte an der Börse.

Alle Achtung. Das muss mal einer dem Mann nachmachen. Er nahm ohne Wissen der Klientin Kredite auf, um mit dem Geld zu spekulieren. Zudem investierte er in strukturierte Produkte. Also in jene komplexen Finanzinstrumente, die keiner versteht. Na bravo.

Ich staune immer wieder, wie viel Vertrauen gewisse Vermögensverwalter geniessen. Eine Freundin zeigte mir kürzlich ihr Depot. Verwaltet wurde es von einem Kollegen einer Kollegin von ihr. In diesem Depot befanden sich drei Obligationen von Credit Suisse, Julius Bär, Swiss Life sowie drei Aktienpakete von Swiss Re, UBS und Zürich-Versicherungen. Alles nur Finanztitel. Bei jedem dieser sechs Positionen war der Einstandspreis über dem Marktwert. Immerhin: Der Verlust hielt sich in Grenzen.

Ganz anders bei der Senslerin Trudi Lauper, die ihre Geschichte den «Freiburger Nachrichten» erzählte. Die Wirtin vom Sternen in Tentlingen vertraute einem Bekannten, der einen Teil ihres Pensionskassengeldes in ein Bungalowprojekt in Haiti investieren sollte und dann abtauchte. Nun wartet sie auf den Verlustschein. «Man darf doch noch Vertrauen in die Menschen haben», sagte sie den FN. «Ich habe zu Hause gelernt, dass man ein gewisses Gottvertrauen haben sollte.»

Schön wärs. Und wenn wir schon beim Thema sind: Ein Sparer fragt seinen Anlageberater: «Ist jetzt wirklich all mein Geld weg?»
«Aber nein, das ist doch nicht weg. Es gehört jetzt nur jemand anderem.»

Über den Steuerabzug für die VIP-Tribüne

claude chatelain am Mittwoch, den 24. August 2016
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Die Kosten für die VIP-Tribüne beim SCB kann man steuerlich absetzen. Schwieriger ist das lediglich für Zürcher KMU.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen beginnt schon bald wieder die Eishockeysaison. Aus diesem aktuellen Anlass wollen wir der Frage nachgehen, wie weit eine Firma ihre Ausgaben für VIP-Tribünenplätze, VIP-Logen und VIP-Mitgliedschaften steuerlich in Abzug bringen darf. Man müsste meinen, dass solche Ausgaben geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen, soweit sie der Öffentlichkeitsarbeit dienen und mit verkaufsfördernden Massnahmen verbunden sind. Dies hatte das Bundesgericht früher einmal bestätigt.

Das Steueramt Zürich hat seine eigene Interpretation. Für die Mitgliedschaft im Member Club des Schlittschuhclubs Bern (SCB), inklusive zweier Sitzplätze auf der VIP-Tribüne Kategorie VIP-Mitte, zahlte eine IT-Firma je 10 000 Franken. Zudem machte sie für die Mitgliedschaft im Executive Club und das Anrecht auf zwei weitere Sitzplätze auf der VIP-Tribüne einmal 26 666 Franken und im folgenden Jahr 40 000 Franken locker. Nun wollte der Zürcher Steuervogt lediglich den Abzug für die Tickets von 10 000 Franken akzeptieren. Die Mitgliedschaft im Executive Club sei dagegen «blosses Mäzenatentum ohne konkrete Gegenleistung».

«Nicht mit mir», sagte sich die Zürcher IT-Firma und zog den Fall bis ans Bundesgericht, von dem sie zumindest in dieser Sache recht bekam.

Beim Lesen des Gerichtsurteils vom 3. Mai ging mir spontan durch den Kopf, dass die Zürcher Veranlagungsbeamten die Steuerklärung der IT-Firma vermutlich an jenen Märztagen begutachteten, an welchen der achtplatzierte SCB in den Playoffs den erstplazierten ZSC aus dem Wettbewerb katapulierte. Mit 4:0, um es nochmals gesagt zu haben.

Na ja, der Fall reicht offenbar weiter zurück. So oder so zeige ich durchaus Verständnis, dass den Zürcher Steuerbeamten die Emotionen durchgingen. Es schickt sich nicht, als Zürcher Firma einen Berner Grossverein zu unterstützen und damit erst noch den eigenen Kanton um Steuereinnahmen zu bringen. Schliesslich, so wird sich der Zürcher sagen, fliesst via Finanzausgleich schon genug Geld von der Limmat an die Aare.

Arbeitgeber zahlen deutlich mehr in die zweite als in die erste Säule

Claudia Salzmann am Dienstag, den 16. August 2016

AHV Plus

Bei der Volksinitiative «AHV plus», die am 25.  September an die Urne kommt, sind die Meinungen gemacht: Die politische Linke ist dafür; die Rechte ist dagegen, und die Mitte hat derzeit nichts zu sagen. Es gibt nur Schwarz und Weiss.

