Wirtschaft

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Mit der Familieninitiative wird das Steuergesetz kaum vereinfacht

claude chatelain am Montag, den 23. Februar 2015
66-25139484

Familien profitieren von allerhand Kinderabzügen. Warum ein einfaches Gesetz verabschieden, wenn es kompliziert auch geht?

Bei der Familieninitiative, über die wir am 8.März abstimmen, geht es wie meistens ums Geld.  Die Befürworter wollen die Kinder- und Ausbildungszulagen von der Einkommenssteuer befreien. Und die Gegner sagen, die Schweiz könne sich den Steuerausfall nicht leisten.

Ich habe Mühe mit dieser Debatte. Ich sehe nicht ein, weshalb man auf der einen Seite Kinderzulagen besteuert und auf der anderen Seite die Familien mit allerhand Kinderabzügen wieder entlastet. Falls gewisse Kantone den Steuerausfall nicht hinnehmen wollen, können sie den Kinderabzug kürzen. Wir hätten ein Nullsummenspiel.

Der Gesetzgeber will jedem Spezialfall gerecht werden. Deshalb handelt er nach dem Motto: Warum ein einfaches Gesetz verabschieden, wenn es kompliziert auch geht? Ganze 58 Seiten umfasst das Kreisschreiben, das die Eidgenössische Steuerverwaltung zur «Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer» verfasste. Das Merkblatt 12 der Steuerverwaltung des Kantons Bern unterscheidet zwischen zehn verschiedenen Kinderabzügen.

Besonders geschiedene Eltern stehen vor der sportlichen Frage, wer  den entsprechenden Abzug vornehmen darf, ob der Vater oder die Mutter oder beide oder keiner von beiden. Beim einen Abzug ist es der Vater; beim anderen ist es die Mutter. Unter Umständen wird die geschiedene Mutter den Kinderabzug für die 13-jährige Tochter und der Vater den gleichen Abzug für den mündigen, in Ausbildung befindlichen Sohn vornehmen.

Mehr und mehr Leute sind nicht mehr in der Lage, die Steuererklärung selber auszufüllen. Sie müssen einen Steuerexperten anheuern, nicht nur wegen der Kinderabzüge. Das Steuergesetz ist kompliziert und wird immer komplizierter. Das ist das wahre Problem.

Wer am 8.März ein Ja in die Urne legt, wird an diesem Hauptproblem nichts ändern. Wer ein Nein einwirft, auch nicht.

An die höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen

claude chatelain am Montag, den 16. Februar 2015

Eine arme Witwe schreibt dem Christkind einen Brief: «Liebes Christkind, ich bin sehr arm, bitte schicke mir 100 Franken.» Der Brief gelangt irgendwie zu ihrer Bank,  wo sofort eine Sammlung durchgeführt wird. Sie bringt immerhin 90 Franken zusammen. Das Geld schickt sie der Frau. Die Witwe schreibt in ihrer Dankbarkeit zurück: «Liebes Christkind, vielen Dank für das Geld. Aber schicke es das nächste Mal nicht mehr an die Bank, denn diese Gauner haben mir gleich 10 Prozent Bearbeitungsgebühr abgezogen.»

Weihnachten ist zwar vorüber; doch der Ärger über die Gebührenpolitik der Banken ist immer noch akut. Bankkunden staunen, dass das Konto nicht mehr spesenfrei ist oder dass die Bank die Gebühren erhöht. Weil die Banken  mit dem Zinsdifferenzgeschäft kaum mehr Geld verdienen, holen sie es  anderswo herein, eben mit Gebühren. Zur Präzisierung: Das Führen eines Kontos kostete die Banken  schon immer Geld, nur dass sie auf Spesen verzichteten, weil sie mit dem Zinsdifferenzgeschäft genug verdienten.

An all die neuen und höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Banken verlangen höhere und neue Gebühren.

