Immer wieder taucht er auf, der Bohemia-Look und wenige wissen woher er eigentlich kommt! Hier eine kleine Geschichte dieses Looks und wie Sie ihn in Ihrer Wohnung am schönsten umsetzen können.

Im englischen Sussex haben Virgina Woolf, ihre Schwester Vanessa Bell und Freunde Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen in einem Farmhaus gewohnt. Sie rebellierten gegen den dunklen, düsteren Wohnstil der Viktorianer und bemalten das Haus vorwiegend weiss und in hellen Tönen, was damals eine kleine Revolution war. Die Künstler haben aber auch Möbelstücke, ganze Wände und Kamine bemalt, mit Bildern und Ornamenten. Der dekorative Stil ist heute noch als der «Charleston Stil» bekannt.
Im 18. Jahrhundert entdeckten englische Reisende in Böhmen (engl. Bohemia) den Charme der Zigeuner-Kostüme. Zuhause begannen sie dann, sich in diesem Stil zu kleiden. Die Engländer hatten immer schon ein Faible für exzentrische Kleidung. Sie lieben es, sich darzustellen, Rollen zu spielen und sich zu verkleiden. Kostümparties waren in dieser Zeit besonders beliebt. Die Zigeunerkleidung war eine Möglichkeit, geistige Unabhängigkeit zu demonstrieren. Hat das aristokratische Klassensystem doch sehr strenge Regeln.
Genau das war es auch , was Anfang 20. Jahrhundert Künstler und Intellektuelle ausbrechen liess. Mit buntem, gemustertem und improvisiertem Kleidungsstil bewiesen sie Kreativität und Eigenständigkeit.

Kunst wurde im Charleston-Farmhouse in den Alltag integriert. Die Bewohner des Hauses haben Möbel bemalt, sie selber gebastelt, Schüsseln als Lampenschirme benutzt und das bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute sind WGs an der Tagesanordnung, damals waren die Bohemians Avantgarde und suchten einen neuen Lebensstil im bürgerlichen England, welches noch nach viktorianischen Werten lebte.
Berühmt als die ersten «Bohemians» wurde Virginia Woolf und ihr Kreis von Freunden, genannt «der Bloomsbury Circle» nach dem Londoner Stadtkreis, in dem sie wohnten und sich trafen. Sie kleideten sich nicht nur auf eine bewusst legere Art, sie dekorierten ihre Häuser mit bunt bemalten Möbeln, Keramik und naiven Gemälden, pflegten aussereheliche und gleichgeschlechtliche Beziehungen und wurden mit ihrem Lebenstil Vorbereiter für die spätere Hippiebewegung.

Der dekorative Stil von Charleston inspiriert heute noch viele Designer im Interior- und Modebereich. Tricia Guild ist ein berühmtes Beispiel. Ihre Stoffe von Designers Guild lassen immer wieder an die Muster und Farben der frühen Bohemians denken. Auch in den Kollektionen des Modedesigners Paul Smith findet man Verwandschaften
In den 70er Jahren kommerzialisierten dann die Hippies den bunten, unbeschwerten Kleidungstil endgültig. Boutiquen mit ausgefallenen Sortimenten machten den etablierten Modehäusern ernsthafte Konkurrenz. Und so kam der Bohemia-Look auch auf den Laufsteg, wo er alle paar Jahre ein grosses Revival feiert.

Die Modedesignerin Anna Sui ist eine treue Freundin des Hippie-und Bohemia-Looks. Hier zwei schöne Beispiele aus der aktuellen Herbstkollektion, siehe Links.
Und was auf dem Laufsteg erfolgreich ist, zieht oft auch zuhause ein. Der Bohemia-Look wird im Interiorbereich meist mit englischer Exzentrik verbunden und als Bezeichnung von individuellen, eklektischen Einrichtungsstilen benutzt.

DAS SOFA ist der Zigeunerwagen, auf dem wir bequem unsere kleinen und grossen Traumreisen machen können. Dieses Vintagesofa ist beladen mit vielen gemusterten Kissen, Fundstücke, Einzelwerke und als kleines «Bohemia»-Kunstwerk mit alten Teppichen, einem marokkanischen Tischchen und einem edlen Wandbehang inszeniert. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Manchmal haben alte, belassene Dinge mehr Charme wie neu renovierte und restaurierte. Belassen Sie einen alten Sessel oder ein Sofa in seinem verfallenen, gelebten Zustand und platzieren Sie es wie eine interessante Skulptur neben neue Dinge.
Mischen Sie sich zuhause Ihren eigenen, persönlichen Look – denn genau das ist der Sinn dieses Trends: Freiheit und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit

KLEINE DINGE haben oft eine grosse Bedeutung, geben wir ihnen also einen gebührenden Platz. Hier sind asiatische Sammelstücke auf einem alten, grünen Hocker als kleiner Altar inszeniert. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Kreieren Sie sich kleine Stilleben im Haus mit hübschen Sachen, die für sie eine Bedeutung haben. Diese Arrangements können immer wieder neu gestaltet werden je nach Lust und Laune. Das macht Spass und bringt viel Persönlichkeit in eine Wohnung. (Bild über: Abigail Ahern)

BLUMENMUSTER müssen gar nicht bieder sein. Unkonventionell eingesetzt wirken Sie «funky» und sehr dekorativ. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Rahmen Sie alte Tapeten in grosse Bilderahmen aus dem Brockenhaus, beziehen Sie Stühle mit bunten Blumenstoffen und suchen Sie nach dekorativen, geblumten Teppichen.

