Bewertungswahnsinn

Lacies (Bryce Dallas Howard) Leben in der Serie «Black Mirror» wird dominiert von Social Media.

Unter Alkoholeinfluss SMS verschicken? Been there. Das Handy vor Müdigkeit fallen lassen – aufs eigene Gesicht? Done that. Ins Smartphone starren und dabei einen Laternenmast touchieren? Nie geschehen. Bis letzte Woche. Es war ein Weckruf: Ich hänge viel zu oft am iPhone! Das muss sich ändern, schliesslich will  ich nicht plötzlich aufwachen  in einer pastellfarbenen Puderquastenwelt wie jener von Lacie.

Lacie Pound, gespielt von Bryce Dallas Howard («The Help», «Jurassic World»), ist Protagonistin von «Nosedive», einer Folge der UK-Episodenserie «Black Mirror» (2011-heute, auf Netflix). Ihr Leben wird dominiert von einem Social-Media-Programm. Jede und jeder wird auf dem durchdesignten Smartphone ständig von seinen Mitmenschen bewertet. Es gibt Punkte für Nettigkeiten, Essen-Fotos oder Komplimente. Im Ranking zurückgestuft wird man hingegen für ruppiges Verhalten, Onlineabstinenz oder Lästereien. So sind denn alle Menschen total charmant, adrett – und künstlich. Auch Lacie, die unbedingt ein schickes Appartement beziehen will. Um den Zuschlag zu erhalten, muss sie in der Bewertung allerdings ein paar Punkte hochrutschen. Ab diesem Moment geht selbstredend alles schief. Statt 4,8 Beliebtheitspunkte hat Lacie bald nur noch  2 vorzuweisen. Eine 2, das ist digitale Krätze.

Nicht alle machen jedoch dieses Spielchen mit. Es gibt Einser, die auf die Meinung ihrer Mitmenschen pfeifen. Bald gehört auch Lacie zu ihnen, und am Ende weichen falsche Floskeln einem befreienden Fluchschwall:

Scheisseverdammtnochmal, ist das eine beklemmend-komische Episode. Ich zücke das Handy und verleihe ihr auf dem Film- und Serienportal Imdb.com fünf Sterne – im Sitzen!

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