Heute geht in Frankfurt die grösste Interior-Dekorationsmesse Europas zu Ende: die Ambiente. Viele Einkäufer von Schweizer Geschäften – von der kleinen Boutique bis zu den Warenhäusern – kaufen an dieser Messe Wohnaccessoires, Geschirr, Gläser, Kochutensilien, Textilien, Dekoartikel und vieles mehr ein. Oft leider das Gleiche, dabei müsste das überhaupt nicht sein. Die Angebote sind vielfältig, frisch und voller Ideen. Es sind nicht nur grosse Handelsfirmen, sondern auch junge Designer und kleine Manufakturen, die ihre neusten Kreationen und Kollektionen an der Messe anbieten. Hier bekommen Sie schon mal einen ersten Eindruck der Ideen, Trends und Dinge, die Sie dann bald in den Geschäften kaufen können.

DIE AUSBEUTE EINES MESSETAGES
Als Journalistin muss man zum Glück nur mit den Augen «einkaufen» und nicht mit den grossen Taschenrechnern, den Markenzeichen der Einkäufer. Meine Messeausbeute sind Entdeckungen, News, Stimmungen und neue Kontakte. Und da ich gerne auch etwas in der Hand habe, natürlich auch Kataloge, Prospekte und Pressedossiers. Viele Presseinfos kriegt man zwar einfach als Download, aber trotzdem komme ich am Ende einer Messe immer noch beladen nach Hause. Es sind aber nicht mehr ganze Koffer voll wie früher, sondern nur noch hübsche, kleine Stofftaschen mit den jeweiligen Labels der Firmen drauf.

FRANKFURT, LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK
In die Stadt Frankfurt verliebt man sich nicht auf den ersten Blick, aber bei häufigen Besuchen wächst die Zuneigung und man entdeckt die Reize der Stadt. Da entsteht erst mal ganz schön viel Grossstadtfeeling, vor allem durch die Skyline, die ein wenig an Manhattan erinnert. Diese sieht man auch von der Messe aus, wenn man sich während der langen Wanderungen durch die Hallen auch mal Zeit nimmt, aus dem Fenster zu schauen. Einige Ausstellungen, vor allem die Trendräume, sind auch von der Architektur inspiriert. Hier werden neue Backformen so inszeniert, dass sie wie Gebäude wirken.

DIE TISCHKULTUR HAT AN DER FRANKFURTER MESSE EINE GROSSE BEDEUTUNG
Es gibt viele renommierte deutsche Firmen, die Geschirr, Glas, Besteck oder Küchenzubehör herstellen: Rosenthal, Villeroy & Boch, Reichenbach, Nymphenburg, Meissen, Asa, Kahla, Nachtmann, Leonardo, Pott oder Mono sind nur einige davon. So wird denn auch im Designbereich diese wichtige Sparte stark hervorgehoben. Zwei der Trendräume widmen sich ganz der Tischkultur. Einer zeigt interessantes, neues Design, wie zum Beispiel meine persönlichen Lieblinge: einen weissen Steamer-Pot von Office for Product Design, supercoole Backformen von Mario Trimarchi für Alessi und Gläser mit Frosteffekt von Front Design.

Kennen Sie Fiorucci? Die Modemarke wurde mit Pop, süssen Farben und viel Lebensfreude zum Kultlabel der späten 70er-Jahre. Und so wie wir heute zu COS oder Acne pilgern, stürzten wir uns damals mit Shoppinglust in die Fiorucci-Shops. So erinnern Elemente, Farben und Stimmungen, die im Dekobereich gezeigt werden, denn auch an diesen Look. Da sind süsse Pastellfarben, Sternchen, Leoprints, Tupfen, poppige Blümchen und sehr viel Neon. Die Kissen auf dem linken Bild sind von Au Maison und auf dem rechten befinden sich die charmanten Papeterieartikel von Rie Elise Larsen. Die frechen Blümchentassen mit einem Innenleben in Neonpink sind von Lisbeth Dahl.

