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Kopfschütteln für Servette

Mämä Sykora am Montag den 5. März 2012


Ich verstehe es schlicht und einfach nicht. Klar, die Menschen zeigen sich derweil sehr lernresistent. Die Kolumnistin Gisela Widmer schrieb einst: «Und wenn wir nicht gerade die eigenen Fehler wiederholen, dann wiederholen wir jene Fehler, die andere vor uns schon gemacht haben – obwohl es über die gesamten Fehler der gesamten Menschheitsgeschichte Bücher gibt. Aber nein, wir wollen daraus nicht lernen. Wir wollen selber einen Hund haben und selber von ihm gebissen werden.»

Servette aber hatte schon mal einen Hund. Und wurde auch schon von ihm gebissen. Im Februar 2005 ging der Verein in Konkurs und fiel in die 1. Liga. Und kaum hatte sich der Klub wieder einigermassen gefangen, sportlich in der vorderen Hälfte der Challenge League etabliert, laut Ex-Präsident Francisco Vinas ohne unbezahlte Rechnungen und mit über 2 Mio. Franken auf dem Konto, bejubelt man den Verkauf an einen undurchsichtigen iranischen Geschäftsmann, der gerade mal ein Jährchen zuvor bereits den österreichischen Verein Admira Wacker in den Bankrott geführt hat. Und der gleichzeitig auch noch Präsident des SC Beira-Mar aus Portugal ist, mittlerweile übrigens ebenfalls in finanzieller Schräglage. Und dank dessen irren Projekts einer Skihalle in der Wüste offenbar diverse Leute viel Geld verloren haben.

Nein, es ist mir schleierhaft, wie man sich darauf einlassen kann. Grosse Träume und Sehnsucht nach alter Stärke in Ehren, aber wie um alles in der Welt kann man Pläne schmieden bei dem Lärm, den die schrillenden Alarmglocken in so einem Fall machen müssen? Es war bei den Genfern nicht etwa so wie bei Xamax, dass sich Schulden türmten und keiner ausser eines dubiosen Investors zu finden war, der den Verein übernehmen wollte. Nein, der Verein wurde ohne Not verkauft an einen Mann von zumindest zweifelhaftem Ruf, der sozusagen direkt vom Begräbnis eines von ihm zu Grabe getragenen anderen Vereins kam.

«I did it!», brüllte Pishyar nach dem Aufstieg ins Teleclub-Mikrofon. Gerade mal ein halbes Jahr später hat er auch das getan, was viele vorausgesagt haben. Exakt wie bei seinem letzten Engagement in Österreich beklagte er sich erst über fehlende Unterstützung, namentlich der Stadt Genf, drehte dann den Geldhahn zu und nannte etliche Schuldige an der Misere – natürlich ausser sich selbst. Und weil das so wenig überraschend kam, war der nahe (und wiederholte) Untergang des Traditionsklubs nur sehr kurz ein grosses mediales Thema. Die Schreckensnachricht war lediglich eine Vollzugsmeldung. Heute schon rangiert sie weit hinter kanadischen Slalomerfolgen und NHL-Qualifikationsspielen.

Dass Fussballvereine nicht wie Unternehmen geführt werden, ist auch mir klar. Unternehmen steuern einen Gewinn an, im Fussball ist dies nahezu unmöglich – hierzulande sowieso. Nach wirtschaftlichen Überlegungen dürfte niemand auch nur einen Rappen in einen Fussballklub investieren. Dass dies trotzdem geschieht, liegt daran, dass Geldgeber nicht selten auch Fans sind. Sie wünschen dem Verein Erfolg, wagen deshalb auch mal ein riskantes Transfergeschäft oder schiessen hier und dort was ein, auch wenn die Hoffnung, daraus einen «Return on investment» zu erhalten, eine schmale ist. Nur deshalb kann der Fussball überhaupt funktionieren.

Doch wie man derart blauäugig sein kann, dass man seinen Verein einem Herrn überlässt, im irrsinnigen Glauben, dieser würde sein privates Vermögen für den Erfolg eines Klubs auf den Kopf hauen, von dem er nicht mal Fan ist, kapiere ich einfach nicht. Ein Pishyar ist kein Abramowitsch, Servette kein Chelsea, und in der anderen Waagschale findet sich eine ganze Horde von «Investoren», deren Wege mit Vereinsleichen gepflastert sind. So viele, die schon von Hunden gebissen wurden. Da fehlt mir im Falle Servettes wirklich das Verständnis. Und irgendwie auch das Mitleid.

