Über den Steuerabzug für die VIP-Tribüne

claude chatelain am Mittwoch, den 24. August 2016
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Die Kosten für die VIP-Tribüne beim SCB kann man steuerlich absetzen. Schwieriger ist das lediglich für Zürcher KMU.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen beginnt schon bald wieder die Eishockeysaison. Aus diesem aktuellen Anlass wollen wir der Frage nachgehen, wie weit eine Firma ihre Ausgaben für VIP-Tribünenplätze, VIP-Logen und VIP-Mitgliedschaften steuerlich in Abzug bringen darf. Man müsste meinen, dass solche Ausgaben geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen, soweit sie der Öffentlichkeitsarbeit dienen und mit verkaufsfördernden Massnahmen verbunden sind. Dies hatte das Bundesgericht bestätigt.

Das Steueramt Zürich hat seine eigene Interpretation. Für die Mitgliedschaft im Member Club des Schlittschuhclubs Bern (SCB), inklusive zweier Sitzplätze auf der VIP-Tribüne Kategorie VIP-Mitte, zahlte eine IT-Firma je 10 000 Franken. Zudem machte sie für die Mitgliedschaft im Executive Club und das Anrecht auf zwei weitere Sitzplätze auf der VIP-Tribüne einmal 26 666 Franken und im folgenden Jahr 40 000 Franken locker. Nun wollte der Zürcher Steuervogt lediglich den Abzug für die Tickets von 10 000 Franken akzeptieren. Die Mitgliedschaft im Executive Club sei dagegen «blosses Mäzenatentum ohne konkrete Gegenleistung».

«Nicht mit mir», sagte sich die Zürcher IT-Firma und zog den Fall bis ans Bundesgericht, von dem sie zumindest in dieser Sache recht bekam.

Beim Lesen des Gerichtsurteils vom 3. Mai ging mir spontan durch den Kopf, dass die Zürcher Veranlagungsbeamten die Steuerklärung der IT-Firma vermutlich an jenen Märztagen begutachteten, an welchen der achtplatzierte SCB in den Playoffs den erstplazierten ZSC aus dem Wettbewerb katapulierte. Mit 4:0, um es nochmals gesagt zu haben.

Na ja, der Fall reicht offenbar weiter zurück. So oder so zeige ich durchaus Verständnis, dass den Zürcher Steuerbeamten die Emotionen durchgingen. Es schickt sich nicht, als Zürcher Firma einen Berner Grossverein zu unterstützen und damit erst noch den eigenen Kanton um Steuereinnahmen zu bringen. Schliesslich, so wird sich der Zürcher sagen, fliesst via Finanzausgleich schon genug Geld von der Limmat an die Aare.

Arbeitgeber zahlen deutlich mehr in die zweite als in die erste Säule

Claudia Salzmann am Dienstag, den 16. August 2016

AHV Plus

Bei der Volksinitiative «AHV plus», die am 25.  September an die Urne kommt, sind die Meinungen gemacht: Die politische Linke ist dafür; die Rechte ist dagegen, und die Mitte hat derzeit nichts zu sagen. Es gibt nur Schwarz und Weiss.

Interessant ist das Argument der Rechtsparteien. Sie sagen, die Unternehmen könnten ­höhere Lohnbeiträge für die ­Finanzierung der AHV nicht verkraften. Doch geht es um Lohnbeiträge für die zweite Säule, so sind die Arbeitgeber insgesamt betrachtet alles ­andere als knauserig.

Knapp 30 Milliarden Franken zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Jahr in die AHV; beide gleich viel. In die zweite Säule zahlen sie hingegen 53 Milliarden Franken, einen grossen Teil davon freiwillig. Wobei hier die Arbeitgeber insgesamt mehr einzahlen als Arbeitnehmer. Sie tun dies im überobligatorischen Bereich im Interesse ihrer Belegschaft.
Nun könnte man also argumentieren, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer alles in allem weniger in die zweite Säule, dafür mehr in die erste Säule einzahlen sollten. Politisch ­Unabhängige, etwa der Zürcher Titularprofessor Ernst Brugger, plädieren schon längst für eine Stärkung der ersten auf Kosten der zweiten Säule. Diese Forderung ist freilich nicht Gegenstand der Debatte. Denn die Befürworter der Initiative wollen die zweite Säule nicht schwächen. Sie wollen den Fünfer und ds Weggli.

