Thomas Fuchs gegen Andrea Zryd – beziehungsweise Volksport ja oder nein.

claude chatelain am Montag, den 8. Februar 2016
SVP-Grossrat Thomas Fuchs.

SVP-Grossrat Thomas Fuchs.

Morgen Mittwoch beginnt die Steuersaison. Wir führen die erste von drei Ratgeberhotlines zu Steuern durch. Bei keiner anderen Hotline dieser Zeitung laufen die Drähte so heiss.

Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit wird eine Leserin oder ein Leser verstohlen offenbaren, dass da noch so ein schwarzes Konto sei. Was er – oder sie – wohl tun sollte? Die Experten werden sagen: «Bei der Steuerverwaltung das Konto angeben und von der Steueramnestie profitieren.»

Das erinnert mich an die Motion «Stopp dem Volkssport Steuerhinterziehung». SP- Grossrätin Andrea Zryd aus Magglingen wollte den Regierungsrat mit einer Motion dazu auffordern, «zusätzliche Massnahmen dafür zu ergreifen, den Umfang der Steuerhinterziehung zu reduzieren».

SP-Grossrätin Andrea Zryd.

SP-Grossrätin Andrea Zryd.

Dass ausgerechnet eine Sportlehrerin den Volkssport bekämpfen will, finde ich bemerkenswert. Den erbittertsten Gegner in der Grossratsdebatte vor drei Wochen fand Andrea Zryd ausgerechnet in SVP-Grossrat Thomas Fuchs, der mit bissigen Worten das Ansinnen der Sportlehrerin abkanzelte und sich für einen Volkssport starkmachte, wie er sich womöglich noch nie für eine Sportart eingesetzt hatte. Zumindest würde man dies wegen seiner Fülle nicht anders vermuten. Hingegen muss ich einräumen, dass auch Schiessen olympisch ist. Eine Sportart, die Alt-Nationalrat Fuchs als Oberst der Schweizer Armee womöglich gar nicht so schlecht beherrscht.

Ob Volkssport oder nicht. Steuerhinterziehung ist eine Tatsache. Doch wie soll der Kanton sie bekämpfen? Natürlich mit zusätzlichen Steuerinspektoren. Diese würden aber den Personaletat belasten. Nur wenige Minuten bevor Andrea Zryd an jenem Dienstag vor drei Wochen ihren Vorstoss begründen konnte, hatte der Grosse Rat die Regierung dazu verknurrt, die Personalkosten um 10 Prozent zu senken. Da wäre es ungeschickt, zusätzliche Steuerinspektoren anzuheuern. Die Motion ging bachab. Der Grosse Rat war für ­einmal konsequent.

Hopp Broncos

claude chatelain am Montag, den 1. Februar 2016

Hoffen wir doch, dass Quarterback Peyton Manning ein gutes Spiel gelingt und die Denver Broncos den Superbowl für sich entscheiden.

Nun ist es statistisch erhärtet: 2016 wird ein negatives Börsenjahr. Der Swiss Performance Index verlor im Januar 5,3 Prozent; der Dow Jones Industrial 6,4 und der japanische Nikkei sogar 8 Prozent. «Wie der Januar, so das ganze Jahr», lautet die Börsenweisheit. Laut J. P. Morgan bestätigte sich diese Regel in den vergangenen 86 Jahren 78-mal.

Wer den Januareffekt in Zweifel zieht, kann vielleicht mit dem Superbowl-Indikator mehr anfangen. Er besagt, dass die US-Aktien im Kalenderjahr steigen, wenn beim Superbowl, dem Endspiel im American Football, das Team der National Football Conference (NFC) triumphiert. Siegt jedoch der Gewinner der American Football Conference (AFC), werden die Aktienkurse im Verlauf des Jahres fallen. Die Trefferquote liegt bei 80 Prozent.

Am Montag wissen wir mehr: Sollte in der Nacht vom Sonntag auf den Montag der AFC-Sieger Denver Broncos gewinnen, so wäre der Fall klar: negativer Börsenmonat; Superbowl-Sieger der AFC. Doppelt genäht hält besser: Das muss ja ein negatives Börsenjahr werden. Auch im letzten Jahr gewann mit den New England Patriots das Team der AFC, was folgerichtig in einem negativen Aktienjahr mündete.