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37 Kommentare zu „Kopfschütteln für Servette“

  1. Marcel Meier sagt:

    tja und was mich mal interessieren würde:
    wer prüft eigentlich diese lizenzanträge brvor die meisteschaft beginnt und was wird da genau geprüft?
    könnte da mal jemand aufklären.
    am schluss spielen dann noch drei mannschaften um den meistertitel?

    • U21 Fan sagt:

      Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt. Überprüft der SFV nicht einmal, ob die budgetierten Einnahmen durch Bankgarantien und Sponsoringverträge abgesichert sind. Der SFV soll endlich mal etwas Geld für einen anständigen Wirtschaftsprüfer in die Hand nehmen. Das kommt am Schluss sicher günstiger als ausfallende Fussballspiele.

      • Ist es in Amerikas höchsten Sportligen (Eishockey, Basketball, Football, Baseball) nicht so, dass man sich in die höchste Liga sozusagen “einkaufen” muss (Kontoauszüge vorweisen, die ein mindest Budget aufweisen müssen) um an der Meisterschaft teilnehmen zu können, anders als in europäischen Fussballligen, wo man aus der zweiten in die höchste Liga aufsteigen kann? Oder habe ich das falsch in Erinnerung..?

  2. Rene Meier sagt:

    Doch, Fussballvereine müssen wie Unternehmen geführt werden, wie denn sonst ? Allein die Tatsache, dass die Mitglieder der SFL als AG konstituiert sind, dokumentiert diese Ueberlegung. Dass ein Teil der Einnahmen von Mäzenen stammt, ändert daran nichts. Xamax ist konkurs, weil nicht wirtschaftlich überlegt wurde – grossspuriges Auftreten, unüberlegte Ausgaben, Rechnungen und andere Verpflichtungen in den Papierkorb, organisatorisches Chaos ohne Ansprechpersonen für SFL und andere Partner. Ein Konkursfall ist ein wirtschaftliches Ereignis; er tritt ein, wenn die Ausgaben die Einnahmen nachhaltig übersteigen.

    • Dustin Peters sagt:

      Natürlich sollten auch bei einem Fussballclub die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. Was Mämä aber meint ist, dass wenn ein Investort oder Mäzen in einen Klub Geld einschiesst, er es als Fonds perdu anschauen muss, da zum. in der CH ein Fussball-Club nie gewinnbringend sein wird. Investoren in der privatwirtschaft aber rechnen, dass ihr eingespiesenes Kapital samt Zins zurückkommt…

      • Rene Meier sagt:

        Bitte, das ändert doch nichts. Auch der Investor oder Mäzen (für den es eher um ein Hobby geht) muss sich überlegen, wieviel Verlust er sich auf seinem Investment maximal leisten kann. Und wer sagt, dass es unter allen Umständen nie gewinnbringend sein kann ? Der Beitrag des Journalisten ist nachgeplappert und abgelutscht (leider nicht der erste dieser Art in dieser Kolumne).

        • Mämä Sykora sagt:

          Es ist wohl klar, dass ein Fussballklub als AG zumindest auf dem Papier wie ein Unternehmen geführt werden muss. Ich denke aber mal, Sie gehen mit mir einig, dass – ausser der FCB – kein Verein langfristig Gewinn machen kann. Selbst der FCB schloss noch 2009 mit 10 Mio. Verlust, wie es um viele andere Vereine steht, wissen wir alle. Wäre es nicht Fussball, sondern der Handel mit Kies oder Porzellan, würden diese «Unternehmen» wohl kaum je Leute finden, die hier Geld reinbuttern. Im Fussball investieren die allermeisten Leute, weil sie sich davon Ruhm und Ehre versprechen, oder eben ihrem Verein zu Titeln verhelfen wollen. Und somit unterscheiden sich die Fussballklubs meiner Meinung nach sehr deutlich von anderen Wirtschaftszweigen, auch wenn sich ein Investor gleichwohl überlegen muss, «wieviel Verlust er sich leisten kann». Das impliziert ja gerade, dass er mit dem Verlust rechnet, was anderorts nicht der Fall ist. Beste Grüsse, Ihr Nachplapperi.