Zudem würden die Wirtschaftsvertreter zu einer solchen Umverteilung von der zweiten zur ersten Säule kaum Hand bieten. Wenn die Beiträge für die AHV erhöht werden, profitiert mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung. Das nennt man Solidarität. Wenn indessen die Beiträge für die Pensionskasse erhöht werden, profitieren die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens. Wobei die Gutverdienenden überdurchschnittlich pro­fitieren.

Wenn also Arbeitgeberver­treter, die faktisch und arbeitsrechtlich häufig Arbeitnehmer sind, für höhere Lohnabzüge stimmen, so tun sie das (auch) fürs eigene Portemonnaie.

Über den (Helvetia) Schweizer Cup

claude chatelain am Montag, den 8. August 2016

1469025457467Heute wollen wir uns mit der Helvetia-Versicherung befassen, denn am kommenden Wochenende ist Saisonstart im Schweizer Cup, entschuldigung: im Helvetia Schweizer Cup. Was in der jüngsten Vergangenheit Würth Schweizer Cup und vorher Swisscom Cup hiess, sollen wir nun gefälligst Helvetia Schweizer Cup benamsen.

Den Gründervätern, die 1858 das  Unternehmen auf «Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft Helvetia» tauften, dürfen wir ein gerüttelt Mass an Visionen attestieren. Die Frauenfigur versinnbildlicht die Schweiz. Swissness ist ein Label für Qualität. Einen besseren Markennamen als Helvetia kann man sich kaum wünschen.

Hervorragend eignet sich dieser Name fürs Sportsponsoring.  Das beweist das Engagement im Skisport, wo der Versicherer als Sponsor von Swiss Ski und erfolgreicher Athleten wirkt. Wenn der Abfahrer in der Hocke am Lauberhorn den Haneggschuss herunterrast, so wird dem geneigten Fernsehzuschauer der Firmenname auf dem Oberschenkel nicht entgehen. Bei diesem Anblick muss das patriotische Herz ja höher schlagen. Man stelle sich vor, auf dem Oberschenkel würde «Zürich», «Basler», «Allianz» oder «Axa» prangen — als Berner müsste man  den Österreichern die Daumen drücken.

Nun will  sich Helvetia auch bei Fussballfans in Erinnerung rufen. In den nächsten vier Jahren ist Helvetia der neue Partner des Schweizer Fussballcups, der fortan wie gesagt Helvetia Schweizer Cup heissen soll. Warum um Gottes Willen nicht einfach Helvetia Cup? Warum diesen weissen Schimmel? Schliesslich hiess der Wettbewerb früher auch mal Swisscom Cup und nicht Swisscom Schweizer Cup.

Gerade die Erfahrung des Telekomanbieters soll es gewesen sein, was die Sponsoring-Fachleute dazu bewog, den Fussball-Wettbewerb Helvetia Schweizer Cup zu nennen. Mit Swisscom Cup sei nicht jedem klar gewesen, dass es sich um den traditionellen Schweizer Cup handelt. Schweizer Cup sei ein etablierter Name.

Wunderbar. Lassen wir es doch dabei.  Ich freue mich auf die Spiele im Schweizer Cup.

Passiv versus Aktiv oder ein Vergleich von Äpfel mit Birnen

claude chatelain am Mittwoch, den 3. August 2016

Neftenbach ZH 28.01..2009 / Früchte im neuen Denner Satellit am Zwischenweg . Bild: Heinz Diener

Nur 33 von 4600 Aktienfonds vermochten den Vergleichsindex über fünf Jahre konsequent zu übertreffen. Über die entsprechende Studie berichtete ich am 17. Mai an dieser Stelle. Ein Leser monierte, der Vergleich zwischen der Performance eines aktiv bewirtschafteten Aktienfonds und einem Börsenindex sei ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, weil Aktienfonds häufig allein wegen der Kosten schlechter abschneiden würden. Ein Index enthalte keine Kosten.

Der Leser, vermutlich ein Banker, hat recht: Das Managen eines Aktienfonds mit gezieltem Über- und Untergewichten von Aktien kostet Geld. Bei aktiv bewirtschafteten Anlagefonds muss das Team Analysen studieren, Unternehmensbilanzen auswerten oder gar Firmen besuchen. Diesen Aufwand zahlt der Kunde mit der Managementgebühr, die je nach Aktienfonds bis zu 2 Prozent betragen kann. Die Gebühr wird dem Fondsvermögen belastet und schmälert somit die Rendite.