Eine Gebührenerhöhung ist auch auf Wertschriftendepots zu erwarten. Sogar auf den Depots von Vorsorgefonds 3a wird mitunter eine Gebühr erhoben. Diese Gebührenerhöhung ist freilich nicht mit dem raueren Wind zu erklären, der den Banken um die Fassade bläst.  Sie ist vielmehr eine Folge erhöhter Transparenz. Denn wenn eine Bank im Auftrag des Kunden Fondsanteile kauft, erhält sie von der Fondsgesellschaft eine Provision, genannt Retrozession oder Kickback. Doch das Bundesgericht hat wiederholt bekräftigt, dass die Banken solche Retros nicht telquel in den eigenen Sack stecken dürfen. Deshalb setzen mehr und mehr Institute auf retrofreie Fonds. Damit entgeht ihnen die Verkaufsprovision, die sie nun mit einer höheren Depotgebühr kompensieren.

Solange üppige Zinsen fliessen oder die Finanzmärkte boomen, stört sich der Bankkunde nicht an den Gebühren. Wenn aber die Spesen höher sind als der Zinsertrag, so tut das doppelt weh:  Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Dividendenpapiere haben die Funktion von Zinspapieren übernommen

claude chatelain am Montag, den 9. Februar 2015

Wer Obligationen kauft, tut dies wegen des Zinsertrags, der alle Jahre dem Konto gutgeschrieben wird. Wer hingegen Aktien kauft, tut dies  in der Hoffnung auf steigende Kurse.

So klang es in der Vergangenheit. Heute ist alles anders: Die Zentralbanken überschwemmen die Wirtschaft mit derart viel Geld, dass dieses praktisch gratis zu haben ist. Der Zins, der Preis für das Geld, ist nahe bei null oder sogar negativ. Ergo werfen Obligationen derzeit kaum mehr Erträge ab.

Anders die Aktien: Etliche schütten  wiederholt üppige Dividenden aus. Viele  Anleger, welche auf eine regelmässige Ausschüttung angewiesen sind, kommen daher mit Aktien eher auf die Rechnung als mit Obligationen. So sind die Dividendenpapiere zu so etwas wie einem Obligationenersatz mutiert. Setzt man die Dividende in Relation zum gegenwärtigen Aktienkurs, ergibt sich daraus die Dividendenrendite. Bei Nestlé beispielsweise beträgt sie 3 Prozent; bei Novartis 2,8 Prozent, bei Swisscom 4 Prozent, bei Sunrise 4,5 Prozent und bei der Zürich gar 5,44 Prozent. Selbst wenn das Unternehmen die Dividende wegen eines enttäuschenden Geschäftsjahres halbieren müsste, resultieren immer noch höhere Renditen als mit Obligationen.

Nun hat die Nationalbank Mitte Januar die Aktionäre ziemlich wachgerüttelt. Mit der Aufhebung der Eurountergrenze und der damit einhergehenden Verteuerung des Frankens befürchten Investoren insbesondere bei den exportorientierten  Schweizer Unternehmen erhebliche Gewinneinbussen. Nimmt man all die veröffentlichten Analysen zum Gradmesser, scheinen sich  die Aktionäre weniger über einen Taucher des Aktienkurses  denn über die Kürzung der Dividende zu sorgen. Dividendenpapiere haben die Funktion von Zinspapieren übernommen.

Fazit: Wer auf Kursgewinne setzt, kauft Aktien. Und wer regelmässige Ausschüttungen wünscht, kauft ... Aktien. Ein diversifiziertes Portefeuille sieht anders aus.

Zum Glück wird die Sozialhilfe nicht national geregelt

claude chatelain am Sonntag, den 8. Februar 2015
© 2009 BŽatrice Devnes

Dorothee Guggisberg leitet die Skos-Zentrale in Bern mit ihren neun Mitarbeitern.

Die Sozialversicherungen, von der AHV über die IV, berufliche Vorsorge, Arbeitslosenversicherung, Unfall- und Krankenversicherung bis hin zur Mutterschaftsversicherung, sind nationale Angelegenheiten. Beiträge und Leistungen sind schweizweit identisch.