          • Fritz sagt:

            this :D
            der Nachplapperi hat eben im Gegensatz zum Dummlabberie recht ;-)

          • max sagt:

            Ganz schwache Replik. Selbstverständlich hat Rene Meier recht. Uebrigens kann auch Imagepflege Sinn einer Investition sein, nehmen wir nur die Autobranche (VW/Bugatti, BMW/Rolls Royce). Ich wette mit Ihnen, dass es keinen Klub gibt, der gescheitert ist, weil er geführt worden ist wie ein Unternehmen, aber haufenweise Pleiten bei Klubs, die nicht so geführt wurden.

        • Praktisch kein Club ist gewinnbringend; es geht um entertainment, welches von den Medien und Werbegeldern regiert wird. Die Spieler fungieren dabei gleich wie die hochbezahlten Fernsehmoderatoren bei den TV-Sendern. Das Geld landet am Schluss immer zwangsläufig in den Taschen der Spieler und Funktionäre. Das wird stets so weit getrieben bis den letzten die Hunde beissen (also die Gläubiger, v.a. öffentliche Hand aber auch Spieler ohne neuen Club mit ausstehenden Lohnforderungen etc.). Dei reichen Privatsponsoren wissen, dass sie eine teures Hobby betreiben, siehe auch früher GC mit R. Gut und Konsorten.

  3. Marius sagt:

    “Doch wie man derart blauäugig sein kann, dass man seinen Verein einem Herrn überlässt, im irrsinnigen Glauben, dieser würde sein privates Vermögen für den Erfolg eines Klubs auf den Kopf hauen.”
    Hr. Vinas hat aber genau das gemacht obwohl der Spanier war, also ebenfalls kein Genfer. Vinas wurde von den Fäns sogar bedroht damit er zurücktritt. Nach seinem Abgang hat er aber trotzdem den Trainer Castella für die ganze Saison bezahlt, aus eigener Tasche. Mag sein dass Pishar bereits seine Vorgeschichte hatte aber Stadt/ Kanton wollten lieber eine potentiell schlechte Lösung als gar keine Lösung. In Anbetracht der angespannten finanziellen Lage der Stadt und des Kantons Genf eine sehr nachvollziehbare Entscheidung.

  4. Barceloneta sagt:

    Wenn die Schweiz die sogenannte 49/51 Regel, wie sie der Deutsche Fussball Bund kennt, einführen würde, wäre die Gefahr, dass Figuren wie Tschagajew und eben Phisyar Klubs in den Ruin treiben, eliminiert.
    Die Regel besagt, dass kein einzelner Investor sich mehr als 49% eines Klubs aneignen kann. So ist gewährleistet, dass einerseits die Risiken verteilt sind und andrerseits eben keiner zuviel Macht erhält und ein Abhängigkeitsverhältnis zu dieser Person entsteht.
    Es gibt ja Gott sei Dank auch in unserer die positiven Beispiele. Basel, Luzern, YB und auch Zürich (dank den vielen Spielerverkäufen) stehen finanziell solid da, ich denke auch, in Thun wird vernünftig gehausaltet, Sion ist wieder ein anders gelagerter Fall, hat aber zumindest die materielle Rückendeckung von CC.

    • DAM sagt:

      Wie lassen sich in Deutschland eigentlich die Verhältnisse in Leverkusen (Bayer) und Wolfsburg (VW) mit der genannten Regel vereinbaren? Oder wurde da dann halt doch wieder eine Ausnahme gemacht? Ich bitte um Aufklärung.

      • BebbiSagg sagt:

        Auch solche Ausnahmen sind geregelt, hier ein Auszug aus Wiki zur 50+1 Regel:

        „Über Ausnahmen vom Erfordernis einer mehrheitlichen Beteiligung des Muttervereins nur in Fällen, in denen ein Wirtschaftsunternehmen seit mehr als 20 Jahren vor dem 1.1.1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat, entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes.“– Satzung des Ligaverbandes, Seite 8

        • Franz sagt:

          Bei dieser Regel handelt es sich um ein Agreement der BuLi-Clubs, das schon mehrfach angefochten wurde, insbesondere von Hannover 96. Für kleinere Klubs ist es ein Hindernis, wenn es darum geht, neue Geldgeber zu finden. Man soll auch nicht glauben, dass die 50+1-Regel verhindert, dass der SAP-Boss bei Hoffenheim das Sagen hat. Würde ein Zivilgericht angerufen, hätte diese Regel keine Chance.

