Die Götterblase

Ich mühe mich im Park mit Seifenblasen ab. Ab und zu bildet sich eine schöne, regenbogenfarbene Kugel. Meistens aber spritzt das Seifenwasser wie Spucke auf den Boden. Da holt der Mann neben mir eine batteriebetriebene Plastikpistole hervor und schiesst einen Strahl aus perfekt gebildeten Seifenblasen in die Luft.

Das Hippiemädchen und der Tank-Proll, voll das Genderklischee. Dreimal können Sie raten, was bei den herumspringenden Hunden besser ankommt. Sie himmeln den Mann an wie einen Seifengott, aber ich weiss: Sein Ruhm ist nur von kurzer Dauer, denn auch seine Kugeln fristen ein flüchtiges Dasein und zerplatzen bald an den Grashalmen. Kein Wunder, dass Seifenblasen in der Kunstgeschichte seit je als Symbol der Vergänglichkeit dienen.

Von Göttern und Vergänglichkeit handelt auch die im April gestartete US-Serie «American Gods» (Sender: Starz). Angebetete der alten Ordnung kämpfen gegen moderne Himmelsherrscher. Rituelles Opfern, explodierende Körper, ausgestochene Augen: Die Serie führt vor Augen, wie gewalttätig Religionen zuweilen sind – und wie es aussieht, wenn Männer Serien für Männer machen. Von sieben Hauptfiguren sind zwei Frauen: eine untote Ehebrecherin und eine Liebesgöttin mit solch freizügigen Liebesszenen, dass ich mich sogar vor den Hauskatzen geniere, die Serie zu schauen. Da schalte ich lieber den TV aus und spucke ihnen etwas Seifenwasser aufs Fell.

Apropos:

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