Erzielt der Fondsmanager vor Abzug der Kosten eine Rendite von 6 Prozent, während der zugrunde liegende Index bloss um 5 Prozent zulegt, so kann man dem Fondsmanager dazu gratulieren. Dem Anleger ist freilich wenig geholfen: Mit einer Managementgebühr von zum Beispiel 2 Prozent liegt die Fondsrendite unter dem Strich bei 4 Prozent. Mit einem passiven Aktienfonds, der mit minimalen Kosten den Index abbildet, wäre man in diesem Fall besser gefahren.

Mich interessiert, ob ich mit einem aktiven oder einem passiven Anlagefonds besser fahre. Was besser ist, weiss man erst im Nachhinein. Dank der Studie weiss ich aber im Voraus, dass die Wahrscheinlichkeit deutlich über 50 Prozent oder sogar bei 90 Prozent liegt, mit einem passiven Fonds eine höhere Rendite nach Kosten zu erzielen als mit einem aktiven.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Frage an einen Börsenmakler: «Warum geht es Ihnen so gut?» Antwort: «Jeden Tag läuft hier ein Depp vorbei, und den erwisch ich.»

Simonetta Sommaruga zahlt ihre Steuern nicht mehr in Köniz

claude chatelain am Freitag, den 22. Juli 2016
Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann auf dem Weg zur Wahlfeier vom Dezember 2014.

Peter Rothenbühler, Kolumnist in der Schweizer Illustrierten, bewundert, wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga von Köniz nach Bern zügeln konnte, ohne dass ein grosses Aufheben gemacht wurde. Er bewundert die Coolness von uns Schweizern. Wenn eine Ministerin nicht mehr bei ihrem Partner wohnt, sage der emanzipierte Normalbürger nur: “U de?” Rothenbühler schreibt dies, damit es dann wirklich jeder weiss.

Was hat das mit Finanzen zu tun? Nichts. Doch ein Leser hat die Kolumne gelesen und mir die Frage gestellt, was die Trennung von Bundesrätin Sommarruga und Schriftsteller Lukas Hartmann für steuerliche Konsequenzen habe.

Um es vorweg zu nehmen: Ich gehe nicht davon aus, dass bei unserer Justizministerin Steueroptimierung im Vordergrund steht. Zudem geht es uns gar nichts an, wie das berühmte Ehepaar ihre steuerlichen Pflichten regelt.

Da es jedoch im Trend liegt, zusammen zu leben, ohne zusammen zu wohnen, so ist doch die Frage interessant, wie in solchen Fällen zu verfahren ist. Klar ist, dass unsere Bundesrätin in der Gemeinde Bern steuerpflichtig wird. Sie verlegte ihre Schriften in die Bundesstadt und hat dort ihren Lebensmittelpunkt. Die beiden werden für das ganze Jahr – und nicht erst ab dem Zügeltermin – getrennt veranlagt.

Offen ist, wie die Liegenschaft in Köniz zu versteuern ist, in welcher nun der Schriftsteller alleine wohnt. Gehört sie beiden, so besteuern sie das Haus entsprechend ihrer Quote. Das gilt für den Eigenmietwert, die Schuldzinsen wie auch für den Unterhalt. Möglich ist, dass der im Haus bleibende Mann seiner Frau einen Mietzins bezahlt, sollte sie Mitbesitzerin oder gar Alleinbesitzerin sein. Die Höhe dessen ist jedoch eine güterrechtliche und nicht eine steuerliche Frage.

Gehört die Liegenschaft ausschliesslich Lukas Hartmann, dann dürfte der Fall klar sein. Gehört sie ausschliesslich Simonetta Sommaruga, so müsste ihr Mann ihr wohl einen Mietzins bezahlen, den sie statt den Eigenmietwert als Einkommen versteuern müsste. Wie gesagt: All das geht uns gar nichts an.