INTERESSANTE WOHNSITUATIONEN geben oft den Wohnstil an. Hier ist ein alter englischer Pub in eine Wohnung umfunktioniert worden. Ganz klar, dass gemütliche Möbel und Fundstücke von Flohmärkten hier besonders gut zur Geltung kommen. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Nehmen Sie die Grundstimmung Ihrer Wohnsituation in der Einrichtung auf. Fifties-Möbel bringen den Charme einer Fünfzigerjahre-Wohnung hervor, ein Plüschsofa passt gut in eine Jahrhundertwende-Wohnung etc. Ganz nach dem Motto: Der Mix machts aus. (Bild: airspaces)

IMPROVISATION ist meist der Start eines neuen Wohnlebens. Hier wurde ein Bett zum Sofa und die Hängeleuchte ganz einfach an die Wand genagelt. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Denken Sie unkompliziert und wagen Sie auch in einer edleren Wohnsituation ein wenig Improvisation, das wirkt gelebt, persönlich und verleiht Charme

FUNDSTÜCKE sind die wichtigsten zutaten des Bohemia-Looks. Sie sind einzigartig, persönlich und wirken stark im Mix mit anderen Einzelteilen. UND SO KÖNNEN WIR ES ZUHAUSE UMSETZEN: Eine Wohnung ist persönlicher, wenn sie lebendig bleibt. Ersetzen Sie immer mal wieder ein Möbelstück, bleiben Sie offen für Neues. (Bild: Airspaces)

BOHEMIA ZUM KAUFEN: Die amerikanische Firma «Anthropologe» hat den Bohemia-Look zum Business gemacht. Die Philosophie der Ladenkette ist: Fundstücke aus aller Welt zusammenzubringen. So entsteht ein eklektischer Mix aus verschiedenartigen Elementen, siehe Links.

MUSTER AUF DEM BODEN: Die Teppiche von «Anthropologie» sind buntgemustert und erinnern an die farbenfrohe Einrichtung des Charleston-Haus.

HIPPIELOOK: Die typischen Hippie-Klassiker sind in dieser Wohnung aufgenommen: Gitarren, Klimpervorhänge, Schaukelkorb und Fundstücke. Der Bohemia-Look hat so viele Gesichter wie seine Anhänger, denn Persönlichkeit und der Freiraum, sich eine eigene, kleine Welt zuhause zu gestalten, sind die wichtigsten Zutaten dieses individuellen Wohnstils (Bild über The Beautiful Soup).
Die Links der «Bohemia»-Geschichte:
Charleston Sussex
Charleston Buch
Anna Sui
Abigail Ahern
Apartment Dreams
Beautiful Soup
Anthropologie
Schlagworte: Fashion, Häuser, Ideen, Inspiration, Stil, Styling, Wohnaccessoires, Wohngeschichte, Wohnzimmer
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Marianne Kohler ist Stylistin und Journalistin, sie begann ihre Karriere als Textildesignerin, arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift Annabelle leitete. Heute arbeitet sie für Zeitschriften wie «Glamour» sowie Interior-Firmen im In- und Ausland. Marianne Kohler lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich. 
































































































*Grusel*
# Sienna Miller#
und ich dachte immer, eine wohnung sei zum wohnen da und nicht zu repräsentationszwecken… aber da bin ich wohl einfach zu praktisch veranlagt…
Mir reicht die Unordung meiner 3 Kinder, da muss ich nicht noch second Hand Müll anschaffen!
Die Mode ist ganz ok – doch die Räumlichkeiten samt Einrichtung ist ein Graus. Bei solchen Bildern muss ich mich fragen – wie weit entfernt liegt da eine psychische Störung vor. Auch hygienische Aspekte muss man da hinterfragen.
Mich grausts immer öfter ob der gehäuften verächtlichen Kommentare hier in dieser Zeitung… Schöne, neue Welt…
Zum Bohemian-Style: Der Stil der Kreativen und Individualisten. Sowas kann man nur selbermachen! Denn, sobald imitiert und kommerzialisiert, ist der “Stil” seines Sinns beraubt…
Kein Gitarrist würde seine Gitarren so an eine Wand stellen. Es sei denn, er hat keine Ahnung von Musik und die teuren Instrumente sind nur Ausstellobjekte.
Hübsche Aufstellung; Zigeuner ist allerdings ein rassistischer Begriff und eine Fremdbezeichnung, auf die verzichtet werden sollte. Danke für Berücksichtigung.