  5. Hans Meyer sagt:

    Wieso sind dann die Fussballclubs in der Schweiz als Aktiengesellschaften eingetragen. Da ist ein Konkurs bei einem Verlust ja programmiert! Es gäbe vielleicht Konstrukte bei denen nicht sofort ein Konkurs resultieren würde.

  6. paddy sagt:

    Kann man nicht wie in Deutschland die 50+1 Regel einführen? Oder gibt so etwas ähnliches in der Schweiz?

    Es ist traurig was im CH-Fussball momentan vor sich geht. Vielleicht sollte der SFV grundsätzlich mal über die Bücher…..

  7. StanleyZH sagt:

    das Hauptproblem ist meiner Meinung nach, dass ausländische Investoren den schweizer Fussbll Markt nicht richtig verstehen ud das Ganze unterschätzen. Ein Verein in der Schweiz benötigt in der Regel immer eine grosse Unterstützung der Stadt und Bevölkerung. Werbe, Zuschauer und TV-Einnahmen sind je nach Verein stark limitiert und wenn dann ein Investor meint eine teure Mannschaft einkaufen zu müssen, da mit CL etc spekuliert wird, hat man schon fast verloren, da diese Ausgaben alleine durch Zuschauer und Werbung niemals getragen werden kann, erst recht nicht, wenn dann der gewünschte Erfolg ausbleibt.

    Bei Servette hat man nun eine verhältnismässig teure mannschaft eigekauft und vermutlich unterschätzt, dass der Club in der Region nur begrenzt unterstützt wird. ich denke da hat man gedacht, Genf hat viele nationale und internationale Firmen, welche finanziell einsteigen werden, sobald man sich etwas profiliert hat in der Liga oder die Ausgaben etwas übersteigt wurden.
    naja das ist leider falsch gedacht und nun steht man vor einem weiteren Scherbenhaufen, ich hoffe wirklich das Servette gerettet werden kann, meiner Meinung nach gehört Servette Genf einfach zur Superleague und es wäre wirklich Schade wenn das alles vorbei sein sollte.

    • Frédéric sagt:

      Sorry, das ist total falsch. Servette hat praktisch mit der gleichen Mannschaft wie in der ChL weitergemacht und hat wohl eines der günstigsten Kader der ganzen SL (Durchschnittslohn 10’000-12’000, was eigentlich eine Schande ist). Wer kannte Rüfli, Karanovic, Vitikieviez vorher? Hätte Pishyar seit dem Aufstieg, der unerwartet kam und ihn erschreckte (!), nicht völlig durchgedreht und alles falsch gemacht, was man überhaupt machen kann, könnte der Club die Meisterschaft problemlos zu Ende führen:
      – Ungerechtfertigte Entlassung des Trainers Alves und seines Assistenten (Sohn Alves’)
      – Ablehnung von Trikotsponsoren (ca. 500’000 Fr.), da Forderung von 2-3 Mio.
      – Nichtverlängerung von Spielerverträgen (Vitkieviez für 150’000 an YB verschenkt)
      – Trennung von fähigen einheimischen Kadermitarbeitern
      – Anstellung von Sportdirektor Costinha trotz fehlendem Leistungsausweis
      – Spielervermittler als Scout (auch Portugiese)
      – Über seinen Charakter schweigt man besser (er wird bekommen, was er verdient)

      Bis zum Aufstieg war alles OK. Mit Viñas würde der Club gegen den Abstieg in die 1. Liga kämpfen, wenn er nicht schon dort wäre. Es gab keine Perspektiven mit ihm. Auch er hat niemanden neben sich geduldet (Sponsor Horloger Franck Müller ist abgesprungen). Viñas hat Pishyar in den Vorstand aufgenommen, er wehrte sich vorerst gegen die Übernahme, aber der Druck war zu stark, da es keine Alternative gab. Letztlich ist auch Viñas gescheitert, auch wenn jetzt das Gegenteil behauptet wird.
      Ein SL-Verein kann nur überleben, wenn es den Verantwortlichen gelingt, finanzkräftige Kreise (Wirtschaft) hinter sich zu scharen. Dafür braucht es ein Netzwerk, und das haben i.d.R. nur Einheimische. Von den Ausländern hat es bis jetzt niemand geschafft, auch weil die meisten unter Grössenwahn litten.