Was aber, wenn mit den Panthers aus Charlotte im US-Staat North-Carolina das Team der NFC gewinnt? Dann haben wir ein Problem, sozusagen widersprüchliche Signale.

Wer nicht an den Januareffekt oder den Superbowl-Indikator glaubt, wird fundamentale Daten bemühen und auf China verweisen. China? Genau: Das Reich der Mitte wird heute als Hauptgrund für die derzeitige Börsenmisere hergeholt. Ist aber irgendetwas neu, was derzeit in China abgeht?

Andere erklären die Kursverluste mit dem tiefen Ölpreis. Doch warum geraten Industrieaktien unter Druck, wenn deren Schmiermittel zu Schnäppchenpreisen zu haben ist?

Sie sehen, liebe Leser, die fundamentalen Argumente vermögen auch nicht zu überzeugen. Börse ist Psychologie. Hopp Broncos. Auf dass die Aktien weiter fallen, sich der Januar­effekt bewahrheitet und wir die überteuerten Papiere zu tieferen Kursen erstehen können.

Vertragsfreiheit mit Ärzten ist kein Wunschdenken, sondern Realität

claude chatelain am Montag, den 25. Januar 2016
Mit Telmed-Angeboten können Krankenkassen den Vertragszwang aushebeln.

Mit Telmed-Angeboten können Krankenkassen den Vertragszwang aushebeln.

In der Volkswirtschaftslehre lernt man die Unterschiede zwischen Markt- und Planwirtschaft kennen. Und wenn der Lehrer nicht ein verkappter Kommunist ist, so wird er den Schülerinnen und Schülern zu verstehen geben, dass Planwirtschaft bisher nicht wirklich funktionierte. Als Tatbeweis wird er womöglich den Untergang der Sowjetunion ins Feld führen. Doch warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Schlechte liegt so nah. Es heisst Ärztestopp. Seit Jahren ringen Politiker um diesen planwirtschaftlichen Fehlgriff und nun wollte der Bundesrat den Zulassungsstopp gesetzlich verankern. Doch das Parlament versenkte ihn in der zurückliegenden Wintersession.

Der linke Sozialminister Alain Berset warnte vor höheren Prämien. Nicht zu Unrecht wird befürchtet, dass nun ausländische Ärzte ins Land strömen, um hier eine Praxis zu eröffnen und vom grosszügigen Gesundheitssystem zu profitieren. Dabei gäbe es ein geeignetes Mittel, dem entgegenzuwirken. Es genügt, den Vertragszwang aufzuheben. Politisch ist dies nach meiner Einschätzung chancenlos.

Doch die Krankenkassen haben schon heute die Möglichkeit, den Vertragszwang zu umgehen. Nehmen wir als Beispiel die Swica, welche mit Favorit Medpharm ein neues Telmed-Produkt lancierte. Die Einschränkung des Kunden besteht darin, dass er vor einem Arztbesuch das Swica-eigene Ärztezentrum Santé24 anrufen muss. Danach darf man aber nur einen Arzt aufsuchen, der auf der Medpharm-Ärzteliste aufgeführt wird. Auf den ersten Blick ist das eine krasse Einschränkung; auf den zweiten eine freie Arztwahl: Über 17000 Ärztinnen und Ärzte figurieren auf der Liste; davon praktizieren 2021 im Kanton Bern. Andere Kassen haben ähnliche Produkte. Sie können die Ärzteliste problemlos einschränken, ohne dass der Kunde dadurch einen gröberen Nachteil in Kauf nehmen muss. Schon hätten wir so etwas wie einen Markt. Doch die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer will im Gesundheitswesen gar keinen Markt. Sie will lieber über die jährlich steigenden Prämien jammern.

