Netflix Cannes alles

Das Streamingportal mischt die Serien- und Kinowelt auf.

«Ich sehe den Vorteil des Internets nicht.» Ha! Das schrieb nicht ein 70-jähriger Alpöhi, sondern ich, in einem Gymeraufsatz, im zarten Alter von 17 Jahren. Heute, da viele Schüler eine Abhandlung zum Thema Internet wohl eher mit dem Satz «Ich sehe den Vorteil der Realität nicht» beginnen würden, mutet mein Einstieg an wie eine prähistorische Felswandinschrift.

Auch Geister, die sich selbst als offen bezeichnen, können mal mit einer Einschätzung danebenliegen. Zum Beispiel all jene, die heute Sturm laufen, wenn die im Hause Netflix gezimmerten Filme in Cannes gezeigt werden. Als müsse ein festivaltauglicher Film zwangsläufig für die grosse Leinwand konzipiert worden sein – mit der Idee, die altehrwürdige Kinoproduktionskette zu sichern.

Die Digitalisierung ist kein vorübergehender Zustand – mein 17-jähriges Ich kann ein Lied davon singen. Mit ihr verändert sich die Filmindustrie ebenso wie die Serienlandschaft. Gerade der viel genannte US-Streamingdienst Netflix, der weltweit agiert, beliefert den Markt mit hochstehenden Filmen und Serien, die den herkömmlich produzierten schwer zusetzen. Quantitativ sowieso. Liefen 2013 mit «House of Cards» 13 Episoden auf Netflix, veröffentlicht der Streamingdienst allein dieses Jahr über 1000 Stunden eigenproduzierte Formate.

Man kann das gut finden oder nicht. Doch wer Streamingdienste ausschliessen will oder gar als vorübergehenden Trend abtut, macht nichts anderes als eine weitere Felswandinschrift meisseln. Gleich neben «Fernsehen macht viereckige Augen» oder «Handys werden immer kleiner».

 

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