Erstaunlich, dass ausgerechnet die Sozialhilfe, das letzte soziale Auffangnetz, in der Kompetenz der Kantone liegt. Gewisse Kantone, etwa St. Gallen, haben die Festsetzung der Richtlinien an die Gemeinden delegiert. Da ist zwar so ein Verein, die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos), der Richtlinien herausgibt. Doch die Kantone sind nicht an diese Richtlinien gebunden. Und um beim Beispiel von St. Gallen zu bleiben: Dort haben die Gemeinden eigene Richtlinien. Kein Wunder, dass der Ruf laut wird, die Sozialhilfe müsse national geregelt werden. Es wäre nichts als logisch. Wenn ich mir aber vorstelle, wie sich das Bundesparlament dann über die Höhe der Leistungen streiten wird, so wird mir angst und bange: Für die Linken können die Unterstützungsbeiträge nicht hoch genug sein; für die SVP können sie nicht tief genug sein. Und die Mitteparteien werden unter der Führung der CVP irgendeinen Kompromiss suchen. Dies mit dem Resultat, dass weder die Linke noch die Rechte dem Kompromissvorschlag zustimmen wird. Unheilige Allianz nennt sich das.

Alles schon passiert. Nicht nur einmal. Lehren werden daraus keine gezogen. 1997 ist die 10. AHV-Revision in Kraft getreten. Seither werkeln Bundesrat und Parlament an der 11. Revision. Bei der Altersvorsorge 2020, wie sie Bundesrat Alain Berset zimmerte, droht genau das gleiche Gemetzel. Dem heutigen Bundesparlament traue ich nicht zu, ein Bundesgesetz über die Sozialhilfe mit verbindlichen Vorgaben erarbeiten zu können. Ein jahrelanges Hin und Her wäre die Folge. Darauf können wir getrost verzichten. Mit dem Verein und seinen bloss neun Mitarbeitenden sind wir da gar nicht so schlecht bedient.

Die Versicherer haben ihr Image verbessert – dank der Banken

claude chatelain am Montag, den 26. Januar 2015

Älteren Semestern ist der Satz geläufig: «Wer nichts wird, wird Wirt. Ist ihm das nicht gelungen, geht er zu den Versicherungen». Jedes Kind kannte den Spruch. Heute  ist diese Redewendung bei  jüngeren Kolleginnen und Kollegen kaum mehr bekannt, wie ich aufgrund einer kurzen Umfrage im Grossraumbüro feststellen konnte.

Früher lag das Image der Versicherungswirtschaft ziemlich im Argen. Versicherungsagenten würden viel versprechen und nichts halten. Sie würden einem Versicherungen aufschwatzen, die man nicht brauche. Es  zähle allein die Provision. Dass das nicht nur ein Klischee ist, konnte man mit eigenen Augen sehen, sobald man vom Agenten heimgesucht wurde. Der Massanzug und die edle Karosse schien den üppigen Fluss von Provisionen zu bestätigen.

Das war einmal. Das Image der Versicherer ist besser geworden. Dazu beigetragen hat auch der Umstand, dass die Versicherungsgesellschaften  im Unterschied zu etlichen Banken die Kliffen der Finanzkrise ziemlich elegant zu umschiffen wussten.

Allerdings  bin ich  der Meinung, dass die Versicherer nicht viel dafür können, dass sie heute in den Augen der Öffentlichkeit besser dastehen. Ich hege eher den Verdacht, dass die Versicherer  vom Imageverlust der Banken profitieren. Letztere kommen aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Man hört von:

- unügendenden Eigenmitteln
- Retrozessionen, die sie in den eigenen Sack stecken, statt sie dem Kunden gutzuschreiben
- Beihilfe zur Steuerhinterziehung, auch nachdem Uncle Sam bereits die Messer wetzte
- manipulierten Zinssätzen im Liborskandal
- Marktmanipulationen, wie  im Fall der Valiant-Bank und der Coop Bank.
- Strukturierten Produkten, die selbst der Bankberater nicht versteht.

Erlauben Sie mir   in Anlehnung an den eingangs zitierten Spruch,  mein limitiertes lyrisches Talent zu offenbaren:
«Es erübrigt sich  zu zanken; das schlechtere Image haben die Banken.»