Über Gap, Nintendo und Heiko Thieme

claude chatelain am Montag, den 18. Juli 2016

Pokemon Go am Gurtenfestival

Die amerikanische Kleiderkette Gap und der japanische Spielkonsolenanbieter Nintendo haben etwas gemeinsam. Die Geschichte geht zurück in die frühen Neunzigerjahre. Ich war damals USA-Korrespondent der «Handelszeitung» und traf mich ab und zu mit dem Börsenexperten Heiko Thieme. Der Jurist ist zwar nicht der erfolgreichste, sicher aber einer der unterhaltsamsten Fondsmanager. Hierzulande ist der deutschstämmige Amerikaner gern gesehener Gast an Podiumsgesprächen und ein origineller Gastredner.

Vor gut zwanzig Jahren erzählte er mir in seinem New Yorker Büro, wie er sich im Nachhinein ärgerte, keine Aktien von der Modekette Gap gekauft zu haben. Seine Erzählung habe ich folgendermassen in Erinnerung:

«Eines Abends kam meine Tochter mit einem neuen Kleid nach Hause. Ich fragte sie: Woher hast du das? Sie sagte: «Von Gap.» Zwei Wochen später hat sie sich wieder mit neuen Klamotten eingedeckt. «Wo hast du das gekauft?», fragte er. – «Bei Gap.» Nachdem Thiemes Tochter weiterhin bei Gap einkaufte, ging der Börsenguru der Frage nach, was es mit Gap auf sich hatte. Und siehe da: ein blühendes Geschäft mit einem stark steigenden Aktienkurs. «Ich ärgerte mich grün und blau», gestand er mir damals, «nicht sofort die Aktie von Gap be­gutachtet zu haben. Als er das Versäumnis nachholte, war es zu spät.

Ärgerlich, dass ich von der Erfahrung Thiemes keinen Nutzen zog. Vor ein paar Tagen ging mein Sohn auf Pokémon-Jagd. «Was ist das denn wieder?» fragte ich. Er erklärte es mir. Wie meistens bei neuen Handyspielen bin ich nicht drausgekommen. Doch wenigstens hätte ich der Frage nachgehen müssen, welche Firma dahintersteckt. Es ist Nintendo, zumindest teilweise.

Als mein Sohn von Pokémon erzählte, kostete die Nintendo-Aktie an der Schweizer Börse 140 Franken. Wenige Tage später hätte ich fürs gleiche Papier 266 Franken erhalten, plus 90 Prozent.

Warum nur hatte ich mich nicht an die Geschichte von Heiko Thieme erinnert, als sich mein Sohn auf Pokémon-Jagd begab?

Drücken die Katari die CS-Aktie?

Claudia Salzmann am Mittwoch, den 13. Juli 2016

 

Tidjane Thiam

Tidjane Thiam macht auch Spekulanten für den fallenden Kurs der CS-Aktie verantwortlich. Bei einem mir bekannten Banker löste diese Nachricht ein ungläubiges Lachen aus. «Diese Aussage könnte aus dem linken politischen Lager kommen, aber nicht vom CEO der Credit Suisse», sagte er mir.
Recht hat er. Die Linken kritisieren, dass Spekulanten die Nahrungsmittelpreise nach oben trieben.

Doch die Investmentbanker rechtfertigen ihr Tun mit dem Argument, es sei der Markt, der den Preis bestimme. Nach dieser Lesart ist es also auch der Markt, der den Kurs der CS-Aktie ins Boden­lose fallen lässt, und nicht die Spekulanten. Die Marktteilnehmer sind demnach ganz offensichtlich der Meinung, dass das CS-Papier bei der aktuellen Führung keine 25 Franken wert ist wie vor einem Jahr, sondern eben nur noch 10 Franken. Doch der unglücklich operierende CEO aus der Elfenbeinküste weiss mehr als wir. Vielleicht stimmt ja das Gerücht, dass die Katari im grossen Stil Leerverkäufe tätigen. Der Golfstaat ist mit einer Beteiligung von 18 Prozent grösster Aktionär der zweitgrössten Schweizer Bank.

Die Katari, so das Gerücht, wollen mit Leerverkäufen den Kurs der CS auf  8 Franken drücken.