Personalabbau? Vergiss es.

claude chatelain am Freitag, den 22. Januar 2016

Wie am Mittwoch berichtet, verlangt der Grosse Rat von der Regierung, innert fünf Jahren 10 Prozent der Personalkosten einzusparen, 2 Prozent pro Jahr. «Die Abbau-Idee wird man in der Steuerverwaltung nicht umsetzen können», ist Bruno Knüsel überzeugt. Ihm kann es zwar egal sein. Er gibt sein Amt als Steuerverwalter Ende Juli ab. Doch Knüsel gibt zu bedenken, dass sein Nachfolger kaum darum herumkommen wird, den Personaletat aufzustocken. Bei den Quellensteuern für ausländische Staatsbürger sind auf Bundesebene Änderungen geplant, was bei den Kantonen zu einem erheblichen Mehraufwand führen werde. Und wenn der automatische Informationsaustausch in Kraft tritt, müssten die Kantone allenfalls Amtshilfe leisten. «Das kann man nicht einfach so nebenbei tun.» Knüsel verweist zudem auf ein noch hängiges Postulat, mit welchem die Steuerverwaltung den Auftrag gefasst hatte, verstärkt ge­gen die Steuerhinterziehung vorzugehen. «Ohne zusätzliches Personal geht das nicht.»

 

Über die (wirkliche) Heiratsstrafe

claude chatelain am Montag, den 18. Januar 2016

Am 28. Februar 2016 stimmen wir über die Heiratsstrafe ab. Heiratsstrafe? «Ich kann dieses Wort nicht mehr hören», sagte mir kürzlich Sylvia Locher, die Präsidentin von Pro Single Schweiz. Ehepaare und Familien würden überall bevorteilt: im Steuerwesen, bei der Erbschaftssteuer, bei den Sozial­versicherungen. «Von Strafe kann keine Rede sein.»

Syliva Locher, Pro Single Schweiz.

Sylvia Locher, Präsidentin von Pro Single Schweiz.

Ich verstehe den Ärger von Sylvia Locher. Stets wird die Situation von Ehepaaren mit jener von Konkubinatspaaren verglichen. Von den Singles spricht hingegen niemand. Dabei sind Alleinstehende in der heutigen Gesellschaft alles andere als Exoten. Die Schweiz zählt 1,2 Millionen Einpersonenhaushalte.

Die Statistik zeigt, wie stark ledige Frauen in der AHV benachteiligt sind. Um auf eine maximale AHV-Rente zu kommen, muss man über all die Jahre ein bestimmtes durchschnittliches Jahreseinkommen erzielt haben. Keine 17 Prozent der ledigen Frauen erreichen dieses Einkommen und kommen somit aufs Ma­ximum. Bei den verwitweten Frauen beträgt der Anteil hingegen über 50 Prozent. Das bringt zum Ausdruck, dass Witwen trotz angeblicher Heiratsstrafe deutlich bessergestellt sind als Singles. Und jetzt will der Ständerat bei der Alters­reform 2020 erst noch an den Witwenrenten festhalten, selbst für kinderlose Frauen. Dafür zeigt Sylvia Locher überhaupt kein Verständnis. Das Ziel müsste vielmehr darin bestehen, Frauen zur Selbstständigkeit zu ermuntern, sagte sie mir. «Das ist doch würdevoller, als nur ‹dank› eines Ehemannes eine Rente zu erhalten.»

Mancher wird jedoch einwenden, dass der Begriff der Heiratsstrafe keineswegs falsch ist. Wobei sich die Strafe natürlich nicht auf das Steuerrecht bezieht. Schon der einfluss­reiche Einzelgänger Arthur Schopenhauer sagte vor über 150 Jahren: «Heiraten heisst seine Rechte halbieren und seine Pflichten verdoppeln.»

Alle jammern wegen dem Franken. Niemand frohlockt wegen dem Ölpreis

claude chatelain am Dienstag, den 12. Januar 2016

Im November 1973 verordnete Deutschland Sonntagsfahrverbote.

Leuten meines Alters ist der Ölschock von 1973 noch in lebendiger Erinnerung. Die arabischen Länder drehten den Ölhahn zu, um die westlichen Staaten wegen ihrer Unterstützung Israels zu bestrafen. Der Ölpreis stieg. Industrieländer gerieten in eine Rezession. Das Phänomen «autofreie Sonntage» wurde erfunden, nicht aus umwelt-, sondern aus konjunkturpolitischen Gründen. Schweizerinnen und Schweizer lernten ein neues Wort kennen: Arbeitslosigkeit.