  8. Nino sagt:

    @Mämä Sykora: Wie wahr, deinem Blog ist nicht mehr viel beizufügen! Im Nachhinein ist man zwar immer klüger, die Vorgeschichte von Pyshiar war schon alarmierend, aber wer war denn damals beim Verkauf an Pyshiar der Besitzer von Servette? Warum wurde denn Servette ohne angebliche Not verkauft?

    • Frédéric sagt:

      Das ist eben gerade die falsche Prämisse, von der Herr Sykora ausgeht. Viñas musste schon aufgrund seines Alters (75 damals) “verkaufen”. Die 2 Mio. in der Kasse stammten vom Transfer Estebans zu Rennes, d.h. was davon übriggeblieben ist. Viñas machte keine Schulden, kam aber nicht weiter. Es kann ja nicht das Ziel sein, Servette mit Mühe in der ChL zu halten. Im Übrigen lebt er seit 60 J. in Genf und schaffte es trotzdem nicht, Geldgeber zu gewinnen. Was zugegebenermassen schwierig ist in Genf. Die besseren Chancen hätte Pishyar nach dem Aufstieg letzten Sommer gehabt, aber in seiner grenzenlosen Verblendung hat er viele vor den Kopf gestossen.

      • Mämä Sykora sagt:

        Da bleibt natürlich die Frage offen, was besser ist: nicht weiter zu kommen, dafür schuldenfrei zu sein, oder sich einem vermeintlichen Retter an den Hals zu werfen mit offenem Ausgang, gerade wenn man kurz zuvor schon eben diesen Weg riskiert hat. Dass man in Genf skeptisch einem Verein gegenübersteht, der nur wenige Jahre zuvor kollabiert ist, ist durchaus verständlich. Auch andere Vereine können sich nicht darauf verlassen, Unterstützung von der Stadt oder dort ansässigen Unternehmen zu bekommen.

        • Frédéric sagt:

          Post festum ist man immer schlauer. Wir sprechen hier von der Nr. 2 nach CH-Meistertiteln und von der zweitgrössten Stadt des Landes mit einem Stadion für 30’000 (das zwar nicht dem Club gehört). Von daher die Ambitionen. Bis zum Aufstieg letzten Sommer konnte man Pishyar nichts vorwerfen, im Gegenteil, drei Jahre lang lief alles gut. Man kann das nicht mit Xamax/Chagaev vergleichen.

        • Nino sagt:

          @Mämä: Gibt es eine gesicherte Quelle dass Servette ein Vermögen von 2Mio und keine Schulden hatte? Solche Zahlen können m.M. nach nur Insider wissen, Bilanzen nach aussen kann man auch frisieren…! Zusätzlich bin ich auch der Meinung dass Bund, Kanton und Gemeinden den Spitzensport zuwenig unterstützen, hat doch ein Fussballclub (Opernhäuser?) auch eine wichtige soziale Funktion

  9. sydney sagt:

    ich würde jetzt mal einfach so behaupten, dass die championsleague tot wäre, wenn alle vereine strikt nach unternehmerischen gesichtspunkten geführt würden. wir könnten ein real madrid schon lange nicht mehr sehen und auch die borussia wäre nicht deutscher meister geworden. das problem der schweizer clubs liegt an den folgenden zwei tatsachen:

    1. anscheinend kann jeder einen fussballclub erwerben ohne WIRKLICHE und REALE finanzielle möglichkeiten vorzuweisen um diesen club gemäss budget und grösse notfalls finanzieren zu können (ja, ich als FCB muss eigentlich auch sagen, dass ein heussler – so grossartig er auch ist – hauptaktionär des fc basel ist ohne die wirklich notwendingen finanziellen reserven).

