Nach dem chaotischen Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC, bei dem Raketen auf den Rasen flogen und Fortuna-Fans den Platz stürmten, gibt es nur Verlierer. Die Düsseldorfer, weil das Verhalten der Krawallmacher die nach 15 Jahren errungene Bundesliga-Rückkehr wieder infrage stellt. Die Berliner, weil sie sportlich untergingen. Die friedlichen Fans, weil Idioten stärker waren als sie. Die Polizei, weil sie wieder einmal den Kopf hinhalten musste. Und schliesslich der Deutsche Fussball-Bund (DFB), weil er nun ein ganz unangenehmes Urteil zu fällen hat und auch einen Grossteil der Schuld an der Eskalation trägt.
Die Relegation spült dank der Direktübertragung im Fernsehen viel Geld in die Kassen des DFB. Sie ist aber nicht nur spektakulär, sondern auch risikobehaftet. Schliesslich geht es für die beteiligten Vereine in einer von oben verordneten Finalissima-Situation ums sportliche Überleben, was bei den Anhängern erfahrungsgemäss die Sicherungen durchbrennen lässt. Dass es schon am Montag nach der Zweitliga-Relegation zwischen dem Karlsruher SC und Jahn Regensburg zu wüsten Randalen mit 75 Verletzten, unter ihnen 18 Polizisten, kam, ist beileibe kein Zufall.
«So darf man nicht aufsteigen», schreibt die «Welt» heute mit Blick auf die Szenen in Düsseldorf und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Die Fortuna war als Gastgeber der brisanten Partie ganz offensichtlich nicht in der Lage, die Sicherheit im Stadion zu gewährleisten. Dem Geschick von Schiedsrichter Wolfgang Stark und dem Zufall ist es zu verdanken, dass die Situation nicht völlig ausser Kontrolle geriet. Was wäre passiert, wenn Stark das Spiel abgebrochen und damit eine Neuansetzung notwendig gemacht hätte? Wie hätte der Mob reagiert, wäre der Hertha in der Nachspielzeit noch das rettende dritte Tor gelungen? Fragen, die man lieber gar nicht erörtern will. «Wir haben nur weitergespielt, um ein Blutbad zu verhindern», sagte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt zu «Bild». Die Berliner Spieler hätten unter Todesangst gelitten. Das mag etwas überspitzt formuliert sein, liegt aber doch nicht allzu weit weg von der Wahrheit.
Wie muss der DFB nun also reagieren? Auf jeden Fall mit grosser Härte. Erstens muss die Schandnacht von Düsseldorf Konsequenzen haben, welche die fehlbare Fortuna auch tatsächlich schmerzen. Zweitens haben die Verbandsoberen die Latte mit dem erstinstanzlichen Pokalausschluss gegen ihren Lieblingssündenbock Dynamo Dresden in dieser Saison sehr hoch gelegt. Zur Erinnerung: Dynamo wurde dafür bestraft, dass Hooligans im fast 500 Kilometer entfernten Dortmund randalierten. Aufs Feld lief damals keiner, einen fast halbstündigen Unterbruch wie gestern in Düsseldorf gab es nicht.
Hätten sich nicht auch die Berliner Anhänger in Düsseldorf daneben benommen und Leuchtraketen in Richtung Rasen geschossen, wäre moralisch noch nicht einmal ein Wiederholungsspiel gerechtfertigt. Dann gäbe es nur eine vertretbare Konsequenz aus den Geschehnissen: nämlich eine Forfait-Niederlage der Fortuna. Erst recht, weil deren Captain Andreas Lambertz nach dem Schlusspfiff noch die Dreistigkeit besass, den Aufstieg mit verbotenem Feuerwerk in der Hand mit den Platzstürmern zu zelebrieren.
Die von besonders strengen Moralwächtern geforderte Rückstufung beider Clubs in die 2. Bundesliga ist keine ernsthafte Option. Soll die oberste Spielklasse 2012/13 etwa nur aus 17 Teams bestehen? Oder will man die sportlich abgestiegenen Kölner begnadigen, deren Fans am letzten Spieltag bekanntlich auch auf die Barrikaden gingen? Nein, das Urteil muss abschreckend sein, aber auch nachvollziehbar und im Dienste des Fussballs. So wäre ein Wiederholungsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit – garniert mit einer saftigen Geldstrafe im siebenstelligen Bereich und einem Punktabzug für die kommende Saison – durchaus vertretbar. Bleibt es bei einer Geldstrafe und dem einen oder anderen Geisterspiel, macht sich die deutsche Fussball-Justiz lächerlich und letztlich gar zur Komplizin der Randalierer.






Mämä Sykora (36) ist Chefredaktor beim Fussballmagazin
Alexander Kühn (33) ist Sportredaktor bei Newsnet und leidgeprüfter Fan des deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden. Mangels fussballerischen Talents beschränkt er sich auf kritische Einwürfe von Tribüne und Schreibtisch aus.









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