Und wer es noch nicht wusste, merkte es spätestens in jenem verhängnisvollen Herbst 1973: Die westlichen Länder sind extrem von arabischen Ländern abhängig. Das Gedeihen einer Volkswirtschaft ist eine Funktion des Erdölpreises.

Mittlerweile hat die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen abgenommen. Und doch ist das Erdöl auch heute noch mehr als ein Schmiermittel für den Konjunkturmotor. Der Preis für ein Fass Öl beträgt um die 32 Dollar. Der tiefste Stand seit elf Jahren. Vor einem Jahr kostete das Fass noch 100 Dollar. Haben Sie, liebe Leser, aufgrund des historisch tiefen Ölpreises ein Frohlocken der Wirtschafskapitäne vernommen? Mir wäre es entgangen. Nicht entgangen sind mir aber die ohrenbetäubenden Klagen über den Frankenschock.

Der schwache Euro macht der Exportindustrie zweifellos zu schaffen. Doch wenn es Exportverlierer gibt, gibt es auch Importgewinner. Diesmal sogar auf zwei Ebenen: Der starke Franken verbilligt die Importe und damit die Herstellungskosten. Dass im vergangenen Jahr die Ausrüstungsinvestitionen insgesamt gestiegen sind, ist deshalb keine Überraschung. Denn die Produktion wird nicht nur durch tiefere Importpreise verbilligt, sondern eben auch durch die tiefen Erdöl- und die anderen Rohstoffkosten.

Man wird nicht erstaunt sein, wenn die an der Schweizer Börse kotierten Gesellschaften auch dieses Jahr wieder rekordhohe Dividenden ausschütten werden.

Hin und her bringt mehr

claude chatelain am Montag, den 4. Januar 2016
"Hin und her macht Taschen leer", heisst eine bekannte Börsenweisheit.

“Hin und her macht Taschen leer”, heisst eine bekannte Börsenweisheit.

Kann der SMI am letzten Handelstag des Jahres die negative Jahresperformance noch abwenden? Diese rhetorische Frage stellte «Cash» letzte Woche zu Beginn des letzten Handelstages. Und weiter: «Dazu müsste der SMI  heute über 1,1 Prozent zulegen». Nun, der Swiss Market Index legte an jenem Mittwoch keine 1,1 Prozent zu und lag damit am Jahresende mit 1,8 Prozent  tiefer als Ende 2014. Fazit:  2015 war für die Schweiz ein negatives Börsenjahr.

War 2015 nicht nur ein negatives, sondern auch ein schlechtes Börsenjahr? Haben die Auguren, die vor zwölf Monaten höhere Aktienkurse prophezeiten, daneben gelangt? Nein und nochmals nein. Denn das Bilanzieren nach einem Jahr ist wenig sinnvoll. Die Prognostiker, die vor zwölf Monaten höhere Aktienkurse voraussagten, lagen eben doch richtig. Sie sagten nicht, Ende 2015 würden die Aktienkurse höher liegen als Ende 2014. Sie prophezeiten vielmehr, die Aktienkurs würden auch 2015 steigen. Recht hatten sie. Trotz dem 15. Januar 2015, dem Tag des Frankenschocks.

Wer vor einem Jahr einen Aktienkorb kaufte, der den SMI abbildet, zum Beispiel einen börsenkotierten Indexfonds (ETF), konnte nämlich schönes Geld verdienen.  Anfang August lag der SMI bei über 9500 Punkten, nur noch wenige Punkte seines historischen Höchststands von Mitte 2007 entfernt. Somit erzielte der SMI in den ersten sieben Monaten des zurückliegenden Jahres einen Kursanstieg von 6 Prozent.  Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI), der im Unterschied zum SMI auch die Ausschüttung von Dividenden berücksichtigt, lag zwischenzeitlich um über 9 Prozent im Plus.