    2. die liga wird aus bern so dermassen unprofesionnel, dumm und schlecht geführt, dass man sich fremdschämen muss für jeden “funktionär”. vorallem bei der austellung einer lizenz muss doch alles geprüft und abgeklärt werden. ich als gesetzgeber und konkursbeamter würde mir evtl. auch den verband in verantwortung ziehen, wenn es einen verein “lüpft”.

    • Marcel Meier sagt:

      und dann heisst es jeweils, lizenz in letzer instanz erhalten… gute nacht schlafkappen

    • Marius sagt:

      “ich würde jetzt mal einfach so behaupten, dass die championsleague tot wäre, wenn alle vereine strikt nach unternehmerischen gesichtspunkten geführt würden.”
      Das wäre im Gegenteil die ultimative Rettung für den Fussball wenn jeder einen Gewinn anstreben würde, denn dadurch wären die irrsinnigen Gehälter gar nicht möglich:-)

      Zum 1.
      Bei den börsenkotierten Gesellschaften ist das nicht möglich. Die Börsenaufsicht prüft die Herkunft der Vermögen der Käuferschaft. Wenn sie also ein ManUtd. kaufen wollen und mit einem Koffer mit 200 Mio. vorstellig werden, werden sie zuerst einige Fragen beantworten müssen.

      Zum 2.
      Ist in der Praxis auch nicht so einfach:-) Stellen sie sich vor sie verweigern einem Verein die Lizenz. Grundsätzlich hat niemand etwas davon ausser dass alle auf sie wütend sind und gleichzeitig schaffen sie einen Präzendenzfall. Ausserdem gibt es Strafmassnahmen wie Minuspunkte oder Geldstrafen welche viel einfacher anzuwenden sind.

  10. Auguste sagt:

    hmm…, wenn einem das wasser lange zeit permanent bis zum hals steht, dann kann einem eine zufällig vorbeitreibende gummi-ente schon als rettungsinsel vorkommen.

    …da waren’s nur noch acht.

    • Marcel Meier sagt:

      und dann spielt am schluss (weil nur noch drei übrig) vielleicht sion mit etwa 26 minuspunkten (unter null) im europacup… komische liga

  11. Servettien sagt:

    Servette ist seit mehr als 30 Jahren mein Verein. Ich habe im Laufe der Jahre drei Meistertitel, zwei Cup – Siege und viele schöne Siege auf dem grünen Rasen feiern können. Ich habe viele Spitzenspieler im Dress meiner Grenats bewundert (zB. Rumenigge, Sinval, Frei, Petrov, Karembeu). Ich liebe die Art, wie Servette über all die Jahre mit spielerisch gutem Fussball die Schweiz verzaubert hat. Ich habe den 1. Konkurs überstanden und war sehr glücklich, als im letzten Jahr der Wiederaufstieg endlich geschafft wurde.
    M. Physiar übernahm den Club 2008, als der Verein sportlich im tiefsten Keller der Nationalliga B herumdümpelte. Wir Fans hatten nicht das beste Gefühl, als er sich den Club angeeignet hatte. Bis ende 2011 ging trotzdem alles gut. Er und sein Team stellten eine junge, hungrige Mannschaft zusammen, das Interesse am Fussball wurde sogar in Genf geweckt, die Rechnungen wurden bezahlt und sportlich zeigte alles in eine Richtung: Nach oben. Das mit dem Meistertitel 2014 glaubten wir ihm zwar nicht, wir waren dennoch froh, dass Servette von einem Mann mit Ambitonen geführt wird. Mit dem Aufstieg in die Nationalliga A war M. Physiar auch in Genf hoch angesehen.
    Offenbar hat M. Physiar nach dem Aufstieg die Bodenhaftung verloren. Er glaubte, die Genfer Bankiers und die Genfer Wirtschaft würden ihm die Millionen für seinen Fussbalclub nachschiessen. Das geschah bekanntlich nicht. Vermutlich hat das mit seinem grossspurigen und grossmäuligen Auftreten nach dem Aufstieg zu tun. Als er dann ende 2011 irgendwann beschloss, keinen Rappen mehr in Servette zu investieren, lehnte er auch finanziell lukrative Angebote wie einen neuen
    T-Shirt – Sponsoren ab. Es kam mir vor, als ob er den Verein für die mangelnde Unterstützung mit dem Konkurs bestrafen wollte.
    Dass er sich mit dem Deponieren der Bilanz letzte Woche aus dem Staub gemacht sehe ich eher als Befreiung. Servette mit M. Physiar wäre am Mittwoch totsicher pleite, ohne M. Physiar stehen die Chancen immerhin 50:50, dass der Verein unter neuer Führung weiter in der höchsten Liga spielen und langfristig im Schweizer Fussball seine Rolle einnehmen kann. Es gibt einige ermutigende Signale in diese Richtung. Sogar Personen aus Genf (zum Beispiel die associationsfc) arbeiten kräftig mit, damit Servette am Leben bleibt. Die junge Mannschaft, die hervorragende Nachwuchsabteilung, die Angestellten von Servette FC und wir Fans hätten es verdient… Die Hoffnung stirbt zuletzt… Allez Servette…

