Die Erben von «Twin Peaks»

Das Plastik aus «Twin Peaks» blieb dem Serienjunkie besonders in Erinnerung.

Bis heute erinnert mich alles, was in Plastik eingepackt ist, an Laura Palmer. So wird vor meinem inneren Auge jedes Käsesandwich zur ermordeten Serienfigur aus «Twin Peaks», welche die Handlung der Kultproduktion ins Rollen bringt. Als «Twin Peaks» (1990–1991) im deutschen TV erstausgestrahlt wurde, durfte ich aus Altersgründen noch nicht mitschauen. Das hat mich selbstredend nicht daran gehindert, durch einen Türspalt auf den Fernseher zu schielen und zu beobachten, wie Sheriff Truman (Michael Ontkean) in der ersten Episode die Teenagerleiche aus einer transparenten Plane wickelt. Das war Anfang der Neunziger – und «Twin Peaks» ein waschechter Strassenfeger. Entsprechend haben sich die Serienbilder der Macher David Lynch und Mark Frost in den Köpfen der Zuschauer festgesetzt.

Wenig erstaunlich, dass die Fortsetzung, die am 21. Mai startet, heiss erwartet wird. Grund genug für mich, mir die alten Folgen jener Serie, die von vielen als Geburtsstunde des Qualitätsfernsehens betrachtet wird, noch einmal anzusehen. Heute, da wir uns eine Seriendramaturgie gewohnt sind, die von der Pilotfolge bis zum Staffelfinale durchhält, wirkt «Twin Peaks» etwas planlos. Der Mordfall Laura Palmer, über weite Strecken der rote Faden, wird irgendwann gelöst, danach dümpelt die Geschichte über ein Städtchen im Nordwesten der USA und seine verschrobenen Bewohner vor sich hin. Erst gegen Ende nimmt sie mit einem neuen Bösewicht wieder Fahrt auf.

In vielerlei Hinsicht hat «Twin Peaks» Qualitätsserien wie «The Sopranos», «The Wire» oder «Breaking Bad» den Weg geebnet. 2017 muss sich die Fortsetzung nun an ihren Erben messen. Für ein gutes Käsesandwich genügt es heute ja auch nicht mehr, etwas Greyerzer zwischen zwei Brotscheiben zu quetschen. Plastik hin oder her.

1 Kommentar zu «Die Erben von «Twin Peaks»»

  • Dale Cooper sagt:

    Nicht zu vergessen in Twin Peaks ist von mir aus gesehen der genial Soundtrack und der Fact, dass am Ende kein einziger Character ist was er / sie am Anfang zu sein schien.

    Ich hab mir die Serie 90 / 91 angeshen (teilweise mit VHS recordings von Freunden) und danach wieder in 2012. Meine erste Feststellung war: wow, das ist keine Serie fuer Teenager. War aber von der Qualitaet noch mehr besgeistert als das erste mal.

    Bin mir aber noch nicht sicher, ob ich mir die neue Serie anschauen werde, da die Erwartungen zu hoch sind und ich mir nicht vorstellen kann, dass ich nicht extrem entaeuscht sein werde.

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