Es ist übrigens keineswegs so, dass niemand zum Verkauf von Aktien geraten hätte: «Der SMI fällt heuer noch unter 9000 Punkte», sagte Ende Juli Raiffeisen-Ökonom Martin Neff  im Interview mit dieser Zeitung. Anleger seien nicht schlecht beraten, «wenn sie heute einen Teil der Kursgewinne realiseren». Aktien verkaufen, um bei tieferen Kursen wieder einzusteigen, ist freilich nicht gemäss Lehrbuch. Dort heisst es: «Hin und her macht Taschen leer». Ich selber halte mich nicht an dieses Drehbuch. Bei volatilen Seitwärtsbewegungen, wie wir sie derzeit erleben, sage ich lieber: «Hin und her bringt mehr».

Hausarzt-Modell? Vergiss es: Telmed

claude chatelain am Dienstag, den 15. Dezember 2015

Ich habe eine gefrorene Schulter, fachtechnisch Frozen Shoulder. Die Bewegungsfreiheit meines linken Arms ist dadurch eingechränkt. Ich will hier keinen medizinischen Exkurs abliefern oder gar Mitleid erwecken, zumal die Physiotherapie bereits erste Erfolge verzeichnet. Ich finde bloss, mein Fall ist ein gutes Beispiel, gewisse Krankenkassen-Modelle zu hinterfragen.

Ich hinterfrage das Hausarzt-Modell. Da der Schmerz nicht abklingen will und auch Voltaren kaum nützt, empfiehlt mir eine Bekannte, von Beruf Physiotherapeutin, einen Schulterspezialisten aufzusuchen. Eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall werde Licht ins Dunkel des Schultergelenks bringen. Dummerweise bin ich im  Hausarzt-Modell versichert. Also melde ich mich bei der Hausärztin an. Dummerweise ist sie auf Tage hinaus ausgebucht. Also teile ich der Krankenkasse mit, dass ich den Hausarzt wechsle und melde mich bei einer anderen Hausärztin an. Dummerweise muss  der Termin ihrerseits wegen Krankheit verschoben werden. Es vergeht nochmals eine Woche, bis sie dann zum gleichen Schluss kommt  wie besagte Physiotherapeutin. Dummerweise hat auch der Orthopäde nicht auf mich gewartet, so dass weitere drei Wochen ins Land ziehen, ehe die Diagnose der Frozen Shoulder Tatsache wird.

Ich habe nie verstanden, weshalb das Hausarzt-Modell günstiger sein soll. Die Schlaufe über die Hausärztin hätte ich mir ersparen können, zeitlich und finanziell. Auf das kommende Jahr habe ich mich daher für ein Telmed-Modell entschieden. Da schildert man das Leiden am Telefon. In meinem Fall hätte die Fachperson am anderen Ende des Drahts mich gleich zum Orthopäden geschickt.

Und noch etwas: In einer Motion verlangt eine Grossrätin der BDP, dass Sozialhilfebezüger sich entweder in einem Hausarzt- oder HMO-Modell versichern müssen. Hausarzt-Modell? Vergiss es. Wenn schon: Telmed.

Über die Säule 3a

claude chatelain am Dienstag, den 8. Dezember 2015

Der Dezember ist der Monat, in welchem Finanzhäuser ihre Prognosen fürs kommende Jahr abgeben. Der Dezember ist aber auch der Monat, in welchem Schweizerinnen und Schweizer noch hurtig aufs Konto 3a einzahlen, um damit weniger Steuern zu zahlen. Ich betone: um etwas weniger Steuern zu zahlen.

Denn allein wegen der Verzinsung lohnen sich Anlagen auf Konti 3a kaum. Die Finanzhäuser haben die Zinssätze zum Teil markant gesenkt. Man kann froh sein, wenn überhaupt noch Zinsen gutgeschrieben und nicht Strafzinsen belastet werden. Wobei nicht die Sparkassen schuld sind an dieser Situation, sondern die Notenbanker, welche in unverantwortlicher Art und Weise die Märkte mit Geld überschwemmen und somit Noten und Münzen quasi wertlos machen. Der Zins ist der Preis, den man für Geld zahlen muss. Ist der Zins gleich null, so ist das Geld wertlos.