Mit Leerverkäufen verkauft man Aktien, die man nicht besitzt, und verspricht gleichzeitig, die Papiere zu einem späteren Zeitpunkt zu liefern. Ist der Kurs gefallen, kann man die zu einem höheren Kurs verkauften Aktien zu einem tieferen Kurs erstehen. Die Katari, so das Gerücht, wollen mit Leerverkäufen den Aktienkurs der CS auf 8 Franken drücken. Bei dieser Grenze könnten sie günstig Aktien kaufen, die sie vorher zu einem höheren Kurs verkauften, womit ihre Beteiligung anwachsen würde. Wirklich nachvollziehen kann ich das zwar auch nicht. Aber eben: Gerüchte gibt es an der Börse zuhauf.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Anlageberater ruft einen Kunden an und erklärt ihm anklagend, dass sein Konto um eine Million überzogen ist. Der Kunde fragt, welchen Kontostand er am 30. des Vormonats aufwies. Der Berater sieht nach und meint: «Zwei Millionen Guthaben.» – «Sehen Sie», sagt der Kunde, «habe ich Sie deswegen angerufen?»

Mails an: claude.chatelain@bernerzeitung.ch

Mit Fondsanteilen besitzt man von allem ein bisschen

claude chatelain am Dienstag, den 28. Juni 2016
Passanten gehen an der Baustelle vor der Schweizerischen Nationalbank vorbei, am Mittwoch, 9. September 2015, auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Passanten gehen an der Baustelle vor der Schweizerischen Nationalbank vorbei, am Mittwoch, 9. September 2015, auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kürzlich schrieb mir eine Frau eine Mail folgenden Inhalts: «Ich habe kürzlich gelesen, dass man Nationalbankaktien kaufen kann. Was halten Sie persönlich davon? Da ich mich mit Aktien nicht auskenne, interessiert es mich, ob es empfehlenswert ist, solche zu kaufen. Was können Sie mir persönlich empfehlen?»

Hier abgekürzt und ohne die dazugehörenden Höflichkeitsfloskeln meine Antwort: «Da Sie sich mit Aktien nicht auskennen, sollten Sie auch keine kaufen. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ich empfehle Ihnen, nur Anteile von Anlagefonds zu kaufen. Mit Fondsanteilen decken Sie ganze Märkte ab. Sie besitzen also von allem ein bisschen. Möchten Sie zum Beispiel Schweizer Aktien kaufen, so gäbe es da zahlreiche Schweizer Aktienfonds. Am besten kaufen Sie einen Indexfonds, dessen Kursverlauf dem Swiss-Market-Index (SMI) oder dem Swiss-Leaders-Index (SLI) folgt. Sie heissen etwa UBS-ETF-SMI, Ishares SMIM oder UBS-ETF-SLI. Sinnvoll ist auch, Anteile eines globalen Aktienfonds zu kaufen, zum Beispiel den Postfinance Global.

Und noch etwas habe ich der Frau geschrieben: dass ich aus Prinzip keine Aktienempfehlungen abgebe. Erstens, weil es mir an hellseherischen Fähigkeiten mangelt. Zweitens, weil ich ein Feigling bin und keine Verantwortung übernehmen will. Wenn nämlich der Aktientipp in die Hosen geht, will ich nicht derjenige sein, der einen schlechten Rat erteilt hat.

Ich bewundere all die Frauen und Männer, die ihren Kundinnen und Kunden den Kauf von bestimmten Aktien ans Herz legen, dafür ein Honorar kassieren und dann trotzdem noch gut schlafen können.

Wenn wir schon beim Thema sind. Sagt der Bankkunde:
«Meinen Berater möchte ich sprechen.»
«Der ist leider nicht da.»
«Aber ich habe ihn doch durchs Fenster gesehen!»
«Kann sein. Aber er hat Sie zuerst gesehen.»

Wieder ein Fall einer unnötigen Versicherung

claude chatelain am Dienstag, den 21. Juni 2016

Einem Arbeitskollegen erging es in jüngeren Jahren wie Tausenden anderen Schweizerinnen und Schweizern: Er liess sich von einem Bekannten dazu überreden, eine fondsgebundene 3a-Police abzuschliessen. Er tat dies bei der Generali. Damals war er 23 Jahre alt. Jetzt bereut er es bitter.

Seit 14 Jahren überweist er der Generali jährlich 3600 Franken. Weitere 28 Jahre sollte er dies gemäss Vertrag noch tun. «Soll ich?», fragte er mich kürzlich. «Nein», erwiderte ich ihm. Er hat Frau und Kind und einen ansprechenden Lohn. Sollte er erwerbsunfähig werden oder sterben, wäre er beziehungsweise wären die Hinterbliebenen via AHV und Pensionskasse bestens versorgt.