 

Thomas Jordan hat die Grenzen aufgezeigt

claude chatelain am Montag, den 19. Januar 2015

Beispiel USA: Nach Ausbruch der Finanzkrise war es nicht das Geschwätz eines George W.Bush oder eines Barack  Obama, das  dem System zu Stabilität verhalf. Es war die Federal Reserve Bank. Sie überflutete die Märkte mit Liquidität und bewahrte damit das weltweite Finanzsystem vor einem Zusammenbruch – koste es, was es wolle.

Beispiel Europa: Auf die Finanzkrise folgte die Schuldenkrise und damit die Eurokrise. Auch hier waren es nicht Angela Merkel und schon gar nicht Nicolas Sarkozy oder sein Nachfolger François Hollande, die die Märkte zu beruhigen wussten. Es war Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, der mit seinem denkwürdigen Satz von Mitte 2012 die Spekulanten in die Schranken wies. Er sagte damals:  «Die Europäische Zentralbank ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Glauben Sie mir: Es wird genug sein.» Noch gilt Draghi als Retter des Euro.

Beispiel Schweiz: Als der Franken immer stärker und stärker wurde, schnürten Bundesrat und Parlament flugs ein Hilfspaket für die Exportindustrie. Doch das Paket brachte nichts. Es war die Notenbank, die mit ihren beherzten Devisenkäufen den Eurokurs auf 1.20 Franken  stabilisierte –  koste es, was es wolle. Die Schweizerische Nationalbank galt der Retter der Nation.

Fazit: Regierungen verschulden sich und lassen sich von den immer mächtiger werdenden Banken in Geiselhaft nehmen. Und wenn es brennt,  müssen die Zentralbanken die Kastanien aus dem Feuer holen.  «Es besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik mit Aufgaben überfrachtet wird, die nicht in ihre Kompetenzen und in ihre Zuständigkeit fallen», schrieb die Denkfabrik Avenir Suisse im Juli 2013.

Noch schlimmer: Die Regierungen können dem Schlendrian frönen und sich sagen: «Die Zentralbank wird es schon richten.» Deshalb ist es positiv, dass  Thomas Jordan die Grenzen aufgezeigt hat. Und was die Eurozone betrifft: Je länger die EZB geldpolitische Feuerwehrübungen durchführt, desto weniger Druck verspüren Länder wie Frankreich und Italien, ihre verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

«An den Finanzmärkten hat sich eine riesige Blase aufgebaut»

claude chatelain am Samstag, den 10. Januar 2015
Martin Neff: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter».

Martin Neff: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter.»

Jeweils gegen Ende  Oktober gehts  los mit dem Reigen der Prognosen für das kommende Jahr. Banken für Banken laden zum Outlook.  Die meisten erzählen dasselbe. Sie erklären, weshalb Aktien  trotz rekordhoher Kurse attraktiv seien. Sie sagen, es gebe schlicht keine Alternativen. Und sie verraten, in welcher Branche in  welcher geografischen Region sie das grösste Potenzial orteten.

Erst letzte Woche lud auch Raiffeisen Schweiz zur Medienkonferenz. Allfällige Befürchtungen  eines Dejà-vue erwiesen sich aber als unbegründet.  Chefökonom Martin Neff hielt kein Plädoyer für Dividendenpapiere. Vielmehr wies er darauf hin, was einigen womöglich nicht bewusst ist und viele andere  verdrängt haben. «Nine fifteen ist noch nicht ausgestanden».

«Nine fifteen» ist zumindest in Finanzkreisen  ein stehender Begriff: Am 15. September 2008 musste die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmelden. Dies war der Startschuss einer neuen  Ära — der Ära der Geldhüter.
Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank wie auch die Schweizerische Nationalbank liessen die Gelddruckmaschinen anwerfen und  überschwemmten den Markt mit Liquidität. Damit verliess die Geldpolitik laut Martin Neff «den Pfad der Tugend, begnadigt die öffentlichen Schuldner, finanziert die öffentlichen Haushalte und stimuliert die Finanzmärkte». All das hat Nebenwirkungen. «An den Finanzmärkten hat sich eine riesige Blase aufgebaut», sagt der Raiffeisen-Ökonom.