    • Wishaw Thomas sagt:

      Wie bitte? Der feine Herr soll “erst ende 2011″ mit den Zahlungen aufgehört haben? Wie hoch ist die Verschuldung?
      4-7 Mio? Da muss ich kein Insider sein, um zu wissen, dass dies so nicht stimmt!
      ps. Wo ist das Geld für die Nachwuchsabteilung? (500`000.-Fr.)

    • Mark M. sagt:

      Genau beim Sponsoring liegt doch der Hase im Pfeffer: Genf hat eine starke Wirtschaft – Privatbanken, Rohwaren, Luxusgüter und Verwaltungsfirmen für diese Branchen noch und nöcher. Ein guter Netzwerker müsste in der Lage sein, denen Millionen für lokale Verbundenheitsprogramme auszureissen, wenn sie im Gegenzug richtig gehätschelt würden und sich gut darstellen könnten. Mit Geschäftskunden in die VIP-Loge für ein Europa-Liga-Spiel wäre zB ein brauchbares Werbeargument. Nur bräuchte es dafür eben keinen selbstherrlichen Kleinkönig, sondern eine Art klinkenputzenden Tourismusdirektor als Geschäftsführer/Präsi. Der bräuchte dann auch einen Lohn. Also doch eine Art Ökonomisierung des Klubs – aber Herz und Leidenschaft wird immer gefragt sein.

  12. Franz ( der kanns ) Göpfert sagt:

    Welcher Verein hierzulande ist dennn überhaupt noch gesund? Nebst Basel noch YB. Luzern und Thun.
    Der FCZ hatte ja auch Probleme und konnte dank Verkäufen etwas Luft verschaffen. Sion ein Fall für sich. Woher kommt das Geld? GC und Lausanne kratzen jeden Rappen zusammen. Und der potenzielle Aufsteiger FCSG war ja auch nahe am Kollaps.
    Die Auflagen sind dermassen teuer und der Fussball ist kein Geschäft hier.
    Servette wird nicht der letzte Verein sein. GC wird auch kippen wenn nicht ein Wunder geschieht. Zu hohes Budget !

  13. Walter Studer sagt:

    Ich bin sehr traurig, was hier mit SERVETTE geschieht trotzdem ich nicht Fan bin. Die Erfolge in den letzten 100 Jahren, veranlassen aber, den Hut zu luepfen. Hier in Brasilien ist es ja eher noch schlimmer. Wenn die gleichen Kriterien angewendet wuerden, bestuenden nur wenige Clubs. Ich hoffe, dass “Les Genevois” eine Loesung finden, die auch dem Schweizer Fussball helfen. Gruss

    • Andy Green sagt:

      Da haben sie absolut recht. Auf der ganzen Welt sind Clubs verschuldet, in der Schweiz wird einfach sehr genau hingeschaut. Real Madrid oder Chelsea würden jedenfalls niemals eine SFL-Lizenz kriegen!!

  14. Dominik sagt:

    Was ich nicht ganz verstehe, Pishyar war jetzt mehrere Jahre im Amt. Alles kann er also nicht falsch gemacht haben. Das Kader des Vereins scheint mir jetzt auch nicht wahnsinnig aufgebläht zu sein. Also, hat der gute Mann einfach “keine Chöllen” mehr oder hat er bemerkt, dass es mit dem bisherigen Aufwand doch nicht reicht, die SL zu gewinnen und in die CL vorzustossen? Ich bin so was von froh, arbeitet “mein” FC Basel äusserst gesund und überlegt.

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