Doch was das Sparen 3a angeht, dürften die Banken über die desolate Zinssituation gar nicht so unglücklich sein. Die Kunden werden trotzdem einzahlen ­­— eben wegen der genannten Steuerersparnis. Und so können die Banken ihrer werten Kundschaft 3a-Fonds andrehen. Denn man ist ja nicht gezwungen, das Geld auf dem 3a-Konto zu parkieren. Man kann es in spezielle Vorsorgefonds investieren. Kein Zufall, dass etwa die Credit Suisse derzeit viel Werbung macht für ihre 3a-Fonds. Mit solchen Fonds verdienen die Banken Geld. Verharrt hingegen das Geld auf dem 3a-Konto, so haben die Finanz­häuser bei der heutigen Geldschwemme nichts davon.

Ich warne davor, zur heutigen Zeit das 3a-Guthaben in Anlagefonds anzulegen. Die Aktienkurse klettern seit sieben Jahren aufwärts. Auch die Obligationenkurse segeln auf Rekordhöhe. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wert der Fondsanteile in ein, zwei oder drei Jahren tiefer ist als heute, ist nach meiner Einschätzung grösser als umgekehrt. Oder sagen wir es etwas vorsichtiger: Das Risiko, dass die Kurse solcher Fondsanteile sinken werden, wäre mir zu gross.

Die Banken werden einwenden, dass solche Anlagen langfristig ausgerichtet sind. Also, liebe Ü-60: Haben Sie Ihre 3a-Fonds schon verkauft?

Die Franchise kann man noch bis Ende Dezember erhöhen

claude chatelain am Sonntag, den 29. November 2015

Wir wollen uns aus aktuellem Anlass nochmals mit der Franchise der Krankenkassenprämie befassen. Bis Ende November bleibt nicht mehr viel Zeit, allenfalls die Kasse zu wechseln und sich auf eine Franchise festzulegen: auf 300, 500, 1000, 1500, 2000 oder 2500 Franken.

Ich sprach letzte Woche von einem Kollegen, der die tiefste Franchise von 300 Franken wählt und damit eine hohe Prämie in Kauf nimmt, obschon sich bei ihm weder die Abhängigkeit von teuren Medikamenten noch ein kostspieliger Spitalaufenthalt abzeichnet. Er sagt: Wenn er hohe Gesundkeitskosten zu berappen hätte, würde er mit der Franchise von 2500 Franken viel schlechter fahren als mit der Franchise von 300 Franken.

Ich mache die Probe aufs Exempel. Nehmen wir doch das KPT-Produkt Win-doc. Fast jeder zweite KPT-Kunde entscheidet sich in der Grundversicherung für dieses Produkt. Wenn sich ein Stadtberner für die höchste Franchise entscheidet und notfallmässig ins Spital muss, so zahlt er maximal 6638 Franken: 3438 Franken für die Prämie, 2500 für die Franchise und 700 Franken für den maximalen Selbstbehalt. Bei einer Franchise von 300 Franken beliefen sich die Gesamtkosten dagegen lediglich auf 5681 Franken: 4681 Franken für die Prämie, 300 Franken für die Franchise, 700 Franken für den Selbstbehalt. Fazit: Mit der höchsten Franchise zahlte der Stadtberner 967 Franken mehr als mit der 300er-Franchise. Liebe Leser, merken Sie sich die Zahl von 967 Franken.

Nehmen wir den anderen Extremfall: Der KPT-Kunde setzt auf die tiefste Franchise und muss überhaupt nicht zum Arzt. Also zahlt er insgesamt 4681 Franken Prämien. Hätte er die höchste Franchise gewählt, wäre sein Konto bloss mit 3438 Franken belastet worden. Fazit: Mit der tiefsten Franchise zahlt der Stadtberner 1243 Franken mehr als mit der höchsten. Bei anderen Produkten kann die Diskrepanz noch grösser sein. Überzeugt? Sie haben bis Ende Dezember Zeit, die Franchise nach oben zu korrigieren. Und falls Sie die Franchise nach unten anpassen möchten, müssten Sie das hingegen der Kasse bis Ende November mitgeteilt haben.

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