Während die Notenbanker gemeinhin als Retter der Not verehrt werden, äussert Martin Neff eher kritische Worte: «Dass die monetäre Ambulanz sechs Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss,  ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter».  Wenn ständig neue Massnahmen beschlossen würden, bedeute das, dass die alten nicht funktionieren.

Die ernüchternde Diagnose des Chefökonomen: «Die monetäre Ambulanz ist noch immer vor Ort, das Warnlicht blinkt, nur die Sirenen sind abgeschaltet».

Vom Übergewicht

claude chatelain am Montag, den 5. Januar 2015

Heute wollen wir uns mit dem Übergewicht befassen. Ich meine nicht das Übergewicht, das wir uns über die Festtage zugelegt haben. Ich meine das Übergewicht von Aktien oder Obligationen. Wertschriften werden laufend übergewichtet, untergewichtet oder neutral gewichtet. Das ist ihr Schicksal.

Derzeit werden Aktien eher übergewichtet. Das heisst, dass Experten im heutigen  Marktumfeld den Aktien ein grösseres Gewinnpotenzial zutrauen als Obligationen. Und es heisst, dass man den in der Anlagestrategie definierten Aktienanteil etwas nach oben schrauben sollte.
Ich werde nicht selten gefragt, wie ich  es mit dem Übergewichten von Aktien halte. Um ehrlich zu sein: Bei mir gibt es nichts   über-, unter- oder neutral zu gewichten.   Denn ich folge keiner  Anlagestrategie.  Ich habe keine Prozentzahl und auch keine  Bandbreite festgelegt, wie hoch der Aktienanteil in meinem Fall sein darf.

Zudem kann ich Aktien gegenüber Obligationen auch deshalb nicht  übergewichten, weil ich gar keine Obligationen besitze und vom Kauf solcher Papiere abrate. Ich habe nur Aktienfonds, Immobilienfonds und Cash. Ich  sehe im heutigen Umfeld keinen Grund, in Obligationen zu investieren. Die mündelsicheren Papiere werfen kaum Zinsen ab. Und wenn das Zinsniveau wieder eine vernünftige Höhe erreicht, werden die Obli-
Kurse in die Tiefe sacken. Ein Aufwärtspotenzial, wie das bei Aktien nicht auszuschliessen ist, kann ich bei Obligationen nicht ausmachen.
Eine Redewendung besagt: Mit Aktien gut essen, mit Obligationen gut schlafen. Auch damit weiss ich wenig anzufangen. Bei mir heisst es: Mit Aktien gut essen, mit Cash gut schlafen. Und sobald die Aktienkurse in die Tiefe sausen, was sie irgendeinmal tun werden, werde ich mit dem Geld auf dem Konto zuschlagen. Frei nach dem Motto: Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse.

Deshalb brauche ich über das Übergewicht von Aktien keine Gedanken zu verschwenden. Das andere Übergewicht, eben jenes von den Festtagen Na ja, lassen wir das.

So düpierte Pierin Vincenz die Konkurrenz

claude chatelain am Dienstag, den 23. Dezember 2014

Die Clientis-Gruppe nimmt nicht am Steuerprogramm teil. Dies teilte die Gruppe mit ihren 15 unabhängigen Regionalbanken gestern mit. Von aussen betrachtet scheint dies ein weiser Entscheid zu sein. Womöglich liess sich Clientis von Raiffeisen beziehungsweise deren Chef Pierin Vincenz leiten.

Pierin Vincenz, cleverer Chef der Raiffeisenbanken.

Pierin Vincenz, cleverer Chef der Raiffeisenbanken.

Die Geschichte geht so: Die Banken, welche allenfalls US-Steuerrecht gebrochen haben, mussten bis Ende 2013 der Finanzmarktaufsicht (Finma) mitteilen, ob sie sich schuldig bekennen. Etliche Institute wie die Berner Kantonalbank, die Migros-Bank, Postfinance, die Valiant-Bank und viele mehr taten dies, obschon sie vermutlich gar nichts verbrochen haben. Sie sagten sich: lieber die unschöne Sache mit einer Busse hinter sich bringen, statt das Risiko einer Klage einzugehen. Im US-Steuerprogramm gehören diese Banken der Kategorie 2 an.