Interessant ist das Argument der Rechtsparteien. Sie sagen, die Unternehmen könnten ­höhere Lohnbeiträge für die ­Finanzierung der AHV nicht verkraften. Doch geht es um Lohnbeiträge für die zweite Säule, so sind die Arbeitgeber insgesamt betrachtet alles ­andere als knauserig.

Knapp 30 Milliarden Franken zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Jahr in die AHV; beide gleich viel. In die zweite Säule zahlen sie hingegen 53 Milliarden Franken, einen grossen Teil davon freiwillig. Wobei hier die Arbeitgeber insgesamt mehr einzahlen als Arbeitnehmer. Sie tun dies im überobligatorischen Bereich im Interesse ihrer Belegschaft.
Nun könnte man also argumentieren, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer alles in allem weniger in die zweite Säule, dafür mehr in die erste Säule einzahlen sollten. Politisch ­Unabhängige, etwa der Zürcher Titularprofessor Ernst Brugger, plädieren schon längst für eine Stärkung der ersten auf Kosten der zweiten Säule. Diese Forderung ist freilich nicht Gegenstand der Debatte. Denn die Befürworter der Initiative wollen die zweite Säule nicht schwächen. Sie wollen den Fünfer und ds Weggli.

Zudem würden die Wirtschaftsvertreter zu einer solchen Umverteilung von der zweiten zur ersten Säule kaum Hand bieten. Wenn die Beiträge für die AHV erhöht werden, profitiert mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung. Das nennt man Solidarität. Wenn indessen die Beiträge für die Pensionskasse erhöht werden, profitieren die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens. Wobei die Gutverdienenden überdurchschnittlich pro­fitieren.

Wenn also Arbeitgeberver­treter, die faktisch und arbeitsrechtlich häufig Arbeitnehmer sind, für höhere Lohnabzüge stimmen, so tun sie das (auch) fürs eigene Portemonnaie.

Über den (Helvetia) Schweizer Cup

claude chatelain am Montag, den 8. August 2016

1469025457467Heute wollen wir uns mit der Helvetia-Versicherung befassen, denn am kommenden Wochenende ist Saisonstart im Schweizer Cup, entschuldigung: im Helvetia Schweizer Cup. Was in der jüngsten Vergangenheit Würth Schweizer Cup und vorher Swisscom Cup hiess, sollen wir nun gefälligst Helvetia Schweizer Cup benamsen.

Den Gründervätern, die 1858 das  Unternehmen auf «Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft Helvetia» tauften, dürfen wir ein gerüttelt Mass an Visionen attestieren. Die Frauenfigur versinnbildlicht die Schweiz. Swissness ist ein Label für Qualität. Einen besseren Markennamen als Helvetia kann man sich kaum wünschen.

Hervorragend eignet sich dieser Name fürs Sportsponsoring.  Das beweist das Engagement im Skisport, wo der Versicherer als Sponsor von Swiss Ski und erfolgreicher Athleten wirkt. Wenn der Abfahrer in der Hocke am Lauberhorn den Haneggschuss herunterrast, so wird dem geneigten Fernsehzuschauer der Firmenname auf dem Oberschenkel nicht entgehen. Bei diesem Anblick muss das patriotische Herz ja höher schlagen. Man stelle sich vor, auf dem Oberschenkel würde «Zürich», «Basler», «Allianz» oder «Axa» prangen — als Berner müsste man  den Österreichern die Daumen drücken.

Nun will  sich Helvetia auch bei Fussballfans in Erinnerung rufen. In den nächsten vier Jahren ist Helvetia der neue Partner des Schweizer Fussballcups, der fortan wie gesagt Helvetia Schweizer Cup heissen soll. Warum um Gottes Willen nicht einfach Helvetia Cup? Warum diesen weissen Schimmel? Schliesslich hiess der Wettbewerb früher auch mal Swisscom Cup und nicht Swisscom Schweizer Cup.

Gerade die Erfahrung des Telekomanbieters soll es gewesen sein, was die Sponsoring-Fachleute dazu bewog, den Fussball-Wettbewerb Helvetia Schweizer Cup zu nennen. Mit Swisscom Cup sei nicht jedem klar gewesen, dass es sich um den traditionellen Schweizer Cup handelt. Schweizer Cup sei ein etablierter Name.

Wunderbar. Lassen wir es doch dabei.  Ich freue mich auf die Spiele im Schweizer Cup.