Der Rückkaufswert der Generali-Police beträgt heute gut 31 000 Franken. Doch einbezahlt hat der Kollege bisher 54 000 Franken. Er könnte nun diese 31 000 Franken auf ein Konto 3a überweisen. «Dann verliere ich aber 23 000 Franken», sagte er mir.

Da macht der Kollege leider einen Denkfehler. Er bekam für die bezahlte Prämie eine Leistung. Seine Sparversicherung hat einen hohen Risikoteil. So war er all die Jahre gegen Tod und Erwerbsunfähigkeit versichert. Nur einen Teil der Prämie hat Generali in den Anlagefonds investiert. Wie hoch diese Sparprämie ausfällt, konnte ich nicht eruieren. Transparenz ist eben nicht die Stärke von Sparversicherungen. Die durchschnittliche Jahresrendite beträgt angeblich 2,4 Prozent.

Der Arbeitskollege braucht diesen Versicherungsschutz nicht. Oder sagen wir: nicht mehr.

Statt den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen, könnte der Kollege die Prämienzahlung einstellen und das Kapital samt Zins in 28 Jahren beziehen. Man nennt das Prämienfreistellung.

Ob es gescheiter ist, den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen oder die Prämie freizustellen, weiss ich nicht. Ich will bloss behaupten, dass beide Varianten sinnvoller sind, als weiterhin Jahr für Jahr für einen Versicherungsschutz zu bezahlen, der im Verlauf der Jahre obsolet geworden ist.

Der neue Trend: Methusalem-Bonds

claude chatelain am Freitag, den 3. Juni 2016

Heute wollen wir uns mit festverzinslichen Anlagen beschäftigen. Es gibt eine ganze Reihe davon: Wandelobligationen, hybride Anleihen, Zerobonds, Junk-Bonds, Pflichtwandelanleihen, Scharia-Bonds und sicher noch einige mehr. Neulich habe ich von einem Obligationen-Begriff gelesen, der mir bisher nicht geläufig war: Methusalem-Bonds.

Geschlossen hat mir die Bildungslücke die NZZ, die man in Journalistenkreisen ehrfürchtig Alte Tante nennt. Wer könnte kompetenter über Methusalem berichten als die Alte Tante herself? Methusalem ist jene Figur aus dem Alten Testament, die 969 Jahre alt wurde. Folgerichtig sind Methusalem-Bonds laut NZZ Obligationen mit «ultralangen Laufzeiten». Sie seien wegen der verzweifelten Suche nach etwas Rendite gefragt, schrieb die NZZ.

Etwas Rendite? Eben erst hat Spanien eine 50-jährige Anleihe plaziert. Die Rendite beträgt 3,5 Prozent. Aber auch nur, wenn die Spanier ihrer Zins- und Rückzahlungspflicht nachkommen werden. Noch schlimmer: Die Eidgenossenschaft emittierte jüngst eine Obligation mit einer 42-jährigen Laufzeit. Der Zinscoupon beträgt ein halbes Prozent. Doch die Nachfrage nach diesem himmeltraurig verzinsten Papier war so gross, dass an der Auktion ein Preis von 110 Prozent erzielt werden konnte. Damit sinkt die Rendite auf 0,25 Prozent.
Nehmen wir mal das Jahr 2056. Zig Investoren hocken dannzumal auf einem Papier, das während 40 Jahren eine Rendite von 0,25 Prozent abzuwerfen vermochte. Offenbar gehen Anleger davon aus, dass wir noch sehr, sehr, sehr lange Jahre mit negativen Zinsen leben müssen. Auch Ausländer dürften hier zugelangt haben. Sie rechnen wohl damit, dass der Franken noch stärker wird und sie bei der Rückzahlung einen Wechselkursgewinn einstreichen können.

2058, wenn die Eidgenossenschaft ihre Anleihe mit der lausigen Rendite von 0,25 Prozent zurückzahlt, werde ich 105 Jahre alt sein. Damit komme ich noch lange nicht an die 969 Jahre des Methusalem heran. Doch so lange will ich gar nicht leben – schon gar nicht bei diesen Renditen.

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