Anfänglich liess auch Pierin Vincenz durchblicken, dass sich Raiffeisen für die Kategorie 2 entscheiden werde. Viele Banken sagten sich daher: «Wenn sich sogar die ländlichen Raiffeisen-Genossenschaften schuldig bekennen, müssen wir das wohl auch tun.» Doch Vincenz hatte gar nie daran gedacht, seine Bankengruppe als schuldig zu bekennen. Er liess die Frist ablaufen. Somit ist Raiffeisen in der Kategorie 3. Diese Banken sollten von einer Busse verschont bleiben.

Der Raffeisen-Chef sagte sich, wenn sich möglichst viele Banken für Kategorie 2 anmelden, bleiben die anderen unbehelligt. Denn die US-Justiz ist darauf erpicht, dass sich möglichst viele Institute schuldig bekennen. Damit können die Amerikaner die Schweizer Banken mit einer tüchtigen Busse belegen und auf einfachstem Weg zu Geld kommen. Sofern ein respektabler Betrag zusammenkommt, glaubt Vincenz, werden die Amis davon absehen, weitere Banken zu verfolgen. Die Raiffeisenbanken sind fein raus.

Pierin Vincenz ist kürzlich von über 3000 «Cash»-Lesern zum besten Bank-CEO der Schweiz erkoren worden. Weshalb der Bündner zu dieser Ehre kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Klar ist mir aber, dass Vincenz mit dem US-Steuerprogramm einen Husarenstreich vollbracht hat. Das könnte ein Grund sein, den Raiffeisen-Chef zum CEO des Jahres zu küren.

Keine Michelin-Sterne für Spitäler

claude chatelain am Dienstag, den 16. Dezember 2014

Es gibt Leute, die möchten für Spitäler ein Rating einführen. Kürzlich war das auch Thema an einem Kolloquium. Der Moderator fragte, ob für Spitäler eine Art Gault-Millau-Punkte oder Michelin-Sterne sinnvoll wären, so wie man das von den Restaurants kenne.

Dieser Vergleich hinkt. Gäbe es für Spitäler eine Punktewertung, so würde sich jeder nur im besten Spital behandeln lassen wollen. Es kostet ja nicht mehr. In Gastronomiebetrieben dagegen zeigt sich die Situation deutlich anders: Je mehr Punkte, desto saftiger die Rechnung.

Das Lindenhof-Spital in Bern

Das Lindenhof-Spital in Bern

Doch der Preis ist für mich nur einer von drei Gründen, weshalb ich vor zu vielen Punkten und Sternen zurückschrecke. Gehe ich in einen Gasthof, geht es mir um eine gemütliche und romantische Atmosphäre und nicht darum, kulinarische Kunstwerke zu bestaunen. Wobei ich nicht gesagt haben will, dass das Auge nicht mitisst. Zudem möchte ich mich im Restaurant mit meiner Partnerin oder einem schon lange nicht mehr gesehenen Freund unterhalten. Je mehr Gault-Millau-Punkte, desto schwieriger ist dieses Unterfangen: Der halben Brigade muss man im Minutentakt die Frage beantworten: «Isches rächt?» Nimmt man einen Schluck Wein, wird gleich nachgeschenkt. Meine Gegenüber kommen deshalb immer zu kurz. Und kaum hat man den Faden des Gesprächs wieder aufgenommen, entschuldigt sich schon wieder eine Servicefachangestellte am Tischrand und gibt ihren eingeübten Vortrag über die kulinarischen Kreationen des Hauses zum Besten.

Apropos störendes Personal: Als ich vor ein paar Jahren im Spital lag und nach einer schlaflosen Nacht am heiterhellen Nachmittag endlich den Schlaf des Gerechten finden konnte, glaubte die Pflegefachfrau, mich wecken und mir sagen zu müssen, dass jetzt Schichtwechsel sei und Pflegefrau Soundso für mich zuständig sei. Wie war ich sauer. Den Namen des Spitals verrate ich nicht. Sonst kriegt es noch Gault-Millau-Punkte.