Passiv versus Aktiv oder ein Vergleich von Äpfel mit Birnen

claude chatelain am Mittwoch, den 3. August 2016

Neftenbach ZH 28.01..2009 / Früchte im neuen Denner Satellit am Zwischenweg . Bild: Heinz Diener

Nur 33 von 4600 Aktienfonds vermochten den Vergleichsindex über fünf Jahre konsequent zu übertreffen. Über die entsprechende Studie berichtete ich am 17. Mai an dieser Stelle. Ein Leser monierte, der Vergleich zwischen der Performance eines aktiv bewirtschafteten Aktienfonds und einem Börsenindex sei ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, weil Aktienfonds häufig allein wegen der Kosten schlechter abschneiden würden. Ein Index enthalte keine Kosten.

Der Leser, vermutlich ein Banker, hat recht: Das Managen eines Aktienfonds mit gezieltem Über- und Untergewichten von Aktien kostet Geld. Bei aktiv bewirtschafteten Anlagefonds muss das Team Analysen studieren, Unternehmensbilanzen auswerten oder gar Firmen besuchen. Diesen Aufwand zahlt der Kunde mit der Managementgebühr, die je nach Aktienfonds bis zu 2 Prozent betragen kann. Die Gebühr wird dem Fondsvermögen belastet und schmälert somit die Rendite.

Erzielt der Fondsmanager vor Abzug der Kosten eine Rendite von 6 Prozent, während der zugrunde liegende Index bloss um 5 Prozent zulegt, so kann man dem Fondsmanager dazu gratulieren. Dem Anleger ist freilich wenig geholfen: Mit einer Managementgebühr von zum Beispiel 2 Prozent liegt die Fondsrendite unter dem Strich bei 4 Prozent. Mit einem passiven Aktienfonds, der mit minimalen Kosten den Index abbildet, wäre man in diesem Fall besser gefahren.

Mich interessiert, ob ich mit einem aktiven oder einem passiven Anlagefonds besser fahre. Was besser ist, weiss man erst im Nachhinein. Dank der Studie weiss ich aber im Voraus, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich über 50 Prozent oder sogar bei 90 Prozent liegt, mit einem passiven Fonds eine höhere Rendite nach Kosten zu erzielen als mit einem aktiven.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Frage an einen Börsenmakler: «Warum geht es Ihnen so gut?» Antwort: «Jeden Tag läuft hier ein Depp vorbei, und den erwisch ich.»

Simonetta Sommaruga zahlt ihre Steuern nicht mehr in Köniz

claude chatelain am Freitag, den 22. Juli 2016
Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier vom Dezember 2014.

Peter Rothenbühler, Kolumnist in der Schweizer Illustrierten, bewundert, wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga von Köniz nach Bern zügeln konnte, ohne dass ein grosses Aufheben gemacht wurde. Er bewundert die Coolness von uns Schweizern. Wenn eine Ministerin nicht mehr bei ihrem Partner wohnt, sage der emanzipierte Normalbürger nur: “U de?” Rothenbühler schreibt dies, damit es dann wirklich jeder weiss.

Was hat das mit Finanzen zu tun? Nichts. Doch ein Leser hat die Kolumne gelesen und mir die Frage gestellt, was die Trennung von Bundesrätin Sommarruga und Schriftsteller Lukas Hartmann für steuerliche Konsequenzen habe.

Um es vorweg zu nehmen: Ich gehe nicht davon aus, dass bei unserer Justizministerin Steueroptimierung im Vordergrund steht. Zudem geht es uns gar nichts an, wie das berühmte Ehepaar ihre steuerlichen Pflichten regelt.

Da es jedoch im Trend liegt, zusammen zu leben, ohne zusammen zu wohnen, so ist doch die Frage interessant, wie in solchen Fällen zu verfahren ist. Klar ist, dass unsere Bundesrätin in der Gemeinde Bern steuerpflichtig wird. Sie verlegte ihre Schriften in die Bundesstadt und hat dort ihren Lebensmittelpunkt. Die beiden werden für das ganze Jahr – und nicht erst ab dem Zügeltermin – getrennt veranlagt.

Offen ist, wie die Liegenschaft in Köniz zu versteuern ist, in welcher nun der Schriftsteller alleine wohnt. Gehört sie beiden, so besteuern sie das Haus entsprechend ihrer Quote. Das gilt für den Eigenmietwert, die Schuldzinsen wie auch für den Unterhalt. Möglich ist, dass der im Haus bleibende Mann seiner Frau einen Mietzins bezahlt, sollte sie Mitbesitzerin oder gar Alleinbesitzerin sein. Die Höhe dessen ist jedoch eine güterrechtliche und nicht eine steuerliche Frage.

Gehört die Liegenschaft ausschliesslich Lukas Hartmann, dann dürfte der Fall klar sein. Gehört sie ausschliesslich Simonetta Sommaruga, so müsste ihr Mann ihr wohl einen Mietzins bezahlen, den sie statt den Eigenmietwert als Einkommen versteuern müsste. Wie gesagt: All das geht uns gar nichts an.

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