Die Trendinszenierungen, mit denen die Messeorganisation dem Publikum Visionen und Tendenzen zeigt, waren dieses Jahr besonders gut gemacht. Sie erinnerten an die konkurrierende kleinere Messe Maison et Objet, die im Januar in Paris stattfand. Mit Trompe-l’Œil-Effekten, die durch grosse, halb rund aufgezogene Fotos entstanden, wurden Räume gestaltet, die die Stimmung eines jeweiligen Dekotrends wiedergaben. Der Trend zu Eleganz und Üppigkeit hat einen Salonstil erschaffen, der sich Eccentric Domain nennt. Glamouröses, Theatralik, ein bisschen Kuriositätenkabinett und viel Sinnlichkeit sind die Elemente dieses Stils.

Wie schon erwähnt, ist der Tischbereich in Frankfurt besonders wichtig. Dort bewegt sich auch einiges – und das in eine ganz interessante und unerwartete Richtung. Nach Convenience-Food, Jamie-Oliver-Spontanität und langen Jahren puristischer Pseudomoderne auf dem Tisch sind nun wieder feinere Töne angesagt. Edles, Feines, Ungewohntes, Freches und Überraschendes zeigt sich in traditioneller Verkleidung. Blau-weisses Porzellan ist da ganz weit vorne mit dabei. Meine Lieblinge: die handgemachten Plättchen von Anne Black (auf dem Bild rechts), die Porzellanplatten mit den Seemanns-Tattoo-Motiven von Mutti (auf dem grossen Bild in der Mitte) und die kleinen, feinen, japanisch anmutenden Schälchen aus der Trendschau, die ebenfalls von Anne Black sind.

Wir wollen schöne Alltagsgegenstände, Edles, Handgemachtes, Aussergewöhnliches, Persönliches. So werden denn Küchen und Tische mit edlen Stücken bereichert und unser Alltag ebenso. Die Bilder sind an der Trendinszenierung der Frankfurter Messe Ambiente gemacht worden. Auf dem kleinen Bild sind die hauchdünnen Holzgefässe der Japanerin Takahashi Kougei zu sehen.

EIN PAAR STYLINGTIPPS VON DER MESSE
Messen inspirieren auch. Und da wir noch eine Weile warten müssen, bis wir all die schönen Dinge in den Geschäften kaufen können, können wir schon mal ein paar Stylingideen von der Messe kopieren. Diese Inspirationen bringen Ihrem Zuhause viel Wohnlichkeit.
1 Gewebte Baumwollteppiche können auch mal über ein Bett gelegt werden und verwandeln dieses tagsüber zu einer Lounge-Liege. Die Teppiche in edlen, gedämpften Farben sind von Braxton.
2 Übergrosse Leuchten geben ein starkes Statement ab. Dadurch können sie wie ein Möbelstück eingesetzt werden und erwecken eine leere Ecke zu neuem Leben. Die tollen Leuchten sind von der tunesischen Firma Zina.
3 Bei House Doctor standen in allen Vasen einzelne feine Blumen. Zum Nachmachen schön!
4 Bunte Decken aus Vintage-Saris sind die «Wolldecken» des Sommers. In diese kann man sich auf dem Balkon reinkuscheln. Sie geben einem Sofa ein wenig Bohemian-Feeling und können zu einem schicken Vorhang umfunktioniert werden. Die Decken sind von Au Maison.
5 Machen Sie es wie bei H.Skjalm.P und kombinieren Sie einzelne Metallaccessoires zu grafischen Mustern und sinnlichen, gebrochenen Farbtönen.































Der Sweet-Home-Blog hat es nämlich unter die sieben besten Wohnblogs geschafft. Mit dabei sind auch «The Selby» oder «Emma» aus Schweden. Herzlichen Dank ans «Blick am Abend»-Team!






Marianne Kohler ist Stylistin und Journalistin, sie begann ihre Karriere als Textildesignerin, arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift Annabelle leitete. Heute arbeitet sie für Zeitschriften wie «Glamour» sowie Interior-Firmen im In- und Ausland. Marianne Kohler lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich. 




























































